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Full text of "Perversionen, Psychosen, Charakterstörungen. Psychoanalytische spezielle Neurosenlehre"

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INTERNATIONAL 

PSYCHOANALYTIC 

UNIVERSITY 

DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 




OTTO FENICHEL 

PERVERSIONEN, PSYCHOSEN, 
CHARAKTERSTÖRUNGEN 



I Fenicheif Perversionen 











Perversionen, Psychosen, 
Charakterstörungen 

Psyctoanalytisdie spezielle Neurosenlehre 

Von 

Otto Fenidiel 

Berlin 
I93I 

Internationaler Psydioanalytisdier Verlag 

Wien 











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Alle Rechte, 
insbesondere die der Übersetzung, vorbehalten. 

Copyright 1931 

by „Internationaler Psychoanalytischer Verlag, 

Ges. m. h. H., Wien, I," 



ii ( /» 



Druck der Johann N. Vernay A.-G., Wien, IX. 



Inhaltsverzeidinis 



Seite 

Vorwort , 

/. Kapitel 

Perversionen g 

//. Kapitel 

Perversionsverwandte Neurosen ... 4j 

a) Sonstige neurotische Sexualstörungen .... 45 

b) Impulshandlungen und Süchte 54 

///. Kapitel 

Die Schizophrenien 69 

IV. Kapitel 

Die manisch-depressive Gruppe ... 107 

V. Kapitel 

Charakterstörungen i3j 



Literatur verzeidinis 197 



Register 



212 



Vorwort 

Im Folgenden sollen die unbewußten Inhalte und Mechanismen von Perver- 
sionen, Psychosen, Charakterstörungen und verwandten Erscheinungen nach 
den gleichen Grundsätzen und mit denselben Absichten dargestellt werden wie 
Inhalte und Mechanismen der Neurosen in meinem gleichzeitig erscheinenden 
Buche „Hysterien und Zwangsneurosen". Ich kann deshalb bzgl. dieser 
Grundsätze und Absichten auf die Einleitung dieses Buches verweisen. Freilich 
ist das Wissen der Psychoanalyse auf diesen Gebieten viel lückenhafter als auf 
dem der Neurosen, auch kann der psychoanalytische Gesichtspunkt allein 
niemals die Probleme der Psychiatrie und Charakterologie lösen, sondern tritt 
nur als eine neue Betrachtungsweise neben die autonomen dieser Wissenschaften. 
Wir hoffen, daß Sammlung und Ordnung des Materials, das dieser Gesichts- 
punkt bereits liefern konnte, dennoch lohnen wird. 



-•»(IJA.- -Irt'U. 



I. KAPITEL 



Perversionen 



Inhalt M t ■ ""''"r ""' ^--8— sen", in den. ich unbewußte 

sprechung die anderer verwandter Krankheitsbilder anscMießen, bei denen im 
Gegensat. zu den eigentlichen „Übertragungsneurosen" der Kontakt mit der 
Ob,ektweIt mehr oder weniger gelockert schien, und die deshalb einen Sbe- 
gang zu den narzißtischen Krankheiten" darstellten. Es wäre logisch, wenn 
wir ;etzt zur Besprechung dieser Gruppe übergingen. Aber es gibt no h eine 
merkwürdige Klasse psychogener Störungen, die in dieses Schema der Grup- 
pierung der Neurosen nach Regressionstiefe und Objektgebundenheit nicht 
ob tktT". .' Perversionen. Sie sind zweifellos zu erkennen als 

objektgebunden und prägenital, dennoch unterscheiden sie sich deutlich von 
fn ein'Td f "-g-g— osen. z. B. der Zwangsneurose, und scheinen 
Erk ank u ' ^ ""'^^^ ^'^ ''"^'^'^^'^ "''"S- psychogenen 

brauchen es wenigstens nicht zu tun. Ihre Anomalie besteht darin daß in 
Ihrem ganzen Leben die Rolle der Sexualität von anderen merk::;::.igen I 
solche direkt und bewußt erlebten Trieben eingenommen wird.- es ist dab 
relativ .relevant, ob sie die entsprechenden Triebhandlungen in de ^ Lkl kh 

ehre de Natur der neurotischen Symptome als entstellte infantile, also inhalt- 
Jch pe verse Sexualäußerungen erkannt hat, so ist das Moment, das de 
Pe^ionen von den Neurosen deskriptiv unters leicht anzugebet 

SltSl ' .-l^eint hier wegzufallen - und das Problem, wdcher 
Umstand das ermoghcht. ist das Kernproblem der Psychologie der Perver- 

Von nichtanalytischer Seite wurden die Perversionen oft der Zwangsneurose 



9 

verglichen oder ihr gar subsumiert, mit der Begründung, ein stärkeres Etwas 
„zwinge" hier wie dort den Kranken zur Ausführung seiner krankhaften 
Handlungen. Aber dem ist — wieder schon in der Beschreibung und ganz 
ohne Psychoanalyse — zu entgegnen, daß der „Zwang" in den beiden Fällen 
sehr verschieden erlebt wird. Der Zwangskranke fühlt sich nicht mehr Herr 
seines Willens. Er kann nicht die Händlungen wollen, die er möchte und die 
ihm einen Vorteil zu verschaffen scheinen, sondern muß seinen Willen in den 
Dienst seines eigenen Nachteiles stellen, obwohl er dies als sinnlos oder schäd- 
lich erkennt; erst die Psychoanalyse konnte diese scheinbare Aufhebung des 
Lustprinzips erklären. Das Ich des Perversen dagegen wird zu seinem patho- 
logischen Wollen gleichsam verführt durch die Lustprämie, die ihm bei seiner 
Realisierung winkt. Kurz ausgedrückt können wir sagen: Die perverse Hand- 
lung ist ich-gerecht, die Zwangshandlung nicht. — Dagegen ist es kein Ein- 
wand, wenn man darauf hinweisen wollte, wie viele Perverse mit ihrer Trieb- 
neigung im Kampfe Hegen und sie leidenschafthch ablehnen. Denn im Ich 
haben widersprechende Regungen nebeneinander Platz. In der Versuchungs- 
situation, im Moment der Ausführung der Triebhandlung, spürt der Perverse 
trotz aller entgegenstehefnden Tendenzen sein Triebziel doch als etwas von ihm, 
von seinem Trieb Gewolltes, wie er ja auch nach ihrer Ausführung nicht nur 
wie der Zwangsneurotiker Befreiung von einer gewissen Spannung, sondern 
positiven Genuß erlebt, mag dieser Genuß auch durch Reue beeinträchtigt sein. 
Freilich ist zuzugeben, daß dieser Unterschied zwischen Zwangsneurose und 
Perversion, der sich gewiß als theoretisch bedeutungsvoll erweisen wird, kein 
absoluter ist, sondern daß es wieder Übergangsgebilde gibt. Hierher gehört 
z. B. die große Klasse von relativ belanglosen kleineren Zwangssymptomen, 
bei denen, eben wegen dieser Belanglosigkeit, die sekundäre Sexuahsierung 
besonders gut gelungen ist, und die deshalb dem Ich durchaus positiven Lust- 
gewinn bringen. Manche Patienten bringen z. B. Stunden damit zu, mit 
erheblichem Lustgewinn im Atlas oder in Fahrplänen zu lesen, um damit 
allerhand Zwangsspiele zu verbinden. In geringerem Umfange kann jeder 
Zwangsneurotiker neben seinen schweren Symptomen eine ganze Reihe solcher 
Zwangsspiele bei sich entdecken, die ihm Vergnügen machen und die er keines- 
wegs missen mochte. Die Ähnlichkeit vieler Kinderspiele und ihrer strengen 
Gesetze mit solchen Zwangsspielen weckt den Verdacht, daß dieser sekundären 
Sexuahsierung einer ursprünglich auch der Abwehr dienenden Zwangshandlung 
in der Psychologie des Spieles eine größere Rolle zukommen dürfte.* Der 
Enthusiasmus, mit dem sich Zwangscharaktere gelegenthch unter verschieden- 
artigste Regeln und „Prinzipien" beugen, gehört gewiß hierher. Obwohl man 

i) Siehe: Pfeifer: Äußerungen infantil-erotischer Triebe im Spiele. ImagoV (19 19). 



10 



genetisch an dem Z^^angscharakter solcher Phänomene nicht ,w.,V I t 

mit der Sexualität erst von der Psychoanalyse Jl A l ^"==^'"'"^"^'='«0 

iedenfalls die „Endlust", das EinJ^lnZfor^^'':^ T '?"' ''' 

Muskeln nach bestimmten Gesetzen oder b ^T^-^'^T'' bestimmter 

mit den Fingern oder dergl. in der Reeel k ^?^°^°'^"^='-^ß^8- Knacken 
aber auch nicht ;ede eigenlh autoerot it ^7- '"""^ '"'^"""^"^ P^^^^^^ 
sehe Phantasie muß Jm O « Zf rT"' °'" ""^ ^'^'^^ ^^'^^^«- 
sexuell anerkennt. So ^ibt e, ^T' °^^ '"^'^ ^"^^'""'^ b"'^« -I» 

-ismen, die. ^hentdi: J Wmlt sfeW '"""^ ^^^^^^ "-- 
Punkt, der jeweils interessiert ... iTi , T ' ^^ ''^''^ '^'^^ Gesichts- 

Perversion bUie^ l Z' ^nt^ - ^7^ ^'^^^^^^^^ ^^^ ^^ ^^^ ^^^^- 
die Fälle von sogenanntem „impu~ wL" T^ l?^ ^^'^" "^"^° 
Brandstiften ist gewiß von echten T T ., '''^'^'" ^''=^^^° «'^^^ 

verschieden. Und doch JbT es Mens fT?^^" ""^^ ^^"^ -««- 
Handlungen .ur sex:'^.^;^^^^^^^^^^ '^"^ Ausfuhren eben dieser 

bei der Ausführung seiner Perversionen ~ '"'" "" '" ^™^^ 

unrL!s^r::rsir::r:riu^r^°^^^^ -^^ ^— ^- 

vielleicht manches forenSche GuL h^ ™^""^^^'^-' -"^ deutlicher als 
Übergangsgebiet zwischen bdden und 7"^ ''^°°°'=' ^^^^ " ^ 

wußten Inhaltes und de: M c WW T P ' '^ ^''""' '" "'^''^- 

hältnis klären können. ^''=^'"""^^" ''^'- ^^'^^^'^^^on wird uns dieses Ver- 

seh?s7ulTeluTisfha?rn'f r '^ ^ "^"^-^^^^ ^--^^^^^" ^ 
daran gezweLlt. :a; dieth^^hterrndt;^^^^^^^^ '" !' ^ ''''' 
als „sexuelle" zu bezeichnen .Jn^ n ™ . ^^^°°™'=«'= der Perversion 
sie geeignet sind, zum O Laslt ^^/f ^^-'^^-^^ "icht nur dadurch, daß 
darüber hinaus, L i^äfB^ZZ^ltTV^T "'^^ '^'"^'=^' '^' -' 

^) Si^ehe z. B. Happel: Onanieersatzbildungen. Int. Z. f. Ps.-A. IX (x,.3). "~ 



II 



weniger ausgeprägt und weniger exklusiv, auch im normalen Sexualleben, 
besonders in den Vorbereitungen des Sexualaktes, eine Rolle spielen.' 

Perverse sind nicht, wie neuerdings wieder behauptet wurde, „Kümmer- 
formen'", nichts „Untermenschliches". Die Behauptung, daß alle Perversen 
psychopathisch oder minderwertig wären, hat keine andere Berechtigung als 
etwa die analoge Behauptung von den Neurotikei-n, und scheint eher einer 
gewissen allgemeinen menschlichen Angst vor der Anerkennung der Perversion 
zu entsprechen als sachlichen Argumenten. Die Perversionen sind im Gegenteil 
gerade etwas Menschliches, und zwar Allgemeinmenschliches. Bloch 
hat zuerst nachgewiesen, daß die allgemeine Wertung ihnen Unrecht tut, 
daß sie zu allen Zeiten und bei allen Völkern geübt wurden und zu be- 
stimmten Zeiten allgemein geduldet und anerkannt waren." Freud hat das 
ergänzt: Perverse Neigungen und gelegentUohe perverse Handlungen oder 
wenigstens Phantasien kommen bei jedem Menschen vor, beim Normalen 
wie beim Neurotiker, dessen Symptome sich in der Analyse als entstellte per- 
verse Handlungen herausstellen." „Wenn es aber richtig ist", schKeßt daraus 
Freud, „daß die reale Erschwerung oder Entbehrung einer normalen Sexual- 
befriedigung bei Personen perverse Neigungen zum Vorschein bringen, die 
sonst keine solchen gezeigt hatten, so muß bei diesen Personen etwas ange- 
nommen werden, was den Perversionen entgegenkommt; oder, wenn Sie so 
wollen, sie müssen in latenter Form bei ihnen vorhanden sein."' Es ist heute 
schon allgemein bekannt, was unter diesen „latenten Perversionen", die es 
jedem ermöglichen, unter widrigen Umständen pervers zu werden, zu ver- 
stehen ist: die i n f a n t i 1 e S e X u a 1 i t ä t, die inhaltUch identisch ist mit der 
perversen. Die Tatsache, daß alle Menschen unter Umständen pervers handeln 
können, erklärt sich aus der Banalität, daß alle einmal Kinder waren. 

Die Psychoanalyse Erwachsener und die direkte Kinderbeobachtung er- 
weisen, daß Kinder sadistisch und masochistisch handeln, daß sie, wie am 
Grausamen, so auch am Schmutzigen sexuellen Genuß haben, daß sie in geni- 
taler wie in exkretorischer Hinsicht gern beschauen und beschaut werden, daß 
sie in ihrer Liebeswahl nicht auf ein Geschlecht beschränkt sind, ja daß sie 
sich wie kleine Fetischisten benehmen. Die genauere Darlegung der infantilen 
Sexualität und ihrer Entwicklung müssen wir uns auch an dieser Stelle er- 
sparen; sie muß als bekannt vorausgesetzt werden.' Aber es ist doch nahe- 

3) Siehe z.B. Bloch: Sexualleben unserer Zeit. Berlin 10. — 12. Aufl. 1919 S. 490 ff. 

4) Siehe z. B. Götz: Sexuelle Kümmerformen und ihre strafrechtliche Bewertung. 
Der sozialistische Arzt IV 1928. 

j) Bloch: Das Sexualleben unserer Zeit. Berlin 10.— 12. Auflage 1919 S. 481 ff. 

6) Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V. S. 33). 

7) Freud: Vorlesungen. (Ges. Sehr. Bd. VII. S. 321.) 

8) Siehe Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V). 



II 



feg»^ daß die Handlungen «de, Neigungen e„,ebe„e, Pe„e„er e.™ ,„ 

"gungen iJetnedigung finden können, m t entsprechen d<-n VrUU ■ 
>P»=I.en Ki.dhei«ge.hiel.e in Z.^.ha.g geb^We den S^r """ 

Die Perversen benehmen sich in sexueller r;„c- u. -i. i- , . ""°^"- 
Die Perversionen sind also E „ ;.?;"; gsoj,^^^^^^^ Zt ^f ""• 
Art? Sind die Perversen einfach in der EntwiclLnr. " \, u "'''^'" 
ihre Sexualität infantil geblieben ist und dTEt \ ' "^'"' " '^^ 

nicht mitgemacht hat? Gewiß gib s auth ttT ^' ^^ .^--'P"-- 
..sexuelle Infantilismen" nennen Wte Si ' • f . . T'"' '^^ "^" ""^ 
sie alle möglichen perversen Net u '^"^''''^ charakterisiert, daß 

(..polymorph perverHnd d^ßT'T.^'"' ?^'"""^ nebeneinander haben 
Maße auf die VorL verschob Tl ''"^ ^exualerlebens in höherem 

gung nicht schaiuntJ^^^^^^^^^ - daß s .„^lle Erregung und Befriedi- 

auf außersexuellem Gb:; it'd '^'""'' ''' ''' ™ ^^^^ 

Schau tragen. Man sieht da, r J t '''"'^"' '"^'"^'" ß^"^'^'"^" ^"^ 

u^ sar iht. t ::: £ -f X tg^ri^rt^L-r "^ "^ T 

einer bestimmten Art von «:» lu ji «^xuelle Befriedigung nur bei 

vielleicht ^rJZ^^T^^^^ Tf ^^ ^^ ^- ^S auch 

Normalen, das Endlusterlebnis 17 dr;;!:^!^^^^^^^^^^^ "!" f ''^'- 
Sexualleben solcher Perver,.n ; . I / ^'^ gegenübersteht. Das^ 

n.ch Entdeckung de, p,.ge„i.„e„ nZ S, e ^nSlXTSr """ "f 
Fn.ge »h^ ob Entwicklunphemmung oder Re™"" ™ 7 

siert, nur nicht unter dem Primat d.c r ■ 7 ^"'^^""^ ebenfalls organi- 

«immten Panialtriebes I rnts JT^^^^^^ T'"t """'^ ''"^ "'^" ''- 
macht den Eindruck al, J ?."* ^°"^" ^"«^ andern hypertrophiert ist. Es. 

einen einzigen ktlltl^^^^^^^^^^ """^ ^"^^^^^^ ^-^^^^'^^^ -^ 

-Iriag:::;j;:il:f 't ^^l^^^^'^'^-' '^^ ^--IP-at aus dem Felde 
Ad Tt ^'';'"'"'V ^> konstitutionelle Momente und .) Erleben 

nur durch d e Befrkdiet I ^^™^--' d«- Sexualbefriedigung 

Befriedigung eines bestimmten Partialtriebes möglich ist. eine 



13 



konstitutionelle Verstärkung dieses Partialtriebes, eventuell innersekretorischer 
Natur, den Ausschlag gäbe. Aber zweierlei ist dazu zu bemerken: a) Wir 
müssen uns hier auch eine konkrete Vorstellung darüber machen, was für ein 
biologisches Faktum unter einem solchen „konstitutionellen Moment" vorzu- 
stellen ist. Sicher ist es nicht so einfach, wie es manche Autoren, die mit 
neuen lateinischen Wortbildungen rasch bei der Hand sind, sich vorstellten, 
daß jedem Partiahrieb ein bestimmtes Hormon entspräche, das bei der betref- 
fenden Perversion quantitativ verstärkt wäre. Vielleicht wird gerade die 
Psychoanalyse, der immer vorgeworfen wird, daß sie das konstitutionelle 
Moment zu sehr vernachlässige, in Wahrheit auch dazu berufen sein, erst eine 
konkrete Vorstellung über dessen Natur zu ermöglichen. — b) Durch den 
Nachweis der „latenten Perversionen" wurde die Differenz zwischen Gesunden 
und Perversen verwischt und durch den weiteren Nachweis, daß Gesunde 
durch Lebensumstände pervers werden können, die Bedeutung der Konstitu- 
tion, die ja als allein ausschlaggebend gelten sollte, wenigstens für einen Teil 
der Perversen ganz erheblich eingeschränkt. 

Ad i): Bei den Neurosen hatten wir eine „Ergänzungsreihe" zwischen Kon- 
stitution und Erleben angenommen, in dem Sinne, daß konstitutionell belastete 
Menschen bei geringfügigen auslösenden Erlebnissen, aber auch konstitutionell 
Unbelastete bei sehr schwerem Erleben neurotisch erkranken können. Nicht 
anders dürfte es sich bei den Perversionen verhalten. Aber was für ein „Er- 
leben" ist dabei vorzustellen? Auch hier bieten Erfahrung und Überlegung 
zunächst Übereinstimmungen mit den Neurosen und nicht Differenzen. Es 
kommt in Betracht: 

a) fixierendes Erleben: Der Perverse hat aus seiner Kindheit eine 
Fixierung an die erogene Zone oder an den Partialtrieb, die in seiner Perver- 
sion vorherrschen, mitgebracht. Als fixierendes Erlebnis kommen wie in der 
Ätiologie der Neurosen besondere Befriedigungen und besondere Versagungen 
und Momente, welche beides auslösen, in Betracht. Hier wird diese grund- 
legende Erkenntnis sogar nicht einmal der Psychoanalyse verdankt. Schon vor 
ihr war bekannt (Bin et), daß Perversionen häufig auf bestimmte Kindheits- 
erlebnisse zurückgeführt werden können, an die die Patienten fixiert geblieben 
sind. Der Psychoanalytiker muß allerdings häufig feststellen, daß solche Kind- 
heitsszenen nicht die Ursache, sondern schon die erste Äußerung der späteren 
Perversion sind. Besonders wenn erklärt wurde, die Perversion gehe darauf zu- 
rück, daß die Sexualerregung zum ersten Mal aufgetreten sei, während „zu- 
fällig" gleichzeitig etwas geschah, woran durch diesen Zufall späterhin die 
Sexualerregung des Patienten geknüpft blieb, so werden wir darin nur ein Aus- 
weichen vor der Frage sehen, warum eben die Sexualerregung damals gerade 
bei diesem Anlaß auftrat. Solche Kindheitserlebnisse haben nicht nur einfach 



14 



„fixierenden" Charakter, indem sie geeignet sind, einen Partialtrieb besonders 
zu befriedigen und dadurch zu fixieren, sondern sie erweisen sich in der Ana- 
lyse als „Deckerinnerungen", die erst nach Aufhebung der mit ihrer Errich- 
tung verbundenen Verdrängungen ihren wahren Sinn verraten. Das ist beson- 
ders dann der Fall, wenn diese Szenen in der bewußten Erinnerung des Patien- 
ten besonders markiert sind, und er allzu deutlich die Neigung zeigt, seine 
ganze Perversion auf sie zurückzuführen.« 

b) E n 1 1 ä u s c h u n g e n, die zur Regression auf die Fixierungspunkte An- 
laß geben: Auch das scheint inhaltlich nicht anders zu sein als bei den Neu- 
rosen. Solche Enttäuschungen sind nicht immer sehr deutlich ausgesprochen, so 
daß man imstande wäre, sie ohne Analyse zu erkennen. Aber die seltenen 
Falle, in denen sie es sind, sind umso verständlicher und dürfen deshalb zum 
Verständnis der Perversion überhaupt besonders herangezogen werden. Wir 
sehen manchmal, wie eine Perversion erst nach Enttäuschungen im normalen 
Liebesleben einsetzt. So ist es für eine bestimmte Klasse von Homosexuellen 
charakteristisch, daß sie erst nach Enttäuschungen am anderen Geschlecht die 
verhängnisvolle Wendung in ihrer Objektwahl vollzogen haben." Bis jetzt 
sahen wir also keinen Unterschied in der Ätiologie von Perversionen und Neu- 
rosen. Die Formel des Rückgreifens auf Fixierungspunkte nach äußeren Ver- 
sagungen haben wir ja auch als für diese gültig erkannt. Nach diesem Rück- 
greifen spielt sich allerdings dort erst der eigentliche pathogene Faktor, die 
innere Versagung (die Verdrängung oder, richtiger, die Abwehr) ab, die den 
Sexualtrieb eben wegen ,des infantilen Charakters, den er angenommen hat, 
unterdrucken will, und gegen die oder in Verbindung mit der sich der Trieb 
aann im Symptom dennoch durchsetzt. Daher hatte die Formel Freuds einen 
Sinn, die Neurose sei das „Negativ der Perversion"," nämlich eine entstellte 
Perversion, die, durch die Abwehr beeinträchtigt, sich unkenntlich machen 
mußte. Es ist naheliegend, die Hypothese aufzustellen, die Freud auch früher 
vertreten hat: Die Entscheidung, ob eine Neurose oder eine Perversion sich ent- 
wickle, fällt nach der verhängnisvollen Regression zu den Fixierungspunkten 
Durch sie mmmt die Sexualität perverse (infantile) Formen an. Das Weitere 
hangt davon ab, wie das Ich sich nun verhält. Billigt es diese entstellte Sexuali- 
tät, so tritt sie eben auch in Erscheinung und es entsteht eine Perversion; wehrt 
es sie ab, so bildet sich eine Neurose." 

Aber leider ist es nicht immer so einfach, wie man gern m öchte. Der Sach- 
Fußno^tef* Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V. S. 28, 

10) Siehe Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V S ro) 
II Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V. s' ,9) 
12; 1-reud: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (Ges. Sehr. Bd VII 
^' 373> 



verhalt ist komplizierter, und diese einfache Hypothese muß erst ausgiebig 
kommentiert werden, soll sie ihm genügend gerecht werden. Der Perverse hat, 
wie seine Analyse nachweist, nicht nur wie jeder Mensch seine Verdrängungen, 
sondern auch ätiologisch ausschlaggebende spezifische 
Verdrängungen. Es kann gar keine Rede davon sein, daß er die g a n z e 
infantile SexuaUtät, die durch die Regression aufgefrischt wurde oder an die er 
fixiert blieb, „bejahte" oder bewußt hätte. Trotz der manifesten Differenzen 
zwischen Neurose und Perversion scheint ihr innerer Bau ähnlicher, als dem 
Forscher, der die Differenzen recht einfach erklären möchte, lieb ist." 

Die Bejahung durch das Ich, die „Nicht-Abwehr" betrifft nicht die wieder- 
aufgefrischte oder erhalten gebliebene infantile Sexualität, sondern nur einen 
ganz bestimmten Teil von ihr, den perversen Partialtrieb, der als Überrest 
einer untergegangenen Welt übrig gebUeben scheint. Freud hat deshalb 
seinerzeit mit Recht von einer „Partialverdrängung" gesprochen, die den Per- 
versen kennzeichnet." Vielleicht können wir dieses seltsame Phänomen eher 
verstehen, wenn wir zum Vergleich ein anderes Gebiet heranziehen, wo eben- 
falls einzelne Inseln als Überreste eines großen versunkenen Kontinents er- 
halten blieben: die Deckerinnerungen." 

Wenn ein Mensch von seiner Kindheit nichts mehr weiß, so glauben wir, 
daß er sie verdrängt hat. Wenn er einzelne banale Bilder erinnert, so imponiert 
das zunächst als eine positive Gedächtnisleistung, als eine merkwürdige Nicht- 
Abwehr einzelner Kindheitserlebnisse. Es stellt sich aber heraus, daß auch 
solche positive Erinnerungen Anzeichen und Äquivalente vorgenommener 
Verdrängungen sind. Andere und bedeutendere Erlebnisse konnten vergessen 
werden, weil diese gemerkt wurden. Ganz ähnlich hier: Wenn an Stelle der 
mfantilen Sexualität nur mehr Symptome auftreten, so glauben wir, daß jene 
verdrängt worden ist. Wenn aber einzelne Äußerungen der infantilen Sexualität 
festgehalten werden, was zunächst wieder als Unterbleiben von Verdrängungen 
imponiert, so könnte es sich auch hier verhalten wie bei den Deckerinnerungen, 
daß gerade durch das Bewußtwerden einzelner Teile andere Teile in der Ver- 
drängung gehahen werden. Diese Theorie der Perversionen, die von Sachs 
stammt", ist nun, bevor wir sie weiter kommentieren, mit analytischem 
Material zu erhärten. Dazu müssen wir allerdings ins Spezielle übergehen. 

Wir wählen dazu die Homosexualität, obwohl gerade sie nicht einfach als 

13) Dies ist zum ersten Male sehr klar von Freud herausgearbeitet worden in 
der Arbeit: „Ein Kind wird geschlagen" (Ges. Sehr. Bd. V). 

14) Siehe Abraham: Bemerkungen zur Psychoanalyse eines Falles von Fuß- und 
Korsettfetischismus (Klinische Beiträge zur Psychoanalyse, Wien 1921, S. 84 ff). 

15) Freud: Über Deckerinnerungen. Ges. Sehr. Bd. I und Über Kindheits- und 
Deckerinnerungen in: Zur Psychopathologie des Alltagslebens (Ges. Sehr. Bd. IV). 

16) Sachs: Zur Genese der Perversionen. Int. Z. f. Ps.-A. IX (1923). 



i6 



Partialtrieb der menschlichen Sexualität bezeichnet werden kann. Dennoch 
steht auch sie insofern der infantilen Sexualität nahe, als bei Kindern im allge- 
memen die Geschlechtszugehörigkeit des Objektes weniger bedeutungsvoll ist 
als bei Erwachsenen; gewisse zielgehemmte homosexuelle Neigungen Über- 
wiegen bekanntlich normaliter in einem bestimmten Alter über heterosexuelle 
Objektwahlen. 

Die Homosexualität wird eingehender als andere Perversionen untersucht in 
der ersten der „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie" von F r e u d." In dieser 
Arbeit wird nicht nur die ganze Problemstellung der voranalytischen Sexuolo- 
gie als unbrauchbar nachgewiesen, sondern es werden auch die Beiträge, die die 
Psychoanalyse zum Verständnis der Homosexualität hefern konnte, so prägnant 
dargestellt, daß wir im Folgenden nur ihre Wiederholung und Kommentierung 
bnngen können. 

Wir miissen dabei von dem Tatbestand ausgehen, den man die 
Bisexuahtät nennt. Darunter versteht man i) einen biologischen Sach- 
verhalt, der. sehr wichtig für Grenzgebiete zwischen Psychoanalyse und Biolo- 
gie, uns k^^nisch hier wenig interessiert. Ich erinnere etwa an den Umstand, daß 
Ductus Wolffi und Ductus Müllen in jeder Keimanlage vorhanden sind und 
Reste des gegengeschlechtlichen Ganges sich in der Normalanatomie beider 
Geschlechter nachweisen lassen." Oder - p„„zipiell bedeutsamer - an die im 
Anschluß an Schaudinn» vorgenommenen Untersuchungen von Hart- 
mann.- derzufolge jede einzelne lebende Zelle die materiale (weibliche) und 
lokomotonsche (männliche) Komponente nebeneinander enthält und „Sexuali- 
tät eme „relative" Eigenschaft ist, so daß ein- und dieselbe Zelle einer weib- 
hcheren gegenüber männhch, einer männhcheren gegenüber weiblich sich be- 
nehmen kann; z) einen psychologischen, der wahrscheinlich nur Aus- 
druck des biologischen ist, uns aber weit mehr angeht als dieser. Er läßt sich 
für unsere Zwecke etwa folgendermaßen formulieren: Jeder Mensch hat in 
seinem Unbewußten auch homosexuelle Regungen mit im engsten Sinne 
sexuellen Zielen; jeder Homosexuelle auch entsprechende heterosexuelle Re- 
gungen. Die Sexualtriebe sind also bei ihrer Objektsuche nicht durch das 

Is) Sieh?^' Drei Abhandluagen zur Sexualtheorie (Ges Sehr. Bd. V. S. 8-zx). 
. l u f fanger-Toldt: Lehrbuch der systematischen und tooo- 

graphischen Anatomie. Wien u. Leipzig ro. Auflage 1915. S. ^79 ^ 

1!) Max' H 7^ °'' Befruchtung der Protozoen. Verh. dtf zool. Ges. xpoj. 
BefnlK. J l^'V ,^"'°S^™'^ ''« Protisten und ihre Bedeutung für das 

Sd rSr'^r /'u^- ^- P'°""«^«kde. 1909 und Die Sexualität der Pro isten 

und Thallophyten und ihre Bedeutung für eine allgemeine Theorie der Bisexual t^t 
Z. f induktive Abstammgs.- u. Vererbgslehre J4, 1930. öisexuahtat. 

gezogen wo!d!r'v^"^?" "J- "r" ^*^^'"""S der „Inversion" wiederholt heran- 
gezogen worden. Vgl. dazu die Literaturangaben von Freud in: Drei Abhand- 
lungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V. Ss. 16/17, Fußnote). 



*7 

Geschlecht so eingeschränkt, wie man gewöhnlich annimmt. Die Verlötung von 
Trieb und Objekt ist locker, die Geschlechtszugehörigkeit des Objektes von 
vornherein nicht so wichtig. 

Es hat oft große praktisch-analytische Bedeutung, sich dieses Umstandes bewußt 
zu bleiben. Ich erinnere mich daran, welche Mühe die Analyse eines Dichtwerks 
machte, das ein Patient mit einem älteren Bruder und einer älteren Schwester als 
Kind verfaßt hatte. In demselben kamen drei Männer und drei Frauen vor. Wir 
verstanden nicht, wen diese Gestalten darstellen sollten, bis wir erfuhren, daß es 
sich um die doppelte Darstellung der drei Geschwister handelte, die, ohne jede 
Rücksicht auf ihr reales Geschlecht, einmal als Männer und einmal als Frauen dar- 
gestellt waren. — Das für die Kur so bedeutungsvolle Phänomen der „gegenge- 
schlechtlichen Übertragung", d. h. der Mutterübertragung eines Patienten auf 
seinen männlichen Analytiker, der Vaterübertragung auf den weiblichen, wird nur 
so verständlich. 

Von dieser Erkenntnis aus wird die normale Entwicklung, die ja auch dazu 
führt, daß diese ursprünglich nicht geschlechtsgebundene Objektwahl sich auf 
e i n Geschlecht, nämlich das heterosexuelle, beschränkt, ebenfalls zum Pro- 
blem. Es ist für den Mann leichter zu lösen als für die Frau, da ihm ja durch 
das Geschlecht seines ersten Liebesobjektes, der Mutter, der Weg zum weib- 
lichen Geschlecht gewiesen wird. Für das Mädchen bleibt die normale Ge- 
schlechtseinschränkung der Objektwahl, will man sich nicht einfach darauf 
zurückiziehen, sie sei „biologisches Faktum", ein ebenso ernstes Problem wie 
die entgegengesetzte Geschlechtseinschränkung beim Homosexuellen. Es ist 
auch in letzter Zeit Gegenstand vielfacher Diskussion geworden.^' — Wir 
wollen uns aber nicht von unserer Aufgabe, die homosexuelle Einschränkung 
der Objektwahl zu erklären, abführen lassen. Der Homosexuelle hat also, wie 
jeder Mensch, zunächst die Fähigkeit, beide Geschlechter zum Objekt zu 
wählen. Was schränkt die Möglichkeit in dem von uns als pathologisch gewer- 
teten Sinne ein? 

i) Biologische Momente: Wenn wir auch zu ihrer Aufklärung 
psychoanalytisch wenig beitragen können — und auch die Erörterung dieses 
Wenigen vorläufig noch aufschieben, — so unterschätzen wir sie doch keines- 
wegs. Die Annahme der biologischen Bisexualität bringt ja auch schon die 
Überzeugung mit sich, daß es einzelne männliche Individuen mit mehr 
weiblicher, einzelne weibliche mit mehr männlicher Einstellung geben 
muß. An dieses biologische Moment werden wir besonders dann denken, 

22) Siehe etwa: Freud: Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechts- 
unterschiedes (Ges. Sehr. Bd. XI), Horney: Flucht aus der Weiblichkeit. Int. Z. f. 
Ps.-A. XII (1926), Lampl-de Groot: Zur Entwicklungsgeschichte des Ödipus- 
komplexes der Frau. Int. Z. f. Ps.-A. XIII (1927), Jones: Die erste Entwicklung 
der weiblichen Sexualität. Int. Z. f. Ps.-A. XIV (1928), Fenichel: Zur prägenitalen 
Vorgeschichte des Ödipuskomplexes. Int. Z. f. Ps.-A. XVI (1930) u. a. 

2 Fenichel, Perversionen 



wenn mit der Homosexualität auch somatische Eigenschaften des anderen 
Geschlechts Hand in Hand gehen. Bekanntlich ist das keineswegs immer 
der Fall, vielleicht bei Frauen häufiger als bei Männern. Wenn auch die Hoff- 
nungen, die sich an die Meinung Steinachs von Zelldifferenzen im 
Zwischengewebe des normalen und des homosexuellen Hodens knüpften" sich 
nicht bewährt haben,» so zweifeln wir doch nicht daran, daß es zukünftiger 
biologischer Forschung gelingen wird, andere analoge Differenzen nachzu- 
weisen. 



z) Psychologische Momente: Wir werden hier am besten von der 
sogenannten „okkasionellen" Homosexualität ausgehen.- In Situationen, wo 
Frauen fehlen, auf Schiffen, in Gefängnissen etc., pflegen auch sonst durchaus 
normale Manner homosexuell zu verkehren. Das beweist zunächst die allge- 
meine Verbreitung der „latenten" Perversion, das, was wir die psychologische 
zTh^' "T"- °^V'^, -- "- -Iche vorübergehende^Hinwendung 

d Frl! f 7"^"f ^t ''^^'^'^ S^''-^ -n könnte, indem nur das Fehlen 

Gründe hät^pT-- '"'""^ """"'"'^ ''^'^^"^^ '''• ''°" -- '— 

tischen Gd 'TTr""' '^^ " '"^ '^° Homosexuellen aus problema- 
tischen Gründen einfach keine Frau mehr gibt. Dieser Gedanke wird oft durch 
zweierlei Tatbestände außerordentlich gestützt: Erstens müssen sehr vLle 
Homosexuelle bei näherer Befragung zugeben, daß sie dem weiblichen gT 
schlecht nicht, wie sie zuerst meist angeben, gleichgültig, sondern ablehnend 

ie kennt 7Tm f t""^^^" ^'"P«"'^- ^^ <i- »Unmusikalischen", 
die erkennen, daß Musik ihnen nicht gleichgültig, sondern unangenehm ist 

de"; dT ^"T" ''' f ^" '^^'^'^ '^'^'^-^' ^^^^^^-- abgehen, so - 

d ß ülenT- wtr" ': ™ ""'• " ''^^^ ""^ '^^'^^^ Homosexuelle, 
daß dmen die Wahl von Frauen zu Objekten erst durch einen inneren Grund 

unmog ich gemacht wurde _ Der zweite Umstand ist die Kenntnisnahme der 

chon erwähnten Falle, in denen die Wendung zur Homosexualität nach einer 

akuten Enttäuschung am weiblichen Geschlecht eintrat. Der Kranke sagte sich 

gleichsam: mit dem Geschlecht, mit dem man solche Erfahrungen LacLn 

kann, will ich nichts zu tun haben; für mich sind keine Frauen mehr da Es is" 

Mäel!tTf'=Eniltf :/:f?T^^^^ "''' \^''!J^--" ''" homosexuellen 

von Steinach undTrcf.; . S.<=he ^a^u auch die klinischen Mitteilungen 

H) Siehe zB Stf.v.P uf ° 'S '^"' Münchner med. Wochenschr. loxg. 

München und Wi«baL„ .o'T'JTf ^^ ""? !'='^'^T"S '" Keimdrüsenzellen 
XII (I92J). ^''''""^"' '9^' ""d Slotopolsky: Sexualchirurgie. Z. f. Sex! 

2S) Siehe Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V. S. s). 



19 



solche Enttäuschung sich nicht mit einer anderen tiefer liegenden, mit einer, 
die in der Kindheit gemacht und verdrängt würde, verbinden könnte. 

So können wir annehmen, daß Homosexuelle Menschen sind, denen irgend 
ein Umstand, irgend eine frühe, tiefe Enttäuschung das weibliche Geschlecht 
verleidet. Die Analyse der Homosexuellen bestätigt eine Regel, die man schon 
bei der Analyse der Neurotiker aufstellen kann: Wo der Geschlechtsunter- 
schied im Gegensatz zu seiner genuinen relativen Belanglosigkeit im Unbewußten 
von ausschlaggebender Bedeutung ist, wo die Erfahrungen, die mit einem Men- 
schen gemacht werden, unbewußt gerade auf das Geschlecht des betreffenden 
Menschen bezogen werden, handelt es sich um den Kastrationskomplex. Dazu 
stimmt der Umstand, daß die Ablehnung der Frau durch die Homosexuellen 
eine exquisit genitale ist. Viele homosexuelle Männer sind mit Frauen sehr be- 
freundet und anerkennen sie durchaus, nur in genitaler Beziehung schrecken 
sie vor ihnen zurück. Bisher hat die Analyse von Homosexuellen immer ge- 
zeigt: sie leiden an den Folgen verdrängter Erinnerungen, an vom weiblichen 
Genitale ausgehenden Kastrationsängsten.'» F r e u d hat es einmal so formuliert, 
daß er sagte, die Homosexuellen hingen so sehr an der Vorstellung des Penis, 
daß sie ihn bei ihrem Partner nicht missen wollen." Vielleicht läßt sich das 
auch negativ formulieren: Sie schrecken so sehr vor dem penislosen Genitale 
zurück, daß sie einen solchen Partner ablehnen müssen. 

Enttäuschende oder angsterregende Wirkungen im Sinne des Kastrations- 
komplexes können vom Anblick des weiblichen Genitales für das männliche 
Kind in zweierlei Weise ausgehen. Einmal erinnert, wie Freud gezeigt hat, 
die reale Penislosigkeit der Frau, also die Kenntnisnahme des Umstandes, daß 
es tatsächlich penislose Wesen gibt, an die Möglichkeit, man könne auch den 
eigenen Penis verlieren; alte Kastrationsdrohungen können dadurch erst nach- 
träglich zur Wirkung gelangen.'» Zweitens wird das weibliche Genitale — in 
Verbindung der Kastrationsangst mit alten oralen Ängsten — selbst als kastra- 
tionsgefährhche Waffe perzipiert, die den Penis abbeißen oder abzwicken 
könnte. Sehr häufig sind Kombinationen beider Angstformen. 

Auf solchen Kastrationsschock durch den Anblick eines weiblichen Genitales 
gibt es nun viele Reaktionen. Er ist auch keineswegs für die Homosexuellen 
pathognomonisch, sondern ist häufig genug auch in der Analyse Hetero- 
sexueller nachweisbar. Erst die Reaktion auf diesen Schock kann das sein, was 

z6) Siehe z. B. S a d g e r: Die Lehre von den Geschlechtsverirrungen (Psychopathia 
sexuahs) auf psychoanalytischer Grundlage, und Boehm: Beiträge zur Psychologie 
der Homosexualität. Int. Z. f. Ps.-A. VI und VIII (1920 u. 1922) und Homosexualität 
und Ödipuskomplex. Int. Z. f. Ps.-A. XII (1926). 

27) Freud: Analyse der Phobie eines fünfjährigen Knaben (Ges. Sehr. Bd. VIIL 
S. 230). 

28) Freud: Der Untergang des Ödipuskomplexes (Ges. Sehr. Bd. V. S. 426}. 



20 



für die Homosexualität charakteristisch ist. Nach Objektverlust oder nach Ent- 
täuschungen an einem Objekt pflegt der Mensch ganz allgemein von der 
Ob;ekthebe auf deren Vorstufe, die Identifizierung, zu regredieren, und das 
Objekt, das er nicht mehr haben kann, selbst zu werden. Auch der homo- 
sexuelle Mann hat sich nach der Enttäuschung am weiblichen Geschlecht mit 
demselben identifiziert, aber was den Ausschlag darüber gibt, ob er homo- 
sexuell wird oder nicht, kann nur der Umstand sein, an welcher Stelle, in wel- 
cher Eigenschaft diese Identifizierung erfolgt. Sie erfolgt beim Homosexuellen 
gerade im Punkte der Objektwahl, d. h., er wird nach der Enttäuschung an der 
Mutter gerade in der einen Eigenschaft mutter-ähnlich, daß er von nun an 
gleicherweise liebt wie die Mutter, nämlich Männer. 

Wir haben hier den Ausdruck „Mutter" für den allgemeineren „Frau" ge- 
braucht. Wir dürfen das mit ruhigem Gewissen tun, denn die Analyse des 
Homosexuellen weist uns die Wirksamkeit des Ödipuskomplexes mit minde- 
stens der gleichen Stärke nach wie die des Hysterikers oder Zwangsneurotikers, 
ja, wahrscheinlich häufig mit größerer Stärke. Denn in der vergessenen Vor- 
geschichte der Homosexuellen lassen sich häufig ganz besonders intensive Ver- 
liebtheiten m die Mutter oder in Mutterersatzfiguren nachweisen. Vielleicht ist 
diese Intensität der ursprüngHchen Liebe auch neben anderen Faktoren mit 
dafür verantwortlich zu machen, daß die spätere Identifizierung gerade an der 
atelle der Objektwahl geschieht. 

„Kann ich nicht die Mutter haben (weil ich ein penisloses Wesen nicht haben 
kann), so will ich die Mutter sein", ist die Formel der männlichen Homosexuali- 
tät. Die weitere Entwicklung kann dann verschiedene Bahnen einschlagen 

a) Em Typus, dessen Narzißmus über seine Femininität überwiegt, wird vor 
allem dafür sorgen, daß die ersehnte ödipusbefriedigung ihm wenigstens jetzt 
auf narzißtischem Boden nicht entgehe. Er wird sich eben dadurch identifizie- 
ren, daß er sich nunmehr so verhält, wie er bisher gern gehabt hätte, daß die 
Mutter sich zu ihm verhalten solle. 2u diesem Zwecke wendet er sich an Ob- 
jekte, die ihm selbst möglichst ähnlich sind, also meistenteils jüngere Männer 
oder Knaben, die er als ich-ähnlich auswählt, und denen er alle die Liebe und 
Zärtlichkeit zukommen läßt, die er sich von seiner Mutter ersehnt hatte. 
Wahrend er also die Mutter agiert, bleibt er gleichzeitig gefühlsmäßig seinem 
Objekte, das er nach dem narzißtischen Typus der Objektwahl wählt, sehr 
nahe verbunden und fühlt mit ihm mit. - Natürlich kann dieses einfache 
Entwicklungsschema in der Praxis allerhand Komplikationen unterworfen sein 
Die häufigste ist wohl die, daß der Homosexuelle dieses Typs nicht die Mutter 
selbst agiert, sondern eine Ersatzperson, häufig eine Schwester, sei es, daß er 
schon frühzeitig die der Mutter geltende Liebe auf diese übertragen hatte, sei 
^s, daß diese Übertragung erst gleichzeitig mit der Rückwandlung der Liebe 



I 



21 



in eine Identifizierung vor sich ging. So entsteht der häufig äußerlich sehr 
aggressive „Subjekthomoerotiker", der sich aktiv jüngere Objekte sucht.'» Bei 
manchen Fällen dieses Typs mag es aber auch mit der manifesten Aggressivität 
nicht sehr weit her sein, oft gerade dann nicht, wenn sie in tieferer Schicht 
(im ursprünglichen Ödipuskomplex) besonders aggressiv eingestellt waren. 

Die Analyse eines Patienten mit sehr weichem, femininem, hingebungsvollem 
Charakter, dessen manifestes Sexualleben sich auf Onanie beschränkte, der aber 
zahlreiche Freunde hatte, an denen ihm viel mehr gelegen war als an Frauen, so daß 
man ihn ruhig als im Grunde homosexuell bezeichnen konnte, vollzog sich fast stets 
so, daß er psychologische Entdeckungen an seinen Freunden machte, von denen ihm 
die Analyse dann nachwies, daß sie auch für ihn selbst Gültigkeit hätten. So war 
die narzißtische Natur seiner Objektwahl sichergestellt. Derselbe Patient umgab 
seine Freunde mit einer zärdichen Fürsorge, die man nur als mütterlich bezeichnen 
konnte. Er fühlte seine passive Natur allmählich selbst als der seiner stillen Mutter 
verwandt, hing an dieser Mutter noch als Erwachsener mit einer Liebe, die keinen 
Zweifel ließ, daß an ihrer Basis eine tiefe Identifizierung stand. Er äußerte einmal: 
„Ich und die Mutter, wir müssen zusammenhalten, denn wir sind Leidensgenossen." 
Diese in einem bestimmten bewußten Zusammenhang gebrauchten Worte verrieten 
unbewußt die genitale Identifizierung mit der (kastrierten) Mutter, von der aus der 
Patient seine ich-ähnlichen Freunde wählte. — Homosexuelle von diesem Typus 
wählen besonders gern jüngere Objekte, besonders Knaben des Pubertätsalters. Das 
deutet auf eine Fixierung auf dieser Stufe. Sie sehen in ihren Objekten immer wieder 
sich selbst in dem geliebten Alter. — Bei stark femininen Männern, die sich in 
Kindheit oder Pubertät gern als Mädchen phantasiert hatten, gibt es den gleichen 
Mechanismus auch heterosexuell. Sie verlieben sich in kleine Mädchen, in denen sie 
sich selbst verkörpert sehen, und denen sie zukommen lassen, was die Mutter ihnen 
versagte. Sehr wahrscheinlich ist dieser Mechanismus gleichzeitig der ausschlaggebende 
für die P ä d o p h i 1 i e und für manche absonderliche Perversionsformen. So geriet 
ein Patient, dessen prävalente Mutteridentifizierung sich in Charakter und Neurose 
überdeutlich zeigte, in höchste sexuelle Erregung, wenn seine Geliebte in seiner 
Gegenwart urinierte und er ihr dabei freundlich zuredete. Die Analyse ergab, daß 
er seine Mutter spielte, die ihn seinerzeit auf das Töpfchen gesetzt hatte. 

b) Ein anderes Bild entwickelt sich, wenn nach erfolgter Identifizierung mit 
der Mutter eine starke anale Fixierung für die weitere Entwicklung ausschlag- 
gebend wird. Es geht dann nicht darum, die von der Mutter ersehnte Zärt- 
lichkeit einem anderen zukommen zu lassen und mit ihm mitzugenießen, son- 
dern es wird die Identifizierung mit der Mutter auf die ersehnte Befriedigung 
selbst ausgedehnt. Indem mit der Regression von der Objektliebe zur Identi- 
fizierung eine von der phallischen zur analen Erotik Hand in Hand geht, wird 
der Wunsch, sexuelle Befriedigung bei der Mutter zu genießen, in den ver- 
wandelt, sexuelle Befriedigung zu genießen wie die Mutter, und von dieser 
Einstellung aus der Vater zum Objekt genommen, dem man sich genital (anal) 

29) Ferenczi: Zur Nosologie der männlichen Homosexualität. Int. Z. f. Ps.-A. 
II (1914). (Auch in „Bausteine zur Psychoanalyse", Bd. I, S. 152 ff.) 



22 



z u£ Ti' n . " '^^ Zwangsneurose kann man sich davon über- 

soTrdrv T : ""' ""''' ''^^'■""^'^ ermöglichen, und warum eine 

überlT J ' '" "''"^"""'^ ^"'" ^"^^'^ ^^"'^^ """ß- Es ist gerade die 

übergroße Kastratxonsangst, die die Begriffe „Sexualbefriedigung" und Kastra 
W' unlösbar verlöte, so daß die Kastration selbst (als vLb^dTngf d - 
femimnen Befnedigung) Triebziel wird, obwohl eine solche Entwickle de 
:^«chze„,ge Kastrationsangst nicht ausschließt, sondern nur vem^^D 

posmv. die der Zwangsneurotiker latent und negativ hat. Auf diese Weise ent- 
tehen aggressionsgehemmte „Objekt-Homoerotiker-, die sich feminin ein- 
stellen und vom Mann genommen werden wollen (was nicht ausschließt daß 
auch sie unter Umständen in einer tieferen Schicht umso aggressiver ndi tt 
diese Femininitat typischerweise ein Ausgang aus den KonflLn des Ö^Z 
komplexes ist. so mag die besondere Passivität dieses Ausgangs häufig ditb- 
saget es t'ndT?.''^'^ ödipuseinstellung decken). Ab'geküm kfnn man 
Vemälnl f ■ "" f ""'^°' ''"'=" Ödipuskomplex in eine relative 

^^S^^Z^^'^' ^" '-' -'-^ ^-^^-^^ charakteristischen 

besseren VersSL LgrVermrde ' "T^t'^ Homosexuellen, .u. 
« in unserer Beschreibunf t'al . , "'''"''^'° Ödipuskomplex, so wie wir 

Bisexualität. d. h.aulZ"l^t"V"'' '^"^ '' ^'"^" ^' konstitutionelle 

so größer auch die WahscheSkeif^^^^^^^ '''T''' Ödipuskomplex ist. um 

evtl. schon bei seinen allerersten A^J^^^^^^^ '°' '^" '"'''^'''^ Ödipuskomplex 

selben Verhältnisse liegen vor wenn man.ich f "TT". ''"^5^^''='^^« ^'^d. Die- 

täuschenden Entdeckung der Penis osTgLTdetifiXte sTt /"' '" '"■ 
realen Umstände die Entwicklung einer ollen En, 1. k " ""' '''''" ^^ 
- ,0) c; . , ^ ^ ■ , "g "»^»^ ^"^«^faen Einstellung begünstigen, statt des 

ri'/rL^.f/l^l^.'' ^^"^ Nosologie der männlichen Homosexualität Inr 7 f d » 
3 ; ^reud. Aus der Geschichte einer infantilen Neurose. Ges. Sehr. Bd. VIII. 



23 

Wunsches vom Vater wie die Mutter behandelt zu werden, der, von der Mutter wie 
die Schwester behandelt zu werden, das Resultat der Identifizierung sein". 

Wir fassen zusammen: Der erste Typus will sein ich-ähnliches Objekt so 
lieben, wie die Mutter ihn hätte lieben sollen. Der zweite Typus will vom 
Vater so geliebt werden, wie die Mutter von ihm geliebt wird. Obwohl die 
Mechanismen dieser beiden Typen sich strikte zu widersprechen scheinen, 
finden sich, da in der menschlichen Seele Widersprüche nebeneinander Platz 
haben und narzißtische und anale Fixierungspunkte so häufig bei demselben 
Menschen vorliegen, verhältnismäßig oft Kombinationsformen der beiden 
Typen. Die Begriffe „Subjekt-Homoerotiker" und „Objekt-Homoerotiker" 
haben nur relative Gültigkeit. Viele Homosexuelle sind beides zugleich, nur die 
relative Beteiligung der beiden Mechanismen ist eine verschiedene. 

Freud hat noch einen dritten Typus der Psychogenese der Homosexualität 
beschrieben, der hauptsächlich für „milde" Formen in Betracht kommt und 
gewiß ebenfalls durch einen Ausgang des Ödipuskomplexes in Identifizierung 
mit der Mutter erleichtert wird.'* Schon beim zweiten Typus kann die Objekt- 
wahl einem (älteren) Bruder gelten, der aber dann als Ersatzperson für den 
Vater aufzufassen ist. Hier handelt es sich um einen Typus, der seine homo- 
sexuelle Objektwahl direkt am Bruder, ohne Einschaltung des Vaters, erwirbt. 
Bei sehr großer Friedfertigkeit unter gleichgeschlechtlichen Geschwistern weist 
die Analyse oft nach, daß diese zur Überkompensierung des ursprüngKch 
starken Hasses geschaffen wurde, sozusagen den Eindruck einer Umwandlung 
von Haß in Liebe macht. Man erfährt dann, daß diese friedfertig-liebevolle 
Einstellung zum Bruder erst nach einer langwährenden Haßperiode entstand, 
und daß diese Haßgrundlage der Analyse oft noch in dem einen oder anderen 
Zug der Liebe versteckt nachweisbar ist (Neid). Diese „haßüberkompensierende" 
Homlosexualität, die, wie Freud hervorhebt, einen wesentlichen Anteil an 
dem hat, was man „soziale Gefühle" nennt, hat allerdings noch w-enig den 
Charakter einer reinen Objektliebe und ist außerordentlich stark von Identi- 
fizierungszügen durchsetzt. Man sieht etwa, daß es jüngeren Brüdern gchngt, 
den Haß gegen ältere zu überwinden und sich UebevoU zu ihnen einzustellen, 
wenn sie sich so weit mit ihnen identifizieren, daß sie deren Erfolge wie eigene 
hinnehmen können. Der Bruder ist dann gleichsam ein Stück des eigenen Ichs 
geworden; wenn er Erfolg hat, so heißt es nicht mehr, „er hat den Erfolg, 
nicht ich", sondern „wir haben den Erfolg, was sind wir für hervorragende 
Brüder". 



33) Siehe z. B.: Fenichel: Zur Psychologie des Transvestitismus. Int. Z. f. Ps.-A. 
XVI (1930). 

34) Freud: Ober einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, Paranoia und 
Homosexualität (Ges. Sehr. Bd. V). 



^4 



Erschemungen, be. denen passiv-homosexuelle Strebungen mit Identifizierungen mit 

Genese s' ''" t "' ""^''^''' ""^""^"' ^''^''^'^ häufig eine solche 
Ir tul """ '"^.r ""'"" ^*" ^°" pathologischer H e 1 d e n v e r e h r u n g 
der „Held im wesentlichen als der erst leidenschaftlich gehaßte und beneidete dann 

r;dirR;rA f t" n^^^ «mder i„ den man sich so einfühT daß t 
an semem Ruhm Anteil hat. Der ursprüngliche Neid verriet sich in dem gleich- 
zeitigen Zwangsgrübeln, ob dieser oder jener Held der „größere" sei. 

Es ist klar, daß diese Art von Identifizierungsliebe zur Überkompensation 
eines Hasses sehr geeignet ist, denn der Patient braucht ja dann mit dem 
üruder nicht mehr in Konkurrenz zu treten, sondern die Brüder können sich 
sozusagen die Ixbensgebiete teilen. Auf gewissen Gebieten wird aller Ehrgeiz 
aufgehoben, da die Befriedigung am Erfolg des Bruders mitempfunden wird- 
man ist dem Bruder „ausgewichen". Nicht zuletzt ist es das sexuelk Gebiet,' 
auf dem sich dieser Mechanismus des „Ausweichens" bemerkbar macht.- Wenn 
man homosexuell wird und sich „bruderähnliche" Objekte sucht, so ist man 
der Sexualkonkurrenz mit dem Bruder ausgewichen. 

Ähnliches wie dieses „Ausweichen" kann man übrigens auch bei Homo- 
sexuellen der beiden anderen Typen nachweisen. Wie eine Identifizierung mit 
der Mutter eme gleichzeitige mit dem Bruder in anderer Schicht nicht aus- 
schließt, so auch nicht eine solche mit dem Vater in dem Sinne, daß auf die 
Liebe zur Mutter eher verzichtet werden kann, wenn man sich in den die 
Mutter hebenden Vater einfühlt, überhaupt ist der Umstand, daß in der 
homosexuelkn Liebe Identifizierungen mit dem Objekt im allgemeinen eine 
größere Rolle spielen als in der heterosexuellen Liebe, nicht auf diesen dritten 
Typus beschränkt, sondern nur bei ihm besonders ausgeprägt. Wenn man 
bedenkt, daß homosexuelle Objekte ja schon durch ihr Geschlecht dem Ich 
ahnhcher sind als heterosexuelle, wird man die enge Verbundenheit von Homo- 
sexualität und Narzißmus verstehen. Homosexuelle zeigen auch in ihren 
Objektbeziehungen die Anzeichen sehr deutlich, die ein Ineinanderspiel von 
Objektliebe und Identifizierung verraten und über die in späteren Kapiteln 
die Rede sein wird.^° 

Für alle Fälle von Homosexualität, die uns also im allgemeinen als besondere 
Endausgänge des Ödipuskomplexes erschienen, gilt, daß die ursprüngliche und 
typischerweise aus Kastrationsangst abgewehrte heterosexuelle Einstellung nach- 
weisbar bleibt; oft gerade bei den Fällen am leichtesten, die bewußt am hart- 
nackigsten leugnen, jemals etwas für das weibliche Geschlecht gefühlt zu haben 
Solche Nachweise gelingen auch im späteren Leben. Die gewählten homo- 

36) Siehe S. 116 f und 186. 



2J 

sexuellen Objekte, von denen wir sagten, daß sie Imagines des eigenen Ichs, 
des Vaters oder des Bruders repräsentieren, tragen gleichzeitig meist die Züge 
der ursprünglich geliebten heterosexuellen Objekte, der Mutter, der Schwester, 
ja noch ihrer spätesten Vertreterinnen, nämhch von Frauen an sich, von 
denen für den Homosexuellen aktuelle sexuelle Erregungen ausgingen, die 
er aber, alles Heterosexuelle abwehrend, verdrängte und auf sein homosexuelles 
Objekt transponierte.^' 

So hatte ein Freund des vorhin erwähnten Patienten, der an seinen Freunden die 
psychologischen Entdeckungen machte, größte Ähnhchkeit mit seiner Schwester und 
sogar beinahe den gleichen Namen wie diese. 

Dieser Umstand erklärt, warum homosexuelle Männer so oft Männer und 
Knaben zu Objekten wählen, die ausgesprochen feminin gestaltet oder gekleidet 
sind. Sic lieben in ihnen sozusagen Hermaphroditen, d. h. die ursprünglich 
geliebten Frauen, deren weiblicher Charakter so anstößig war, in männlicher 
Form. 

Sekundäre Gewinne kann die Homosexualität gewiß in ebenso mannigfaltiger 
Weise bieten wie jede Neurose. Der wichtigste und charakteristischste ist wohl 
der, den wir eben erwähnten, daß man im Ambivalenzkonflikt dem gleich- 
geschlechtlichen Konkurrenten ausweicht. Die Einsicht in die Mechanismen der 
Homosexualität ermögHcht auch einiges über die Umstände zu sagen, die den 
Eintritt dieser Mechanismen begünstigen. In allen Formen der Homosexualität 
spielt die Bereitschaft, Objcktwahlen durch Identifizierungen zu ersetzen, eine 
große Rolle. Diese Bereitschaft geht Hand in Hand mit einer Verstärkung 
des eigentlichen sekundären Narzißmus, der Liebe zum eigenen Ich. Die 
Wahrscheinlichkeit der Homosexualität vergrößert sich, wenn an Stelle der 
allgemeinen Identifizierungsneigung eine spezielle Neigung steht, sich gerade 
mit der Mutter zu identifizieren. Da das Kind im allgemeinen dazu neigt, 
sich mit dem Elternteil ausgiebiger zu identifizieren, von dem die größeren 
Versagungen ausgehen, wird der F r e u d sehe Fund verständlich, daß besonders 
Männer zur Homosexualität neigen, die einen „schwachen" oder gar keinen 
Vater hatten, bei denen also alle ausschlaggebenden Versagungen von der 
Mutter ausgingen.'^ Dazu kommt, besonders für den Objekttypus, die anal- 
erotische Fixierung als begünstigender Faktor, mag sie nun konstitutionell 
oder durch Erleben bedingt sein. Dazu kommt weiter, offenbar als wesent- 
licher unbewußter Inhalt, der den ganzen Prozeß einleitet, die Unfähigkeit, die 
Existenz penisloser Wesen zu ertragen, da sie zu sehr an die Kastrationsgefahr 
gemahnen. 

37) S. Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V. S. 18, 
Fußnote). 

38) Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, a. a. O. 



26 



Wir wollten über die Homosexualität sprechen und es geschah uns unver- 
sehens, daß wir ausschließlich über die besser bekannte männliche Homo- 
sexualität sprachen. Aber nach allem, was wir von der weiblichen Homo- 
sexuahtät wissen, können wir sagen, daß sie wahrscheinhch außerordentlich 
ähnhch gebaut ist. Ein von Freud puWizierter FalP» ließ als ausschlaggebendes 
Ereignis eine schwere Enttäuschung durch den Vater im Pubertätsalter er- 
kennen, die die Patientin mit einer Identifizierung mit ihm beantwortete, von 
der aus sie mutterähnliche Frauen zum Objekt wählte. Die sekundären 
Gewmne des „Ausweichens" vor der Mutter und der Rache am enttäuschenden 
Vater waren besonders deutlich. Der Fall war also ganz analog unserem männ- 
lichen Typus b) gebaut. Wir hatten dort: Enttäuschung durch die (penislose) 
Mutter - Identifizierung mit ihr - Sehnsucht, vom Vater wie die Mutter 
gehebt zu werden,- und haben hier: Enttäuschung durch den Vater - Identi- 
fizierung mit ihm - Sehnsucht, wie der Vater die Mutter zu lieben. Die aus- 
schlaggebende Enttäuschung, die ja naturgemäß bei Frauen von anderer Art 
sein muß als bei Männern, war hier die Geburt eines kleinen Geschwisterchens 
im Pubertatsalter der Patientin, also zu einer Zeit, da sich die Patientin unbe- 
wußt intensivst ein Kind vom Vater wünschte. Dem in der Diskussion vor- 
gebrachten und dann verworfenen Gedanken Freuds, daß für die Entwick- 
lung dieser Homosexualität wesentKch sein könnte, daß diese schwere Ent- 
täuschung erst in der Pubertät und nicht früher vorfiel", werden auch wir 
nicht beipflichten können. Es erscheint uns vielmehr sehr wahrscheinlich, daß 
das Pubertätserlübnls nur deshalb so starke Wirkung entfalten konnte, weil 
es die Wiederholung eines irgendwie analogen infantilen Erlebnisses war. 
Allerdings kann die unvollständige Analyse dieses Falles darüber nichts sagen- 
unmerhm gab es außer dem spätgeborenen auch ein um drei Jahre jüngeres 
Geschwisterchen. - Es muß natürlich auch betont werden, daß genau so, wie 
das Erlebnis des Kastrationsschocks für die männliche Homosexualität nicht 
spezifisch ist. sondern erst die besondere Reaktion darauf, so auch eine solche 
Enttäuschung durch den Vater für die Tochter keineswegs zur Homosexualität 
rühren muß. 



So hatte ich Gelegenheit, einen Fall zu analysieren, der genau die gleiche Vor- 
geschichte aufwies wie Freuds Fall. Ein Mädchen, das die im Alter von drei 
Jahren erfogte Geburt eines jüngeren Geschwisterchens als schwere Enttäuschung 
durch den Vater erlebt hatte, bekam im Alter von ^^ Jahren ein weitere, Ge 
schwisterchen. Dieses Erlebnis brach die Entwicklung des außerordentlich starken 



(gSs^cL! Bd! V)" '''' P'J^'^hogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität 
(Gts°.^£hr!"Bd; vl'iS'''"'"" """ "'"" "" """"'" Homosexualität 



Ödipuskomplexes abrupt ab und ersetzte ihn ebenfalls durch den intensivsten 
Wunsch nach Rache am Vater. Aber die Patientin wurde nicht homosexuell, sondern 
ersetzte den Vater durch eine heterosexuelle Ersatzperson, einen Vetter, mit dem sie 
eine Wiederholung all der Ereignisse zu produzieren wußte, die sie aus der Ver- 
lobungszeit der Eltern hatte erzählen hören. 

Was zu einer solchen Enttäuschung hinzukommen muß, damit die Wen- 
dung zur Homosexualität erfolgt, ist die Fehlidentifizierung, und zwar die 
Fehlidentifizierung gerade an der Stelle der Objektwahl. 

In zwei Fällen konnte ich mit geringen Modifikationen den gleichen Mechanismus 
wie in Freuds Fall, also den, der dem Typus b) der männlichen Homosexualität 
entspricht, nachweisen: Beantwortung der ödipusenttauschung durch Identifizierung 
mit dem Vater, die zu aktiv männlicher Haltung Mutterfiguren gegenüber führt: 
Bei einer bisexuellen Patientin ließ sich nachweisen, daß ihre homosexuellen Erleb- 
nisse jeweils die Antwort auf einzelne heterosexuelle Enttäuschungen waren. Diese 
Erlebnisse schienen nicht sehr tief zu gehen und trugen hauptsächKch den trotzigen, 
gegen das heterosexuelle Objekt, den Vater, gerichteten Anstrich: „Ich brauche euch 
Männer nicht, ich kann selber Mann sein." Die Form des Trotzes war dadurch er- 
möglicht, daß die Patientin in ihrer Kindheit verschiedene kleine homosexuelle Er- 
lebnisse gehabt hatte, während ihre heterosexuellen ödipusphantasien rein phan- 
tastisch geblieben waren. So wählte sie im homosexuellen Objekt gleichsam den 
Sperling in der Hand. — Eine andere Frau mit stark homosexuellen Einschlägen er- 
innerte, als Kind mit der Mutter in einem Bett geschlafen und dabei mit Wollust 
ihren Oberschenkel zwischen die Beine der Mutter gesteckt zu haben. Sie hatte also 
in allerdeutlichster Weise in Identifizierung mit dem Vater die Mutter zum Objekt 
genommen. Die Enttäuschung, die in diesem Falle der Vater der Patientin bereitet ' 
hatte, war allerdings eine enorme: Er war nämlich in ihrer allerersten Lebenszeit 
gestorben, so daß die Patientin ihn nie gekannt hatte und sich deswegen gegen alle 
anderen Menschen benachteiligt fühlte. Dieses Gefühl überkompensierte sie nicht nur 
durch die phantastische Erhöhung des Vaters, der für sie durch den Tod gottgleich 
geworden war, sondern auch durch eine ausgiebige Identifizierung mit diesem Gott- 
Vater, dessen Seele (Penis) ihrer Phantasie nach in sie übergegangen war. — In 
beiden Fällen spielte außerdem der weibliche Kastrationskomplex eine führende Rolle. 
Die Enttäuschung der eigenen Penislosigkeit, für die allerdings nicht der Vater, 
sondern die Mutter verantwortlich gemacht wurde, hatte zu einer verstärkten Sehn- 
sucht nach Penisbesitz Anlaß gegeben, und die Identifizierung mit dem Vater diente 
auch der Absicht, die unliebsame Realität in diesem Punkte zu korrigieren. 

Es muß betont werden, daß dies nicht der einzige Typus weiblicher Homo- 
sexualität ist. Auch der Typus a) hat, worauf in der Literatur noch nicht hin- 
gewiesen wurde, sehr deutliche weibliche Analoga. D. h. es gibt aktiv-homo- 
sexuelle Frauen, die, nach der ausschlaggebenden Identifizierung mit dem 
Vater, sich junge Mädchen zum Objekt wählen, die der idealen Gestalt des 
eigenen Ichs entsprechen, und denen gegenüber sie sich so benehmen, wie sie 
es sich seinerzeit vom Vater ersehnt hatten. 

Den eklatantesten Fall dieser Art konnte ich einmal publizieren:" Es handelte sich 



28 



um em junges Mädchen, das als Kind realen inzestuösen Handlungen des Vaters 
ausgesetzt gewesen war; der Vater pflegte ihre Hand an seinen Penis zu führen und 
damit zu onanieren Die spätere Homosexualität der Patientin begann damit, daß sie 
emes Tages ™ Pubertätsalter, als der Vater nicht zu Hause war. zur jüngeren 
Schwester ms Bett kroch, ihre Hand ergriff und an die eigene Klitoris führte Sie 
machte also mit der kleineren Schwester genau das, was der Vater mit ihr gemacht 
hatte. _ Die realen Inzesterfahrungen hatten eine ungeheure genitale Beschädisunes- 
angst gesetzt: der übergroße Penis des Vaters würde, wenn er in ihren kleinen 
Korper emdnngen wollte, sie zerspalten und zerreißen. Aus dieser Angst heraus 
lehnte sie jeden Pems ab und konnte nur unter Ausschaltung des Penis lieben Sie 
hatte eine Vorliebe für impotente Männer, zog aber Frauen Männern vor. bei denen 
sie dann wiederholte, was sie seinerzeit an der Schwester getan hatte: sie spielte den 
Vater und versuchte den Frauen das zu tun, was sie vom Vater fürchtete und un- 
bewußt ersehnte. 

Auch der merkwürdige Umstand, daß bei Menschen, die sich in der Kindheit als 
dem anderen Geschlecht angehörig phantasiert haben, derselbe Mechanismus auch 

bestätigen. Die maskulme Haltung einer Patientin zeigte sich schon darin daß sie 

z :;-'r^nr °^'r^ '°"r ^r^- ^--^^^'^-^ ^üge heßrirktne: 

männ^che N«ur d~, 'p" "^ '"^^'l "'''"• ''' ''"""'^ '^" besonders dij 

männliche Natur des Partners, reagierte sehr stark auf dessen Penis und auf den 

G danken an männliche Homosexualität. Ihre Leitphantasie war: Der Vatef liebt 
ra,rKnrbenlr.'^'= '^ '-'■ ^^^^^ ^^^^'^^ ^'^ '^ ^ater. der Partner st^S: 
Endlich kann auch ein Haß zwischen Schwestern genau so durch über- 
kcnnpensierung zu einer Art homosexueller IdentlfizierungsHebe milder Art 
rühren wie zwischen Brüdern. 

vief pLu'lntl^d^ctV".' "'"^"' ""'^^ homosexuell war. aber doch auffallend 
vie l-rauenfreundschaften hatte, war von zärtlicher Fürsorge für ihre ältere Schwester 

S 'urd'drt st -'^^ ! J^^"— «'fe für jedl kleinen tZt^^'Z 
natte und den die Schwester entbehren mußte. Es war nicht schwer h.Vr a;. . 
gründe liegende ursprüngliche Haßeinstellung nachzuwiisen ' '" '"' 

So sehen wir bestätigt daß im allgemeinen bei der weniger studierten weib- 

dermännrrTn''^ f''" Mechanismen in Betracht kommen wie bei 
d männlichen Allerdmgs kommt bei der weiblichen Form eine Komplikation 
dazu die wir bisher noch nicht erwähnt haben: Die erste Liebe jedes Mäd- 

^n LTm' V ^"T'''"'''' ^'""^"' '^"^^ ^'^ ^"^^ ^'^•'^ i^'l« Menschen 
e n^T ? f" "°^"^^^" Entwicklung des kleinen Mädchens muß 

erst ein Objektwechsel vom homo- zum heterosexuellen Objekt vorgenommen 
werden, dessen Natur noch recht problematisch ist. Wenn nun eine^FraTau" 
der normalen Lime m die homosexuelle ausbiegt, so trägt das bei ihr in einem 
anderen Sinn als beim Manne regressiven Charakter. Es belebt gewiß die Er- 

Chl^urTA- '''.'^''T' Mutterbindung und trägt deshalb archaischeren 
Charakter als die mannhche Homosexualität. 



*J /M<uu. . X'r/t <!vrt-^ /,■. 



29 

Gewiß hängt die weibliche Homosexualität auch eng mit dem Problem der 
Penislosigkeit zusammen. Sehr oft zeigt eine homosexuelle Einstellung bei der 
Frau überhaupt nur geringen objektbezüglichen Charakter und scheint eher 
nur Folge des überstarken "Wunsches nach Besitz eines Penis. Freilich darf 
man sich diese Beziehung auch nicht zu eng vorstellen. Es gibt genug Äußerun- 
gen starken Penisneides bei heterosexueller Einstellung, Phantasien, einen Penis 
auch im Verkehr mit Männern zu gebrauchen.*^ Ätiologisch scheint allerdings 
das Problem vom anatomischen Geschlechtsunterschied in der Geschichte der 
weiblichen Homosexualität eine große Rolle zu spielen. Dem Gedanken des 
männhchen Homosexuellen: ich will nichts mit penislosen "Wesen zu tun 
haben, um nicht an die Kastration erinnert zu werden, entspricht etwa ein 
Gedanke der weiblichen: ich will nichts mit penistragenden "Wesen zu tun 
haben, um nicht an mein beschämendes Kastriertsein erinnert zu werden. 
Auch im Unbewußten der weiblichen Homosexuellen bewahrheitet sich so 
der Satz: "Wo im Unbewußten der Geschlechtsunterschied eine ganz besonders 
betonte Rolle spielt, handelt es sich um Erscheinungen des Kastrations- 
kpmplexes. -»-f« 



Sehen wir nun, was wir aus der Analyse der Homosexualität für das "Ver- 
ständnis der Perversionen überhaupt gewinnen können. Das manifeste Bild ist 
ledighch durch die Geschlechtszugehörigkeit des Liebesobjektes bestimmt, von 
ödipus- und Kastrationskomplex ist in ihm nichts zu entdecken. Und doch 
erwies die Analyse, daß ödipus- und Kastrationskomplex die ausschlaggebenden 
Faktoren in der Psychogenese der Homosexuahtät sind, ödipus- und Kastra- 
tionskomplex sind verdrängt worden. "Wie verhält sich die manifeste Homo- 
sexualität zu diesen verdrängten Inhalten? Sie erweist sich als das Produkt 
der spezifischen Art dieser "Verdrängung, dessen Existenz das Fortbestehen der 
Verdrängung garantiert. "Wir dürfen also mit Recht sagen, daß hier das Be- 
wußtwerden sonst unbewußter Regungen (nämlich der homosexuellen) gerade 
dazu dient, andere anstößigere Inhalte, nämlich den ödipus- und Kastrations- 
komplex, in der Verdrängung zu halten. Die erwähnte Analogie zu den Deck- 
erinnerungen besteht also vollauf zu Recht: "Während sonst alles, was mit 
Verdrängtem verbunden ist, selbst Gegenstand der Verdrängung wird, scheint 
es bei den Perversionen wie bei den Deckerinnerungen dem Ich eine Erleich- 
terung seiner Verdrängungsarbeit zu bedeuten, wenn ein dem Verdrängten 
assoziativ verbundener Inhalt vor dem Vergessen bewahrt wird. Das Bewußt- 

42) Siehe dazu vor allem: Abraham: Äußerungsformen des weiblichen Kastra- 
tionskomplexes. Int. Z. f. Ps.-A. VII (1921). 



30 



bieben sonst verpönter Regungen scheint die Verdrängung von ödipus- und 

genriTtTr ^ü,^^7^^^--- ^-^^ -- -ch, daß hier das verdrän- 
gende I.h durch Gewahrenlassen eines relativ harmlosen Anteils des anstößigen 

auflr Z^'' 'V: '"'''71'' '-' '^'^'° '- C.esan.tWplexes Ih 
auf diesen Anteil verschiebt und damit zum Bundesgenossen des Ichs wird 
und hilft, den restlichen Inhalt des Komplexes in der Verdrängung tu r- 
halten - Ich habe an anderer Stelle auseinandergesetzt, wie die Möglichkei 
.m Kan^pfe zwischen Wahrnehmung und verdrängendem Ich der Wahr 
nehmung sozusagen ein Ersatzobjekt in Form einer Deckerinnerung Itu- 
bieten, eme ökonomische Erleichterung bedeutet, so daß das Ich in so eher 
Situation geradezu einen „Deckerlebnishunger" entwickelt, der sich kWh 
nachweisen laßt/« Eine analoge libidoökonomische Erldchterun muß dt 
Errichtung der Perversion dem im Kampfe mit ödipus- und Kastration 
komplex befindlichen Ich bedeuten. Wir können vorläufig formuheren D L 
normde Sexualität bedeutet für den Kranken unbewußt L Inzest und wkd 
deshalb als kastrationsgefährlich aufgefaßt. In der Perversion "t skdu^ch 
einen anderen Akt ersetzt, der seine Form der infantilen ZaI t ntfelt 
und dessen Funktion offenbar darin besteht, die Gefahr auszuscSten und d^ 

S^:f ;::lir '^ """^^^^ - '- ^-^— - -^^^^ - -!£ 

V^Z^ ''' '" Homosexualität Gefundene auch für die übrigen 
z) Inwiefern bedeutet die perverse Handlung eine Ausschaltung der mit der 

z:^:ot:^ '-''-''- ""'''' -^ ---^^^^^ - ^- -- 1 

_ Was die erste Frage angeht, so können wir sie nicht anders angreifen als 

T^Zi.ZnTl T'^r'"'': ^^^"^'^" Perversionsformen betrübten 

Freilich kann dies nicht mehr mit der gleichen Ausführlichkeit geschehen wie 

tch^fnrZff ~ :'''''': ^'' '"^^ '"^^ '-- -' '^-n MechanLen 
durch eine Untersuchung Freuds ganz besonders klar geworden sind ob- 

woh auch diese Perversion nicht einfach der Hypertrophie eines rormaln 

kindlichen Partialtriebes entspricht (wenn auch ähnliche Züge bei K ^d n 

vorkommen): dem Fe t is chism u s.'= Gerade für ihn sind in dfr vlr- 

analytischen Literatur häufig die Fälle beschrieben worden, bei denen le 

Art ..bedingter Reflex" die Sexualerregung auf einen Umstand v^^schoben 

haben soll, der „zufällig" bei der ersten Sexualerregung gerade vo^hande: 

43) Sachs: Zur Genese der Perversionen. Int. Z. f. Ps-A IX Cto,,! 
Zf PS a' Xm r'V= Z- ökonomischen Funkuon 'dt Äinnerungen I„. 
/;■> V fl ^ '?^ ""'^ ^"^ »Merkbefehl". Int. Z. f. Ps.-A XIV fi!!«"^ 
4J) Freud: Fetischismus (Ges. Sehr. Bd. XI). ^^ "' 



31 

war. Freud selbst konnte einen solchen Fall diskutieren": Ein Fußfetischist 
erwies sich als an eine Szene seiner frühen Kindheit fixiert, in der er in sexuelle 
Erregung geriet, als seine Gouvernante ihren schönen Fuß zeigte. Dies war 
aber bereits der erste Ausdruck der späteren Perversion, die sich vielleicht 
gerade in diesem Augenblick gebildet hatte; der Szene selbst muß die "Wertig- 
keit «iner Deckerinnerung zukommen. Was für ein Erlebnis aber kann durch 
diese Erinnerung verdeckt sein? Der Umstand, daß er beim Anblick des 
Fußes in Erregung geriet, spricht dafür, daß es sich um eine Angelegenheit 
des Schautriebes handelt. Aber warum erweckte der Fuß, dessen Anblick auf 
andere keinen Eindruck gemacht hätte, seinen sexuellen Schautrieb? Sicher 
nicht nur, weil der Patient einen konstitutionell verstärkten Schautrieb hatte. 
Der Sinn der Deckerinnerung ergab sich über die symbolische Gleichung: 
Fuß = Penis, so daß die Erinnerung zu sagen scheint: ich habe den Penis der 
Gouvernante gesehen, oder: ich habe gesehen, daß die Gouvernante 
einen Penis hat. Das kann ja nun der Patient unmöglich gesehen 
haben. Offenbar ist es die „Verneinung" des abgelehnten wahren 
Sachverhaltes: ich habe gesehen, daß die Gouvernante keinen Penis 
hat, — und diese anstößige Erinnerung wird durch die sie verleugnende 
Deckerinnerung in Verdrängung gehalten. Das Kind griff das Erlebnis mit 
dem Fuß auf, weil es geeignet war, eine ihm gefährUch erscheinende Ent- 
deckung zu verleugnen, und die sexuelle Erregung, in die es geriet, entsprach 
etwa dem Gedanken: jetzt darf ich mir ja sexuelle Erregung gestatten, da der 
Anblick des Penissymbols den mich sonst davon abhaltenden Gedanken, es 
gäbe penislose Wesen und ich könnte ihnen gleich werden, ausschaltet. Genau 
der gleiche Mechanismus wiederholt sich nun während des ganzen Lebens des 
Patienten. Er kann bei einer Frau nur dann in sexuelle Erregung geraten, 
wenn ihr Fuß ihm ausdrücklich sagt, sie habe doch einen Penis. Dieses „sie 
hat doch einen Penis" scheint die Formel des Fetischismus zu sein. Wenn 
auch oft die Kastration selbst in symbolischer Form zum eigentlichen Sexual- 
inhalt des Fetischisten geworden zu sein scheint (Zopfabschneider), so wird 
sie doch immer wieder in anderen Bedii)gungen der Perversion geleugnet.-' 
Es ist schon fast überflüssig zu bemerken, daß die Kastrationsangst auch hier 
im wesentlichen Strafangst für ödipuswünsche ist, und daß die Formel „die 
Frau hat doch einen Penis" eigentlich bedeutet „die Mutter hat doch einen 
Penis". Wie bei der Homosexualität, so kommt auch hier dieses ätiologisch 
ausschlaggebende Moment des ödipus- und Kastrationskomplexes im manifesten 
Bild nicht vor, es ist gerade durch die Perversion in spezifischer Weise ver- 

46) Freud: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (Ges. Sehr. Bd. VII. 
S. 361). 

47) Harnik: Zur Psychologie des Zopfabschneiders. Z. f. Sex. 192g. 



3i 



drängt. Der für die Perversionen bedeutungsvolle Vorgang der „Partialver- 
drängung", des Umstandes, daß ein „Pars pro toto" bewußt bleibt, während 
das „Totum" verdrängt wird, ist beim Fetischisten am deutlichsten: Das 
ganze Objekt ist durch den seinen bedeutungsvollsten Teil (den Penis) reprä- 
sentierenden Fetisch ersetzt. 

Die häufigsten Fetische sind wie Freud gezeigt hat, Penissymbole''. Deutlich ist 
das z. B. bei Schuhen, langen Haaren (Zöpfe) und Ohrringen. Der Pelz ersetzt 
symbolisch die Genitalbehaarung, die noch den Zweifel offen läßt, ob nicht unter 
Ihr ein Penis verborgen ist. Die Vorliebe für Frauenwäsche entspricht der Abnei- 
gung vor dem nackten weiblichen Körper; solange die Wäsche noch nicht abgelegt 
ist, konnte ,a auch unter ihr der Penis verborgen sein. - Bei weniger typischen 
Fetischen weist die Kindheitsgeschichte Erlebnisse auf, in denen der betreffende 
Gegenstand subjektiv Penisbedeutung gewonnen hat, und an die der Patient fixiert 
blieb. - Es geht ein kontinuierlicher Übergang vom Fetischismus zu den normalen 
„subjektiven Liebesbedingungen", die jeder Mensch hat." Wahrscheinhch wird je 
mehr man sich auf dieser Reihe von den klassischen Formen des Fetischismus entfernt, 
auch die klassische, von Freud aufgedeckte Bedeutung des Fetisches als mütter- 
lichen Penis undeuthcher werden. Sicher spielen aber auch ähnliche Motive bei den 
subjektiven Liebesbedingungen eine Rolle. Sehr deutlich scheint mir das für Frauen 
zu sein, die nur unter speziellen Bedingungen erregbar sind, die sich in der Analyse 
als Momente herausstellen, dazu bestimmt, die Illusion des Penisbesitzes zu wahren. 
— Die Frage des weibhchen Fetischismus ist noch wenig untersucht. Der Umstand 
daß weibliche Fetischisten unvergleichhch seltener sind als männliche, ist ja durch 
die Freud sehe Deutung des Fetischismus ohne weiteres verständlich. Die wenigen 
Erfahrungen über die seltenen weiblichen Formen machen es wahrscheinlich, daß 
ahnhch wie bei der weiblichen HomosexuaUtät auch hier der Kastrationskomplex, 
nur der weiblichen Form entsprechend modifiziert, die grundlegende Rolle spielt 
Der Fetisch stellt auch hier den gefürchteten und gleichzeitig ersehnten Penis dar, 
den man am eigenen Körper (in Identifizierung mit dem penistragenden Vater) be- 
sitzen möchte.^" 

Der Homosexuelle hat seine IJebe zur Mutter durch eine Identifizierung 
mit ihr ersetzt. Der Fetischist hat die Penislosigkeit der Frau nicht akzeptiert. 
Ich konnte zeigen, daß für den männlichen Transvestiten beide Formeln 
gleichzeitig zutreffen: Er muß die Frau ständig als mit einem Penis ausge- 
stattet phantasieren, um seine Kastrationsangst zu widerlegen, und hat sich 
außerdem mit dieser phallischen Frau identifiziert." Die wesentliche Tendenz 
des Transvestitismus muß also die gleiche sein wie die der beiden schon 
besprochenen Perversionsformen, Verleugnung der Kastrationsgefahr und 
Verdrängung des Ödipuskomplexes. Der transvestitische Akt hat, wie die 

48) Freud: Fetischismus (Ges. Sehr. Bd. XI). 

49) Siehe Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V S 27) 
^-V,/'*.''!.^- S" H"8- Hellmuth: Ein Fall von weiblichem Fuß-, richtiger 
Stiefelf etischismus. Int. Z. f. Ps.-A. III (i^ij). ^ 

51) Fenichel: Zur Psychologie des Transvestitismus. Int. Z. f. Ps.-A. XVI (1950). 



33 

Analyse ergibt, einen doppelten Sinn: i) einen objekterotischen (fetischisti- 
schen), der Patient verkehrt statt mit einer Frau mit deren Kleidern; 2) einen 
narzißtischen (homosexuellen), er stellt selbst eine phallische Frau dar. Der 
Penis ist dabei doppelt vertreten: a) im wirklichen, unter den Frauenkleidern 
vorhandenen Penis, b) im Kleid, das den Penis symboKsch darstellt. Die 
exhibitionistischen Neigungen der Transvestiten demonstrieren dieses Penis- 
symbol genau so und mit den gleichen Motiven wie die echten Exhibitionisten, 
über die gleich die Rede sein wird, den wirklichen Penis demonstrieren. Die 
narzißtische Regression, deren Ausdruck die feminine Identifizierung ist, 
scheint allerdings weit über die des Homosexuellen hinauszugehen. Tief ver- 
borgene echt narzißtische Phantasien, in denen Organe Objekten, d. h. der 
Penis der introjizierten Frau, gleichgesetzt werden, so daß auch der Patient in 
Kleidern im ganzen einen großen Penis darstellt, scheinen in den tiefsten 
Schichten zu Grunde zu liegen. — In der Identifizierung mit der phallischen 
Frau sucht der Transvestit auch neue Objekte, und zwar vor allem, wie der 
Homosexuelle, den Vater, dem er gleichsam sagt: Liebe mich, ich bin ebenso 
(phallisch) wie die Mutter, oder: Liebe mich wie die Mutter; es ist nicht 
wahr, daß ich durch solchen Wunsch meinen Penis gefährde. Das wichtigste 
akzidentelle Moment ist, daß die Identifizierung mit der Frau meist in einer 
oberflächlicheren Schicht gleichzeitig eine solche mit einem kleinen Mädchen 
ist, was alle sekundären Gewinne einer Regression in die frühe Kindheit bringt. 
Es ist nicht möglich, das beweisende klinische Material hier breit zu wieder- 
holen. 

Über weibliche Transvestiten liegen bisher keine psychoanalytischen Unter- 
suchungen vor. Es ist anzunehmen, daß die Psychogenese bei ihnen eine ein- 
fachere ist und der auf die Kleider verschobene Penisneid ihre wesentlichste 
Komponente darstellt. 

Soweit Analysen von Exhibitionisten vorliegen, ergeben sie alle, 
daß ihr Tun eine ewige Leugnung der Kastration darstellt. Dieser kastrations- 
verleugnende Sinn ist ein doppelter: In oberflächlicherer Schicht fordert der 
Exhibitionist durch die Demonstration seines Penis alle Menschen auf, ihm 
dessen Vorhandensein zu bestätigen. In tieferer Schicht bedeutet das Zeigen 
eine Aufforderung an die Frauen und Mädchen, denen gegenüber es geschieht, 
sich selbst ebenso zu zeigen.^^ Hinter der manifesten Exhibition ist also eine 
latente Schaulust verborgen, und die Demonstration des Penis erweist sich 
dabei als eine Art magischer Geste, die den Frauen zeigt, was der Patient 
bei ihnen zu sehen wünscht: daß auch sie einen Penis haben. Beim Exhibitio- 



J2) Siehe Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V. S. 30), 
ferner S a d g e r: Die Lehre von den Geschlechtsverirrungen (Psychopathia sexualis) 
auf psychoanalytischer Grundlage. 



3 Fenichel, Perversionen 



34 



nisten sehen wir zum ersten Mal, wie die Bewältigung der den Ödipus- 
komplex bedrohenden Kastrationsangst durch einfache Hypertrophie eines 
mfantilen Partialtriebes versucht wird. Das Zurückgreifen auf die prägenitale 
exhibitionistische Lust der Kinderjahre, sicher nur ermöglicht durch beson- 
dere Fixierung an diesen Partialtrieb, dient hier regressiv der Verdrängung 
der genitalen Konflikte. Durch die Häufigkeit und Ausschheßlichkeit, mit 
der dieser Trieb das gesamte Sexualleben des Perversen beherrscht, 
verrät er, daß er die Libidoquanten auch anderer und gewichtigerer 
Triebregungen auf sich gezogen hat, deren Bewältigung gerade dadurch 
ermöglicht wurde. 

In einem von mir analysierten Fall von Exhibitionismus war der Kastrations- 
komplex in merkwürdiger Weise mit einem „Familienroman" verknüpft. Der reale 
Vater, der als „niedriger Stiefvater" perzipiert war, will, so lautete die unbewußte 
Erwartung, kastrieren. Am narzißtisch überschätzten Penis aber sehe man dem 
Patienten seine hohe Abkunft an, deren Anerkennung, provoziert durch die De- 
monstration des Penis, ihn vor der Kastrationsgefahr schützen würde. 

Diese Erklärung des Exhibitionismus als Versuch, die Kastrationsangst zu 
überwinden, kann für das weibhche Geschlecht nicht zutrefJen. Tatsächhch 
findet man kaum Frauen mit einer ausgesprochen genital-exhibitionistischen 
Perversion. Dagegen ist die nicht-genitale Exhibition aller übrigen Körper- 
teile als nicht zur Endlust führendes sexuelles Vorspiel beim weibHchen 
Geschlecht um so häufiger (Eitelkeit). Härnik konnte diesen Unterschied 
zwischen männlichem und weiblichem Exhibitionismus eben aus der Differenz 
des Kastrationskomplexes bei beiden Geschlechtern erklären.'" Eben weil 
der Penis beim weiblichen Geschlecht nicht vorhanden ist und das als 
narzißtische Kränkung perzipiert wird, muß beim Mädchen die infantile 
Zeigelust vom Genitale weg auf das Körperganze verlegt werden. Eben des- 
wegen eignet sich die verschobene Zeigelust dann nicht zum angst- 
erledigenden Sexualersatz, so daß eine orgasmusfähige Perversion sich nicht 
entwickelt. 

Die Bestätigung dafür gibt die Analyse weiblicher Exhibitionstendenzen, die jedes- 
mal eine unbewußte genitale Basis erkennen läßt, die aus der Zeit vor der Erfassung 
des^ Geschlechtsunterschiedes stammt. Diese genitale Tendenz ging etwa dahin, beim 
Urinieren beobachtet zu werden, wurde aber dann durch Scham, nämlich durch die 
Angst, wegen der Penislosigkeit verlacht oder wenigstens nicht anerkannt zu werden, 
gehemmt, was eine genitofugale Verschiebung notwendig machte. So hatte eine 
Patientin einen merkwürdigen Stolz auf Photographien, auf denen sie b a r f u ß dar- 
gestellt war. Die unbewußt-phallische Natur dieser Exhibition wurde durch das 
hysterische Symptom geklärt, während des Sexualverkehrs die großen Zehen strecken 
und spreizen zu müssen. 




35 

Die seltenen Ausnahmen, bei denen doch auch die Tendenz, das weibliche 
Genitale zu exhibieren, eine bedeutendere Rolle im Sexualleben spielt, er- 
klären sich in der Analyse als weitgehende männhche Identifizierungen. 

So konnte die weibliche Onaniephantasie, die Patientin werde gezwungen, ihr 
Kleid in der Genitalgegend so auszuschneiden, daß das Genitale sichtlsar werde, die 
kombiniert mit einer Bevorzugung des Cunnilingus als Sexualbefriedigung auftrat, 
auf die unbewußte Phantasie zurückgeführt werden, es sei tief im Genitale dennoch 
ein Penis verborgen. Die Patientin war als kleines Mädchen von ihrem Bruder wegen 
analer Inkontinenz verlacht worden. Es war auch ein analer Anlaß gewesen, bei 
dem sie sich die Überzeugung von der Existenz des verborgenen Penis geholt hatte. 
(Man hatte ihrem Stuhldrang nicht getraut.) Nun fordert ihre Perversion die Männer 
auf, sich doch davon zu überzeugen, daß, wenn man nur genau hinsehe, doch ein 
Penis da sei, dient also ganz in männlicher Art der Kastrationsverleugnung. 

Im Unbewußten des Voyeurs läßt sich dieselbe Tendenz nachweisen 
wie in dem des Exhibitionisten. Die Kindheitserlebnisse, an die er fixiert ist, 
haben meist den Charakter einer Urszene, das anstößige Moment, das gerade 
durch die Fixierung verdrängt und überwunden werden soll, ist wieder die 
Kastrationsgefahr. Der Einfluß der Fixierungen ist besonders deutlich in 
Fällen, die nur befriedigt werden, wenn das sexuelle Schauspiel, dem sie zusehen 
wollen, ganz bestimmte Bedingungen einhält, die entweder Wiederholungen 
der Bedingungen darstellen, die bei den zugrunde liegenden Kindheitserlebnissen 
gegeben waren, oder Umstände, die geeignet sind, die Penislosigkeit der Frau 
zu leugnen. 

Abraham erzählte mündlich von einem Perversen, der nur unter folgenden Be- 
dingungen zur Befriedigung kam: Im Nebenzimmer mußte ein Paar Geschlechts- 
verkehr ausüben, dann fing der Patient zu schreien an, worauf die Frau den Mann 
verlassen und zu ihm eilen mußte. — Sabine S p i e 1 r e i n beschrieb das Entstehen 
einer Voyeurperversion durch frühzeitige Verdrängung der genitalen und manualen 
Sexualität.''* 

Die K o p r o p h i 1 i e ist ja unverhüllt eine Regression zur prägenitalen 
anal-sadistischen Organisationsstufe, die einer Abwehr der genitalen Wünsche 
dient. Manchmal hat man Gelegenheit, auch in ihr den "Wunsch nach Ver- 
leugnung der gefährlich erscheinenden weiblichen Penislosigkeit als ausschlag- 
gebendes Moment zu erweisen. 

Die Koprophilie eines Mannes, den Francis D e r i beobachtete, erwies sich als be- 
dingt durch die Fixierung an eine Szene, in der er einmal als kleiner Junge seine 
Mutter defäzieren gesehen hatte. Die Bedeutung dieser Szene war vollkommen analog 
der Szene beim Fetischisten, dem die Gouvernante den Fuß gezeigt hatte. Der Kot 
spielte hier dieselbe Rolle als Penissymbol wie dort der Schuh. — Koprophile Inter- 
essen bei Frauen erweisen sich als Ersatzbildungen für genitale. Nach Kenntnis- 
nahme ihrer Penislosigkeit hofften die Mädchen auf dem analen Gebiet besser kon- 
kurrieren zu können als auf dem urethralen. 



54) Sabine Spiel rein: Ein Zuschauertypus. Int. Z. f. Ps.-A. IX (1923). 



3' 



36 

Die Bevorzugung der oralen erogenen Zone für den Sexualverkehr tritt 
wohl sehr selten als ausgesprochene Perversion, die andere Befriedigungs- 
möglichkeiten ausschheßt, auf. Sie imponiert deshalb zunächst als partielle 
Fixierung, als Überrest der frühesten Organisationsstufe der Libido, die neben 
anderen analogen Überresten auftritt.'^ Dennoch weist auch hier die Analyse 
nach, daß der Mund häufig dann als Genitalersatz genommen wird, wenn die 
genitale Betätigung durch Kastrationsideen gehemmt ist. Bei der Fellatio wird 
das dadurch deutlich, daß die Analyse sie als Äquivalent (bzw. Verleugnung) 
der Abbeißphantasie nachweist, aber auch beim Cunnilingus spielt, wie schon 
erwähnt, bei beiden Geschlechtern die Idee vom verborgenen Penis der Frau 
eine große Rolle. 

Nicht ganz so einfach ist es bei Sadismus und Masochismus. Auch 
bei ihnen handelt es sich ja um infantile Partialtriebe, die hypertrophieren. 
Aber auch diese Hypertrophie ist — unbeschadet des Umstandes, daß sie den 
Bahnen folgt, die Fixierungen konstitutioneller oder erlebnismäßiger Genese 
ihr weisen, — wahrscheinlich regressiver Natur. An der Entwicklung einer 
typischen sadomasochistischen Phantasie, „ein Kind wird geschlagen", konnte 
Freud zum erstenmal zeigen, daß die Perversionen dazu dienen, anstößige 
Inhalte des infantilen Sexuallebens, ödipus- und Kastrationskomplex, in 
spezifischer Weise zu verdrängen.^» Die Analyse des entstellten Rück- 
greifens auf die sadistischen Wunschregungen der Kindheit, der Zwangs- 
neurose, bringt die Überzeugung, daß dort dieses Rückgreifen die Funktion 
hat, dem Inzestwunsch und seinen Gefahren auszuweichen. Das dürfte bei 
der sadistischen Perversion nicht anders liegen. Auch der Sadist hat einen 
Teil der infantilen SexuaUtät im Bewußtsein behalten, ja ihn hypertrophiert 
entwickelt und die gesamten Energien seines Sexualtriebes auf ihn verschoben, 
um mit dem anstößigen Rest besser fertig werden zu können. 

Die gewiß sehr wichtigen und interessanten Forschungen über die Quellen 
des Sadismus," über seine Lagerung in dem Einteilungsschema der Triebe,^ 
über seine Beziehungen zu biologischen Erscheinungen,™ haben — so wichtig 
und interessant sie für verschiedene Gesichtspunkte sein mögen — für die 

J5) Siehe Abraham: Untersuchungen über die früheste prägenitale Entwick- 
lungsstufe der Libido. Int. Z. f. Ps.-A. IV (1916). 

j6) Freud: „Ein Kind wird geschlagen." (Ges. Sehr. Bd. V.) 
J7) Z. B. Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V. S. 30 ff) 
terner Federn: Beiträge zur Analyse des Sadismus und Masochismus. Int. Z. f. 
i-s.-A. II (1913) und Sadger: Über den sadomasochistischen Komplex. Jahrb. f 
ps.-a. u. Psychopath. Forschgn. V (1913) und Ein Beitrag zum Verständnis des Sado- 
masochismus. Int. Z. f. Ps.-A. XII (1926). 

fr^K^L^'i^\lT'^'? '^^ Lustprinzips (Ges. Sehr. Bd. VI), Das Ich und das Es 
(Lres. bchr. Bd. VI) und Das ökonomische Problem des Masochismus (Ges. Sehr. Bd V) 
S9) Siehe die sub ") und ^«) angeführten F r e u d stellen. ' 



37 

Erkenntnis des Sinnes der sadistischen Perversionen nur geringe Bedeutung. 
Es gibt sicher sadistische Regungen aus verschiedenen erogenen Quellgebieten: 
einen manualen, oder richtiger, einen der Erogeneität der gesamten Skelett- 
muskulatur entsprechenden, einen analen und einen oralen Sadismus; die 
Differenzen sind im Gebiete ihrer „Negative", Zwangsneurose und Melancholie, 
besser studiert als bei der sadistischen Perversion. Es sei hier nur bemerkt, 
daß Abraham und Ophuijsen nachwiesen, daß typischerweise auch 
bei der sadistischen Perversion der Ursprung der regressiv wiederbelebten 
prägenitalen Regungen bis in die destruktiven Tendenzen der oralen Zeit 
zurückverfolgt werden kann. Nicht nur Schlagen, auch Beißen und Saugen 
scheinen die typischen sadistischen Leitvorstellungen zu sein.'" 

Das Gebiet des M a s o c h i s m u s ist sehr kompliziert und bietet gewaltige 
theoretische Probleme, denen Freud eine eigene Arbeit gewidmet hat." 
Uns interessiert in diesem Zusammenhange nicht der triebtheoretische Gesichts- 
punkt, sondern einzig der kUnische. Und für den gilt heute noch, was F r e u d 
vor langer Zeit formuliert hat: Die masochistische Perversion erweist sich als 
sekundäre "Wendung sadistischer Regungen gegen das eigene Ich.*' Freud hat 
beim Masochismus unterschieden den erogenen, femininen und den morali- 
schen." Der erogene ist auf den Umstand zurückzuführen, daß, wie jede 
Regung im menschlichen Organismus eine Quelle auch der Sexualerregung 
darstellt, auch der Schmerz als solche Quelle in Betracht kommt. Er ist also * 

ein Partialtrieb sui generis. Konstitutionelle und fixierende Erlebnisse können 
gerade diese Triebquelle besonders verstärken und daher geeignet dazu machen, 
in der masochistischen Perversion als Ersatz für durch Schuldgefühle abge- 
wehrte sadistische Wünsche einzuspringen. Der feminine Masochismus, meist 
auf der Basis des erogenen entwickelt, benutzt diese Schmerzlust als Aus- 
druck einer besonderen Hervorhebung der passiven femininen Einstellung 
beim Manne, über deren Zustandekommen aus bestimmten Schicksalen der 
unbewußten Inhalte des Ödipuskomplexes wir bei der Homosexualität ge- 
sprochen haben; nur daß, ebenso wie übrigens beim Transvestitismus, die 
feminine Identifizierung des Mannes sich auf allen möglichen Lebensgebieten 
manifestieren kann, nicht nur auf dem der Objektwahl. Die masochistischen 
Praktiken bekommen den Sinn von Koitiertwerden und Gebären. Die meist 
im manifesten Bilde der masochistischen Praktiken so deutliche Hervorhebung 
des Umstandes, daß der Kranke eigentlich ein Kind, meist ein schlimmes 

60) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido, Ophuijsen: 
Das Sexualziel des gewalttätigen Sadismus. Int. Z. f. Ps.-A. XV (1929). — Dasselbe 
findet sich auch schon angedeutet bei Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie 
(Ges. Sehr. Bd. V. S. 32). 

61) Freud: Das ökonomische Problem des Masochismus (Ges. Sehr. Bd. V). 
6z) Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V. S. 31). ' 



38 

Kind, das Strafe bekommt, darstellt, verweist darauf, daß mit der femininen 
die infantile Einstellung verdichtet ist, daß der Patient Regungen aus seiner 
Kinderzeit beibehalten oder regressiv wiederbelebt hat. In der Verquickung 
mit der Vorstellung der Strafe, die die Sachlage durch das Hineinspielen des 
ursprünglich triebabwehrenden Schuldgefühls kompliziert, haben wir in ge- 
ringerem Grade das Phänomen der „Sexualisierung der Über-Ichsphäre" vor 
uns, dessen Wesen und Genese uns im Charakter-Kapitel bei Besprechung des 
„moralischen Masochismus" beschäftigen wird. Seine Voraussetzung ist jeden- 
falls immer eine Erziehung, die dem Sexualtrieb des Kindes die Strafsphäre 
nahegerückt hat. Die passiv-feminine Haltung des männlichen Masochisten 
scheint uns jedenfalls die auch sonst nachweisbaren Genesen von Femininität 
bei Männern zu bestätigen: Alle aktive SexuaUtät ist mit der Kastrationsangst 
so eng verbunden, daß als Sexualziel nur mehr der Kastrationswunsch selbst 
übrig bleibt. So haben viele masochistische Praktiken den Sinn einer sym- 
bolischen Kastration. Aber gerade hier kann man am deuthchsten sehen, daß 
ein solcher „Kastrationswunsch" die Kastrationsangst keineswegs aufhebt, 
sondern nur vergrößert. Die masochistischen Kastrationssymbole sind eben 
Kastrations s y m b o 1 e, und Freud hat darauf aufmerksam gemacht, daß für 
die meisten Masochisten die Regel gilt, daß sie auf jede Weise Qualen erdulden 
und beschädigt werden wollen; nur den GenitaHen darf nichts geschehen." 
Der Masochist scheint seiner Partnerin zu sagen: Tu mir, was du willst, nur 
laß mir meinen Penis! Er will sich durch Kastrationsäquivalente von der 
Kastration loskaufen. In diesem Sinne erweist sich auch die masochistische 
Perversion als eine gegen die Kastrationsangst in Szene gesetzte Abwehr- 
unternehmung. Wieder ist die Kastrationsangst verdrängt und durch die 
Perversion gedeckt. — Auch in der Analyse weibUcher Masochisten sieht 
man auf verschiedene Weise, so wie es Freud für die Phantasie „ein Kind 
wird geschlagen" nachgewiesen hat," ödipus- und Kastrationskomplex unter- 
gebracht. Auch hier wird der erogene Masochismus benutzt, um (hier normale) 
feminine Sexualwünsche entstellt auszudrücken. 

Der von einer Patientin heißgeliebte Vater verachtete die Frauen und ließ das die 
Tochter unausgesetzt spüren. Er verpönte ganz besonders streng alle analen Ten- 
denzen. Er zog der Patientin eine ältere Schwester vor. Die Patientin stand also vor 
der Aufgabe: den Vater zu lieben (denn das verlangte ihr Ödipuskomplex), dabei aber 
den Penis als Grund alles Ärgernisses (seines Mangels wegen wurde sie ja vom Vater 
verachtet) auszuschalten; ebenso eine starke anale Triebgrundlage auszuschalten, sich 
an der Schwester zu rächen und des Vaters Strenge und Verachtung zu ertragen. 
Sie wurde Masochistin, das Geschlagen- und Verachtetwerden ihr Sexualziel. Damit 
war der anstößige Penis durch die schlagende Hand, der Anus durch die Gesäßhaut 

63) Freud: Das ökonomische Problem des Masochismus (Ges. Sehr. Bd. V. S. 378). 

64) Freud: Ein Kind wird geschlagen (Ges. Sehr. Bd. V). 



39 

ersetzt; in der unbewußten Phantasie galten die Prügel eigentlich der Schwester und 
waren nur sekundär gegen das Ich gewendet, und das reale Verhalten des Vaters 
konnte der Patientin in versteckter Weise ihre ödipusbefriedigung bringen. 

Die Verschiebung der letzten Endes dem Ödipuskomplex zugehörigen Be- 
setzungen auf die ursprünglich seiner Unterdrückung dienenden Strafideen 
geht dabei — ebenso wie die Verschiebung von Ödipuskomplex auf hyste- 
risches Symptom — manchmal komplizierte Wege, wie sie Freud in 
„Ein Kind wird geschlagen" aufgedeckt hat."^ Es sind zwischen die beiden 
Endpunkte verschiedene unbewußte Zwischengebilde, meist anal-sadistischer 
Natur, eingeschaltet. Besonders instruktiv sind Fälle, bei denen die masochi- 
stische Phantasie nur eine Piälfte einer vollständigeren Phantasie ist, deren 
andere Hälfte verdrängt wurde und ihre Besetzung an die erste abgegeben 
hat, deren Aufdeckung aber erst den Zusammenhang mit dem Ödipuskomplex 
erkennen läßt. 

So hatte die eben erwähnte Patientin das Sexualziel des Geschlagenwerdens. Das 
ging auf zwei Erlebnisse zurück. Erstens auf die Erinnerung an einen Jungen, der in 
der Kindheit der Patientin wiederholt wirklich geschlagen worden war. Zweitens 
auf die an ein kleines Mädchen, das (genital und anal) exhibiert hatte und von dem 
die Patientin phantasierte, es hätte die Strafe des Geschlagenwerdens verdient. Mit 
diesem Mädchen also hatte sich die Patientin identifiziert und die zu rekonstruierende 
unbewußte Phantasie lautet: Ich möchte wie dieses Mädchen exhibieren und dafür 
wie jener Junge geschlagen werden. Nun spielte die Exhibitionslust in der ganzen 
Analyse eine große Rolle, und zwar zunächst eine anal-feminine Exhibitionslust mit 
dem unbewußten Sinn: Seht, wie ich Kinder bekommen, wie ich Kot produzieren 
kann! Dazu paßte ein besonderer Krankheits- und Blutstolz der Patientin: Seht, wie 
tapfer ich bluten kann, was mit der Idee der Niederkunft verdichtet war. Dieser 
Blutstolz erwies sich aber weiter als Überkompensation einer großen Blut-, d. h. 
Kastrationsangst. Schließlich stellte sich heraus, daß die ganze feminin-anale Exhi- 
bition ein regressiver Ersatz für eine intendierte und durch Angst gehemmte ursprüng- 
lichere phallische Exhibitionstendenz war, — und Träume ließen endlich rekon- 
struieren, daß nicht nur jenes Mädchen, sondern auch der realiter geschlagene Junge 
als Kind einmal vor der Patientin (urinierend) exhibiert hatte. Die volle Sexual- 
phantasie, von der das Geschlagenwerden nur ein kleiner Teil war, lautet also: Ich 
will auch einen Penis demonstrieren wie dieser Junge da, damit der Vater mich lieb 
hat. Ich will nicht glauben, daß ich für solche Tat kastriert wurde (oder: kastriert 
werden könnte), nein, man wird dafür nur geschlagen. 

Als Quelle kommen für den erogenen und femininen Masochismus ebenso 
wie für den Sadismus mannigfache erogene Zonen in Betracht, vor allem die 
Haut und ebenfalls die Skelettmuskulatur. Die Verschiebung analer Libido 
auf die Haut als Grundlage der Phantasie des Geschlagenwerdens scheint 
typische Bedeutung zu haben, so daß auch anale Konstitution und Fixierungen 



X 



6j) Freud: Ein Kind wird geschlagen (Ges. Sehr. Bd. V). 



4° 



den Masochismus erleichtern. Übrigens auch oi-ale, die der oralen Angst- 
phantasie, gefressen zu werden, in positiver Sehnsuchtsform entsprechen. 

Der moralische Masochismus endlich geht in leichteren Formen, die Scxual- 
genuß beim Erniedrigt- und Gedemütigtwerden empfinden, mit den anderen 
Masochismusformen Hand in Hand, und es liegen ihm dieselben Mechanismen 
zugrunde wie diesen. In den schwereren Formen aber geht er nicht mit 
bewußter Sexuallust einher, ist also nicht zu den Perversionen zu rechnen, 
sondern bei den Charakterfchlentwicklungen zu besprechen. Er ist ein durch 
bestimmte Schicksale erzwungenes Ersatzprodukt eines femininen Masochismus. 
Der allgemeinen klinischen Erfahrung, der Masochismus entstehe aus gegen 
das Ich rückgewendetem Sadismus, entspricht es, daß man selten die Regungen 
einer dieser Perversionen ohne die Begleitung der anderen sieht. Jeder Sadist 
ist bis zu einem gewissen Grade auch Masochist und umgekehrt. Man spricht 
daher am besten von einer einheitHchen „sadomasochistischen" Perversion. 
Dem entspricht der Umstand, daß die Identifizierung mit dem Partner gerade 
bei dieser Perversion am deutlichsten, viel deutlicher als beim normalen Sexual- 
verkehr, nachzuweisen ist. Der Sadist leidet mit seinem Opfer mit, der 
Masochist genießt unbewußt die aktive Lust des Partners mit. 

Freud hebt diesen Punkt, daß Perversionsneigungen als Gegensatz- 
paare, also gleichzeitig mit aktivem und passivem Ziel, auftreten, dem wir 
auch schon bei Exhibitionismus und Schaulust begegneten, wegen seiner theo- 
retischen Bedeutsamkeit (Bisexualität, Ambivalenz) ganz besonders hervor.'" 

Der Umstand, daß die masochistische Perversion vor allem durch die 
Verquickung des Sexualtriebes mit dem Strafgedanken, also mit der Über-Ich- 
Funktion verknüpft ist, woraus sich verschiedene klinische und theoretische 
Komplikationen ergeben, soll hier nur Erwähntmg finden. Er hat für das 
prinzipielle Verständnis der Perversion keine Bedeutung. 

Die Untersuchung der einzelnen Perversionen gibt uns also die Berechtigung, 
was wir bei Betrachtung der Homosexualität als allgemeinen Sinn und Mecha- 
nismus der Perversion zu erkennen glaubten, auf die ganze Krankheitsgruppe 
auszudehnen. Wir können zusammenfassen: 

Die Perversionen stimmen mit den Neurosen gewöhnlich darin über- 
ein, daß sie Maßnahmen darstellen zur Aufrechterhaltung des seelischen 
Gleichgewichtes nach Verdrängung eines wichtigen Stückes der infantilen 
Sexualität, letzten Endes des Ödipuskomplexes. Sie unterscheiden sich 
von ihnen darm, daß es ihnen gelingt, die abgewehrte infantile Sexualbefriedi- 
gung unter der Bedingung der Veränderung der Sexualhandlung doch zu 
erleben. Während bei den Neurosen die Abfuhr der unterdrückten infantilen 



[ 



66) Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V. S. 33). * 



41 

Sexualität dem Ich unkenntlich und unlustvoll erfolgt, gelang es hier, durch 
Veränderung des Triebzieles die Zustimmung des Ichs und den Orgasmus zu 
erreichen. Diese Änderung erwies sich als ermöglicht i) durch das Vorhanden- 
sein starker prägenitaler Fixierungen, die das neue Triebziel inhaltlich be- 
stimmen, 2) durch die Geeignetheit dieses prägenitalen Triebzieles das die 
ödipusbefriedigung hemmende Moment (die Kastrationsgefahr) ausdrücklich 
zu leugnen. 

Die Sachs sehe Auffassung, daß bei den Perversionen wie bei den Deck- 
erinnerungen die gesamte eigentlich dem Ödipuskomplex zugehörige Libido 
auf einen Teil des Gesamtkomplexes der infantilen Sexualität, nämlich auf den 
der Perversion zugrunde liegenden Partialtrieb, verschoben wurde, bewährt 
sich durchaus. Es wurde erreicht, daß das diesen Partialtrieb bejahende und 
in seinen Bereich aufnehmende Ich gerade dadurch ökonomisch instand gesetzt 
wurde, den resthchen relativ entleerten Teil, die ödipus- und Kastrations- 
gedanken, in der Verdrängung zu halten." Es bleibt nur noch die spezifische 
Frage offen, warum es der so verstärkten Triebregung gelingt, Orgasmusfähig- 
keit zu erhalten; denn ähnhche Mechanismen, die es ermöglichen, daß eine 
sonst anstößige Triebregung ichgerecht wird, um mit ihrer Hilfe anstößigere 
umso energischer abzuwehren, finden sich — wenn auch in weit geringerem 
Umfange — gelegentlich auch bei Neurosen. Die hypothetische Antwort auf 
diese spezifische Frage, die wir im Vorangehenden schon angedeutet haben, 
und die durch die Ergebnisse der Analyse, daß so viele Perversionshandlungen 
unbewußt den Sinn haben, die Kastration zu verleugnen, sehr wahrscheinlich 
wird, lautet: Dem Perversen ist der normale Verkehr unmöglich, weil er ihm 
durch ein nebenherlaufendes Moment verleidet wird. Dieses Moment ist die 
Kastrationsangst, die in Wirksamkeit tritt, weil jede sexuelle Handlung un- 
bewußt den Inzest bedeutet. Da der Perverse zur Sexualbefriedigung kommt, 
die perverse Handlung aber schon durch ihre äußere Form ihren infantilen 
Charakter erweist, so daß die perverse Befriedigung in larvierter Form 
eine Befriedigung des ödipuswunsches darstellt, muß die perverse Handlung 
dazu geeignet sein, das störende Moment, also die Kastrationsangst, 
auszuschalten. "Wenn die Analyse nun erweist, daß die perverse Handlung 
so oft den unbewußten Sinn hat: es ist nicht wahr, daß Frauen 
penislos sind, es ist nicht wahr, daß es eine Kastration gibt, so kann man 
annehmen, daß dem kastrationsängstlichen Perversen der Sexualgenuß 
insofern gelingt, als er während des sexuellen Aktes durch die perverse 
Handlung sich selber seine Angst als unberechtigt nachweist. Oder: Der bei 
normaler Betätigung durch Kastrationsangst verhinderte Orgasmus wird durch 

67) Sachs: Zur Genese der Perversionen. Int. Z. f. Ps.-A. IX (1923). 



4i 



Verschiebung auf einen Partialtrieb ermöglicht, der geeignet ist, die Kastrations- 
gefahr zu verleugnen."' Damit ist auch das zweite Problem, das wir uns ge- 
stellt haben — wenn auch nur hypothetisch — gelöst. 

Wir sind jetzt noch Auskunft darüber schuldig, welche konkrete Vor- 
stellung die Psychoanalyse zum vagen Begriff der „speziellen perversen Kon- 
stitution" beitragen kann. Das somatisch-konstitutionelle Moment kann nach 
dem Gesagten nichts anderes sein als eine spezifische relative Erhöhung der 
Erogeneität der der Perversion zugrunde liegenden erogenen Zonen, also 
das besondere Hervortreten einer bestimmten Triebquelle.*" Es ist also identisch 
mit dem konstitutionellen Moment, das für die Neurosen charakteristisch ist. 
Die analerotische Konstitution ist beim Zwangsneurotiker und beim Kopro- 
philen dieselbe. — Auch eine konstitutionelle Erhöhung eines Partialtriebes 
ist letzten Endes auf die Erhöhung bestimmter Erotismen zurückzuführen. 
So entspricht der Sadismus - je nachdem - einer besonderen Entwicklung 
der oralen, analen oder Muskelerotik (Handerotik) und auch in der „kon- 
stitutionellen Erhöhung der BisexuaHtät" wird dem Hervortreten der Anal- 
erotik beim Manne, der Klitoriserotik bei der Frau keine geringe Rolle zu- 
fallen. 

Kombinationen zwischen Perversionen und Neurosen sind relativ sehr 
häufig, der prägenitalen Fixierung der meisten Perversionen entsprechend 
solche zwischen Perversionen und Zwangsneurosen am häufigsten. Daß das Ich 
sozusagen bestochen wurde, einem Vertreter der mfantilen Sexuahtät im Kampfe 
gegen den Ödipuskomplex seine Sanktion zu geben, schHeßt nicht aus, daß 
es gleichzeitig gegen einen auf diese Weise nicht bewältigten Rest der an- 
stößigen Triebregungen die Mechanismen der Verdrängung oder sonstiger 
Abwehr anwendet, die den Ausganspunkt für die Neurosenbildung abgeben. 
Nach dieser Art werden in den meisten hierher gehörenden Fällen Perversionen 
und Neurosen sozusagen parallelgeschahet, als Folge einer gemeinsamen Ur- 
sache erscheinen. Es mag aber auch Fälle geben, die. die beiden anderen Mög- 
hchkeiten reahsieren. Auch die schon ausgebildete Perversion mag eines Tages, 
etwa durch das Erleben besonderer Versuchungssituationen, die den geheimen 
ödipussinn der perversen Handlung erhöhen, oder durch Erlebnisse, die die 
Kastrationsangst zu steigern geeignet sind, oder durch einfache quantitative 
Erhöhung der Triebstärke, als Abkömmling des Ödipuskomplexes erkannt 
werden und weitere Abwehrmaßnahmen herausfordern. So gibt es Angst- 
hysterien, die nach jahrelangem Bestehen einer Perversion komplizierend hin- 
zutreten; oder es gibt „Impotenzen", d. h. Erektionsunfähigkeit bei männlicher 

68) Siehe Fenichel: Zur Psychologie des Transvestidsmus. Int. Z. f. Ps -A 
XVI (1930). ■ 

69) Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V. S. So). 



43 



Homosexualität u. dgl. m. Endlich findet sich auch die dritte Möglichkeit 
realisiert, daß eine lange bestehende Zwangsneurose in der fortschreitenden 
Tendenz zur erhöhten Befriedigungsbedeutung der Symptome es erreicht, daß 
manche von ihnen mit Orgasmus-Charakter einhergehen, also als sekundäre 
Perversion imponieren. Der Sexualgenuß an so entstandenen Symptomen wird 
gewiß ein sehr beeinträchtigter sein, und man kann dann — analog zur 
„Zwangsonanie", über die im folgenden Kapitel die Rede sein wird — von 
„Zwangsperversionen" sprechen. 

Bei der Beurteilung der Prognose der analytischen Therapie bei Perversionen 
kommt gegenüber den Neurosen ein kompHzierender Faktor hinzu. Wir 
haben dort besprochen, wie sehr sekundäre Gewinne die Prognose verschlech- 
tern können, weil sie den Heilungswillen des Ichs beeinträchtigen. Bei den 
Perversionen nun, deren Symptome bewußt als lustvoll erlebt werden, gibt 
es ja, abgesehen von autochthonen oder durch die Umwelt produzierten 
Gewissensregungen, überhaupt kein Leiden, sondern nur „Gewinn". Der 
Kranke ist seinen quälenden Ödipuskonflikten auf eine ihm Lust bietende 
Weise entgangen. Die Therapie bedroht ihn also nicht nur mit dem Verlust 
eines Genusses — der einzigen Sexuallust, die der Patient kennt, während ihm 
die versprochene normale als Taube auf dem Dache erscheinen muß — , son- 
dern außerdem mit dem Aufflackern unangenehmer Konflikte, denen er in 
seiner Krankheit entgeht. Einen Patienten, der mit seiner Perversion innerlich 
einverstanden ist, wird man deshalb kaum analysieren können.™ Die Prognose 
hängt also zunächst davon ab, wie weit ein Heilungswille bei dem Patienten 
vorhanden ist oder sich wecken läßt. Ein solcher Heilungswille kann natürhch 
von den verschiedensten seelischen Quellen her gespeist werden, außer der 
eigenen Unzufriedenheit kommt vor allem die Rücksicht auf andere gehebte 
Personen in Betracht. Die Probeanalyse wird also hier die Aufgabe haben. Tiefe 
und Ernst des Gesundungswillens abzuschätzen. Man wird nach dem Gesagten 
verstehen, daß die Prognose dort am besten ist, wo sie prinzipiell am schwersten 
sein müßte, bei den Mischfällen mit Neurosen, bei denen das neurotische 
Leiden den Motor der Behandlung abgibt. Sehr oft stellen die Patienten das 
Ansinnen, sie möchten von der Neurose befreit werden, aber ihre Perversion 
behalten. Daß der Analytiker das nicht versprechen kann, ist im Wesen der 
Psychoanalyse begründet. Es kann natürlich vorkommen, daß z. B. bei 
Homosexuellen, deren Bild später erst durch eine Neurose kompliziert wurde, 
auch in der Analyse diese zum Schwinden gebracht werden kann, ohne daß die 
Perversion angegriffen würde. Man kann aber nicht voraussehen, ob es so 

70) Siehe Freud: Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität 
(Ges. Sehr. Bd. V). 



44 



ausgehen wird, oder ob die Analyse des Ödipuskomplexes den Patienten nicht 
vor die Frage: alles oder nichts, stellen wird. — Von dieser prinzipiellen 
Schwierigkeit abgesehen, sind die Perversionen nicht schwerer analytisch 
angreifbar als die Neurosen. Das der Analyse unzugängliche konstitutionelle 
Moment ist ja auch dort vorhanden. Wo es als besonders intensiv in die 
Augen fällt, z. B. bei Homosexuellen, die auch körperlich sehr deutUch An- 
zeichen des anderen Geschlechtes aufweisen, also biologisch Übergänge zum 
Pseudohermaphroditismus darstellen, wird man der Psychoanalyse eine somati- 
sche Behandlung vorziehen. Trotz der Vorsicht, die auch dieses Moment er- 
fordert, bleiben genug Fälle übrig, bei denen die Psychoanalyse indiziert 
erscheint. Härnik hat darauf hingewiesen," daß die Prognose der analyti- 
schen Behandlung der Homosexualität besser sei als vielfach angenommen 
wird, daß allerdings bestimmte Modifikationen der Technik notwendig seien, 
die mit der von F r e u d f ür die Angsthysterie geforderten „aktiven Therapie" 
verglichen werden können," indem er es für nötig hält, im geeigneten 
Moment der analytischen Kur den Patienten zu veranlassen, den Verkehr mit 
Frauen zu versuchen. Eine solche Aufforderung geht allerdings, wie er mit 
Recht betont, ihrer Natur nach über die, eine bloße Angst zu überwinden, 
weit hinaus. - Bei vielen Perversionen haben wir den stark narzißtischen 
Charakter, der ihnen zugrunde liegt, betont. Dementsprechend gibt es viele 
Fälle von Perversionen, die im Übertragungsverhalten der analytischen Kur 
und auch sonst im Leben das Bild einer narzißtischen Charakterstörung oder 
gar fast einer Psychose bieten. Für solche Fälle gelten natürlich die Schwierig- 
keiten, die der die Perversion begleitenden Anomalie zukommen. In diesem 
Sinne muß die Formel: Mischbilder mit Neurosen sind die günstigsten, modifi- 
ziert werden: Mischbilder mit zwar subjektiv schweren, dem zugrunde 
hegenden Mechanismus nach aber leichten Neurosen sind die günstigsten. 



71) Härnik: Therapie der Homosexualität. Vortrag auf d. IL Tagg. d Deut- 
schen Ps.-a. Ges., Dresden 1930. *^ 

72) Freud: Wege der psychoanalytischen Therapie. (Ges. Sehr. Bd. VI. S. 144). 



//. KAPITEL 



Perversionsverwandte Neurosen 



a) Sonstige neurotisdie Sexualstörungen 

Es gibt eine Reihe neurotischer Störungen des Sexuallebens, die, nicht zu den 
Perversionen gehörig, meist mit diesen zusammen abgehandelt werden. Da 
sind vor allem die Phänomene der Hypo- und Hypersexualität, der Menschen, 
die im Vergleich mit dem Normalen einen zu schwachen oder zu starken 
Sexualtrieb zu haben scheinen. Selbstverständlich können solche Fälle rein 
organischer Natur sein und in somatischen innersekretorischen Störungen ihre 
Grundlage haben. Recht häufig aber sieht man, daß die Anomalie eine schein- 
bare, durch psychische Umstände vorgetäuschte ist, — und nur über solche 
„Pseudohypo- und -hypersexualität" soll hier die Rede sein. 

Die Hyposexualität ist meistens durch eine grobe Verwechslung von Genitali- 
tät und SexuaUtät vorgetäuscht. Geringeres sexuelles Begehren haben die 
Menschen, die ihre Libido nicht genital, sondern anderweitig untergebracht 
haben. Letzten Endes sind alle Neurotiker dadurch gestört, daß ihre SexuaUtät, 
weil sie unbewußt infantile Bedeutung hat, gehemmt, ihre Libido verschoben 
ist. Dieses Schicksal betrifft nur einen Teil der Libido, der freilich immer groß 
genug sein muß, um die neurotischen Erscheinungen zu speisen, aber doch 
klein genug sein kann, um das Sexualleben äußerlich nicht gestört erscheinen 
und den Patienten sich subjektiv befriedigt fühlen zu lassen. Meist aber ist 
dieser Anteil größer. Reich hat mit besonderem Nachdruck darauf hinge- 
wiesen, wie selten bei Neurotikern ein neben den Symptomen einherlaufendes 
normales Sexualleben zu finden ist, und wie häufig sich auch diese seltenen 
Fälle noch als scheinbare erweisen, deren subjektive Befriedigung sich dadurch 
erklärt, daß die Patienten gar nicht wissen, wie anders der Normale den 



46 

Sexualgenuß erlebt/ Impotenzen und Frigiditäten sind bei sämtlichen Neurosen- 
formen ein ganz gewöhnlicher Nebenbefund — und viele der sexuell gesund 
erscheinenden Neurotiker sind „orgastisch impotent". (R e i c h)=. Der fort- 
währende Kampf um die in der Verdrängung erhalten geWiebene infantile 
Sexualität beeinträchtigt die aktuelle Sexualenergie der Neurotiker. Das muß 
sich nicht in einem scheinbaren Absinken der bewußten Sexuallust manifestie- 
ren, kann es aber. Die „Pseudohyposexualität" ist also keine eigene Neurosen- 
form, sondern etwas, was bei allen Neurosen als Begleiterscheinung vorkommt 
und seinem Mechanismus nach ebenso wie die Beeinträchtigung der Sexual- 
funktionen (Impotenz, Ejaculatio praecox, Frigidität und Vaginismus) im 
wesenthchen in das Kapitel der „Hemmungen" gehört.^ 

Eine Hypersexualität kann durch genau den gleichen Umstand vor- 
getäuscht sein. Manche Neurotiker bringen es fertig, die ihnen durch ihre Neu- 
rose versagte befriedigende Abfuhr immer wieder - und natürlich immer 
wieder vergebens - auf genitalem Wege zu suchen und dadurch den Eindruck 
emer enorm starken GenitaHtät zu erwecken. (Genau so wie nach Anerkennung 
der durch die Psychoanalyse notwendig gewordenen Umfangserweiterung des 
Begriffes Sexualität die Symptome und die in der Analyse aufgedeckten unbe- 
wußten Triebwünsche der Neurotiker eine ungeheure genuine Triebstärke vor- 
täuschen, die in Wirklichkeit durch den Mangel an Abfuhr, durch die Libido- 
stauung sich erklärt.') Wenn ein Neurotiker es fertig bringt, vierzehn Mal am 
Tage zu onameren, oder ein anderer, den Geschlechtsakt zehnmal hintereinan- 
der auszuführen, so braucht es meist keiner tiefgehenden Analyse, um hinter 
dem scheinbaren Plus das reale Minus aufzudecken. Der Normale hätte schon 
langst in der Befriedigung seinen Trieb zum Abklingen gebracht, der Neurotiker 
aber leidet an Unfähigkeit zur Befriedigung und versucht des- 
halb immer wieder, diese Befriedigung in neueriicher Wiederholung des Aktes 
zu erzwingen. Obwohl er den Orgasmus jedesmal erieben mag, ist er doch im 
Reichschen Sinne „orgastisch impotent", d. h. unfähig, die befriedigende 
Entspannung zu erreichen. So erklärt es sich, daß meist diese „Hypersexuellen" 
die chronischen Neurastheniker sind, deren genital nicht erledigbaren Libido- 
quanten aktualneurotische Symptome, eine die Unbefriedigung verratende 
ewige innere Unruhe, Störungen der Arbeitsfähigkeit, die sich im „libido- 
gestauten" Zustand nicht einstellen kann, u. dgl. m. produzieren. Sie sind zu 
einer wahren „Endlust" unfähig, was sich gelegentHch schon durch relativ zu 

i) Reich: Die Funktion des Orgasmus. 1527. S. 13 ff. 
2) Reich: Die Funktion des Orgasmus. 1927. 

3) Siehe Kapitel „Hemmungszustände" in meinem Buche „Hysterien und Zwangs- 
neurosen . ° 

4) Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V. S. 43/44). 



47 

frühe Ejakulation und ähnliche Störungen manifest zeigt.' Viele Neurotiker 
verlegen den Akzent ihres Sexuallebens weitgehend auf die V o r 1 u s t mecha- 
nismen, erzeugen und genießen immer wieder Spannungen, ohne je adäquat zu 
entspannen, sexualisieren aus dieser Neigung heraus alle möglichen an sich 
harmlosen Betätigungen sekundär und geraten mit der Zeit in eine Art Dauer- 
erregungszustand. Dies dürfte weniger auf eine primäre sexuelle Unersättlichkeit, 
die ewige Lust will und deshalb die das Ende der Lust bringende Endlust ab- 
lehnt, zurückzuführen sein, wie Pfeifer annimmt", sondern der Kranke 
machte wohl mehr aus der Not eine Tugend; die Ursache ist in der primären 
Insuffizienz des Orgasmus zu suchen.' In dieser Betonung der Vorlust, also der 
Spannungs lust, die an Bedeutung die Lust an der befreienden Entspannung 
noch zu übertreffen scheint, liegt jedenfalls ein an a 1 e r o tisch e s Moment, 
da diese Spannungslust bei der Betätigung der Analsphinkteren am intensivsten 
erlebt wird. 

Woher kommt aber die Insuffizienz des Orgasmus? Wenn die Libido die 
normale Entwicklung zum Genitalprimat des Erwachsenen nicht durchgemacht 
hat, sondern jede sexuelle Erregung unbewußt infantil-sexuelle Bedeutung hat, 
so kann der Orgasmus aus zweierlei Gründen nicht geKngen. i) Keinerlei Aktua- 
lität kann die infantilen Wünsche befriedigen (z. B. sind die realen Sexual- 
partner niemals die Eltern); z) Dem sexuellen Genuß stehen jene abwehrenden 
Kräfte — Ängste und Schuldgefühle — entgegen, die der infantilen Sexualität 
gelten, und verhindern die volle Befriedigung. — Diese Auskunft ist sicher 
richtig, aber sie befriedigt nicht, weil sie zu allgemein ist. Das in ihr Behauptete 
trifft ja für jeden Neurotiker zu. Dem ist wieder entgegenzuhalten, daß die 
in Rede stehenden Erscheinungen auch tatsächhch mehr oder weniger stark bei 
jedem Neurotiker vorkommen. — Bei den Fällen aber, bei denen sie ganz be- 
sonders ausgeprägt sind und das Krankheitsbild beherrschen, muß noch ein 
spezieller Faktor hinzukommen. 

Gewiß ist auch der Don Juan durch seinen Ödipuskomplex charakterisiert: 
Er sucht in der ganzen Welt die Mutter und kann sie nicht finden. Die Analyse 
dieser Typen erweist aber, daß der zugrunde liegende Ödipuskomplex eine ganz 
besondere Form hat.^ Er ist ein prägenitaler, und zwar hauptsächlich von 
narzißtischen Konflikten durchsetzter und sadistisch gefärbter Ödipuskomplex. 
Die prägenitale Tönung, die die Muttersehnsucht begleitet, scheint hier nicht 
nur eine regressiv entstellte Form zu sein; hierher gehören vielmehr Menschen, 

j) Reich: Die Funktion des Orgasmus. 

6) Pfeifer: Die neurotische Dauerlust. Int. Z. f. Ps.-A. XIV (1928) und Über 
eine Form der Abwehr. Int. Z. f. Ps.-A. XVI (1930). 

7) Diese Ansicht ist vor allem vertreten worden von Reich in: Die Funktion des 
Orgasmus. 

8) Siehe Rank: Die Don Juan-Gestalt. Imago VIII (1922). 



48 

die durch starke prägenitale Fixierungen ihren Ödipuskomplex schon von An- 
fang an prägenital gefärbt haben, deren Objektbeziehungen immer von stärke- 
ren unbewußten narzißtischen Beziehungen begleitet, deren Liebe immer ein 
unbewußtes Stück Haß, deren Liebe und Haß immer ein unbewußtes Stück 
„Einverleibung" beigemengt ist. Oft dienen ihre Sexualhandlungen vorwiegend 
dem Vei-such, Konflikte des Selbstgefühls zu lösen, das eigene Selbstbewußtsein 
zu steigern (und über diesen Typ wird in den folgenden Kapiteln mehr die 
Rede sein); oder es scheint der geheime prägenitale und sadistische Sinn der 
unbewußten Muttersehnsucht zu sein, der durch keinen Koitus befriedigt wer- 
den kann. Die sadistische Neigung gilt dabei gewiß nicht nur den Objekten, 
sondern ist oft gegen das eigene Ich gewandt, so daß der regen sexuellen Tätig- 
keit auch ein — masochistischer oder selbstbestrafender — Drang zur Selbst- 
zerstörung innewohnt. Hartnäckigere Fälle von Ejaculatio praecox lassen fast 
stets einen solchen prägenitalen Gehalt erkennen." — Natürhch kann auch jede 
andere unbewußte perverse Neigung zu ähnlichen Bildern führen. Ein unbewußt 
stark homosexueller Mann z. B. wird durch den Verkehr mit der Frau erregt, 
aber nicht befriedigt, und sucht dann die Befriedigung in immer wieder vergeb- 
lichen neuen Versuchen. (Den "Weg zum Verständnis dieser Fälle bahnt die 
Analyse von Pollutionsträumen nach Koitus). 

Der Priapismus mag gelegentlich als das dieser psychischen Einstellung 
entsprechende Konversionssymptom erklärbar und heilbar sein. Es ist aber 
sicher gut, auf die Seltenheit dieses Konversionssymptomes zu verweisen und zu 
bemerken, daß der organisch bedingte Priapismus häufiger vorkommt. Auch 
bei angeblich organisch gesunden Fällen ist zu eingehendster somatischer Nach- 
untersuchung zu raten. 

Die Nymphomanie — oder richtiger die Pseudonymphomanie, da ja die 
Möglichkeit einer rein innersekretorischen nicht ausgeschlossen ist, — ist ähn- 
lich gebaut wie die entsprechende männliche Störung." Oft ergibt schon die 
genauere Anamnese, daß die nymphomanen Frauen keineswegs immer die 
sexuell empfindsamsten sind, zum mindesten nicht leicht und nicht immer zum 
Orgasmus kommen. Aber selbst wo das der Fall ist, ist der Orgasmus keine 
wirkliche „Endlust", bringt keine Befriedigung. Noch eindeutiger als beim Don 
Juan scheint die Analyse hierher gehöriger Fälle zu erweisen, daß ihnen neben 
einer besonders narzißtischen Einstellung eine ganz besondere prägenital-sadisti- 
sche Färbung des Ödipuskomplexes zugrunde liegt. Die starke gegen den 
Partner wie gegen das eigene Ich gerichtete sadistische Komponente manifestiert 

9) Siehe das Kapitel „Hemmungszustände" meines Buches „Hysterien und Zwangs- 
neurosen". 

10) Siehe das Kapitel „Die Sexualerregung bei der Nymphomanie" in Reich: Die 
Funktion des Orgasmus. S. jo S. 



49 

sich schon in der Art, mit der hier nach der unerreichbaren sexuellen Befriedi- 
gung gestrebt wird. Die Analyse erweist regelmäßig eine gegen den Partner ge- 
richtete unbewußte Haßstrebung, die ihn mit Gewalt zwingen will, die uner- 
reichbare volle Befriedigung zu geben. Es handelt sich dabei um die Wieder- 
holung der entsprechenden infantilen Einstellung. Mit der gleichen Gier hatte 
das kleine Mädchen die Befriedigung vom Vater begehrt — und ihr Verhalten 
folgt der Formel: Wenn du es mir nicht gibst, so hole ich es mir. Häufig ist 
eine solche Racheeinstellung mit einer Neigung verbunden, jede Enttäuschung 
mit einem Objektverlust zu beantworten, und weist somit auf die starke prä- 
genitale Fixierung. Gewiß hängt dieses „es", das die Kranke so stürmisch be- 
gehrt, innig mit ihrem Kindwunsch und Penisneid zusammen, und das Begehren 
entspricht der Phantasie, dem Mann den Penis zu rauben oder abzubeißen. Aber 
die Art, wie der Raub und die Einverleibung des Penis gedacht ist, deutet darauf 
hin, daß dem scheinbar unaufhörhchen genitalen Begehren eine Pseudogenitah- 
tät zugrunde liegt, daß das Ziel die (letzten Endes orale) Einverleibung, ihr 
Gegenstand — Kind, dahinter Penis — unterbaut ist von prägenitalen Vorstel- 
lungen von Kot und Milch, GelegentUch läßt sich nachweisen, welche vorange- 
gangenen Erfahrungen der frühkindlichen Zeit dem späteren Ödipuskomplex 
diesen prägenitalen Stempel aufgedrückt haben und evtl. von der Mutter auf 
den Vater übertragen worden sind." „Ich will das Körperinnere der Mutter 
rauben und oral zerstören" ist der vielleicht tiefste Ausdruck dieser besonders 
von Melanie Klein hervorgehobenen Strebung^^ Das „Körperinnere" ist 
Milch, Kot, Kind — wohl viel seltener „Penis des Vaters"; das Denken dieser 
Schichten ist viel zu integral, als daß wir ihm den Gedanken „die Mutter hat 
beim Verkehr den Penis des Vaters geraubt; nun steckt er in ihr und ich will 
ihn herausholen" als typisch und regelmäßig vorkommend zumuten dürften. 
Es ist wiederholt darauf hingewiesen worden, daß beim Übergang der sexuellen 
Erregbarkeit von der KUtoris auf die Vagina alte orale Einstellungen wieder 
mobilisiert und „nach unten" verlegt werden." Bei der Nymphomanen scheint 
das in zu ausgiebigem Maße erfolgt zu sein, die Vagina ist im Grunde ein 
Mund gebheben, ihre Wünsche sind eine Wiederholung des infantilen oralen 
Sadismus. 

Seit der Publizierung eines solchen Falles" hatte ich Gelegenheit, einen zweiten 
typischen dieser Art zu studieren. Ein Mädchen hatte als Säugling eine Magendarm- 

ii) Siehe Fenichel: Zur prägenitalen Vorgeschichte des Ödipuskomplexes. Int. 
Z. f. Ps.-A. XVI (1930). 

12) Melanie Klein: Frühstadien des Ödipuskomplexes. Int. Z. f. Ps.-A. XIV 
(1928) und seither in verschiedenen anderen Arbeiten. 

13) Helene Deutsch: Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen. S. 54. 

14) Fenichel: Zur prägenitalen Vorgeschichte des Ödipuskomplexes. Int. Z. f. 
Ps.-A. XVI (1930). 

4 Fenichel, Perversionen 



50 

erkrankung durchgemacht, derentwegen sie hatte hungern müssen. Dies schuf eine 
ungeheure orale Begehrlichkeit. Sie hatte in der darauf folgenden Zeit die Gewohn- 
heit, die ausgetrunkene Milchflasche auf den Boden zu schleudern und zu zerbrechen, 
was ich als Ausdruck etwa des Gedankens auffasse: Was soll mir eine leere Flasche, 
ich will eine volle! — Als kleines Kind war sie ungeheuer gefräßig. — Entsprechend 
dieser oralen Fixierung entwickelte die Patientin eine starke Angst vor Liebesverlust und 
klammerte sich innig an die Mutter an.^^ Es war ihr also eine große Enttäuschung, 
als die Mutter in ihrem dritten Lebensjahre schwanger wurde. Sie wollte mit dem 
dicken Bauch nicht anders umgehen als vorher mit den leeren Flaschen: ihn ver- 
nichten, seinen, Inhalt fressen, wohl auch sich selbst an dessen Stelle legen. Als das 
Kind geboren war, riß sie ihm die Milchflasche aus dem Mund, trank sie aus und 
stieß sie leer der Kleinen so in den Hals, daß diese beinahe erstickt wäre. Kein 
Wunder, daß sie, als sie um diese Zeit die Existenz des Penis entdeckte, ihn nach dem 
Vorbild „Kind im Bauch" perzipierte, ihn auch ausreißen (eindrücken), aufessen und 
sich an seine Stelle setzen wollte. 

Die endgültige Grundlage für eine solche Verschiebung von an der Mutter erwor- 
benen Einstellungen auf den Vater wurde der Umstand, daß die Mutter, als die 
Patientin fünf Jahre alt war, starb, was — wie alle Todesfälle von Angehörigen — 
die orale Fixierung noch weiter erhöhte. Nur eine kurze Zeit genoß das Kind das 
Glück der Erwartung, sie werde jetzt die Mutter ersetzen. Dieses Glück wurde ihr 
nicht nur durch ein schweres Schuldgefühl (hatte sie die Mutter doch schon lange 
vor dem ödipusalter ihrer Schwangerschaft wegen töten wollen) und durch reale 
Enttäuschungen (es kam eine Erzieherin ins Haus und die Patientin wurde wieder 
kleines Kind) zerstört, sondern auch durch die (orale) Unfähigkeit, den Verlust der 
Mutter und ihrer Zärtlichkeit zu ertragen. Die sich nun rasch etablierende, für das 
spätere Leben ausschlaggebende, Liebesbindung an den Vater, der eigentliche Ödipus- 
komplex, nahm seine unbewußte Spezialform völlig von einer Übertragung prägeni- 
taler Mutterbeziehungen auf die genitale Vaterbeziehung: Sie war charakterisiert ein- 
mal durch die Phantasie, den Penis (= das Kind) zu rauben und zu fressen, dann 
aber durch die Phantasie, am oder im Bauch des Vaters zu sein, selbst gefressen zu 
werden, im Vater-Mutterleib keinen weiteren Verlust mehr befürchten zu müssen 
— und, als Ganzes Penis des Vaters geworden, an seiner Männlichkeit Anteil zu 
haben. Alle ihre späteren Männerbindungen waren nach diesem Vorbild gebildet und 
sowohl von Identifizierungsneigungen als auch von der Idee, kleines Angeschmiegtes 
zu sein, durchzogen. Die schwer schuldbeladene Onaniephantasie der Pubertätsjahre, 
ein Mohr vergewaltige sie in einem Korsettgeschäft, die den Ödipuskomplex deckte, 
enthielt auch dessen prägenitale Vorgeschichte. Denn „Korsett" erwies sich als Deck- 
Ausdruck für die Vorstellung „dicken Bauch beseitigen" und der „Mohr" ist der Vater 
als Kindlifresser, der die kleinen Kinder an seinen Gürtel steckt und dort herunter- 
baumeln läßt. 

Wie bei der männlichen HypersexuaÜtät ist auch hier zuzugeben, daß ähnliche 
(wenn auch weniger ausgeprägte) Erscheinungen auch bei jeder anderen unbe- 
wußten Perversion auftreten können. Allgemein ist die Hypersexualität als ein 
Versuch zu betrachten, irgendwelche Spannungen, die keine genitalen sind, auf 
genitalem Wege abzuführen. 



ij) Über diesen Zusammenhang in den späteren Kapiteln mehr. 



51 

Am deutlichsten offenbart sich die nichtgenitale Natur dieser Spannungen 
dort, wo ihr hoch zusammengesetzter Charakter am deutlichsten ist, wie in 
manchen Fällen von Zwangsonanie. Diese ist meist den bisher besproche- 
nen Fällen analog gebaut. Wie wir von den Zwangshandlungen (soweit sie nicht 
Abwehrbedeutung hatten) erfuhren, daß sie automatische inadäquate Versuche 
darstellen, infantile Triebspannungen abzuführen, deren eigentlichen Sinn das 
exekutierende Ich nicht kennt, so stellt die Zwangsonanie einen entsprechenden 
Versuch zu ihrer genitalen Abfuhr dar. Sie ist weit davon entfernt, sexuelle 
Befriedigung zu geben, wie etwa die normale Onanie des Pubertätsalters, son- 
dern hat oft genug für das Bewußtsein unangenehmen und quälenden Charak- 
ter. Häufig wird ein solcher Onanieimpuls absolut als Zwangssymptom erlebt, 
etwa mit dem Zusatz: Du mußt jetzt onanieren, sonst stirbt dein Vater o. dgl., 
oder mit bestimmt einzuhaltenden, die Lust ausschließenden Zeremoniells. Aus 
der Onanie ist eine zwanghafte „Zerrform der Onanie" (Rad 6)" geworden. 
Solche Zwangsonanie kann wie jedes andere Zwangssymptom analysiert werden 
und hat einen speziellen Sinn. Die Ursachen der zugrundeliegenden Spannungen 
sind alle möglichen, nur keine unmittelbar genitalen. Am wichtigsten scheinen 
auch hier die sadistischen zu sein, sowohl die gegen das Objekt gerichteten 
Impulse, die in manchen mit der Zwangsonanie verbundenen Zwangsbefürch- 
tungen nachweisbar sind, als auch die selbstzerstörerischen, die die Gleichung 
Ejakulation = Kastration zur Grundlage haben und der wiederholten Onanie 
schließlich den unbewußten Sinn des protrahierten Selbstmordes geben." 

Da der primäre Sinn vieler Zwangssymptome eine Onanieabwehr ist, bedeutet 
die schheßlich als Zwangssymptom auftretende Onanie den größten Triumph 
„der Wiederkehr des Verdrängten aus der Verdrängung". Schließlich kann das 
paradoxe Bild entstehen, daß nicht Angst die Onanie, sondern Onanie die Angst 
abwehrt. Vorgeschrittene Fälle von Zwangsneurose suchen sich schheßlich jeder 
durch die Neurose erwachsenen inneren Spannung durch Onanie zu entziehen. 
So findet man nicht selten onanistische Akte auf dem Höhepunkt einer Zweifel- 
sucht, als inadäquaten Versuch zu ihrer Erledigung." 

Ein Zwangsneurotiker, der ein Telegramm aufgegeben, wieder zurückgerufen, wieder 
aufgegeben und wieder zurückgerufen hatte, litt derart unter dem Zweifel, wie er sich 
nun endgültig entscheiden sollte, daß er sich nicht anders zu helfen wußte, als auf 
öffentlichem Platze zu onanieren. 



i6) Vortrag in der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft 193 1. 

17) F e r e n c z i hat das Phänomen der „Pollution ohne Orgasmus" als eine der 
Zwangsonanie verwandte Erscheinung nachgewiesen. Siehe: Pollution ohne orgastischen 
Traum und Orgasmus im Traume ohne Pollution. Int. Z. f. Ps.-A. IV. 1917. (Auch 
in „Bausteine zur Psychoanalyse", Bd. II, S. ijiff.) 

18) Vgl. das Kapitel „Zwangsneurose" meines Buches „Hysterien und Zwangs- 
neurosen". 



52 

Bei solchen Versuchen, sich neurotischen Konflikten durch Onanie zu ent- 
ziehen, kommt es unter Umständen dazu, daß in schweren Zuständen diese (be- 
wußt dann meist phantasielosen) onanistischen Akte unspezifischer Ausdruck 
von Regungen aus sämtlichen Organisationsstufen der Libido, inkl. wieder der 
aggressiven und der selbstzerstörerischen, werden, ein Versuch, sich aus seeli- 
scher Not wenigstens ein Stück weit in Euphorie zu retten. Das kann, etwa 
bei Depressionen oder initialen Schizophrenien, zu einer von der eigent- 
lichen Zwangsonanie in der Erlebnisqualität schon recht verschiedenen Art 
„Onaniesucht" werden ohne speziellen unbewußten Sinn und mit dem 
Wechsel von Rausch und Reue und den oralen Chrakterzügen, die die Sucht 
charakterisieren, über die später die Rede sein wird. Man versteht, warum der 
onanistische Akt die ersehnte Entspannung nicht bringen kann: Weil die 
Betreffenden ja aus inneren Gründen entspannungsunfähig geworden sind. Warum 
aber versuchen sie unter dem Druck der inneren Spannung immer wieder diesen 
inadäquaten Weg? Weil ihre Erinnerung sie lehrt, daß der genitale Or- 
gasmus doch einmal ein adäquater Weg zur Entspannung gewesen ist. Sie 
suchen etwas Verlorenes und können es nicht wieder finden. Sie sind in einen 
verhängnisvollen Zirkel hineingeraten: Der mißlungene Orgasmus hinterläßt 
unangenehme Spannungen. Man versucht, diese durch Onanie abzuführen, was 
aber mißlingt und dadurch noch höhere Spannungen erzeugt usw. Dies erklärt 
das allmähliche Anwachsen der Anzahl der Onanieakte in solchen Fällen; sie 
demonstrieren das für alle Neurosen so verhängnisvolle Moment der „Libido- 
stauung" besonders deutlich. (Natürlich muß man sich hüten, jede starke 
Onanie, die Ausdruck irgendwelcher Konflikte ist, als eine solche „Onaniesucht" 
aufzufassen). 

Wenn ein Patient sich mit Symptomen solcher Hypersexualität vorstellt, so 
wird die Besprechung bzw. Probeanalyse erst den wirklichen Charakter dieser 
Symptome festzustellen haben. Sie wird wahrscheinlich häufig zur Diagnose 
„Neurasthenie", vielleicht auch nicht selten zu der einfachen „Hysterie" führen, 
in wieder anderen ein Symptom einer Zwangsneurose oder gar einer initialen 
Psychose erkennen. Da hier keine eigene Neurosenform vorliegt, kann 
es keine einheitliche Indikations- und Prognosestellung geben. Zwanghafte 
Polygamie, Nymphomanie, Zwangsonanie oder dgl. wird man im allge- 
meinen gewiß erfolgreich analytisch angehen können, soweit nicht aktual- 
neurotische oder narzißtische Momente die Wirkungsmöglichkeiten ein- 
schränken. 

Der bereits im Perversionskapitel erwähnte sexuelle Infantilismus 
soll hier noch einmal systematisch hervorgehoben werden. Er verhält sich zur 
Perversion wie der durch Entwicklungsstörungen entstandene Zwangscharakter 
(bzw. die chronische Neurasthenie) zur Zwangsneurose. Er ist die echte Ent- 



53 

Wicklungsstörung der Libido, die eintritt, wenn den Ansätzen zur Organisie- 
rung des Sexualtriebes ein Widerstand entgegentritt. 

Er ist charakterisiert dadurch, daß sein ganzes Sexualleben dem der Kinder 
gleicht: Die perversen Handlungen sind polymorph, die sexuelle Befriedigung 
von der sexuellen Erregung nicht scharf unterschieden, die Haltung vorwiegend 
primitiv narzißtisch, die Sexualhandlungen vielfach autoerotisch. Über Fälle, 
bei denen diese Infantilität vollkommen auf das Sexualleben beschränkt bleibt, 
ist nichts Spezifisches bekannt. Soweit sie untersucht sind, sind es die frühinfan- 
tilen Ängste vor Kastration und Liebesverlust, die sich bei frühen narzißtischen 
Fixierungen der Sexualentwicklung entgegenstellen. Häufiger sind sie Begleit- 
erscheinungen eines allgemeinen Infantilismus und dann Teilerscheinungen einer 
schweren Charakterfehlentwicklung oder einer initialen oder abortiven Psy- 
chose. (Man darf nicht vergessen, daß auch alle Psychosen in sexueller Hinsicht 
bei narzißtischer Haltung sich polymorph pervers betätigen.) So findet man 
unter ihnen Menschen, die in ihrer ganzen Einstellung zur Wirklichkeit und 
nicht nur in der Sexualität kleinen Kindern gleichen, und die sich praktisch 
häufig mit den als „Pseudodebilität" bezeichneten decken. Bei anderen wieder 
ist das polymorph perverse sexuelle Verhalten verbunden mit einer ebenso 
schweren Störung der Entwicklung der Objektbeziehungen. Es sind Menschen, 
die noch nicht Liebe und Haß, sondern nur deren Vorstufen kennen, die andere 
Objekte nur zur Regulierung ihres eigenen Selbstgefühles, zur Herstellung ihres 
narzißtischen Gleichgewichtes brauchen, immer „Verzeihung" und Selbst- 
achtung von außen zugeführt bekommen möissen, um leben zu können, so wie 
der Säugling der äußeren Zufuhr der Muttermilch bedarf. Auch mancher 
Don Juan und manche Nymphomanie gehören dem gleichen Typ an." Aus- 
führlicher wird über solche Typen später die Rede sein. Hier soll nur noch 
erwähnt werden, daß in ihrem Sexualleben nicht nur sämtliche erogenen Zonen 
und Partialtriebe sich unorganisiert äußern, sondern daß auch ganz sonderbare, 
aber nie ausschließliche Einzelperversionsneigungen auftreten, die manchmal wie 
Kinderunarten, andere Male wie Impulshandlungen, gelegentlich fast wie Süchte, 
anmuten. 

So hatte ein hierhergehöriger Patient sexuelle Erregung beim — Würstchenessen, 
das er triebhaft gierig täglich betrieb, wobei seine oral-analen 'Wünsche nur wenig 
entstellt waren. 

Die Prognose solcher Fälle ist eine schlechte und muß nach den Bedingungen 
des einzelnen Falles gestellt werden. 

19) Dieser Typus ist als identisch mit dem zu manisch-depressiven Erkrankungen 
Disponierten (s. später) beschrieben worden von Radö in: Das Problem der Melan- 
choHe. Int. 2. f. Ps.-A. XIII (1927). 



54 

Manche echte Perversionen machen durch den exquisit infantilen Charakter ihres 
Sexualzieles den Eindruck von „Infantilismus". Solche sind hier nicht gemeint. So 
kam eine erwachsene Patientin nur zur sexuellen Befriedigung, wenn sie, allein im 
Bette liegend, an ihrem Finger lutschte. Das war eine echte Perversion (d. h. sie war 
nicht polymorph pervers und die Oralerotik war nur regressive Exekutorin der ganzen 
darüberliegenden späteren Sexualität) und ihre wesentlichen Mechanismen waren 
hysterisch. Sie war der analytischen Therapie zugänglich. 



b) Impulshandltmgen und Südite 

Wir haben erwähnt, daß die Triebhandlungen beim sogenanten „impulsiven 
Irresein" ein Übergangsgebiet zwischen Zwangsneurose und Perversion dar- 
stellen. Sie verbinden diese beiden Pole in einer kontinuierUchen Reihe, wie et- 
-Sva die Organneurosen die von Hysterie und Hypochondrie. Ihre psychoanalyti- 
sche Erforschung ist leider noch recht lückenhaft. Verständnis haben wir für 
die beiden Endpunkte der Reihe, die nur Abarten der bekannten Formen der 
Zwangsneurose und der Perversion sind. Über das Spezifische aber, das gerade 
den in der Mitte zwischen beiden Polen Hegenden Fällen zukommt, sind noch 
genug Probleme offen. 

Die typische Zwangshandlung trägt objektiv harmlosen Charakter. Zwar weist 
die Analyse nach, daß ihr, wie allen Symptomen der Zwangsneurose, unbewußt 
starke sadistische oder überhaupt aggressive Impulse zugrunde liegen, mögen 
diese nun in ihr direkt symbolischen Ausdruck oder magische Abwehr finden. 
Doch gehört es zum typischen Bild des zwangsneurotischen Konfliktes, daß die 
Abwehr stark genug ist, um ein wirklich schädigendes Verhalten in der Zwangs- 
handlung auszuschließen. Auch in den Zwangshandlungen, die in entstellter 
Form einen direkten Ausdruck der Feindseligkeit bedeuten, bedient sich die 
Entstellung meist des Mechanismus der „Verschiebung auf ein Kleinstes", ja 
selbst dort, wo gelegentlich Zwangshandlungen einen objektiv gefährlicheren 
Charakter tragen, z. B. zwangsweises Hin- und Herdrehen am Gashahn, ge- 
schieht dies subjektiv unter Vorherrschung der Abwehr. Mordimpulse brechen 
häufig nur in Form von Zwangsvorstellungen durch, die von der mo- 
torischen Sphäre weit genug entfernt sind.^" Aber es gibt von dieser Regel 
gelegentlich auch Ausnahmen, d. h. Zwangshandlungen, die, sei es gegen ein 
Objekt, sei es gegen das eigene Ich, objektiv aggressiven Charakter tragen. Wir 
werden dann freiHch urteilen, daß diese Fälle nicht mehr als typische Zwangs- 
neurosen anzusehen sind, da die Triebdurchsetzung eben so weitgehend gelingt, 



20) Siehe das Kapitel „Zwangsneurose" meines Buches „Hysterien und Zwangs- 



neurosen 



SS 

sondern daß sie schon anderen schwereren (meist narzißtischen) Störungen nahe 
verwandt sind. Es ist aber zugegeben, daß Fälle denkbar sind, bei denen diese 
nähere Verwandtschaft sich eben nur in diesem einen Punkte manifestiert, wenn 
auch wahrscheinlich häufiger auch andere Züge, vor allem Zyklothymie und 
andere dem manisch-depressiven oder schizophrenen Kreise verwandte Erschei- 
nungen, für sie sprechen. So gibt es Fälle von triebhaftem Stehlen, Feueranlegen 
usw., die im wesentlichen allen Gesetzen der Zwangsneurose unterstehen. Bzgl. 
der Frage der differentiellen Ätiologie, d. h. danach, unter welchen Umständen 
aggressive Impulse in Zwangshandlungen in so deutlicher Form durchbrechen 
können, wollen wir uns vorläufig mit dem Hinweis auf das Mitwirken narzißti- 
scher, zwischen Ich und Über-Ich spielender Mechanismen begnügen — und 
uns nunmehr dem anderen Ende der kontinuierlichen Reihe zuwenden. 

Bei der Besprechung des Fetischismus haben wir die Existenz „subjektiver 
Fetische" erwähnt, d. h. jene Fälle, die nur unter ganz bestimmten durchaus 
atypischen Bedingungen zur Sexualbefriedigung kommen können. Wir haben 
gesehen, daß diese Bedingungen dann die Erinnerungen an verdrängte Kind- 
heitserlebnisse enthalten, an die der Patient fixiert geblieben ist, weil sie geeignet 
waren, typische Konflikte seiner infantilen Sexualität, z. B. seines Kastrations- 
komplexes, zu lösen oder der Lösung näher zu bringen. Ihre Entstehungsmög- 
lichkeit liegt darin begründet, daß ja jedes erregende Erlebnis als Quelle auch 
einer gewissen sexuellen Erregung in Betracht kommt, ein Umstand, den wir 
auch zur Erklärung des erogenen Masochismus heranzogen, und der es ermög- 
licht, daß alle möglichen scheinbar vom Sexuellen weit abliegenden Tätig- 
keitsgebiete „sexualisiert" werden können. Wir haben dort auch erwähnt, daß 
in den ,subjektiven Liebesbedingungen" ein weites Übergangsgebiet zum Nor- 
malen existiert, so daß wir solche Erscheinungen nur dann als „pathologisch" 
werten dürften, wenn die merkwürdigen atypischen Maßnahmen zum Orgas- 
mus führen und ganz an Stelle der normalen Sexualbefriedigung getreten sind. — 
Auch unter diesen atypischen Maßnahmen gibt es noch relativ typische, d. h. 
solche, die bei jedem Menschen, insbesondere bei jedem Kind, eine gewisse 
Sexualerregung auszulösen geeignet sind, obwohl sie nicht direkte Befriedigung 
eines Partialtriebes bedeuten. Eine solche ist z. B. das F e u e r a n z ü n d e n 
und das Spielen mit dem Feuer.''^ Viele Menschen erinnern direkte sexuelle 
Sensationen, die sie bei solcher Betätigung hatten, unmittelbar, und die Ge- 
schichte vom „Pauhnchen" im „Struwelpeter" demonstriert die allgemeine 
Verbreitung solcher Sensationen. Diese Lust ist der sogenannten „Angstlust"'^ 

2i) Siehe z. B. Freud: Bruchstück einer Hysterieanalyse (Ges. Sehr. Bd. VIII. 
S. 73 ff) und Aus der Geschichte einer infantilen Neurose (Ges. Sehr. Bd. VIII. S. J35). 

22) Hattingberg: Analerotik, Angstlust und Eigensinn. Int. Z. f. Ps.-A. II 
(1914) und Laforgue: Über die Erotisierung der Angst. Int. Z. f. Ps.-A. XVI (1930). 



J6 

verwandt, also der erwähnten Fähigkeit, andere Affekte als Quelle sexueller 
Erregung zu benutzen. Sie scheint aber noch primitiveren und direkter 
archaischen Trieben zu entsprechen als diese. Die Analyse weist in ihr neben 
der Wirksamkeit sadistischer, d. h. objektzerstörender Tendenzen, vor allem 
eine tiefe Beziehung zur Urethralerotik nach, die, selbst nicht mehr analytisch 
erklärbar, unbekannte phylogenetische Wurzeln haben muß. Genau so wie es 
urethrale (koprophile) Perversionen geben kann, kann es auch Perversionen 
dieses verschobenen Gebietes der Urethralerotik geben. Sie kann unter den- 
selben Bedingungen wie ein Partialtrieb Orgasmusfähigkeit erhalten, und so 
die Lust, Feuer anzuzünden, real oder in der Phantasie unerläßUche Bedingung 
des Sexualgenusses werden. Eine solche „Feuerperversion" wäre analytisch 
prinzipiell von einer anderen Perversion in nichts unterschieden, und das 
Problem, unter welchen Bedingungen ein solcher Mensch sich mit Phantasien 
begnügt und unter welchen er zum triebhaften Brandstifter wird, ist nicht ver- 
schieden von dem, was darüber den Ausschlag gibt, ob ein Sadist nur phanta- 
siert oder realiter lustmordet (ein Problem, das wir allerdings auch noch nicht 
gelöst haben). 

Die Entscheidung darüber, ob etwa ein Fall von impulsivem Brandstiften 
mehr der einen oder der anderen Kategorie angehört, gibt natürlich die Art 
des subjektiven Erlebens. Wenn wir von einer kontinuierlichen Reihe sprachen, 
so meinten wir damit, daß die meisten Fälle Erscheinungen beider Gebiete in 
sich vereinen, d. b., daß das Brandstiften einerseits meist zwanghafter und 
ichfremder empfunden werden dürfte als die Perversionsneigungen echter 
Perversionen, gleichzeitig aber auch in den Fällen, die nicht dabei zum Orgas- 
mus kommen, ein direkteres sexuelles Lustgefühl hervorrufen als echte 
Zwangshandlungen.^' — In dem einen Punkt, in dem Zwangshandlungen 
und Perversionen miteinander übereinstimmen, machen auch die Impuls- 
handlungen keine Ausnahme: Auch sie sind nicht etwa Ausdruck eines 
einfachen, aus der Kindheit übrig gebliebenen oder wieder geweckten 
Triebes, desseri Auftreten, innersekretorisch bedingt, keine Psychogenese 
hätte. Die Impulshandlung ist vielmehr ein kompÜziertes Gebilde und Aus- 
druck eines unbewußten Konfliktes, eines unbewußten Triebanspruches und 
seiner Abwehr, sei es, daß seine Verdrängung erst mit Hilfe des aufkommen- 
den Symptomes geleistet wird (Perversion), sei es, daß das Auftreten der 
Impulshandlung einen Durchbruch des schon Verdrängten in entstellter Form 
bedeutet (Zwangshandlung). Diese unbewußten Konflikte der infantilen 

23) Siehe: Bychowski: Zur Psychopathologie der Brandstiftung. Schweiz. Arch. 
f. N. u. Psych. V (1919) und zur kontinuierlichen Reihe von Zwangsneurose bis 
Perversion vgl. F e r e n c z i : Mischgebilde von erotischen und Charakterzügen. Int. 
Z. f. Ps.-A. IV (1916). 



S7 



Sexualität sind auch hier ödipus- und Kastrationskomplex. Bei den meisten 
typischen Impulshandlungen können wir darüber hinaus auch über die 
Fixierungspunkte, über die durch sie bedingte typische spezielle Gestaltung 
dieser Komplexe und über die intermediären Gebilde, die sie vertreten, schon 
Aussagen machen. Bei unserem Beispiel, der Brandstiftung, kann das aller- 
dings nicht geschehen, da genügend tiefe Analysen solcher Fälle nicht vor- 
liegen. Wir können nur vermuten, daß, ähnlich wie bei der Nymphomanie, 
der Ödipuskomplex hier eine besondere prägenital-sadistische Färbung hat, 
und daß das ganze Sexualleben des Patienten von tiefen Haß- und Rache- 
impulsen beherrscht oder wenigstens gefärbt sein muß; die spezifische Fixierung 
muß eine urethralerotische sein. — Näheres wissen wir aber über den 
Kleptomanen, für den eine ähnliche Voraussetzung nachgewiesen ist. 
Er ist an eine bestimmte infantile Haltung fixiert, nämlich an die, Versagungen 
seiner Liebessehnsucht mit einer trotzig-feindseligen Reaktion zu beantworten: 
„Wenn du es mir nicht gibst, so hole ich es mir." Nach diesem Schema ist 
der Ödipuskomplex gebaut: Die Mutter (der Vater) gibt mir die Befriedigung 
nicht, ich muß sie mir holen. — Wir haben bei der „Hypersexualität" ver- 
standen, daß eine solche Haltung Produkt einer prägenital-sadistischen, 
typischerweise oralen, Fixierung und einer partiellen Regression auf diese 
Stufe ist. Entsprechend muß man auch die Erwartung hegen, die durch die 
Analyse bestätigt wird, daß das vom Kleptomanen gestohlene Gut die Milch 
bzw. die Mutterbrust symbolisch darstellt. Aber man darf nicht etwa glauben, 
daß diese „letzte", d. h. tiefste Bedeutung auch die ökonomisch ausschlag- 
gebendste sein muß. Sie kann vielmehr regressiver Ausdruck für die Sehn- 
sucht nach Objekten der höheren Organisationsstufen, Kot, Penis und Kind 
sein. Alle drei Produkte können in tiefer, der Objektbeziehung der Einver- 
leibung entsprechender Schicht im Innern des Mutterleibs gedacht sein, 
so daß das Stehlen die von Melanie Klein hervorgehobene Bedeutung erhält: 
Ich möchte mir den Inhalt des Mutterleibes holen." Soweit die Erfahrung 
reicht, scheinen dem gestohlenen Gut zwar jedesmal alle diese Bedeutungen 
zuzukommen, aber im allgemeinen wohl der Penisbedeutung die größte.'^ 
Der Umstand, daß Kleptomanie bei Mädchen häufiger ist als bei Knaben, 
findet so seine Erklärung. Der typische unbewußte Gedanke nach der ödipus- 
enttäuschung des kleinen Mädchens lautet dann etwa: „Wenn ich schon kein 
Kind vom Vater erhalte, so möchte ich wenigstens einen Penis haben. Aber 

24) Melanie Klein: Frühstadien des Ödipuskomplexes. Int. Z. f. Ps.-A. XIV (1928). 

2j) Siehe Chadwick: A Gase of Kleptomania in a Girl of Ten Years. Int. 
Journ. of Ps.-A. VI (1925), Tamm: Drei Fälle von Stehlen bei Kindern. Z. f. ps.-a. 
Päd. Bd. II (1927), Lorand: Grime in Fantasy and Dreams, and the Neurotic 
Griminal. Ps.-a. Rev. XVII (1950) usw. 



J8 

auch den bekomme ich nicht. Ich habe in den frühesten Stadien meiner Ent- 
wicklung die Überzeugung gewonnen, daß ich mir das, was man mir nicht 
gibt, holen muß, also muß ich mir den Penis stehlen." — Auch beim Knaben 
ist ein solcher unbewußter Wunsch nach einem Penis nicht so absurd, wie 
es auf den ersten Blick anmutet. Er kann sich ja einen anderen, einen größeren 
Penis wünschen, einen solchen, wie ihn der Vater hat. — Es sei ausdrücklich 
erwähnt, daß auch die Fälle von Kleptomanie wie die von impulsiver 
Brandstiftung an allen Punkten der kontinuierlichen Reihe vorkommen, 
nicht nur, wie man häufig annimmt, nur in der Nähe des zwangsneuro- 
tischen Poles. 

Ich hatte Gelegenheit, eine vierzigjährige Rückfalldiebin zu sprechen, die angab, 
nicht nur bei ihren Diebstählen sexuelle Erregung und im Moment ihres Gelingens 
Orgasmus zu empfinden, sondern auch keine andere Form des Orgasmus zu kennen. 
Sie war völlig frigid und auch beim Onanieren phantasierte sie, daß sie stehle. 

Der Spieltrieb scheint immer irgendwo in der Mitte zwischen den 
beiden Polen zu liegen. Es ist meines Wissens weder beschrieben worden, daß 
ein Spieler seine Leidenschaft wie eine Zwangsvorstellung erlebte, noch daß er 
regelmäßig beim Spielen zum Orgasmus käme. Auch die Spielleidenschaft 
erweist sich in der Analyse als verschobener Ausdruck der wichtigsten Kon- 
flikte des infantilen Sexuallebens.*" Typischerweise ist es der Kampf zwischen 
Trieb und Abwehr, der seinerzeit um die Onanie getobt hatte, der nun 
auf dieses neue Betätigungsfeld verschoben scheint. Die Erregung des Spielers 
entspricht der sexuellen Erregung, der Gewinn dem Orgasmus, der Verlust 
der strafenden Kastration; wie immer, wenn der Onanie im unbewußten 
Seelenleben eine wichtige Rolle zukommt, erscheint sie auch hier als Sünden- 
bock für die in ihr exekutierten Regungen des Ödipuskomplexes, die letzten 
Endes auch im Spiel Befriedigung oder Bestrafung finden. Man versteht leicht, 
daß, wie die analytische Erfahrung bestätigt, auch hier die Bedingung für eine 
solche Verschiebung eine besondere prägenital-sadistische Färbung des 
Ödipuskomplexes sein muß (Einstellung zum Spielpartner). Doch scheint 
dabei hier das orale Moment weniger hervorstechend als das anale (Rolle des 
Geldes). 

Der einzige Fall von Spielleidenschaft, den ich zu analysieren Gelegenheit hatte, 
war ein Lotteriespieler. Er benahm sich durchaus so, als sei es eine ausgemachte Sache, 
daß er einmal einen Haupttreffer machen müsse. Das Schicksal sei es ihm einfach 
schuldig. — Die Analyse ergab, daß das „Schicksal", wie so oft, eine Deckfigur für 
den Vater war. Sich vom Vater erhalten zu lassen, ihm sein Geld wegzunehmen, war 

16) Siehe Freud: Dostojewski und die Vatertötung (Almanach der Psychoanalyse 
1930) und Simmel: Zur Psychoanalyse des Spielers. Autorref. Int. Z. f. Ps.-A. 
VI (1920). 



S9 



das immer wiederkehrende Motiv dieses ganzen Lebens. Es entsprach der oben ge- 
schilderten prägenital-sadistischen Einstellung des (in diesem Falle negativen) Ödipus- 
komplexes. 

3X^eniger perversionsähnlich und mehr der Zwangsneurose angenähert 
scheint der Wandertrieb zu sein. Immerhin erleben auch die meisten 
triebhaften Wanderer Genuß an ihrem Symptom, die Sexualisierung muß also 
weitgehend gelungen sein. Offenbar handelt es sich da um einen Mechanis- 
mus, den wir gleich als für die Sucht charakteristisch beschreiben werden: 
Eine dem inneren Reizschutz dienende Unternehmung wird sekundär Sexual- 
befriedigung. Der typische Wanderer scheint primär Depressionsneigungen und 
Schuldgefühlen (die mit den Sexualvorstellungen verbunden sind), aus dem 
Wege gehen zu wollen. Bernfeld hat darauf hingewiesen, daß zur 
Fixierung an dieser Art der Abwehr von Schuldgefühlen gewisse Vor- 
bedingungen nötig sind, die nur am „sozialen Ort" des Proletariats realisiert 
sind; nämlich die in der Kindheit bestehende MögKchkeit, schuldbeladenen 
Auseinandersetzungen mit den Eltern durch wirkliches Davonlaufen zu ent- 
gehen." Wir kommen im Charakterkapitel darauf zurück. — Hier sind end- 
lich noch die von „Sonderlingen" aller Art leidenschaftUch betriebenen 
Liebhabereien anzuschließen, die wie eine Art Privatperversion impo- 
nieren und teils den Eindruck sexualisierter Zwanghaftigkeit machen, teils 
auch manifest sexuellen Charakter annehmen.^' 

Man kann die Frage nach dem unbewußten Inhalt der Impulshandlungen 
nicht verlassen, ohne ausdrücklich zu erwähnen, wie diese Handlungen ge- 
eignet sind, nicht nur unterdrückten und entstellten Regungen des Es, son- 
dern gleichzeitig solchen eines strengen Über-Ichs Genüge zu tun. Es gehört 
zum Begriff des Spielers, daß er sich schließlich zugrunderichtet, wie zu dem 
des Brandstifters und Diebes, daß er schUeßlich erwischt wird. Deshalb finden 
sich so häufig Impulshandlungen bei „moralischen Masochisten". Das ist 
natüriich weder gegenüber der Zwangsneurose noch gegenüber der Perversion 
ein prinzipieller Unterschied, denn bei beiden Formen finden sich gelegentlich 
ähnliche Charaktere: Es ist ja bekannt, wie viele Zwangssymptome nur die 
Aufgabe haben, einen Über-Ich-Anspruch zu befriedigen; auch bei Perversionen 
ist das Strafbedürfnis nicht gering; so kannte ich einen Exhibidonisten, der 
sein Symptom nur produzierte, wenn er Polizei in der Nähe wußte. Aber es 
bleibt immerhin ein quantitativer Unterschied, daß die narzißtische 
Auseinandersetzung zwischen Ich und Über-Ich oft schon fast gänzUch an die 



27) Bernfeld: Der soziale Ort und seine Bedeutung für Neurose, Verwahrlosung 
und Pädagogik. Imago XV (1929). 

28) Vgl. 2. B. Rickman: Photography as a Pseudo Perversion. Int. Journal of 
Ps.-A. VI (1924). 



6o 

Stelle der ursprünglichen Auseinandersetzung zwischen Trieb-Ich und ver- 
bietender Elterngewalt getreten ist, was für die narzißtischere, der manisch- 
depressiven Gruppe verwandtere Natur der Impulshandlung spricht, wie wir 
sie schon von einer anderen Seite her erkannt haben. 

In ihrem Charakter als Übergangsgebiet zwischen Zwangssymptom und 
sexueller Befriedigung erinnern die Impulshandlungen an die Zwangsonanie. 
Dieser manifesten Ähnlichkeit entspricht auch das Zugrundeliegen ähnlicher 
Mechanismen. Wenn wir die Spielleidenschaft etwa als eine entstellte Onanie 
gekennzeichnet haben, so müssen wir ergänzend hinzufügen, sie sei eine 
entstellte Zwangsonanie. Eine Impulshandlung kann nicht nur eine 
Zwangshandlung darstellen, deren Sexualisierung gelungen und deren Aus- 
führung allmählich mit zunehmender Lust ausgestattet wurde, sondern es 
kann umgekehrt zugehen, wie bei der Zwangsonanie: Ein ursprünglich vor- 
handener sexueller Genuß kann im Laufe der Entwicklung mehr und mehr 
in den Hintergrund gerückt werden. Das Ausüben der Impulshandlung mit 
ihrer unbewußten sexuellen Bedeutung kann schließlich ebenso wie die Zwangs- 
onanie als inadäquater Versuch beschrieben werden, Spannungen aller mög- 
lichen Entstehungsarten genital abzuführen. Nicht nur um Lust zu 
gewinnen, sondern um Spannungsunlust zu vermeiden, um in Zuständen un- 
erträglicher Spannung, in Zuständen des Schmerzes und der Depression eine 
Entlastung zu suchen, wird die Handlung vollzogen. — Und man wird ver- 
stehen, daß — genau wie bei der Zwangsonanie — ein solcher Versuch miß- 
lingen, daß sich wieder der verhängnisvolle Circulus der „Libidostauung" 
entwickeln muß. Oft wird dann hinter der unbewußten sexuellen Bedeutung 
der Impulshandlung ein destruktiver, besonders selbstzerstörerischer Sinn be- 
merkbar. Auch dieser Zusammenhang bringt die hierhergehörenden Krank- 
heiten in die Nähe des manisch-depressiven Irreseins, indem auch in ihnen 
abwechselnd strenge Über-Ich-Ansprüche (unerträgliche narzißtische Span- 
nungen) und ihr fast völliges Schwinden (ihre intendierte Vertreibung durch 
die Impulshandlung) erscheinen. Deshalb machen so viele hierher gehörende 
Kranke bei der Ausübung ihrer Impulshandlungen einen manischen Eindruck, 
und deshalb müssen wir auch diesbezügliche nähere Erörterungen auf das 
Kapitel über die manisch-depressiven Krankheiten verschieben. Manche 
Impulshandlungen werden mit allen psychischen Charakteren der Süchtigkeit, 
im "Wechesl von Tat und Reue, ausgeführt, imponieren deshalb wie eine 
„rauschmittellose Sucht" und tatsächlich funktionieren sie auch nach den 
gleich zu besprechenden Mechanismen der Süchte. 

Wir verstehen so, daß das früher aufgeworfene Problem, wieso es bei den 
Kranken dieser Klasse zur realen Ausführung der Triebhandlungen kommt, 
das identisch ist mit dem, warum der eine Sadist lustmordet, der andere nicht. 



6i 

und mit dem, wieso gelegentlich Zwangsneurotiker entgegen dem für sie 
typischen Bilde zur Ausführung objektiv destruktiver Zwangshandlungen 
kommen, ein sehr kompUziertes ist. Da normaliter das Über-Ich die Aus- 
führung solcher Handlungen verhindert, muß es sich um eine Dysfunktion 
des Über-Ichs handeln.^" Der naheliegendsten Auskunft, das Über-Ich solcher 
Patienten sei von vornherein defekt und verbiete die Ausführung der Trieb- 
handlungen nicht, widerspricht die analytische Erfahrung, die ein oft 
durchaus normales Über-Ich nachweist; aber auch schon die bloße 
Beobachtung zeigt, daß das Über-Ich der Patienten ja nur zeitweise mangel- 
haft funktioniert, nämlich gerade bei Ausführung der Handlungen, während 
es in den Intervallen normal wirksam ist. Es kann also nicht der Inhalt des 
Über-Ichs verantworthch sein, sondern nur seine Strukturierung, sein Ver- 
hältnis zum Ich und sein Einbau in den gesamten psychischen Apparat. 
Solche Dysfunktion wird dort am ehesten zu studieren und dem Verständnis 
näher zu bringen sein, wo sie nicht nur gelegentlich bei der einen oder anderen 
Handlung, sondern in massiverer Form als wesentlich für den Charakter des 
Menschen oder für sein Krankheitsbild erscheint. Bezüghch des ersteren handelt 
es sich hier um den von Reich beschriebenen sogenannten „triebhaften 
Charakter"^", dem ja wohl die meisten Personen, die Impulshandlungen voll- 
führen, zuzurechnen sind; bezüglich des zweiten ist nach dem Gesagten klar, 
daß es die manisch-depressiven Erkrankungen sind, die die entsprechende 
Dysfunktion zeigen. Wir verschieben deshalb die Debatte darüber auf diese 
beiden Kapitel. 

"Wir haben gesagt, daß Zwangsonanie und unbewußt sexuell gemeinte Im- 
pulshandiungen zur Bekämpfung innerer Spannungen jeglicher Art benutzt 
werden können. Sie erscheinen dann als inadäquate Mittel zur Bewältigung 
überstarker Regungen. Nach dem Ausdruck Freuds, der davon spricht, 
daß von außen kommende Reize durch einen besonderen „Reizschutz" ge- 
siebt werden'*, kann man von einem Versuch sprechen, Onanie oder Zwangs- 
handlung als „Reizschutz nach innen" zu gebrauchen. Hier verliert also die 
Sexualität ihre spezifische Funktion und wird allmählich zum unspezifischen 
Reizschutz. Denkbar wäre auch der umgekehrte Vorgang, daß irgendein als 
„Reizschutz nach innen" angewandtes Mittel sekundär sexuelle Bedeutung an- 
nimmt und die sexuelle Struktur und Organisation verändert. Das scheint der 

29) Ausführliche Diskussionen dieses Problems bei Alexander: Psychoanalyse 
der Gesamtpersönlichkeit, Reich: Der triebhafte Charakter und Reik: Geständnis- 
zwang und Strafbedürfnis. 

30) Reich: Der triebhafte Charakter. i . 

31) Freud: Jenseits des Lustprinzips (Ges. Sehr. Bd. VI. S. 214). 



62 



Fall zu sein bei einer den Impulshandlungen sehr verwandten und oft ihr 
zugerechneten Krankheitsgruppe, den Süchten. Obwohl über sie sehr auf- 
schlußreiche psychoanalytische Forschungen vorliegen, die uns insbesondere mit 
den unbewußten Inhalten der Sexualkonflikte der Kranken, deren Ausdruck 
die Suchthandlungen sind, vertraut gemacht haben'^ ist die prinzipielle Er- 
forschung ihrer Psychologie, ihr pathognomonischer Charakter psycho- 
analytisch noch sehr problematisch. Mangel an eigener Erfahrung gebietet 
daher, mich hier kurz zu fassen und nur einiges Prinzipielle zu sagen. 

Eine grundlegende Arbeit von R a d 6'^ ermöglicht die prinzipielle Erfassung 
des Bildes der Sucht unter einem vorhin angedeuteten Schema: Ein als Reiz- 
schutz nach innen angewandtes Mittel gewinnt sekundär sexuelle Bedeutung 
und beeinflußt dadurch in verhängnisvoller Weise die sexuelle und damit die 
gesamte Struktur der Persönlichkeit. Es hegt in der pharmakologischen Wirk- 
samkeit der meisten Rauschgifte, daß sie gleichzeitig Hilfe und Lust zu 
geben vermögen. Wer an Schmerzen leidet und sich Morphium injiziert, dem 
ist der Reizschutz nach innen wirklich gelungen, denn er ist ja seine Erregung 
losgeworden. Genau so ist die euphorisierende Wirkung der Rauschgifte ein 
Schutz gegen psychische „Schmerzen", z. B. gegen Depressionen, und zwar ein 
wirksamerer als etwa die Zwangsonanie. Bleibt es bei dieser „Reizschutz"- 
Funktion, so können wir noch nicht von einer „Sucht" sprechen. Der Normale, 
der körperiicher Schmerzen wegen zur Spritze greift, könnte diese weglegen, 
sobald die Schmerzen aufhören. Für unser zweites Beispiel ist eine solche 
Überlegung allerdings schon undurchführbar: denn der Depressive, der sich 
trösten will, ist niemals ein „Normaler". Die Psychogenese der Depression wol- 
len wir ja erst später besprechen, aber soviel muß hier vorweg genommen 
werden, daß die Manisch-Depressiven Menschen sind mit sehr frühen, nämlich 
oralen, Fixierungen, so daß wir schon von diesem Zusammenhang her rein 
äußeriich verstehen können, daß besonders oral disponierte Menschen auch 
süchtig werden. — Es gehört nun auch zur pharmakologischen Wirkung der 
Rauschgifte, daß sie eine intensive Lust zu gewähren vermögen, deren Cha- 
rakter allerdings vorerst noch problematisch ist. So könnte man sagen, daß der 
Kranke, der T r o s t sucht und Lust findet, mehr bekommt als er erwartete. 
Allerdings scheint diese Lustwirkung nur bei manchen Menschen eine solche 
Intensität zu erreichen, daß in ihnen der „Rauschwunsch" entsteht, der sie dazu 
bewegt, diese Lust immer wieder aufzusuchen. Nicht jeder Mensch, der Rausch- 



32) Rad 6: Die psychischen Wirkungen der Rauschgifte. Int. Z. f. Ps.-A. XII 
(1926), Simmel: Zum Problem von Zwang und Sucht. Ber. V. allg. ärzd. Kongr. 
f. Psychoth. (1930), Schilder: „Intoxikationen". In: Entwurf zu einer Psychiatrie 
auf psychoanalytischer Grundlage. Außerdem mehrere Arbeiten über Alkoholismus. 

33) Rad 6: Die psychischen Wirkungen der Rauschgifte. Int. Z. f. Ps.-A. XII (1926). 



«3 



gifte nimmt, wird zum Süchtigen; darüber entscheidet erst der Umstand, ob 
ein „Rauschwunsch" entsteht oder nicht. Das Problem der Psychologie ' der 
Süchte konzentriert sich auf die Fragen nach dem Charakter der durch sie 
vermittelten Lust und auf die Bedingungen der Entstehung des Rausch- 
Wunsches. 

AUe psychoanalytischen Autoren, die bisher Suchtkranke untersuchten, 
stimmen darin überein, daß nicht die chemische Wirkung des Giftes über Ent- 
stehung und Charakter der Sucht entscheidet, sondern die psychische Beschaf- 
fenheit der Persönlichkeit, auf die diese chemische Wirkung Einfluß nimmt. 
Die pramorbide PersönUchkeit entscheidet über das weitere Schicksal. Süchtig 
wird derjenige, der geneigt ist, die Lust des Rausches, den „pharmakotoxischen 
Orgasmus", (R a d 6)=' höher einzuschätzen als alle sexuelle Lust. (Wir werden 
uns gleich fragen, wovon eine solche Neigung abhängt). Die Folge ist, daß die 
Gemtallust durch ihren besseren Ersatz überflüssig wird. Die reale Welt der 
Objekte, an der die Genitallust zu gewinnen ist, verliert deshalb an Interesse. 
Die genitale Organisation löst sich auf, eine großartige Regression setzt ein, 
je nach den verschiedenen Fixierungspunkten kommen verschiedene Gebiete 
der mfantilen Sexuahtät, Ödipuskomplex, infantile Onaniekonflikte und prä- 
gemtale Regungen, wieder in den Vordergrund, und schließlich bleibt die 
Libido in Form einer „amorphen erotischen Spannkraft" ohne „differenzierende 
Merkmale und Organisationsform" übrig.»" Der sexuelle Orgasmus ist voll- 
ständig durch den pharmakotoxischen ersetzt, die Realität hat, da sie von 
keinem sexuellen Interesse mehr ist, überhaupt kein Interesse, soweit sie nicht 
die Erreichung des Giftgenusses beeinflußt; schließlich ist die gesamte Realität 
nur mehr in der Spritze repräsentiert. 

Allerdings ist der schematische Ablauf der Süchtigkeit mit diesem Zerfall der 
PersönUchkeit noch nicht abgeschlossen. Es kommt dann dazu, daß noch zu 
besprechende physiologische und psychische Umstände schheßKch den Eintritt 
des Rausches ve r hin der n. Der Kranke muß zu größeren Dosen greifen, 
und die Endzustände scheinen einem Bild zu entsprechen, dem wir in weniger 
extremer Form schon begegnet sind bei der Zwangsonanie. Wie dort wird 
intendiert, schwere narzißtische Spannungen nach dem Vorbild einer einmal 
genossenen Lust in inadäquater Weise zur Abfuhr zu bringen. Dort vermochte 
der normale genitale, hier der pharmakotoxische Orgasmus nicht mehr zu 
leisten, was ihm zugemutet wird. Die Kranken werden „pharmakotoxisch 
orgastisch impotent". Sie müssen deshalb immer wieder zum Rauschgift greifen, 
um sich von der dem mißglückten vorigen Orgasmus entsprechenden Nieder- 
gedrücktheit zu befreien. Die Spritze, die erst hatte Reizschutz bringen sollen, 




64 

dann Sexualbefriedigung, wird nun sekundär wieder mehr (inadäquater) Reiz- 
schutz. 

Es ist noch das Problem zu besprechen, welche Eigenschaften der prämor- 
biden Persönlichkeit darüber entscheiden, ob der pharmakotoxische Orgasmus 
dem sexuellen so erfolgreich Konkurrenz machen kann und was schheßlich 
doch seine Insuffizienz bewirkt. Offenbar tritt er überhaupt nur bei bestimmt 
strukturierten Menschen auf. Die Analyse der Süchtigen und ihrer Phantasien 
gibt darüber leider keinen genügenden Aufschluß. Sie kann uns zwar ver- 
sichern, daß der Genitalprimat am ehesten zusammenbricht bei Menschen, 
deren Genitalprimat eben schwach ist, also bei prägenital Fixierten; sonst aber 
zeigt sie uns Bilder aller Organisationsstufen durcheinander. Die Onanie und 
der Kampf um sie, die begleitenden ödipusphantasien und die sie bekämpfende 
Kastrationsangst, perverse Neigungen jeder Art, Erscheinungsformen der prä- 
genitalen Organisationsformen der Libido, besonders intensive sadistische, 
anale, orale Triebe und Ängste sind neben- bzw. übereinander nachzuweisen. 
Diese Fülle, wie sie sich etwa in den Mitteilungen von S i m m e 1 über die 
Analyse Süchtiger zeigt'^ ist verblüffend, aber auch verwirrend. Wir meinen 
fast, daß der Endzustand da mehr lehren kann als der Prozeß. Die restierende 
„amorphe Spannkraft" muß Ähnlichkeit haben mit den allerersten Stufen der 
Libidoentwicklung vor jeder Organisation, also mit der oralen Einstellung des 
Säuglings. Orale Tendenzen sind nun tatsächlich (neben anderen) bei jedem 
Süchtigen in hervorragendem Maße nachzuweisen. Am deutlichsten ist das, wo 
das Gift auch oral appliziert wird. Bei der Spritze überwiegt gewiß, wie Sim- 
m e 1 nachweist''*, der genitalsymboHsche Charakter; aber der vermittelte Genuß 
hat, wie R a d 6 wahrscheinhch gemacht hat'", auch hier am ehesten Ähnlich- 
keit mit der Befriedigung des gesättigten Säuglings, die er den „alimentären 
Orgasmus" nennt. Wahrscheinhch gemacht wird das vor allem durch den 
Umstand, daß das hervorstechendste Moment des Rauscherlebnisses die über- 
wältigende Erhöhung des Selbstgefühls ist. Narzißtische Befriedigung des 
Selbstgefühls und erotische Befriedigung fallen im Rausch wie im Erlebnis des 
Festes zusammen. Es ist wahrscheinlich, daß das durch Regression in eine 
Zeit geschieht, in der Selbstgefühlsbefriedigung und erotische Befriedigung 
noch nicht differenziert waren, in die Säuglingszeit. Wir kommen auf dieses 
Problem im Kapitel über die manisch-depressive Gruppe zurück. Es ist also 
jedenfalls eine prägenitale, wahrscheinlich eine oral-narzißtische Fixierung, die 
den Ausschlag darüber gibt, ob nach Apphzierung des Giftes als „innerer Reiz- 
schutz" der „Rauschwunsch" und damit die Süchtigkeit eintritt oder nicht. 

iS) Simmel: Zum Problem von Zwang und Sucht. Ber. V, allg. ärztl. Kongreß 
f. Psychoth. 1930. 

36) Radö: Die psychischen Wirkungen der Rauschgifte. Int. Z. f. Ps.-A. XII (1926). 



^5 

Verschiedene Funde anderer Autoren ordnen sich einer solchen Auffassung 
unter: Wenn die Suchthandlung nach S i m m e 1 zunächst die genitale Onanie 
mit den ihr zugehörigen Phantasien und Konflikten, dahinter Konflikte aller 
Triebstufen bis zu der oralen, zum Inhalte hat", so entspricht das dem all- 
mählichen regressiven Verfall des Genitalprimats, der die ganze Libidoentwick- 
lung sozusagen rückläufig wiederholt und der durch seinen Endpunkt und 
nicht durch seine Zwischenglieder charakterisiert ist. Wenn nach S i m m e 1 die 
Organe des Süchtigen oft introjizierte Objekte repräsentieren", so stimmt das 
gewiß zur Prävalenz der oralen Triebwelt. 

"Wenn Gross die Dysfunktionen des Über-Ichs beim Süchtigen hervorhob 
und eine (allerdings nicht näher beschriebene) spezifische Eigenart in seinen 
Identifizierungen nachwies''^ so läßt auch das daran denken, daß die Identifi- 
zierung (totale Einverleibung) die Objektbeziehung der oralen Stufe ist, so daß 
Störungen auf diesem Gebiete ebenfalls auf orale Fixierungen hinweisen. Viele 
Erscheinungen in der Psychologie der Süchtigen werden sich dadurch erklären, 
daß auch das Über-Ich des Kranken nicht verschwunden, sondern zerfallen und 
die Beziehung des Ichs zu ihm im Verlaufe der Regression wieder sexualisiert 
worden ist. Dieser Umstand, der durch S i m m e 1 s Ausführungen besonders 
deutlich geworden ist'», ist der wesentliche psychische Faktor, der neben phy- 
siologischen den Ausschlag geben dürfte für den schließlichen Eintritt der 
„pharmakotoxischen Impotenz".'» Dieser ökonomische Faktor wird durch 
die Analyse des zwischen den Rauscherlebnissen hegenden depressiven „Katers" 
verständlich werden. 

Endlich vermag uns die Betonung der oralen Fixierung die auch manifeste 
Verwandtschaft mit den manisch-depressiven Erkrankungen verständlich zu 
machen. Mit Recht nennt Simmel das Rauscherlebnis eine „künstliche 
Manie"'». Im Endzustand lebt der Süchtige nur mehr in der inhaltsleeren Ab- 
wechslung von Rausch und Kater, die, wenn der Vergleich des pharmakotoxi- 
schen Orgasmus mit dem alimentären des Säuglings mehr sein soll als bloße 
Analogie, der Abwechslung von Hunger und Sättigung beim psychisch noch 
wenig differenzierten Säugling entspricht. Und etwas von diesem Nacheinander 
höchster Spannung und höchster Befriedigung scheint ja auch das Wesen von 
Depression und Manie zu sein (Rad 6). 

Die Frage nach den speziellen psychischen Wirkungen der einzelnen 



37) Simmel: Zum Problem von Zwang und Sucht. Ber. V. allg. ärzd. Kongreß 
f. Psychoth. 1930. 

38) Groß: Die Stellung des Ichs in der Sucht. Vortrag in d. deutschen ps.-a. Ge- 
sellschaft 1929. 

39) Simmel: Zum Problem von Zwang und Sucht. Ber. V. allg. ärzd. Kongreß 
f. Psychoth. 1930. 

40) Rado: Die psychischen Wirkungen der Rauschgifte. Int. Z. f. Ps.-A. XII (1926). 

j Feniche!, Perversionen 



66 



Rauschgifte, also nach einer psychoanalytischen Ergänzung der Beschreibung 
ihrer pharmakologischen Wirksamkeit, ist trotz Schilders Forderung nach 
einer „Pharmakopsychoanalyse"" noch kaum in Angriff genommen worden; ja 
es erscheint fraglich, wie weit ein solches Problem überhaupt lösbar ist. 
Vielleicht ist der Umstand, ob durch das Umschlagen des inneren Reizschutzes 
in eine überragende (sexuelle oder narzißtische) Befriedigung der eine oder der 
andere Partialtrieb besonders in Erscheinung tritt, weniger von der Intoxikation 
als von der prämorbiden Persönlichkeit abhängig. Mit den psychischen Formen 
der A 1 k o h o 1 Intoxikation haben sich verschiedene Autoren befaßt; sie 
konnten außer der allgemeinen Einsicht, daß hierbei toxisch Hemmungen be- 
seitigt werden, so daß verdrängte Triebregungen wieder erscheinen (was ja nur 
die Voraussetzung des „pharmakotoxischen Orgasmus" ist), übereinstimmend 
feststellen, daß gerade die h o m o s e x u e 1 1 e n Triebe beim Alkoholiker mar- 
kant in Erscheinung treten." Man braucht nur an die sogenannten „Trink- 
sitten" zu denken, um das zu bestätigen. Freilich bleibt dabei fraglich, ob der 
Alkohol toxisch die Homosexualität verstärkt, oder ob latent Homosexuelle am 
Alkohol besonderen Genuß finden und Hemmungen verlieren. Ein analoges 
Hervortreten der HomosexuaHtät hat Har tm ann im Kokainrausch festge- 
stellt.« — Die allgemeinen Charaktere der Süchtigen, die orale uid nar- 
zißtische Fixierung fehlen auch dem Alkoholiker nicht. Im übrigen muß man 
bei den Alkoholikern ebenso wie bei den Morphiumsüchtigen eine sehr große 
Zahl von leider noch nicht genügend differenzierten Qualitäts- und Intensitäts- 
varianten unterscheiden. Es bedeutet einen großen Unterschied, ob ein Mensch 
in äußerer oder innerer (depressiver) Not zum Alkohol (als zu einem Reiz- 
schutz) greift, der bei Schwinden der Not überflüssig wird, oder ob er in seiner 
ganzen Psychosexualität und im Selbstgefühl-Haushalt vom Rauschwunsch 
dirigiert ist, oder ob schließlich dieser Rauschwunsch selbst schon zum Schei- 
tern verurteilt ist und der Kranke in „pharmakotoxisch-orgastischer Impotenz" 
einem unerreichbaren Glück bis zum eignen Untergange nachjagt. Bis zu einem 
gewissen Grade gibt schon das allgemeine Verhalten der Außenwelt gegenüber 
einen Anhaltspunkt über den Grad des Zerfalls der Objektbeziehungen. Wer 
mit Freunden zecht, gibt sicher eine bessere Prognose als der Alleinsäufer. Der 

41) Schilder: Entwurf zu einer Psychiatrie auf psychoanalytischer Grundlage. 



19J- 



42) Abraham: Die psychologischen Beziehungen zwischen Sexualität und 
Alkohohsmus. Zeitschr. f. Sexualwiss. 1908, J u 1 i u s b u r g e r: Beitrag zur Psycho- 
logie der sogenannten Dipsomanie. Zentr. f. Ps.-A. II (191a) und Alkoholismus und 

W1 nf% K vvTTw'- '^'^' ^^^^''"^■1= AlcohoHsm and Psychoanalysis. Brit. 
Jourl. oi Inebrity XXIII (1925) u. a. 

43) Hartmann: Kokainismus und Homosexualität. 2. f. d. ges. Neun u. Psych. 



67 

„Quartalssäufer" ist eine der periodischen Depression analoge Bildung. — Sehr 
wenig psychoanalytisch untersucht sind noch die Alkoholpsychosen." Da wir 
im nächsten Kapitel hören werden, daß der „Bruch mit der Realität" der ent- 
scheidende zur Psychose führende Schritt ist, ist es naheliegend, das durch den 
pharmakotoxischen Orgasmus bedingte Überflüssigwerden der Objektlibido für 
einen solchen Bruch verantwortlich zu machen. Wenn Psychosen häufig in der 
Abstinenz ausbrechen, so ist wohl auch gerade im Alkoholentzug ein Moment 
zu sehen, das die Realität verleidet. Unter welchen Umständen der Bruch in 
so verhängnisvoller Weise vollzogen wird, wovon die für die Alkoholpsychosen 
charakteristischen klinischen Symptome stammen (man denke an die phallische 
Natur der halluzinierten „Mäuse", — über die paranoiden Symptome s. Kapitel 
Schizophrenie), was psychisch-regressiv, was organisch-toxisch ist, ist noch nicht 
eindeutig festgestellt. Eine sehr lesenswerte Arbeit von T a u s k erkannte im 
Beschäftigungsdelir ein „Koituswunschdehr" des durch den Alkohol libidinisier- 
ten und gleichzeitig in der Potenz geschädigten sexualsehnsüchtigen, aber in 
tieferer Schicht narzißtisch-homosexuellen Trinkers.*^ 

Bei der Frage der psychoanalytischen Therapie der Süchtigen und der Im- 
pulskranken ist vieles noch strittig. Einig ist man sich darin, daß eine psycho- 
analytische Behandlung möglichst anzustreben ist, weil die prämorbide Dispo- 
sition, nach einer Entziehungskur unverändert gelassen, bald wieder zu neuer 
Giftapplikation führen würde. Nicht allein die chemische Wirkung, sondern 
der verhängnisvolle Rauschwunsch ist ja zu bekämpfen. Einig ist man sich 
ferner darin, daß eine solche psychoanalytische Behandlung bei der prägenital- 
narzißtischen Konstitution der Kranken eine sehr schwierige Angelegenheit ist, 
aber auch darin, daß der Kampf mit allen Schwierigkeiten lohnt, wenn er zum 
Erfolg führt. — Nicht mehr so einig ist man sich über das Verhältnis der Ent- 
ziehungskur zur Psychoanalyse. Am günstigsten ist es wohl, knapp nach oder 
während einer Entziehungskur mit der Behandlung einzusetzen, doch wird man 
nicht erwarten können, daß der Patient während der ganzen Analyse asketisch 
bleibt. Hat er die Möglichkeit dazu, so wird er wohl im Widerstand zum Mittel 
greifen. Schon deshalb ist S i m m e 1 durchaus beizupflichten, daß die Analyse 
der Süchtigen in der Anstalt besser durchzuführen ist als ambulant.'" 
Darüber, wann und wie bei Rückfällen das Gift zu entziehen ist, wird man 
keine generellen Vorschriften machen können. Überhaupt ergibt sich ja aus 

44) Siehe Kapitel „Intoxikationen" in Schilder: Entwurf zu einer Psychiatrie 
auf psychoanalytischer Grundlage, ferner Kielholz: Analyseversuch bei Delirium 
tremens. Int. Z. f. Ps.-A. XII (1926). 

45) Tausk: Zur Psychologie des alkoholischen Beschäftigungsdelirs. Int. Z. f. 
Ps.-A. III (191J). 

46) Simmel: Die psychoanalytische Behandlung in der Klinik. Int. Z. f. Ps.-A. 
XIV (192S). 



68 

der Auffassung, daß die Entwicklung der Sucht ein chronischer Zerfallsprozeß 
ist, daß alles davon abhängt, auf welcher Stufe dieses Zerfalls die Analyse be- 
gonnen wird. Unter „Süchtigen" werden eben Menschen mit sehr verschiedenen 
Beziehungen zur Reahtät, mit sehr verschiedener Übertragungsfähigkeit ver- 
standen. 

Man darf vor allem nie vergessen, daß die Süchtigkeit mit dem Suchen nach 
einem Reizschutz einsetzt. Bei dem größeren Prozentsatz der sogenannten 
„Trinker" ist dieser Schutz nicht nötig gegen innere, psychogenetisch kompli- 
ziert gebaute Depressionen, sondern gegen äußere unhaltbare Lebensumstände. Da 
nutzt keine „Therapie", solange die Lebensumstände die gleichen bleiben, und 
würde vielleicht eine besondere Therapie überflüssig, gelänge es, die sozialen 
Vorbedingungen der Trunksucht radikal zu ändern. — Bzgl. der Fälle, bei 
denen bereits der Rauschwunsch über die Reizschutzfunktion überwiegt, kann 
man im allgemeinen sagen: Je frischer die Sucht, desto größer auch die 
Heilungsaussicht. — Die übrigen Impulshandlungen werden, je nachdem, wie 
eine Zwangsneurose oder wie eine Perversion zu betrachten sein. Besonders im 
letzteren Falle wird die Prognose wieder — ebenso wie übrigens bei der Sucht 
— vor allem nach der Tiefe und dem Ernst des Genesungswunsches zu be- 
urteilen sein; es mag allerdings sein, daß auch eine zunächst geringe Krank- 
heitseinsicht und ein entsprechend geringer Genesungswunsch durch eine Art 
Vorbehandlung erst vergrößert werden könnte, bevor die eigentliche analyti- 
sche Behandlung beginnt (das gilt sicher für die „triebhaften Charaktere";" 
siehe Charakterkapitel). Oberhaupt wird auf diesen Gebieten die klassische Me- 
thode der Psychoanalyse in Anpassung an die Notwendigkeit der Struktur der 
betreffenden Neurosen geändert werden müssen. Bezüglich solcher Modifika- 
tionen der Technik muß auf die Spezialliteratur verwiesen werden. 




///. KAPITEL 



Die Schizophrenien 



Je weiter wir uns mit unseren Erörterungen von der Hysterie entfernen, 
desto unabgeschlossener wird die theoretische psychoanalytische Erkenntnis. 
Die Theorie der Hysterie ist ein durch die Erfahrung täglich neu bestätigtes ab- 
gerundetes Ganzes. In der Theorie der Zwangsneurose bleiben bereits große 
Lücken offen, die zukünftige Forschung wird ausfüllen müssen. Eine einheit- 
liche Auffassung der Perversionen wird nur mehr mit Hilfe einer von der . 
Empirie erst zu bestätigenden Hypothese möglich. Die beiden Gebiete, die zu 
besprechen uns jetzt noch bevorsteht, die psychoanalytische Psychiatrie und 
Charakterologie, sind die jüngsten Forschungsgebiete der Psychoanalyse; ihre 
Bearbeitung steht immer noch in den ersten Anfängen; sie bieten eine Fülle der 
fesselndsten Probleme; aber nur das rohe Grundgerüst einer Theorie kann vor- 
läufig als wirklich gesichert gelten. 

Die Beziehungen der Psychoanalyse zur Psychiatrie sind schon so oft richtig 
untersucht und dargestellt worden,^ daß wir uns hier damit nicht aufhalten 
wollen; es sei bloß festgestellt; Eine psychoanalytische Theorie der Psy- 
chosen will weder die psychiatrische Forschung überflüssig machen noch sie 
ersetzen. Sie will sie lediglich an einem (allerdings vielleicht wesentlichen) 
Punkte ergänzen. Es bleiben nicht nur die Bedeutung der der Psychoanalyse un- 
zugänglichen Gebiete der somatischen und auf psychologischer Seite phäno- 
menologischen Forschungen unangetastet, sondern die „Mikroskopik" der 
Psychoanalyse muß — wie die Histologie die Anatomie — die „Makroskopik" 

i) Siehe Freud: XVI. Vorlesung der „Vorlesungen zur Einführung in die 
Psychoanalyse" (Ges. Sehr. Bd. VII), Binswanger: Psychoanalyse und klinische 
Psychiatrie. Int. Z. f. Ps.-A. VII (1921) und Stärcke: Psychoanalyse und Psy- 
chiatrie 1921. 



7° 



der klinischen Psychiatrie, die Symptomatik, Zustandsbild- und Krankheits- 
diagnostik und Prognostik als die Basis, auf der sie aufbaut, v o r a u s s e t z e n.= 
Bei Besprechung der einzelnen Neurosenformen stoßen wir auf ihnen jeweils 
verwandte dunklere Gebiete, die zur Schizophrenie überzuleiten scheinen.'' Der 
Hysterie schließen sich die Hypochondrie und manche Organneurosen an, die 
durch die Grundannahme verständlich werden, daß bei ihnen die Besetzung der 
mtrapsychischen Objektrepräsentanzen durch eine solche der dem Ich (Körper- 
schema) angehörigen Organrepräsentanzen ersetzt ist; „Narzißmus" ist an die 
Stelle von Objektbeziehungen getreten. An die hysterieverwandten Hemmungs- 
zustande reihen sich manche schon der Hebephrenie verwandte allgemeine 
Hemmungen, die durch eine Interesselosigkeit an der Außenwelt ausgezeichnet 
sind und mcht mehr den Eindruck einer Verdrängung, sondern den einer wirk- 
hchen Entleerung der Objektbesetzungen machen. Der Zwangsneurose ver- 
wandt erscheint der psychogene Tic, von dem man den Eindruck gewinnt, daß 
die m seinen Symptomen abgeführte Libido ebenfalls ein Ausdruck gestauter 
Organbesetzungen ist. Im Anschluß an die Perversionen endlich sprachen wir 
von den schweren Infantilismen, bei denen ebenfalls alle Auseinandersetzungen 
mit der Umwelt irgendwie verändert schienen; es gab keine originären Objekt- 
beziehungen, sondern die Objekte wurden nur dazu benutzt, Selbstgefühls- 
konflikte lösen zu helfen. Alle diese zur Psychose überieitenden Neurosen- 
formen sind also durch ein gemeinsames Moment charakterisiert: Die Regres- 
sion geht bei ihnen tiefer als bei den eigentlichen Neurosen, geht partiell bis zu 
einer Stufe, in der es noch keine Objektbeziehungen gab. Wir können deshalb 
das, was das wesentlichste und gesichertste Resultat der Freud sehen 
Psychosenforschung ist, schon sozusagen als Vorurteil an die Untersuchung der 
Psychose mitheranbringen: daß sie n a r z i ß t i s c h e Phänomene sind. 

Die Schizophrenie stellt bekanntlich im Sinne der psychiatrischen Forschung 
keine nosologische Einheit dar, sondern umfaßt eine ganze Gruppe psychischer 
Krankheiten. Die Mannigfaltigkeit ihrer Symptome und Zustandsbilder ist eine 
außerordentlich große. Was an ihnen allen auffällt, ist ihre Sonderbarkeit, ihre 
Bizarrerie, die Absurdität und die Unveriäßlichkeit des Affekt- wie des Vor- 
stellungslebens und der Verbindung beider. Die Einfühlung in die Kranken, die 
em Stück weit gelingen mag, muß immer wieder an der einen oder anderen 
Stelle vollkommen aufhören, wenn das Gebaren des Kranken einfach „ver- 
rückt", sinnlos erscheint und man den Eindruck empfängt, es sei nicht nur ein 
ganz fremdartiges, sondern sozusagen überhaupt kein Seelenleben mehr vor- 
handen. Dieser Eindruck ist es wohl auch, der so viele Autoren dazu bewegt, 

2) Das gilt auch für die folgenden Kapitel dieses Buches. 

3) Siehe mein Buch „Hysterien und Zwangsneurosen". 



71 



hartnäckig an einer rein somatischen Ätiologie der Schizophrenie festzuhalten; 
sie meinen, das körperliche Organ der Seelentätigkeit sei eben angegriffen, so 
daß sich an Stelle des Seelenlebens nur ein sich sozusagen noch immer in den 
seelischen Qualitäten abspielendes Pseudoseelenleben mit zerstörter Kontinuität 
und ohne Sinngehalt entwickeln könne. Dem gegenüber steht fest, daß weder 
die pathologisch-anatomische noch die innersekretorische oder allgemein-patho- 
logische Forschung bisher etwas Eindeutiges über die Ätiologie der Schizophre- 
nie aussagen konnte. Selbstverständlich ist damit die Möglichkeit der somati- 
schen Ätiologie nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: letzten Endes fordert ja die 
Libidotheorie auch für alle Neurosen eine somatische Ätiologie, d. h. eine 
spezifische Veränderung des Sexualstoffwechsels als Grundlage. Aber außer dem 
Allgemeineindruck, daß eine Schizophrenie eben noch „etwas ganz anderes" sei 
als eine Neurose, spricht nichts dafür, hier einen prinzipiellen Gegensatz zwi- 
schen Neurose und Psychose anzunehmen, der in anderer Beziehung gewiß be- 
steht. Zumindest ist es legitim, zu versuchen, entgegen dem ersten Eindruck, 
hier höre alle Einfühlungsfähigkeit auf, auch von der psychischen Seite her zu 
einem Verständnis vorzudringen. Selbst wenn der wesenthche ätiologische Faktor 
somatischer Natur wäre, wäre es ja eine veriockende Aufgabe, die heterogen 
verursachte Zerstörung des Seelenlebens rein psychologisch zu untersuchen, und 
erst die Resultate solcher Untersuchung werden vielleicht ein Indiz für die ge- 
samte Ätiologie ergeben. Bekanntlich ist ja auch ein großer Teil der heutigen 
psychiatrischen Schizophrenieforschung psychologischer Natur.* Das prinzipielle 
Verständnis der Schizophrenie scheint uns heute durch Freud bereits so weit 
gefördert, ihr Gegensatz gegenüber den Neurosen bereits so gut theoretisch er- 
faßbar, daß uns die Annahme, körperliche Faktoren spielten bei ihrer Entste- 
hung prinzipiell eine andere Rolle als bei den Neurosen, sehr unwahrscheinlich 
erscheint. 

Der prinzipiell bedeutungsvollste Fund, von dem wir ausgehen wollen, zu- 
nächst gemacht von J u n g= und Abraham," dann bestätigt von Freud' und 
seither von vielen anderen Autoren, ist der, daß psychotische Symptome — 
oder vorsichtiger zunächst: manche psychotischen Symptome — genau wie 
neurotische einen Sinn haben. Am einfachsten ist das bei jenen nicht zur 
Schizophrenie zu rechnenden Psychosen zu erweisen, die man früher nach 

4) Vgl. zu dieser ganzen Auseinandersetzung Eda Vohwinckel: Der heutige 
Stand der psychiatrischen Schizophrenieforschung. Int. Z. f. Ps.-A. XVI (1930). 

j) Jung: Über die Psychologie der Dementia praecox. 1907. — Der Inhalt der 
Psychose. 1908. 

6) Abraham: Die psychosexuellen Differenzen der Hysterie und der Dementia 
praecox. Zentralbl. f. Nervenheilkde. u. Psychiatrie. XIX (1908). 

7) Freud: Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch beschrie- 
benen Fall von Paranoia (Ges. Sehr. Bd. VIII). 



72 



M e y n e r t „Amentia" nannte, akute halluzinatorische Verwirrtheitszustände, 
die meist nach bestimmten Traumen (Operation, Entbindung u. dgl.) entstehen 
und häufig deutlich wunscherfüllenden Charakter haben.^ Nehmen wir z. B. 
den Fall, daß ein Mann, dem ein Bein amputiert wurde, in einer folgenden 
akuten Psychose diesen Verlust leugnet und an seinen Körper ein gesundes Bein 
halluziniert. Wir sehen dann auf den ersten Blick die wunscherfüllende Funk- 
tion der Psychose, die der des Traumes nahe verwandt erscheint, und die es 
fertig bringt, eine unliebsame Realität zu verleugnen und eine angenehmere zu 
schaffen. Da wir allen Grund haben anzunehmen, daß die „halluzinatorische 
Wunscherfüllung" eine primitive Ichstufe darstellt, die im Seelenleben vor Er- 
richtung des „Realitätsprinzips" herrschte," so ergeben sich daraus zwei Folge- 
rungen, deren Allgemeincharakter allerdings voriäufig noch bezweifelt werden 
kann: i) Der Psychoüker weicht einem Konflikt mit der Realität durch Bruch 
mit ihr aus. Er unterdrückt nicht etwa die zu Konflikten Anlaß gebende Trieb- 
regung, sondern die sich seinen Wünschen entgegenstellenden Wahrnehmungen 
2) Dieser Bruch mit der Reahtät folgt regressiven Bahnen. Er gelingt, indem 
der Kranke in ein Stadium zurücksinkt, in dem er vor Errichtung der Funktion 
der Realitätsprüfung gelebt hat. 

Die Realitätsprüfung ist nach der psychoanalytischen Theorie eine wesent- 
liche Funktion des Ichs^», ihr regressiver Zerfall zeigt, daß die Regression bis 
in die Zeiten der differenzierenden Errichtung eines Ichs überhaupt zurück- 
greift. Sie bringt auf die heuristische Idee, den „Zerfall des Ichs", die merk- 
würdige Auflockerung des Kontinuums, das sonst das gesamte seelische Erieben 
zusammenhält und das man als „die Person" bezeichnet, als r e g r e s s i v auf- 
zufassen. Das Ich ist nur ein zum Verkehr mit der Außenwelt differenzierter 
Anteil des Es. Einmal gab es diese Differenzierung noch nicht. Vielleicht reprä- 
sentiert die Schizophrenie das Wiederwirksamwerden der Zeiten vor und wäh- 
rend eben dieser Differenzierung. Vielleicht könnte, wie uns die Zwangsneurose 
die Rolle der anal-sadistischen Libido in der gesamten Libidoentwicklung klar 
gemacht hat, die erst nachträglich direkte Kinderbeobachtung bestätigte, das 
Studium der Schizophrenie über die Vorgänge der ersten Säuglingszeit, in der 
das Ich gebildet wird, belehren. 

Die Auffassung vom regressiven Charakter des Ichzerfalls wird von einer un- 
erwarteten Seite bestätigt. Auf der Suche nach einem Gesichtspunkt, der es er- 
möglicht, die mannigfaltigen Erscheinungen der Schizophrenie irgendwie ein- 

8) Siehe Freud: Metapsychologische Ergänzung zur Traumlehre. (Ges. Sehr 
Bd. V. S. 528) und: Neurose und Psychose (Ges. Sehr. Bd. V. S. 420). 

9) Ferenczi: Entwicklungsstufen des Wirkhchkeitssfnnes. Int. 2. f. Ps-A I 
(1913). (Auch in „Bausteine der Psychoanalyse", Bd. I, S. 62 ff.) 

10) Siehe Freud: Zur Einführung des Narzißmus (Ges. Sehr. Bd. VI). 



73 

heitlich zu erfassen, stößt man darauf, daß die Denkleistung der Schizophre- 
nen, ihre Art mit Begriffen und Wörtern, aber auch mit Gefühlen umzugehen, 
nicht immer regellos erscheint, sondern häufig eine ganz bestimmte, nur von 
unserer „normalen" Logik abweichende Gesetzmäßigkeit aufweist. Ich meine 
das magische Denken und alle die Erscheinungen, die Le vy-B r ühl als 
„Prälogik" zusammengefaßt hat." Man gerät mit ihr bereits in der Neurosen- 
lehre in Berührung, nämlich, wenn man den „Aberglauben", die magisch-ani- 
mistische Denkweise der Zwangsneurotiker untersucht. Man muß dann 
sagen, ein Teil des Ichs des Zwangsneurotikers sei auf diese primitive Stufe 
regrediert." Der archaische Charakter der Prälogik läßt sich sowohl phylogene- 
tisch (Animismus und Magie der Primitiven"), als auch ontogenetisch (AU-- 
machtsglaube und magisches Denken der Kinder") und am Erwachsenen in 
„Vorstufen der Gedanken"^'* nachweisen. So gewinnt man den Eindruck, daß 
dasselbe, was bei der Zwangsneurose partiell geschehen ist, bei der Schizophre- 
nie in weit größerem Umfange vorliegt, daß die logische Denkstufe vielfach auf 
ihre Vorstufe zurückgesunken ist. Da die archaischen Denkweisen heute noch 
im Unbewußten als wirksam nachgewiesen werden können, ist dieser Umstand 
wohl die Ursache für das, was man früher oft mit den Worten zu formulieren 
suchte, beim Psychotiker sei das Unbewußte bewußt geworden; z. B. für das 
verblüffende intuitive Verständnis, das alle Schizophrenen für die Symbolik 
haben, da sie die Symboldeutungen, von deren Gültigkeit wir die neurotischen 
Träumer oft so schwer überzeugen können, selbst vornehmen, (z. B. „der Ham- 
mer, das ist das Glied" oder dgl.). Das Symboldenken ist eine Teilerscheinung 
der Prälogik. Aber auch inhaltlich finden wir direkte Äußerungen sonst ver- 
drängter Triebregungen, z. B. des Ödipuskomplexes. So gewinnt die regressive 
Auffassung sehr viel an WahrscheinUchkeit. Es ist deskriptiv richtig, hier von 
einer Ichregression zu sprechen. Ohne auf die Frage eingehen zu wollen, 
ob eine Gegenüberstellung von Ichregression und Libidoregression einen prinzi- 
piellen Sinn habe, müssen wir jedenfalls betonen, daß diese Ichregression 
zweifellos eine viel tiefere ist als die, die bei regressiven Neurosen vorliegt, 
daß sie in Zeiten zurückreicht, in denen das Ich erst entstanden ist. Freud 
hat es wahrscheinlich gemacht, daß die endgültige Differenzierung des Ichs, 
das ja nichts anderes ist als der Vermittler zwischen Seele und Außenwelt, 
zusammenfällt mit der Entdeckung der Außenwelt, mit der Objektfindung." 

ii) Levy- Brühl: Das Leben der Naturvölker. Leipzig 1921. 

12) Siehe das Kapitel „Zwangsneurose" meines Buches „Hysterien und Zwangs- 
neurosen". 

13) Freud: Totem und Tabu (Ges. Sehr. Bd. X). 

14) Freud: Zur Einführung des Narzißmus (Ges. Sehr. Bd. VI). 

15) Schilder: Über Gedankenentwicklung. Z. f. d. ges. Neur. u. Psych. 59 (1921). 

16) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr. Bd. VL S. 369). 



74 



Der ursprüngliche Narzißmus, der sein Ende fand mit der Anerkennung einer 
objektiven, vom Ich zu unterscheidenden Welt kann also auch als mit der 
vollen DifiFerenzierung des Ichs überwunden bezeichnet werden." Eine Regres- 
sion in die Zeiten vor Bestehen eines voll ausgebildeten Ichs, in die Zeiten 
der Ichentstehung, fällt also zusammen mit einer „Regression zum Narzißmus", 
die wir nunmehr ebenso als Grundannahme den ganzen Problemen der 
Psychologie der Schizophrenie zugrundelegen wollen, wie man mit Hilfe des 
Begriffes der anal-sadistischen Regression die heterogensten Phänomene der 
Zwangsneurose zusammenhalten kann. Die „narzißtische Regression" wurde 
von Freud am Falle Sehr eher gefunden und bewiesen.^« Sie wurde aber 
erst besonders eindringlich dem Verständnis nähergebracht durch eine grund- 
legende Arbeit von Tausk, dem es gelang, eine Reihe schizophrener 
Symptome als Wiederholung von Ereignissen aus der Zeit der „Ichfindung" 
nachzuweisen." So ist es z. B. bekannt, daß die meisten Schizophrenien mit 
charakteristischen hypochondrischen Sensationen beginnen. Die theoretische 
Formel der Hypochondrie, bei ihr wüchsen die Organbesetzungen auf Kosten 
der Objektbesetzungen,^» lassen diesen Umstand theoretisch verständHoh er- 
scheinen, da der Beginn des schizophrenen Prozesses auch einer Regression 
zum Narzißmus entsprechen soll. Aber erst Tausk hat dies im einzelnen 
in Zusammenhang gebracht mit einem Gedankengang älterer Autoren, dem- 
zufolge die Ich- bzw. Objektfindung beim Säugling sich an der Entdeckung 
des eigenen Körpers abspielt, der sich durch das seltsame Zusammenspiel von 
zweierlei Empfindungen, äußeren des Tastsinns und inneren der Tiefen- 
Sensibilität, von der ganzen Welt abhebt.^^ Freud formulierte, „das Ich ist 
I vor allem ein körperliches"-, d. h. die Perzeption des eigenen Körpers, das 
. „Körperschema"^" ist sein Kern. In den hypochondrischen Sensationen, die die 
Schizophrenien einleiten, scheint dieser Kern und seine Entstehungsgeschichte 
wieder hervorzutreten. Ebenso häufig sind in den Einleitungsphasen von 
Schizophremen Sensationen der „Entfremdung" eines Organs, ganzer Körper- 
teile oder des Körpers überhaupt, die nicht mehr so empfunden werden wie 
vorher. Auch hierbei handelt es sich um die gleiche Libidoeinstellung im 

17) Siehe Freud: Triebe und Triebschicksale (Ges. Sehr. Bd V) 

18) Freud: Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch be- 
schriebenen Fall von Paranoia (Ges. Sehr. Bd. VIII). 

V?i^ Jp'^' '^^" ^^"- B<="nflussungsapparat in der Schizophrenie. Int. Z. f. Ps.-A. 
20) Freud: Zur Einführung des Narzißmus (Ges. Sehr. Bd VI) 

TsA^l-'t^T^'^ ^"c '^" ^'""^''- '^^4. Scheler, zitiert "bei Schilder: 
Medizinische Psychologie. S. 252. 

22) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr. Bd. VI. S. 369). 

23) Schilder: Das Körperschema. Berlin 1923. 



75 



Bereich des Körperschemas wie dort. Wenn ein Organ aus dem Körperbewußt- 
sein schwindet, so muß dies nicht immer einem Entzug der ihm zugehörigen 
Libidobesetzung entsprechen, wie Federn meinte,^' sondern es kann gerade 
einer besonders erhöhten Libidobesetzung eine manifeste Erscheinungen ver- 
deckende Gegenbesetzung entgegenstehen.^« Wenn nach Tausk eine solche 
Entfremdungsperiode meist einer vorangegangenen hypochondrischen Periode 
folgt,=« dann können wir annehmen, daß die erhöhte Libidobesetzung des 
Organs selbst sich nicht geändert, jedoch das Ich es inzwischen fertig ge- 
bracht hat, die hypochondrischen Sensationen durch eine Gegenbesetzung 
gleichsam zu verdrängen. Ein der Entfremdung sehr analoges Phänomen ist 
die ebenfalls in den ersten Stadien der Schizophrenie häufige Depersonali- 
sation. Wie dort die Wirkungen erhöhter narzißtischer Besetzung des 
Körper-Ichs durch Abwehrmaßnahmen getroffen werden, so hier entsprechende 
narzißtische Besetzungen seelischer Regungen. Bei der Depersonalisation sind 
durch Regression zum Narzißmus überbesetzte Gefühle und Empfindungen 
„verdrängt". Das Vermissen der Sensation durch die selbstbeobachtenden 
Patienten entspricht dem Vermissen eines entfallenen und auf der Zunge 
schwebenden Namens, stellt eine Manifestierung der Gegenbesetzung dar. 
Entfremdung und Depersonalisation sind, wie auch R e i k hervorgehoben hat," 
eine besondere Art der Triebabwehr, und zwar eine, die offenbar der Voraus- 
setzung eines erhöhten Narzißmus entspricht. Die Betonung der Rolle der 
Gegenbesetzung ermöglicht es, einen in den Arbeiten von Nunberg und 
Schilder über die Depersonalisation unklar gebliebenen Punkt zu klären: 
Bei Nunberg blieb fraglich, ob bei der Depersonalisation ein Minus an 
narzißtischer Libido („Libidoveriust") oder ein Plus („Befriedigungsverlust", 
also Libidostauung) vorliegt,^» und Schilder, der ausdrücklich hervorhebt, 
daß „dem Depersonahsierten die Gefühle nicht fehlen, daß die Kranken nur 
von innen her einen Widerspruch gegen ihr eigenes Erieben erheben", daß 
„die Selbstbeobachtung" „den inneren Widerspruch" „vertritt", so daß „wir in 
der Depersonalisation zwei einander widerstreitende Richtungen haben", ja 
sogar daß das „narzißtisch besetzte Organ am stärksten der Depersonalisation 
verfällt", meint metapsychologisch dennoch bloß, daß „die Patienten Libido 



24) Federn: Einige Variationen des Ichgefühls. Int. Z. f. Ps.-A. XII (1926). 

25) Siehe Pen i che I: Über organlibidinöse Begleiterscheinungen der Triebabwehr. 
Int. Z. f. Ps.-A. XIV (1928). 

26) Tausk: Über den Beeinflussungsapparat in der Schizophrenie. Int. Z. f 
Ps.-A. V (1919). 

27) Reik: Psychologie und Depersonalisation. In: Wie man Psychologe wird. 
Wien 1927. 

28) Nunberg: Über Depersonalisationszustände im Lichte der Libidotheorie. 
Int. Z. f. Ps.-A. X (1924). 



7^ 

abziehen von dem eigenen Erleben"."" Wir meinen, daß Voraussetzung der 
Depersonalisation immer die Erhöhung der narzißtischen Libido ist, deren 
Auswirkungen vom Ich als unangenehm empfunden werden, weshalb es Ab- 
wehrmaßnahmen gegen sie in Szene setzt. Diese Abwehrmaßnahmen, die in 
der Depersonalisation manifest werden, mögen häufig den Charakter eines 
Libidoentzugs haben; in den meisten Fällen läßt sich nachweisen, daß sie nach 
dem Typus einer Gegenbesetzung verlaufen.^" Wie Entfremdung und De- 
personalisation die Reaktion des Ichs auf die innere Wahrnehmung des erhöhten 
Narzißmus darstellen, so die allgemeine Ratlosigkeit, das Gefühl, alles sei ver- 
ändert, eine unspezifische Reaktion auf die innere Wahrnehmung der in der 
Regression zum Narzißmus überhaupt gegebenen libidinösen Verschiebungen. 
Die Reaktion auf die innere Wahrnehmung des negativen Charakters dieser 
Regression, des Verlustes der Objektbeziehung, zeigt sich endlich nach Freud 
in der bei Schizophrenen gerade im Anfangsstadium so häufigen „Weltunter- 
gangsphantasie": die Kranken haben ja recht; die Welt, nämlich die Welt der 
Objekte, ist für sie tatsächlich untergegangen.^* 

Inhalt und Mechanismen der verhängnisvollen Regression wurden von 
Freud zuerst an der Wahnbildung studiert. Das Material des Falles 
Schreber, dessen ganzes Wahnsystem charakterisiert war durch sein 
ambivalentes Verhalten zu Gott und durch seinen Entmannungswahn, wurde 
von Freud überzeugend dahin gedeutet, daß der wesentliche unbewußte 
Inhalt, den die Psychose zu bewältigen suchte, der Vater komplex war, 
besonders dessen passiv-homosexuelle Komponente.^^ Auf alle mögliche Weise 
suchte der Kranke passiv-homosexuelle Versuchungen, die seiner kindlichen 
Einstellung zum Vater entsprachen, abzuwehren. Viele Züge der psychotischen 
IsoKerung ließen sich darauf zurückführen, daß die aus sexualisierter homo- 
sexueller Libido gespeisten sozialen Triebbesetzungen wieder sexualisiert worden 
waren, weshalb auch sie abgewehrt werden mußten. Die Wahnäußerungen 
selbst erwiesen sich dabei als in hohem Maße dem Traum analog. Der Fund, 
daß in diesem Falle nicht der normale Ödipuskomplex, sondern der negative, 
die Homosexualität, der wesentliche Inhalt der abzuwehrenden infantilen 
Sexualität war, der sich in den meisten Fällen paranoider Schizophrenie be- 



29) Schilder: Entwurf zu einer Psychiatrie auf psychoanalytischer Grundlage. 
S. 39 u. S. 42. 

30) Fenichel: Über organlibidinöse Begleiterscheinungen der Triebabwehr. 
Int. Z. f. Ps.-A. XIV (1928). Vgl. auch Sadger: Über Depersonalisation. Int. Z. f. 
Ps.-A. XIV (1928). 

31) Freud: Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch be- 
schriebenen Fall von Paranoia (Ges. Sehr. Bd. VIII. S. 421 ff). 

32) Freud: Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch be- 
schriebenen Fall von Paranoia (Ges. Sehr. Bd. VIII). 



n 

stätigen ließ, hat typische Bedeutung und steht mit der Formel „Regression 
zum Narzißmus" keineswegs in "Widerspruch.'* Wir haben bei Besprechung 
der Homosexualität gesehen, daß und warum diese Perversion dem Narzißmus 
so besonders nahesteht. Man kann sagen, die Homosexualität sei ein Mittel- 
ding zwischen heterosexueller Objektliebe und Ichliebe, so daß es sowohl denk- 
bar ist, daß eine Regression zum Narzißmus intermediär bei der Homosexualität 
haltmacht, als auch, daß ein zum Narzißmus Regredierter, dessen Heilungs- 
tehdenz zur Objektwelt zurückstrebt, die Homosexualität eher erreicht als die 
normalen heterosexuellen Beziehungen. Beide Möglichkeiten sind wohl in 
schizophrenen Symptomen realisiert. Wir werden auf .die besondere Beziehung von 
Homosexualität und Narzißmus bei der Schizophrenie noch zurückkommen. 

Die typischen paranoiden Wahnbildungen sind von Freud folgendermaßen 
dem Verständnis nähergebracht worden:'* 

Der Größenwahn ist eine direkte Äußerung des reaktivierten primitiven 
Narzißmus, der an die eigene Allmacht wieder glaubt. Nirgends sind die 
Äußerungen des kindlichen Narzißmus so gut zu studieren wie hier. Alle 
Sexualüberschätzung, die sonst geliebten Objekten gilt, ist hier wieder in 
primitiver Weise dem eigenen Ich zugewandt. Der Allmachtglaube, der sich 
im Größenwahn offenbart, ist eine Teilerscheinung des magisch-animistischen 
Weltbildes. Allerdings muß betont werden, daß der „primitive Narzißmus", 
von dem wir hier sprechen, eine regelrechte Verliebtheit in das eigene Ich 
meint, das also zwar noch auf primitiver Stufe steht, aber schon existiert. 
Der Narzißmus, der hier gemeint ist, ist ein nach der Ichfindung etablierter, 
ein „sekundärer", im Gegensatz zum „primären Narzißmus", der bestand, 
bevor noch zwischen Ich und Außenwelt überhaupt unterschieden wurde. 
So ist der Größenwahn zwar der Ausdruck einer Regression, die über alles 
hinausgeht, was bei Neurosen vorkommt, aber nicht der tiefsten, die der 
Schizophrenie möglich ist. Äußerungen derselben Stufe der maßlosen Verliebt- 
heit in das eigene Ich gibt es noch außer dem Größenwahn manche andere. 
Die Analyse des bei Schizophrenen so häufigen Beeinflussungsapparates, dessen 
sich die Verfolger der Kranken bedienen, ergibt nach T a u s k, daß dieser 
unbewußt eine Doublette des Körpers der Kranken bedeutet.'^ Ihre Entstehung 

33) Siehe z. B. Ferenczi: Über die Rolle der Homosexualität in der Patho- 
genese der Paranoia. Jahrb. f. ps.-a. u. psychopath. Forschgn. III (1911); Einige 
klinische Beobachtungen bei Paranoia und Paraphrenie. Int. Z. f. Ps.-A. 11 (1914), 
Hitschmann: Paranoia, Homosexualität und Analerotik. Int. Z. f. Ps.-A. I (1913) 
und manche Arbeiten anderer Autoren. 

34) Siehe Freud: Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch 
beschriebenen Fall von Paranoia (Ges. Sehr. Bd. VIII. S. 414 ff). 

35) Siehe dazu Tausk: Ober den Beeinflussungsapparat in der Schizophrenie. Int. 
Z. f. Ps.-A. V (1919). 



78 



verdankt diese Wahnbildung u. a. der Sehnsucht des in sich selbst Verliebten 

mit dem da gehngt, ,st der der P r o j e k t i o n, der ebenfalls für das Paranoid 
£L dTd '^^-f %-^«-^^ Beset^ung des eigenen Körpers z'™h 
pSe;tanl d " . "'^ -präsentierende Apparat ebenso oft al Re- 

SenrOrt ""f " of "" '°" '"^^""" ''"^^'^^ hochgeschätzten 
ndere Mal b"- "'"" ?' ^ ""' ^-"^^^^-bohsche Natur nachweisbar, 
Gesäß o?. Y't.'"'T T^''' P-genitaler Fixierung, sein Charakter als 
Gesäß oder dgl. Dasselbe gdt auch für die Erfindungen Schizophrener, die 
ebenso als Organpro;ekt:onen erkennbar werden wie die Beeinflussungsapparate »« 
Das Merkwürdigste ist dabei, daß mit dieser Doublette des eigenen Körne, 
nicht etwa em Liebesakt phantasiert wird, sondern daß er auch als grfus m 

dieses Verfolgers auftritt. So erscheint in solchen Wahnbildungen das eigene 

tdlir ;• tfd^t '"^ '^'-''^ ''''''^'-' Wse Jlen) Obiekten 
DhalKsch 7 T ^^^"Ssneurose Verdichtungen anal-sadistischer und 

phaihscher Regungen als Regressionsergebnis verständlich werden, so spricht 

letden Lrl"^ ' ■""'^"°""; ''' ''' ^^^^""^^ ^^^ '^^ ^-^^^o- 
S^,e lil f 7^"°^^"^ '^"^ ''^ ""^^ ^^- -^'^^'^^-- obiekthbidinösen 
^uge gleich m de Regression mitgerissen worden oder erst später durch 
Restitutionsversuche in das Bild hineingekommen sein. 

am^^Ltiilt'" ''!^^°\\"'^S-^1^- -S^b sich in der Schreberanalyse 
am deuthchsten und ist seither von allen Untersuchern bestätigt worden. In 
^hm werden homosexuelle Tendenzen mit Hilfe von Verleugnung und Pro" 
jektion abgewehrt: „Ich hebe ihn nicht, ich hasse ihn", sagt na!h Freud 
das abwehrende Ich zunächst. Dann in Projektion: „Er haßt'mich', dad :ch 
erschein dann_ der eigene Haß rationalisiert: „Ich hebe ihn nicht, ich haTse 
hn we.l er mich verfolgt- Daß die Verfolgungsideen das Gebiet darstellt 

. w r^' ^'^' '" ''"^^'^ ^^"''^^^^ -^'ä- ^-^ 'J- Verfolgungen de 
paranoiden Wahns oft bis in Details identisch sind mit denen, die d 
Primitiven furchten, ist bekannt. Der Wahncharakter der Abwehr d r HomÖ 
sexual ,st so ebenfalls als Teilerscheinung der Ichregression, als ZerfdH r 
Reahtatsprufung zu verstehen. Interessant ist dabei, daß die Projektion de 
H.^ sozusagen nicht „ins Blaue hinein" erfolg, sondern dorthin, wo d 
Reahtat einen Ansatzpunkt dafür bietet, wo das Objekt seinerseits wirklich 
unbewußt den Kranken haßt (oder wenigstens nicht Hebt). Wie dL^Unge 

(4!l)!^''^^°^^' ^"' '^'"''^ ""'^ ^y"^'^''^ 'i" Erfinderwahns. Int. Z. f^^ZZ^ 



79 



heuer" eines manifesten Traumes sich irgendwo als „Infusionstierchen" im 
Tageserleben findet,^« so auch die Ungeheuer des paranoiden Wahns als 
Mikroben in der Realität.^"' Aber diese Beeinträchtigung der Realitätsprüfung 
ist nicht der einzige Punkt, an dem sich der archaische Charakter dieser Zu- 
sammenhänge offenbart. Die scheinbare Umwandlung von Liebe in Haß, die 
bei der Entwicklung des Verfolgungswahns die grundlegende Rolle spielt, ist 
nur möghch bei einer ganz besonders erhöhten Ambivalenz, also bei einer 
archaischen Art der Beziehungen zu den Objekten.*» Und tatsächhch sind die 
prägenitalen Objektziele, bei denen Liebe und Haß noch nicht klar differenziert 
waren, also die Ziele der Ein ve r 1 eibu n g, gerade beim Verfolgungswahn 
oft deutlich nachzuweisen. Das einverleibte Objekt ist zu einem Stück Ich 
geworden, und die merkwürdige Verdichtung von Objekt und Ich, auf die wir 
schon aufmerksam wurden, findet hier ihre Erklärung. Auch der Verfolger 
ist - wie der von ihm bediente Apparat - oft nicht nur als ein ehemals 
gehebtes Objekt, sondern auch als Projektion des eigenen Ichs, sei es des 
eigenen Körpers oder seiner Teile, sei es bestimmter seeHscher Anteile, nach- 
zuweisen. Was die Körpernatur der Verfolger betrifft, so haben Stärcke" 
und Ophuijsen« gezeigt, daß der ein reales Objekt repräsentierende Ver- 
folger im Unbewußten in merkwürdiger Weise als der eigene Kot, die Ver- 
folgung als Projektion der infolge der narzißtischen Regression erhöht emp- 
fundenen Darmsensationen perzipiert werden. Bibring berichtete von einer 
Frau, die sich von einem Mann, der „der Hintere" hieß, verfolgt glaubte, und 
der eine Reihe von Merkmalen an sich hatte, die in Wahrheit ihrem Gesäß 
zukamen." 

_ Wir sehen also im Verfolger Eigenschaften des Objektes mit solchen des 
eigenen Körpers oder eigener Körperteile seltsam vermengt. Eine solche 
Gleichsetzung von Organ und Objekt ist nicht nur beim Verfolgungswahn 
nachweisbar. Die Verdichtung von Objekt und eigenem Kot ist im unbewußten 
Denken klinisch von Nunberg« und SimmeP nachgewiesen worden, 

38) Sachs: Traumdeutung und Menschenkenntnis. Jahrb. f. ps.-a. u. psychopath. 
Forschgn. III (1912. S. 569). r 1 v 

39) Freud: Über einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, Paranoia und 
Homosexuahtät (Ges. Sehr. Bd. V. S. 391 fF). 

40) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr. Bd. VI. S. 3875). 

■y''^^ ^^V%}T- ^'^ Umkehrung des Libidovorzeichens beim Verfolgungswahn. Int. 
Z. i. Ps.-A. V (1919). 

r tf^ PP,!""/^'^"' '^''" ^^^ Q"^"= '*='■ Empfindung des Verfolgtwerdens. Int. Z. 
I. Ps.-A. VI (1920). 

43) Bibring: Klinische Beiträge zur Paranoiafrage IL Ein Fall von Orsan- 
pro;ektion. Int. Z. f. Ps.-A. XV (1929). 

44) Nunberg: Über den katatonischen Anfall. Int. 2. f. Ps.-A. VI (1920) 

45) Zuerst in: Die psycho-physische Bedeutsamkeit des Intestinalorgans für die Ur- 
verdrangung. Vortrag auf dem VIII. Internat, ps.-a. Kongreß. Autoreferat in Int Z 



8o 

ethnologisch vor allem von R 6 h e i m." Man begegnet ihr auch bei Hypo- 
chondrie und bei narzißtischen Organneurosen.*' Auch dort findet man, daß 
in Verbindung mit der prägenitalen Objektbeziehung (der totalen und partiellen 
Einverleibung) infolge einer narzißtischen Regression ein Organ Repräsentant 
eines äußeren Objektes geworden ist. Offenbar handelt es sich beim Verfol- 
gungswahn um eine ähnliche Phantasie. Auch hier ist das Objekt erst in den 
eigenen Körper introjiziert worden. Doch wurde es hier — im Gegensatz zu 
den bisher besprochenen Neurosen — nachträglich wieder nach außen pro- 
jiziert. Daß der Verfolger gleichzeitig Liebesobjekt und eigenen Körper reprä- 
sentiert, ist also eine Folge seiner Einverleibung. Daß das in die Außen- 
welt wieder rückprojizierte Objekt, das gleichsam eine „Ich-Passage" durch- 
gemacht hat, zum Verfolger wird, ist eine Folge des ambivalenten 
Charakters jeder Einverleibung. Daß unter den projizierten Organen Kot und 
Gesäß eine besondere Rolle spielen, ist ebenfalls bemerkenswert. Es ist dies 
nach Abraham darauf zurückzuführen, daß die Einverleibung des Para- 
noiden anal gedacht ist. Offenbar ist die anale Einverleibung die Objekt- 
strebung einer tiefen anal-sadistischen Einstellung der Libido, die, als objekt- 
zerstörend (zum Narzißmus führend), archaischer ist als die anal-sadistische 
Organisationsstufe, auf die die Zwangsneurose regrediert ist und die das Objekt 
konserviert (A b r a h a m**). 

Oft imponiert die Einverleibungsphantasie aber auch bei Paranoiden als 
(epidermale, respiratorische oder) orale, sei es, daß das Motiv vom Fressen 
oder Gefressenwerden im Wahn vorkommt, wie es in der verblüffendsten 
Weise in einem Fall von N u n b e r g geschah," sei es, daß es analytisch nach- 
gewiesen werden kann. 

So war ein Initialsymptom einer Hebephrenie eine neben einer starken Hundeangst 
auftretende Unfähigkeit eines jungen Mannes, in Gegenwart seiner Mutter zu essen. 
Die Analyse ergab, daß es sich um die Abwehr des Wunsches handelte, die Mutter 
zu beißen resp. aufzuessen. 

Aber auch eigene seelische Anteile werden in den Verfolger projiziert. 
Das geschieht nicht nur in dem Sinne, daß der eigene Haß, der die Liebe ab- 
wehren soll, in ihn hineinverlegt und als von ihm ausgehend empfunden wird 
(ich liebe ihn nicht, ich hasse ihn, weil er mich verfolgt), sondern Benehmen 
und Äußerungen, die dem Verfolger im Wahn zugeschrieben werden, ent- 

f. Ps.-A. X (1924), dann in Doktorspiel, Kranksein und Arztberuf. Int. Z. f. Ps.-A. 
XII (1926). 

46) R6heim: Nach dem Tode des Urvaters. Imago IX (1923) und an anderen 
Stellen. 

47) Siehe die betreffenden Kapitel meines: Buches „Hysterien und Zwangsneurosen". 

48) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. S. 11 ff. 

49) Nunberg: Über den katatonischen Anfall. Int. Z. f. Ps.-A. VI (1920). 



8i 

sprechen häufig in eindeutiger Weise Regungen des eigenen Über-Ichs. 
Der Verfolger beobachtet und kritisiert den Kranken; die von ihm ausgehen- 
den Verfolgungen sind häufig Projektionen von Gewissensbissen.'^'' Aber gerade 
dieser Umstand, der zunächst wieder das Bild zu komplizieren scheint, b e- 
s t ä t i g t die Theorie von der „Einverleibung". Denn auch das Über-Ich ist 
nach Freud durch Introjektion äußerer Objekte entstanden'^S und auch das 
hypochondrische Organ repräsentiert gleichzeitig das Gewissen. Wir kommen 
darauf zurück und fassen vorläufig das Gesagte in Form einer symboHschen 
Gleichung zusammen: Verfolger = (homosexuell) geliebtes Objekt = narziß- 
tisch überbesetztes und nach außen projiziertes Organ (Kot, Gesäß) = nach 
außen projiziertes Über-Ich. 

Dem Schema: „Ich liebe ihn nicht, ich hasse ihn — weil er mich verfolgt", 
ganz analog gebaut sind auch andere paranoide Wahnbildungen. So folgt nach 
Freud die Erotomanie der Formel: „Ich liebe ihn nicht — ich hebe ja 
sie — weil sie mich liebt."^' — Den Ansatz dieses Mechanismus kann man 
häufig bei Schizophrenien beobachten, auch wenn sich nicht eme ausgesprochene 
Erotomanie entwickelt. Man sieht oft, wie der Kranke sich krampfhaft an 
Frauen anhängt, gehebt zu werden vermeint oder sich übertrieben darum be- 
müht, sich zu verlieben. Die Analyse weist dann in der Regel nach, daß die so 
überbetonte Liebe zur Frau oder die Sehnsucht danach die unbewußte Liebe 
zu Männern abwehren soll. Die Wahnbildung ist dann eine übertreibende Fort- 
setzung eines Mechanismus, den man auch bei latent Homosexuellen beobachten 
kann, die von einer Psychose weit entfernt sind: So gibt es viele Männer, die in 
größter bewußter Sehnsucht fast ihre ganze Zeit darauf verwenden, etwa auf 
der Straße sich weibliche Liebesobjekte zu suchen, aber nie zum Ziel gelangen 
können. Sie suchen damit ihre Homosexualität zu verleugnen, die aber im 
Symptom wieder durchbricht. Denn ohne Wissen des Patienten verschiebt sich 
seine vermeintlich den Frauen geltende Neugierde auf die erotischen Abenteuer 
der Frauen mit anderen Männern und schließlich auf die Frage, wie andere 
Männer Frauen gewinnen, wobei sie sich in ihrer Phantasie den Frauen gleich- 
setzen. Und endlich identifiziert sich mancher Mann, der in Straßen umherirrt, 
um Frauen zu suchen, unbewußt mit Dirnen, die auf die gleiche Weise Männer 
suchen. Andere schon der Schizophrenie näher stehende Formen wieder machen 
bei ihren krampfhaften Versuchen, sich an Objekte anzuschließen, den Ein- 
druckj als ob das Geschlecht dieser Objekte keine so grundlegende Rolle spiele. 
Es handelt sich dann bei ihnen darum, daß sie den ihnen drohenden Objekt- 

50) Siehe z. B. S c h i 1 d e r: Zur Pathologie des Ichideals. Int. Z. f. Ps.-A. VIII (1922). 

51) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr. Bd. VI). 

J2) Freud: Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch be- 
schriebenen Fall von Paranoia (Ges. Sehr. Bd. VIII. S. 41 j). 

6 Fenichel, Perversionen 



82 



Verlust intrapsychisch •wahrnehmen und sich ihm durch das krampfhafte An- 
klammern an das Objekt entziehen wollen. Zum ausgesprochenen paranoiden 
Symptom wird dieser Mechanismus natürlich erst mit der "Wahnbildung, d. h. 
mit der Projektion dieser überbetonten Sehnsucht nach Objekten in die Frau. 
Bekanntlich ist die entsprechende Wahnbildung bei Frauen häufiger als bei 
Männern und als eine eigene Form der Paranoia beschrieben worden. 

Der der gleichen Funktion dienende Eifersuchtswahn wiederum folgt 
der Formel: „Ich liebe ihn nicht — sie liebt ihn ja."°' — Der Eifersuchts w a h n 
unterscheidet sich von der normalen oder neurotischen Eifersucht dadurch, 
daß er fast ohne jeden objektiven Anlaß auftritt. Der Eifersuchtsparanoiker 
verdächtigt seine Frau mit Männern, mit denen sie nicht das geringste zu tun 
hat. Erst die Analyse läßt verstehen, daß es die Männer sind, für die sich der 
Kranke unbewußt selbst interessiert. Auch dieser Kranke hat also seine Homo- 
sexualität durch Projektion abzuwehren versucht. (Auch hier lassen sich meist 
gewisse kleinste Punkte nachweisen, an denen die Eifersucht berechtigt scheint, 
und an die sich die unberechtigte wahnhafte Eifersucht anlehnen kann.) Wie 
bei der Erotomanie, so gibt es auch hier Übergänge vom ausgesprochen 
Psychotischen zum Normalen. Ja, erst diese Erkenntnis des unbewußten In- 
haltes des Eifersuchtswahnes hat uns den Affekt der Eifersucht überhaupt ver- 
sländlich machen können." Ein kleines Stück solcher Projektion der eigenen 
Homosexualität scheint in jeder Eifersucht zu hegen. Meist schon bei genauer 
Selbstbeobachtung, fast regelmäßig aber in der Analyse, läßt sich feststellen, 
daß der Eifersüchtige sich nicht nur darüber kränkt, daß seine Geliebte mit 
einem andern Mann zusammen ist, sondern auch darüber, daß dieser ihr und 
nicht ihm sein Interesse schenkt. Quälende Eifersuchtsgedanken pflegen den 
Eifersüchtigen in der Phantasie die Liebesszenen seines Partners mit dem Dritten 
miterleben zu lassen, wobei dann häufig dieses Erleben in Einfühlung in den 
Partner in homosexueller Weise miterlebt wird, und das eigentliche unbewußte 
Motiv zu Wut und Aggression lautet: Sie erlebt etwas mit dem Mann, — und 
ich bin nicht dabei, es mitzuerleben. — S t e r b a hat darauf aufmerksam ge- 
macht, daß dieser Umstand schon im Doppelsinn der sprachlichen Wendung 
seinen Ausdruck findet: „eifersüchtig sein auf . . .", was sowohl anzuwenden ist 
auf die untreue Geliebte als auch auf den Rivalen.°^ Das narzißtische Moment, 
das der Eifersüchtige, wenn er seinen Affekt als Angelegenheit seines Selbst- 
gefühls einpfindet, ja bewußt spürt, ist dabei mit dem unbewußt sexuellen eng 

53) Freud: Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch be- 
schriebenen Fall von Paranoia (Ges. Sehr. Bd. VIII. S. 41 5 ff). 

J4) Freud: Über einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, Paranoia und 
Homosexualität (Ges. Sehr. Bd. V). 

Jj) Sterba: „Eifersüchtig auf .. .?" Ps.-a. Bewegg. II (1930). 



83 

verkoppelt. Wer das narzißtische Gefühl des Gehebtwerdens unbedingt braucht, 
um sein seelisches Gleichgewicht aufrecht zu erhalten, der steht unbewußt 
homosexuellen Tendenzen immer nahe, und Jones hat in eindrucksvoller 
Weise gezeigt, wie diese beiden Tendenzen gerade in der Eifersucht ihren Aus- 
druck finden."' Es sei nur noch erwähnt, daß auch bei solchen Neurotikern, 
bei denen dieses homosexuelle Moment keine über die Norm hinausgehende 
Rolle zu spielen scheint, in der Eifersucht das Resultat einer Projektion 
vorliegt; ihr liegen dann unbewußte (dieses Mal heterosexuelle) eigene Untreue- 
tendenzen zugrunde, die in den Partner projiziert werden."' 

Im B e z i e h u n g s- und Beeinflussungswahn zeigt sich besonders 
deutlich der Mechanismus, den wir beim Verfolgungswahn an letzter Stelle er- 
wähnt haben: die Projektion des Über-Ichs.°' Der Kranke mit Beobachtungs- 
wahn fühlt sich fortwährend kontroUiert und beachtet, beeinflußt, kritisiert, 
zur Rechenschaft gezogen und bestraft. Die halluzinierten „Stimmen" äußern 
häufig beobachtende Konstatierungen über das Verhalten des Kranken (z. B. 
„jetzt ißt er, jetzt setzt er sich, jetzt steht er auf") oder kritische Äußerungen, 
meist über das als verboten und schmutzig hingestellte Sexualleben des Kranken, 
über seine Homosexualität, über seine prägenitalen Neigungen, genau wie 
strenge Eltern es in der Kindheit getan haben würden. Der „Physiognomist" im 
Falle Schilders kann mit seinem Beeinflussungsapparat, der somit die 
T a u s k sehe Deutung als Doublette der Person des Kranken bestätigt"", die 
Sünden des Kranken feststellen."" Am deutlichsten wird der Über-Ich-Charakter 
der „Stimmen" oder der Verfolgurigsmächte in den Fällen, in denen die von 
ihnen dem Kranken entgegengeschleuderten Vorwürfe inhaltlich vollkommen 
melancholischen Selbstvorwürfen gleichen, mit dem einen, allerdings sehr be- 
deutsamen Unterschied: daß hier dank der Projektion diese Vorwürfe als von 
außen kommend und daher meist als ungerecht empfunden werden. Allerdings 
verhängen diese halluzinatorischen oder wahnhaften Gebilde nicht nur Strafen 
über den Kranken, sondern erscheinen auch als die teuflischen Versucher, die 
den Kranken zur „Sünde" verführen, ihm seine „Sexualkraft rauben" oder dgl. 
Das erklärt sich daraus, daß sie — wie wir es für den Verfolger zeigten — ja 
gleichzeitig das (ambivalent) geliebte Objekt repräsentieren; das sexuelle Ver- 
langen nach ihm wird als von ihm ausgehender verderblicher Einfluß perzipiert. 

56) Jones: Die Eifersucht. Ps.-a. Bewgg. II (1930). 

57) Freud: Ober einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, Paranoia und 
Homosexualität (Ges. Sehr. Bd. V). 

58) Freud: Zur Einführung des Narzißmus (Ges. Sehr. Bd. VI. S. 179 ff). 

J9) Tausk: Über den Beeinflussungsapparat in der Schizophrenie. Int. Z. f. 
Ps.-A. V (19 19). 

60) Schilder: Entwurf zu einer Psychiatrie auf psychoanalytischer Grundlage. 
S. 102. 

6* 



84 

Dennoch bleibt der Eindruck, daß die „Projektion des Über-Ichs" im Beach- 
tungs- und Beziehungswahn die grundlegende Rolle spielt, daß Halluzinationen 
und Wahn dem Patienten nur das von außen zutragen, was eigentlich sein 
eigenes Gewissen, seine Selbstbeobachtuxng und Selbstkritik ihm sagen." (Sogar 
die reale Selbstbeobachtung, deren besondere Betonung wir ja trotz des Um- 
standes, daß auch die innere Wahrnehmung eine Funktion des Ichs ist, dem 
Über-Ich zuschreiben, wird dabei in solcher Weise projiziert. Wie oft äußern 
die „Stimmen" der Schizophrenen: „der ist ja verrückt", „der wird wahnsinnig" 
oder dgl.). Die prinzipielle Erklärung für diese Projektion des Über-Ichs haben 
wir bereits beim Verfolgungswahn gegeben. Das Über-Ich ist ja nichts anderes 
als ein introjiziertes Objekt. Im Wahn wird es regressiv wieder in die Außen- 
welt versetzt. Aber das normale Über-Ich ist in der Regel ein introjiziertes 
Objekt gleichen Geschlechts, die Beziehung zu ihm wird von desexualisierter 
Libido, ursprünglich homosexuellen Charakters, gehalten, genau so wie die 
sogenannten „sozialen Triebbesetzungen" ursprünglich zum größten Teil homo- 
sexuelle waren. Die besondere Verstärkung der Homosexualität bei der Schizo- 
phrenie sei es, daß sie als zwischen Heterosexualität und Narzißmus gelegen 
wahrend des Rückzuges der Libido eintritt, sei es, daß erst der Restitutions- 
versuch nach vollendeter narzißtischer Regression bei dem Begehren, der 
Objektwelt wieder habhaft zu werden, die Homosexualität zuerst erreicht ver- 
ursacht auch eine Wieder-Sexualisierung der desexualisierten Libido der sozialen 
Besetzungen und des Über-Ichs. „Der Beobachtungswahn", schrieb Freud 
schon lange bevor er Existenz und prinzipielle Bedeutung des „Über-Ichs" be- 
schrieb, stellt die Gewissensinstanz „in regressiver Form dar, enthüllt dabei ihre 
Genese und den Grund, weshalb sich der Erkrankte gegen sie auflehnt".«-' Das 
Strauben gegen das im Wahn nach außen projizierte Über-Ich ist also im Prin- 
zip dasselbe, wie das Sträuben gegen einen wahnhaft empfundenen „Liebes- 
zwang": das Sträuben gegen die nach außen projizierte eigene Homosexualität. 
„Es rührt daher", schrieb Freud, „daß die Person . . . sich von allen diesen 
Emflussen, vom elteriichen angefangen, ablösen will, die homosexuelle Libido 
von ihnen zurückzieht."" Aber nicht nur die Abwehr homosexueller Ver- 
suchungen durch weitere Regression, durch völligen Objektverlust, kommt hier 
m Betracht, sondern auch die Gestaltung des Restitutionsversuches nach dem 
Objektverlust die schon mehrfach erwähnt wurde, spielt hier eine grundlegende 
Rolle Das Über-Ich, dieser Teil der Seele, der nach der Form äußerer Objekte 
gestaltet ist, stellt gleichsam den o b jek t n ä chs t en Anteil des seelischen 
Apparates dar. Das Über-Ich ist, könnte man fast sagen, ein Mittelding zwi- 
schen Ich und Außenwelt. Deshalb sind es seine Funktionen, die mit geheimem 

6i) Schilder: Zur Pathologie des Ichideak Int. 2. f. Ps.-A. VIII (1922) 
6z) Freud: Zur Einführung des Narzißmus (Ges. Sehr. Bd. VI. S. 180).' 



•8'j 

sexuellem Sinn am ehesten zum Vorschein kommen können, wenn der narziß- 
tisch gewordene Patient seine Sehnsucht wieder der Objektwelt zuwendet, ohne 
sie wirklich erreichen zu können. 

Ein Patient, dessen sich rapide entwickelnde Hebephrenie ich zu sehen Gelegenheit 
hatte, zeigte ganz besonders stark das vorhin geschilderte Phänomen des „Sich-An- 
klammerns aus Angst vor dem gefühlten Objektverlust". Er suchte jeden, auch 
den gleichgültigsten Menschen in stundenlange Gespräche zu verwickeln, nur um sich 
das Gefühl zu verschaffen, er hätte innerlich mit den Menschen noch etwas zu tun. 
Und dabei ergab sich, daß, während alle anderen Objektbeziehungen schon ge- 
schwunden waren, die „soziale Angst", die „Projektion des Über-Ichs" umso deut- 
licher hervortrat. Er wollte von den Menschen nur mehr wissen, was sie über ihn 
denken, wie sie ihn beurteilen, ob er es ihnen auch recht mache, — und entwickelte 
schließlich einen Beziehungswahn. Dieser Fall ließ keinen Zweifel daran, daß er, in 
Sehnsucht nach Objektbeziehungen, nur mehr dieser „Über-Ich-Beziehungen" habhaft 
werden konnte. 

Freud hat sich einmal mit der merkwürdigen Art beschäftigt, mit der die 
Schizophrenen Wörter zu behandeln pflegen: „Die Ausdrucksweise wird oft 
Gegenstand einer besonderen Sorgfalt, sie wird ,gewählt', ,geziert'. Die Sätze 
erfahren eine besondere Desorganisation des Aufbaus, durch welche sie uns un- 
verständlich werden." „Bei der Schizophrenie werden die Wörter demselben 
Prozeß unterworfen, der aus den latenten Traumgedanken die Traumbilder 
macht, den wir den psychischen Primärvorgang geheißen 
haben"."^ Eine Überbetonung der Sprachfunktion findet man auchi bei Zwangs- 
neurotikern und Stotterern." Dort ist aber die bewußte Überbetonung der 
Wortwelt Ersatz für die nur verdrängte Gefühlswelt, und gerade die neuroti- 
schen Symptome, die zeigen, daß die abgewehrten auf Objekte gerichteten Ge- 
fühle in das Sprachgebiet eindringen, beweisen die Existenz der unbewußten 
Objektvorstellungen. Bei der Schizophrenie sind diese wirklich verlorengegan- 
gen und der Patient bemüht sich, sie wiederzufinden. Freud erklärt nun das 
naerkwürdige sprachliche Verhalten der Schizophrenen durch die Annahme, ein 
solches Streben nach Wiedergewinnung der Objektwelt hätte bei ihnen zwar 
etwas, aber nicht den gewünschten Erfolg gehabt. An Stelle der verlorengegan- 
genen Objektvorstellungen sei es den Kranken nur gelungen, deren „Schatten", 
die Wortvorstellungen, einzufangen, und der Objektverlust zwinge sie, diese 
nun als Ersatz zu nehmen und so zu behandeln, wie in der Neurose die unbe- 
wußten Sachvorstellungen behandelt werden.*"* Ganz analog wie nach Freud 
die Behandlung der Wortvorstellungen durch die Schizophrenen ist unseres 
Erachtens auch zum Teil die Überbetonung ihrer Über-Ich-Funktionen zu er- 

63) Freud: Das Unbewußte (Ges. Sehr. Bd. V. S. 511— 513). 

64) Siehe mein Buch „Hysterien und Zwangsneurosen". 

65) Freud: Das Unbewußte (Ges. Sehr. Bd. V. S. ji6ff). ■• i ■ . ' 



S6 

klären: auch sie sind ein „Schatten" der verlorengegangenen Objektwelt. Das 
Gefühl „Alle sehen mich an" drückt so das Bestreben aus, zu allen wieder 
Objektbeziehungen zu bekommen. Die Sexualisierung fder Über-Ich-Funktionen 
zeigt sich übrigens auch außerhalb des Beziehungswahnes in verschiedenen 
Symptomen. Auf sie führt F r e u d u. a. die Neigung zur ordnenden System- 
bildung bei der Paranoia zurück."" 

Der Q u e r u 1 a n t e n w a h n ist bis jetzt noch nicht Gegenstand einer spe- 
ziellen psychoanalytischen Untersuchung geworden. Er trägt seine narzißtische 
Natur sehr offen zur Schau, indem er die äußere Betonung der eigenen Integri- 
tät und Unschuld für die wichtigste Angelegenheit der "Welt hält. Da diese Be- 
tonung im Kampfe mit Gericht, Behörden usw. angestrebt wird, so wird man 
von vornherein vermuten, daß diese Wahnbildung dem Beziehungswahn nahe 
verwandt sei, daß auch hier eine Projektion des Über-Ichs in die kritischen und 
strafenden Instanzen der Außenwelt vorliegt. Nur wird diesmal die feindliche 
Haltung eines durch narzißtische Überschätzung in seinem Selbstgefühl ge- 
steigerten Ichs gegen das projizierte Über-Ich zur Schau getragen. Diese feind- 
liche Haltung ist dabei rationalisiert, wie es der Neigung der Paranoia zur 
Systembildung entspricht. In dieser Rationalisierung bestätigt sich auch wieder, 
daß nicht „ins Blaue" projiziert wird, sondern dorthin, wo die Realität etwas 
entgegenkommt. Der Querulant sieht den „Splitter im Auge des Nächsten". 
Die für den Primärvorgang so charakteristische Methodik der „Verschiebung auf 
ein Kleinstes"" ist nirgends so klar zu erkennen wie bei dem Querulanten und 
bei ihm auch schon lange vor der Psychoanalyse beschrieben worden. Nur hat 
man das „Größte" nicht erkannt, das da auf ein Kleinstes verschoben wurde. 
Es muß ein narzißtischer Konflikt zwischen Ich und Über-Ich sein, der in pro- 
jektiver Weise in der Außenwelt ausgelebt wird. Er scheint zweierlei Bedeutun- 
gen gleichzeitig zu haben: Es handelt sich bei ihm sicher, genau wie beim Be- 
ziehungswahn, um eine Sexualisierung, um eine Mobilisierung des latenten 
homosexuellen Gehaltes der Sphären „Strafe - Schuld". In diesem Sinne ist 
das Bedürfnis nach einer äußeren Besiegelung der eigenen Unschuld ein Ver- 
such zur Abwehr homosexueller Regungen, der Kampf um diese Besiegelung 
eine aus der Verdrängung wiederkehrende regressive Belebung alter homosexuel- 
ler Konflikte. (Der Kampf um die Homosexualität kann dabei, wie beim Be- 
ziehungswahn, sowohl intermediär auf dem Wege zur weiteren Regression zum 
Narzißmus als auch als Restitutionsversuch nach dieser tiefen Regression 
mobilisiert werden.) Zweitens muß das ewige Gefühl „die anderen tun mir un- 
recht, ich bin unschuldig" eine projektive Abwehr des widersprechenden Ge- 
fühls „ich bin schuldig" sein, der Versuch eines Ichs, das zum primitiven nar- 

66) Freud: Zur Einführung des Narzißmus (Ges. Sehr. Bd. VI. S. i8i). 

67) Freud: Das Unbewußte (Ges. Sehr. Bd. V. S. 502). 



87 

zißtischen Ichgefühl des kleinen Kindes regrediert ist, gegen ein schweres (voll- 
kommen unbewußtes) Schuldgefühl aufzukommen, das letzten Endes vielleicht 
einen alten Konflikt mit dem Vater auf narzißtischem Boden weiter fortführt 
bzw. wieder in die Außenwelt rückverlegt, so daß schließhch mit den Behörden 
in gleicher Weise gekämpft wird wie in der Kindheit mit dem Vater. Beides 
zusammenfassend kann man formulieren: Es handelt sich um eine projektive 
Abwehr regressiv wieder sexualisierter Schuldgefühle. 

Ein Fall, dessen Analyse leider nicht genügend tief geführt werden konnte, ließ 
erkennen, daß alle Kämpfe des Patienten mit Behörden das einzige Ziel hatten zu be- 
weisen: der Vater tut mir unrecht. Die Eitern des Patienten hatten sich in seinem fünften 
Lebensjahr scheiden lassen und er war allein mit dem Vater aufgewachsen. Was er 
durch das Gericht bestätigt erhalten wollte, war also die Festlegung: der Vater hat 
mir ein schweres Unrecht angetan, indem er mir die Mutter geraubt hat. — Wenn 
man aber hört, daß die Mutter des Patienten mit dem Vater während seiner Kindheit 
lange Prozesse führte, so wird man verstehen, daß in der Prozeßsucht des Patienten 
eine Identifizierung mit der Mutter vorliegt, also eine unbewußte homosexuelle 
Schicht, die dem Vater nicht so sehr vorwarf „du hast mir die Mutter geraubt" als 
vielmehr „du hast mich, obwohl wir nach Vertreibung der Mutter zu zweit waren, 
nicht zu ihrem Ersatz genommen; du hast mir das gleiche Unrecht der Unbefriedi- 
gung zugefügt wie der Mutter". — Erst später im Laufe der Analyse erfuhren wir, 
daß der aktuelle Anlaß der Scheidung der Eltern ein Streit darüber gewesen sei, wie 
man den Patienten erziehen solle. Wir hörten, wie Vater und Mutter um die Gunst 
des Kindes buhlten und jeder von beiden es gegen den anderen Elternteil aufhetzte. 
Das Kind hatte an verschiedenen dieser Intrigen aktiv Anteil genommen. Das 
Schuldgefühl wegen dieser ödipustaten fehlte im manifesten Bild des Patienten ganz. 
Die ungeheure Verwöhnung, die er bekam, und die es ihm ermöglichte, den primi- 
tiven Narzißmus beizubehalten und an die Welt mit der Erwartung heranzugehen, 
daß er die wichtigste Person sei, ermöglichte ihm auch die projektive Erledigung 
dieses Schuldgefühls. Nur unter der Bedingung bekam er es nicht zu spüren, daß er 
in seinem querulatorischen Verhalten sich fortwährend von außen bestätigen ließ: 
Es ist nicht wahr, daß ich daran schuld bin, daß die Mutter aus dem Hause mußte. 
Der Vater allein ist daran schuld, ich habe mir seine Liebe durch keine böse Tat 
verscherzt, wie mein unbewußtes Gewissen mich meinen machen möchte, sondern 
nur seine Willkür, die mit mir ebenso umsprang wie seinerzeit mit der Mutter, ist 
schuld daran, daß ich mich von ihm nicht genug geliebt fühle. Alle Behörden sind 
verpflichtet, mir den Beweis dafür zu erbringen. — Ein zweiter Fall gehörte zu den 
Typen der „Ausnahmen"*', der von den Behörden als den Personifikationen des 
„Schicksals" Entschädigung für schwere narzißtische Kränkungen der Kindheit ver- 
langte. Auch hier fühlte sich die Patientin für diese Kränkungen unbewußt selbst 
schuldig und wehrte in tieferer Schicht dieses Schuldgefühl durch Projektion ab. 

Wir haben bei Besprechung der unbewußten Inhalte und Mechanismen der 
die Homosexualität abwehrenden Wahnbildungen der Einfachheit halber meist 
das männliche Geschlecht zugrundegelegt. Doch scheint hier die Geschlechts- 

68) Freud: Die Ausnahmen (Ges. Sehr. Bd. X). 



88 



Zugehörigkeit keinen wesentlichen Unterschied zu bedingen. Eifersuchts- und 
erotischer Wahn sind bei Frauen analog gebaut wie bei Männern; wir müßten 
m unseren Formeln nur „er" und „sie" vertauschen, um sie für das weibliche 
Geschlecht anwendbar zu machen."» 

So erwies sich in einem ausführlich analysierten Fall von weiblichem Eifersuchts- 
wahn von Ruth Mack-B r uns w ick der Kampf um die Homosexualität ebenso 
wurde^'o ^°"'' ^'' " von Freud für die männlichen Fälle angegeben 

Für den Verfolgungs- und Beziehungswahn ist eine volle Analogie ebenfalls 
recht wahrscheinlich. Einen der Theorie scheinbar widersprechenden Fall eines 
weiblichen Paranoids, bei dem die Kranke von einem Mann verfolgt wurde, hat 
Freud dahingehend erklären können, daß dieser Mann nur eine Deckfigur für 
eme Frau war." Trotzdem vertreten verschiedene Autoren den Standpunkt, daß 
die Vollkommenheit der Analogie in diesem Punkte zu bezweifeln sei, und daß 
bei den schizophrenen Erkrankungen der Frauen die Homosexualität keine so 
grundlegende Rolle spielen müsse, so daß es auch echte heterosexuelle Verfolger 
gebe.'» Aber im Grundcharakter, nämlich in der Regression zum Narzißmus 
und in ihren Folgen, unterscheiden sich weibHche Psychosen gewiß nicht von 
männlichen. 

Den Formeln: „Ich liebe ihn nicht, weil ich ihn hasse", oder „weil sie ihn 
hebt", ist endlich die allgemeinste Formel anzufügen, die den Grundvorgang 
des schizophrenen Prozesses, die narzißtische Regression, wiedergibt: „Ich liebe 
ihn nicht, weil ich überhaupt niemanden liebe, weil ich mich der Realität, in 
der es die Versuchung gibt, gahz entziehe." Wir erwähnten schon die Symp- 
tome, die am unmittelbarsten dieser Regression Ausdruck geben: Da ist vor 
allem der bei Schreber beobachtete Weltuntergang, der die einfache Projektion 
der intrapsycbischen Tatsache des Objektverlustes in die Außenwelt darstellt. 
Bibring hat nachgewiesen, daß es auch einen „partiellen Weltuntergang" 
gibt, d. h. daß etwa der Wahn, jemand sei gestorben, die richtige Selbst- 
wahrnehmung ausspricht, der Kranke habe seine Libido von ihm zurückge- 
zogen.''' Erst durc h die Libidobesetzung wird uns die Welt lebendig und in- 

j!K^'''l'^u P^y<^j^°^"^Iy"'<=^« Bemerkungen über einen autobiographisch be- 
schriebenen Fall von Paranoia. Ges. Sehr. Bd VIII S 416 

f.S-i^XIV^iSai^'^'""'^''''' ^'' '^"'''''' """ Eifersuchtswahnes. Int. Z. 

tI£s l::V^r^Sr^V''^°''^'''''"' ^'^^--^ widersprechenden 

rl^l-f'^'l''-^'' ^'^'"''^^^ Beiträge zur Paranoiafrage I. Zur Psychologie der 
Todesideen bei paranoider Schizophrenie. Int. Z. f. Ps.-A XIV S) u"a 
^auv^age-Nolting: über den Verfolgungswahn beim wVibe. I„l z!f?s\t 

73) Bibring, a. a. O. 



halterfüllt. "Wenn Schizophrene darüber klagen, die Welt sei so „leer", so „in- 
haltlos", so „schablonenhaft" geworden, es hätte sich etwas verändert, die Men- 
schen seien nur „flüchtig hingemacht"," und wenn sie sich in dieser veränderten 
Welt so ratlos und verlassen fühlen, so spiegelt das auch den (allerdings nicht 
totalen) Rückzug der Libido von den Objektbesetzungen. Dasselbe in schwa- 
chem — nämlich lokaÜsiertem — Sinne ist die schon besprochene Depersonali- 
sation, dasselbe in starkem — nämhch totalem — Sinne der katatone Stupor. 
Man wird einwenden, daß es einen Rückzug der Libido von der Wirkhchkeit 
nach enttäuschenden Erlebnissen überall, auch beim Normalen und beim Neu- 
rotiker, gebe, daß also unmöghch dieser Rückzug charakteristisch für die Psy- 
chose sein könne. Aber die Natur dieser neurotischen Abwendung von der 
Wirklichkeit haben wir in der Neurosenlehre näher kennen gelernt: Es war 
das eine Zuwendung zur Phantasie, also der Prozeß, den wir „Introversion" 
nennen. Die Stelle der Realobjekte, von denen man sich enttäuscht abwendet, 
nehmen Phantasieobjekte der Kinderzeit ein. Aber das Hingewendet- 
sein zu Objekten bleibt. Man sagt sich von der Wirklichkeit los, um sie 
durch eine jj'hantasie zu ersetzen, aber man macht sich nicht wirklich von Ob- 
jektvorstellungen frei. Es handelt sich nicht um einen vollen Rückzug der 
Libido ins Ich. Daß diese Differenzierung, also der Umstand, ob bei einem von 
der Wirkhchkeit abgewandten Menschen unbewußte Objektvorstellungen vor- 
handen sind oder nicht, den Unterschied zwischen Neurose und Psychose aus- 
macht, hat Abraham schon in seiner ersten diesbezüglichen VeröfFentlichung 
gezeigt."* Die Objektbesetzungen sind bei der Schizophrenie aufgegeben und 
durch narzißtische ersetzt, wobei es charakteristisch ist, daß dieser Rückzug 
trotz der besonderen Betonung gewisser erogener Zonen (z. B. Kot, Gesäß) ein 
relativ diffuser bleibt, (was den Unterschied gegenüber der manisch-depressiven 
Gruppe ausmacht). 

Gegen solche Formulierungen aber wird jeder Psychiater sich zur Wehr 
setzen: Es stimmt ja nicht, daß der Schizophrene keine auf Objekte bezüglichen 
Phantasien hätte! Jeder Besuch in einer psychiatrischen Klinik beweist ja auf 
den ersten Blick das Gegenteil. Die objektstrebigen Tendenzen der Schizophre- 
nen sind ja oft ganz außerordentlich ausgeprägt, so daß der Besucher einer Ab- 
teilung Gegenstand heftigster zärtlicher, sinnlicher und aggressiver übertra- 
gungstendenzen der Schizophrenen wird. Aber gerade die Ungeordnetheit und 
Heftigkeit dieser Äußerungen können den scheinbaren Widerspruch gegen die 
analytische Theorie aufheben: Der flüchtige und unverläßliche Charakter aller 

74) Freud: Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch be- 
schriebenen Fall von Paranoia. (Ges. Sehr. Bd. VIII. S. 368 u. 422). 

75) Abraham: Die psychosexuellen Differenzen der Hysterie und der Dementia 
praecox. Zentralbl. f. Nervenheilkde. u. Psychiatr. XIX (1908). , , ^ .. 



9° 



Übertragungsaktionen und -phantasien läßt den Eindruck entstehen, als ob die 
Patienten, von einem narzißtischen Zustand ausgehend, sich der Objektwelt zu 
bemächtigen suchen, es aber nur in abrupten Ausbrüchen und für kurze Zeit 
zustande bringen. Und auch die besonders intensive und krampfhafte Art, mit 
der sich die Patienten anschließen, erweist sich ja als durch Furcht vor dem 
vollen Objektverlust begründet. "Wir müssen also die theoretischen Formulierun- 
gen schärfer fassen. Es wäre falsch zu behaupten, die Schizophrenie stelle „die 
narzißtische Regression" dar (das gilt, wie gesagt, etwa für den katatonen 
Stupor). Korrekter muß es heißen: Der zur Schizophrenie führende Prozeß be- 
ginnt mit einer narzißtischen Regression und besteht teilweise in deren Äuße- 
rungen, teilweise aber in den Äußerungen des Kampfes objektgerichteter Reste 
der Persönhchkeit gegen diese Regression.''" Ein Teil der schizophrenen Symp- 
tome und vielleicht gerade der aufdringlicheren scheint einem Restitutions- 
versuch, einer Neigung zum Wiederaufbau der verlorenen Objektwelt zu ent- 
sprechen. Wir haben schon in der Art, wie die Kranken Wörter behandeln und 
in der Sexualisierung ihrer Über-Ich-Funktionen diesen Restitutionscharakter 
erkannt. Wir können hinzufügen: Die Stereotypien wurden schon in der ersten 
Arbeit von Jung als krankhafte Versuche erkannt, die einstigen Objekt- 
beziehungen wieder zu gewinnen oder festzuhalten;" die Halluzinationen sind 
im Grunde nichts anderes als der Wiederaufbau der verlorengegangenen Welt; 
und vor allem erscheinen als solche Restitutionsversuche die zahlreichen und 
mannigfaltigen sexuellen Äußerungen der Kranken, die als Tendenzen aus 
allen Entwicklungsstufen der Libido neben- und durcheinander, nicht zuletzt 
auch als Äußerungen des Ödipuskomplexes, auftreten. Es sind also objekt- 
gerichtete Triebe, es ist das Es, von dem die Restitutionsversuche ausgehen und 
das sich dem narzißtischen Regressionszug nicht fügen will, nicht die Außen- 
weit, worauf Radö gelegentlich mit Recht großen Nachdruck gelegt hat. 
Hierfür sind dann die sekundären Fixierungspunkte maßgebend, die der Patient 
außer der grundlegenden narzißtischen Fixierung konstitutionell oder durch 
Kindheitserlebnisse erworben mitbringt." Ein Einwand gegen diese Auffassung 
soll sofort widerlegt werden: Wäre die narzißtische Regression der Beginn und 
wären alle auf Objekte gerichteten Symptome der Schizophrenen erst die Re- 
aktion darauf, so müßte jede Psychose mit Weltuntergang und Hypochondrie 
beginnen und Halluzinationen, Wahnbildungen und Äußerungen objektgerich- 
teter infantiler Sexualität erst später dazukommen. Nun, es läßt sich nicht 



76) Freud: Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch be- 
schriebenen Fall von Paranoia (Ges. Sehr. Bd. VIII. S. 423). 

77) J u n g: Über die Psychologie der Dementia praecox. 1907. 

78) Freud: Neurose und Psychose (Ges. Sehr. Bd. V) und Der Realitätsverlust bei 
Neurose und Psychose (Ges. Sehr. Bd. VI). 



leugnen, daß es in sehr zahlreichen Fällen tatsächlich so ist. Aber auch die selte- 
neren Fälle, in denen eine Psychose etwa mit einer schleichenden Wahnbildung 
beginnt, widersprechen in Wahrheit der eben dargelegten prinzipiellen Auf- 
fassung nicht. Denn der Objektverlust muß nicht plötzlich und in voller Stärke 
erfolgen, sondern es gibt ein ökonomisches Schwanken zwischen allmählich 
fortschreitendem und sich nach und nach auf alle Teile der Persönlichkeit aus- 
dehnendem Objektverlust und Restitutionsversuchen, so daß diese als scheinbar 
erstes Symptom auffallen können, wenn ein weniger lärmendes Stück Objekt- 
veriust unbemerkt vorangegangen ist.™ 

Kehren wir jetzt zur besseren systematischen Zusammenfassung des Darge- 
legten zu der Formel zurück, von der wir ausgegangen sind, die Psychose stelle 
einen Bruch mit der ReaHtät dar. Man kann diesen Sachverhalt von zwei ver- 
schiedenen Gesichtspunkten aus darstellen, und wird für verschiedene heuristi- 
sche Zwecke bald den einen, bald den anderen bevorzugen. Entweder kann man, 
wie Freud es getan hat, an dieser Stelle den grundlegenden Gegensatz zwi- 
schen Neurose und Psychose sehen:™ In einem Konflikt zwischen Es (einer 
Triebregung) und Außenwelt (einem Verbot) wendet sich das Ich des Neuroti- 
kers gegen das Es, indem es der Außenwelt gehorcht und eine Verdrängung 
vornimmt. Das Ich des Psychotikers dagegen bricht mit der seine Triebfreiheit 
einschränkenden Außenwelt. Man wird sich aber scheuen, diesen Satz fort- 
zusetzen: „und stellt sich auf die Seite des Es". Denn mag das für manche psy- 
chotische Erscheinungen auch stimmen (Amentia), meist macht es doch den 
Eindruck, daß der „Bruch mit der Realität" gegen die objektstrebige Sexuahtät 
ankämpfen soll, daß die Realität nicht nur als Faktor der Versagung, sondern 
auch der Versuchung, verleugnet wird (z. B. Verfolgungswahn). (Daß diese Gegen- 
überstellung nur schematische Gültigkeit hat, indem sowohl bei Neurotikern, 
z. B. bei der Verleugnung der weiblichen Penislosigkeit, der wir im Unbewußten 
des Neurotikers so oft begegnet sind, Spuren eines solchen „Bruchs mit der 
Realität" nachweisbar sind, als auch bei Psychotikern gegen das Es gerichtete 
Gegenbesetzungen, hat Freud übrigens seither betont."^) Oder man kann gerade 
hier die Übereinstimmung zwischen Psychose und Neurose betonen, indem man 
sagt: Bei Wiedererweckung infantiler Sexualkonflikte regredieren beide in frühere 
Entwicklungsstadien. Nur regrediert der Psychotiker eben tiefer, bis in die Zeiten, 
in denen sein Ich und damit die Funktion der Realitätsprüfung noch nicht aus- 
gebildet war.*^ Diese zwei Gesichtspunkte sind durchaus miteinander vereinbar, 

79) Siehe Freud: Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch 
beschriebenen Fall von Paranoia (Ges. Sehr. Bd. VIII. S. 425). 

80) Freud: Neurose und Psychose (Ges. Sehr. Bd. V). 

81) Freud: Fetischismus (Ges. Sehr. Bd. XI). 

82) Freud: Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch be- 
schriebenen Fall von Paranoia (Ges. Sehr. Bd. VIII. S. 424/425). 



92 



indem man sich vorstellen kann, daß eben eine besonders tiefgehende Regression 
die Möglichkeit bringt, mit der Realität zu biechen und das Ich wieder durch 
EntdifFerenzierung ganz oder teilweise im Es aufgehen zu lassen, das noch keine 
Objekte und auf Objekte gerichteten Sexualwünsche kennt. Das Ich ist ja' ein Dif- 
ferenzierungsprodukt des Es zur Aufrechterhaltung der Beziehungen mit der 
Außenwelt. Deshalb ist kein „Bruch mit der Außenwelt" möglich, ohne daß 
das Ich defekt würde, keine „Regression in Zeiten der oder vor der Entstehung 
des Ichs", ohne daß die Beziehung zur Außenwelt defekt würde. 

Nach dem, was wir vorhin über die Bedeutung der Restitutionstendenzen 
sagten, müssen wir jetzt also nach Freud formulieren:'' Der Bruch mit der 
Realität stellt nur eine erste Stufe im psychotischen Prozeß dar. Es folgt 
eine — wie erwähnt — von dem objektstrebigen Teil des Es erzwungene zweite 
Stufe des Wiederaufbaus der Realität. Hier drängt sich die Analogie mit der 
Neurose auf, bei der ja ebenfalls dem ersten Schritt, der Verdrängung des Es, 
ein zweiter folgte, indem dieses Es gegen den Willen des Ichs sich durchzusetzen 
strebte. F r e u d hat darauf aufmerksam gemacht, daß allerdings trotz dieser 
Analogie die zwei bedeutsamen Unterschiede bestehen: i) ist bei der Neurose 
der zweite Schritt der für den pathologischen Erfolg bedeutsamere, nämlich 
der der Wiederkehr des Verdrängten aus der Verdrängung; bei der Psychose 
dagtgen der e r s t e, nämlich der Realitätsverlust; 2) ist es bei der Neurose das 
abgewehrte Es, das sich im zweiten Schritt dem Ich dennoch aufdrängt; bei der 
Psychose scheint es zwar vielfach auch so zu sein, daß das abgewiesene Stück 
Realität gegen den Willen des Ichs wiederkehrt, — dafür spricht vieles im 
Objektverhalten der Kranken, - in Wahnbildungen und Halluzinationen jedoch 
versucht das Ich ebenfalls im Sinne des erst abgewehrten Es in selbstherrlicher Weise 
die Schöpfung einer neuen Realität. Wenn die Realitätsbeziehungen des Normalen 
nicht auf Erinnerungsvorstellungen allein beruhen, sondern der Zufuhr neuer 
Wahrnehmungen bedürfen, so sind dem Psychotiker die Halluzinationen der 
Wahrnehmungsersatz, der dasselbe für die neue selbstherrlich geschaffene Reali- 
tät leisten soll. Daß Halluzinationen so oft einen angsterregenden Charakter 
haben, erklärt F r e u d vermutungsweise dahin, daß sich dabei das abgewiesene 
Stück Realität dem Ich ebenso immer wieder störend aufdränge, wie das abge- 
wiesene Stück Es bei der Neurose.«' Es ist wichtig, dabei vom „abgewiesenen 
Stück" Realität zu sprechen. Denn es muß nochmals betont werden, daß der 
Bruch mit der Realität keineswegs plötzlich und in vollem Umfange — wie bei 
manchem „Weltuntergang" geschehen muß, sondern sehr häufig partiellen 
Charakter trägt. D as ist besonders deutlich bei jenen schleichend beginnenden 

83) Freud: Der Realitätsverlust bei Neurose und Psychose (Ges. Sehr. Bd VI) 

84) freud: Der Realitätsverlust bei Neurose und Psychose (Ges. Sehr. Bd VI 

S. 412/413). u. Vi. 



93 

paranoiden Erkrankungen, bei denen, wie Freud sagte, bei sonst intakter 
Persönlichkeit der Wahn nur wie ein Fleck dort aufgesetzt erscheint, wo das 
Verhältnis zur Realität eine Einbuße erlitten hat.*^ Die bei Schizophrenie so 
häufig schubweise Entwicklung der Krankheit mag auf die Unterbrechung all- 
mählich fortschreitenden Realitätsverlustes durch Restitutionsperioden zurück- 
zuführen sein. 

Es gibt kein Gebiet der Entwicklungsgeschichte der Libido zwischen Narziß- 
mus und Genitalprimat, das sich nicht in schizophrenen Symptomen äußerte. 
Immer wieder treten in dynamisch und ökonomisch schwer durchschaubaren 
Zusammenhängen Gebilde aus allen Entwicklungsperioden auf: Autoerotische 
Betätigungen jeder Art, Nahrungsschwierigkeiten von der Nahrungsverweige- 
rung bis zum Heißhunger, primitive analerotische Äußerungen, Inkontinenz, 
Kotschmieren und Koprophagie, primitive Äußerungsformen der Objekt- 
beziehungen, z. B. Einverleibungstendenzen, wie wir sie schon als manchen 
Wahnbildungen zugrundehegend erkannt haben, und die damit zusammen- 
hängende Neigung zur Identifizierung, die gerade bei Schizophrenen so häufig 
ist, daß die Identifizierung überhaupt auf ihrem Gebiet zuerst beschrieben 
werden konnte,*' obwohl die pathognomonische narzißtische Regression diffus 
erfolgt und die Identifizierung nicht so grundlegend ist wie bei der Melancholie, 
und vor allem immer wieder grobe Äußerungen des Ödipuskomplexes, die 
zuerst die Aufmerksamkeit der Psychoanalytiker, die sich mit Schizophrenen 
befaßten, auf sich zogen." Allerdings scheinen genitale Regungen regelmäßig 
in Konkurrenz mit prägenitalen, so daß der Genitalprimat in der Entwicklung 
der Schizophrenen, trotz häufiger real weitgehender Inzestbefriedigungen, nie 
ein sehr starker gewesen zu sein scheint. Viele haben offenbar die eigentliche 
phallische Entwicklungsstufe der Libido überhaupt nicht erreicht. 

Alle diese aus der Entwicklungsgeschichte stammenden Äußerungen können 
sowohl bei dem zum Narzißmus tendierenden Regressionszug (wie etwa die 
Kastrationsangst beim Zwangsneurotiker) als auch bei den wieder zum Genital- 
primat hinstrebenden Restitutionsversuchen mobilisiert werden. Am inter- 
essantesten dabei sind die aus den ältesten Entwicklungsstadien stammenden 
Symptome, weil sie der Beweis für die tatsächliche Tiefe der Regression sind. 
Manche oralen und analen schizophrenen Symptome lassen an ihrer Herkunft 
aus der SäugHngszeit keinen Zweifel. Wir erwähnten, daß T a u s k für zahl- 
reiche schizophrene Symptome die Herkunft aus der — ebenfalls in die 
SäugHngszeit zu verlegenden — Zeit der Ich- und Objektfindung wahrschein- 

8j) Freud: Neurose und Psychose (Ges. Sehr. Bd. V. S. 420). 

86) Landauer: Spontanheilung einer Katatonie. Int. Z. f. Ps.-A. II (1914). 

87) Jung: Der Inhalt der Psychose. — Zuletzt: Kogan: Äußerungen des Ödipus- 
komplexes bei Schizophrenie. Int. Z. f. Ps.-A. XIV (1928). 



94 



lieh machte.»« So entspricht nach ihm z. B. das Gefühl, „alles wird mir 
gemacht", „die Gedanken werden mir eingegeben" u. dgl. ebenso einer primi- 
tiven Ichstufe wie das magische Denken und die Allmacht der Worte und 
Gebärden.»» Wieder andere schizophrene Haltungen wie der Negativismus und 
die Befehlsautomatie, die sich nicht ohne weiteres als Erscheinungen der 
Säuglingszeit erkennen lassen, lassen doch an ihrem ganz primitiven und 
archaischen Charakter nicht zweifeln und verraten die tiefe (orale) Ambivalenz 
der Objektwelt gegenüber. Vielleicht entspricht die Befehlsautomatie der Re- 
gression zu Vorgängen von der Art, wie sie Bernfeld als „Faszination" 
beim Säugling beschrieben hat." Manche Symptome, z. B. katatone Haltungen 
und Bewegungen, lassen sogar den Gedanken aufkommen, als ob eine noch 
tiefere Regression bis in die Zeit der vorgeburthchen Existenz hier am Werke 
wäre." Was so ontogenetisch denkbar scheint, stimmt gewiß phylogenetisch: 
In der katatonen Bewegungsart, in manchen schizophrenen Stereotypien und 
Bizarrerien erscheinen nach Wegfall von normalerweise vorhandenen Hem- 
mungen archaischere Bewegungstypen wieder. Manche Formen der psycho- 
genen Tics entsprechen einer relativen Selbständigkeit der organlibidinösen 
Besetzungen gewisser körperlicher Erinnerungsspuren.»" In der Katatonie und 
in der Stereotypie hegt offenbar dasselbe Phänomen in ungleich höherem Um- 
fange vor. 

Fassen wir, was wir erfahren haben, in Analogie zu dem uns aus der Neu- 
rosenlehre Bekannten zusammen, so können wir den Prozeß wieder mit einem 
äußeren Anlaß beginnen lassen. Dieser kann ebenso mannigfaltig sein wie 
bei Neurosen und untersteht offenbar den gleichen Gesetzen wie die „äußere 
Versagung" dort:»» quantitative Steigerungen der Libido (die „dementia 
praecox" ist eine häufige Pubertätserkrankung), alle Enttäuschungen im realen 
Leben, alles, was als Versuchungssituation für die verdrängte infantile Sexuali- 
tät, insbesondere für Homosexualität und Analerotik," erscheint, und alles, 
was die Begründetheit infantiler Än gste zu stützen geeignet ist, kommt in 

88) Tausk: Über den Beeinflussungsapparat in der Schizophrenie. Int. Z. f. 
Ps.-A. V (1915). 

89) Ferenczi: Entwicklungsstufen des Wirklichkeitssinnes. Int. Z f Ps -A I 
(1913)- 

90) Bernfeld: Über Faszination. Imago XIV (1928). 

91) Tausk: Über den Beeinflussungsapparat bei der Schizophrenie. Int. Z. f. 
Ps.-A. V (1919). 

92) Siehe das Kapitel „Psychogener Tic"' in meinem Buch „Hysterien und Zwangs- 
neurosen". " 

93) Siehe Feldmann: Über Erkrankungsanlässe bei Psychosen. Int. Z f 
Ps.-A. VII (1921). ■ ■ 

94) So konnte Ferenczi einen Fall beschreiben, bei dem der paranoide Wahn 
im Anschluß an eine Mastdarmerkrankung ausbrach. Siehe Ferenczi: Reizung der 
analen Zone als auslösende Ursache der Paranoia. Zentralbl. f. Ps.-A. I (190) 



9$ 

Betracht. Die Folge dieser Anlässe ist zunächst ebenfalls noch dieselbe wie bei 
der Neurose: das Wiedererstarken infantiler sexueller Regungen. Auch inhalt- 
lich scheinen diese nicht verschieden. Dem Ödipuskomplex kommt auch hier 
grundlegende Bedeutung zu. Ja, es scheint fast, als ob eine quantitativ ganz 
besonders starke Fixierung am Ödipuskomplex geradezu eine Prädisposition 
zur Psychose schaffe, wenigstens findet man abnorme ödipusbefriedigungen 
relativ häufig in der Anamnese der Schizophrenie. Trotzdem scheint die 
Genitalität gewöhnlich relativ schwach, dieser Ödipuskomplex prägenital 
unterbaut. Diese wiedererstarkte infantile Sexualität gilt es nun abzuwehren, 
und hier trennen sich die Wege bei Psychose und Neurose: wir haben ausge- 
führt, wie der „Bruch mit der Reahtät", der nun im Gegensatz zur „inneren 
Versagung" der Neurose eintritt, aufgefaßt werden kann als ein Versuch des 
Ichs, die libidinösen Strebungen durch eine besonders tiefgreifende Regression, 
nämlich die zum Narzißmus, d. h. in die Zeit vor Errichtung der Realitäts- 
prüfung, abzuwehren. Die Psychose regrediert zu archaischeren Fixierungs- 
punkten als die Neurose. Das Problem ihrer Ätiologie mündet also in das der 
Genese und Natur der narzißtischen Fixierung. Welchem Entwicklungs- 
stadium entspricht sie? Vielleicht dem frühen Säuglingsalter; vielleicht einem 
noch früheren. Im Prinzip muß für eine narzißtische Fixierung die Lehre von 
der Ergänzungsreihe von Konstitution und Erleben ebenso gelten wie für eine 
spätere. Aber wir müssen zugeben, daß wir weder über die zugrundehegende 
Konstitution noch über das Erleben, das möglicherweise In Frage kommt, 
uns bis jetzt konkrete Vorstellungen machen können. Denn die narzißtische 
Konstitution läßt sich nicht ohne weiteres wie andere Konstitutionen der 
besonderen Verstärkung einer erogenen Zone gleichsetzen; sie ist der oralen 
Konstitution, über die bei den manisch-depressiven Erkrankungen die Rede 
sein wird, verwandt, aber nicht mit ihr identisch. Und besonders pathogene 
Erlebnisse etwa während der Säuglingszeit können wir zwar theoretisch an- 
nehmen, sie sind aber bei der Schizophrenie meines Wissens konkret noch nicht 
so wahrscheinlich gemacht worden wie bei den Manisch-Depressiven. Wir 
werden später hören, daß wir vermutungsweise die pathognomonische Fixie- 
rung der Schizophrenie noch früher annehmen dürfen als die der Depression, 
nämlich in der ersten objektlosen oralen Organisationsstufe nach Abraham, 
im Gegensatz zur zweiten oral-sadistischen.^^ Vielleicht ist für die Früh- 
anamnese der Schizophrenen charakteristisch, daß nicht ein einmaliges Trauma 
in der allerersten Lebenszeit, sondern allgemeine Behinderungen auf allen 
Lebensgebieten stattfanden (Schultz-Henck e""). Aus späterer Lebenszeit 
ist Entsprechendes aus der Entwicklungsgeschichte Schizophrener jedenfalls 

95) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. 
$6) Schultz-Hencke: Einführung in die Psychoanalyse. S. 204 ff. 



96 

nicht als regelmäßiges Vorkommnis bekannt. "Was nach der verhängnisvollen 
Regression einsetzt, ist mit den Vorstellungen des „zweiten Schrittes" und 
der Restitutionsversuche leicht zu fassen. Inhaltlich werden hier die späteren 
Fixierungspunkte wichtig, und die Relation der ökonomischen Verhältnisse 
bestimmt hier die manifesten Zustandsbilder und ihren "Wechsel. 

Die prognostische Unsicherheit bei Schizophrenie entspricht der Schwierig- 
keit, in das feinere ökonomische Kräftespiel genauen Einblick zu gewinnen. 
Ist eine "Wiedergewinnung der Objektbeziehungen geglückt, so scheint es 
jedenfalls begreiflich, daß dieselben Menschen dazu neigen, bei neuerlichen 
Anlässen neuerlich zu erkranken, da sie ja trotz ihrer Heilung die Disposition, 
auf Enttäuschungen mit Objektverlust zu antworten, beibehalten haben. Man 
kann sich vorstellen, daß, wie tief die dispositionelle Neigung zum Objekt- 
verlust auch sein mag, alles, was an aus der Außenwelt stammenden Reizen 
angenehm und verlockend erscheint, die Krankheit günstig, alles, was an ihr 
enttäuscht oder auch Versuchungen bringt, sie ungünstig beeinflussen muß. 
Deshalb erscheinen letzten Endes die — besonders in nicht-psychiatrischer 
Literatur — immer wieder kolportierten Geschichten von „Heilungen durch 
Liebe"" nicht so ganz unglaubhaft, und mancher Psychiater wurde für 
geduldiges und immer wieder liebevolles Eingehen auch auf Kranke, mit 
denen kein Kontakt möglich schien, durch das schließiiche Erreichen dieses 
Kontaktes belohnt. In diesem Sinne scheinen uns die Ausführungen von 
Hollos über den Verkehr mit Geisteskranken"« mehr zu lehren als viele 
Lehrbücher der Psychiatrie. 

Man hat die schizophrenen Fälle bzw. Erscheinungen eingeteilt in paranoide, 
hebephrene und katatone. Das Wenige, was die Psychoanalyse zum Verständ- 
nis dieser speziellen Formen beitragen konnte, haben wir meist schon erwähnt. 
Das Paranoid haben wir vielfach unseren allgemeinen Erörterungen über 
Schizophrenie zugrundegelegt, Mechanismen und Inhalte der typischen "Wahn- 
bildungen bereits erörtert, so daß hier nur mehr etwas über ihren spezifischen 
Mechanismus, die Projektion, nachzutragen bleibt.«» Die Projektion ist 
eine besondere Art der Triebabwehr, die unliebsame Triebe, deren Wahr- 
nehmung sich nicht unterdrücken läßt, an äußeren Objekten wahrnimmt statt 
am eigenen Ich. Sie kommt gelegentlich auch außerhalb von Paranoia und 
Paranoid bei Neurotikern und Normalen vor. Ihr muß gegenüber anderen 
Abwehrmechanismen eine besonders archaische Natur zugesprochen werden. 
Das ergibt sich aus ihrem Inhalt, der partiellen Verwechslung von Ich und 



97) Siehe Freud: Zur Einführung des Narzißmus. Ges. Sehr. Bd. VI. S. i86. 
9%) Hollös: Hinter der gelben Mauer. Berlin u. Zürich 1928. 
99) Siehe dazu: v. d. Hoop: Über die Projektion und ihre Inhalte. Int. Z. f. 
Ps.-A. X (1924) und Jelgersma: Die Projektion. Int. Z. f. Ps.-A. XII (1926). 



97 

Nicht-Ich, die ja aus der Zeit vor Errichtung der Ichgrenze stammen muß. 
Dazu stimmt, daß die Funktion der Projektion eine wesentliche Rolle in der 
archaischen Weltauflassung des Animismus spielt. Ihre Prävalenz im Paranoid 
ist also dessen tiefer Regression zugeordnet. Diesen Ursprung aus der Zeit vor 
strenger Unterscheidung von Ich und Nicht-Ich hat die Projektion mit ihrem 
Gegenstück, der Introjektion von Objekten, dem exekutiven Mechanismus der 
Identifizierungen, gemeinsam. Dieser Umstand erklärt, daß beides, Projektion 
und Introjektion, in den narzißtischen Krankheitsbildern vorkommt. Wir 
werden noch hören, daß die Introjektion ihre materielle Basis in der (oralen) 
Einverleibungstenidenz, der tiefsten Schicht der Objektbeziehungen hat. 
Es wäre naheliegend zu fragen, ob die Projektion in analoger Weise einer 
archaischen Objektausstoßung entspricht. Die Projektion von Kot und Gesäß 
im Paranoid scheint für eine solche Auffassung, die theoretisch große Vorteile 
böte, zu sprechen. Ob allerdings eine Projektion etwa nur von bestimmten 
Tendenzen oder Gefühlseinstellungen einer Ausstoßung unHebsamer Objekte, 
letzten Endes einer Def äkation oder einem Ausspucken entspricht, wie F r e u d 
es für das von ihm als „purifiziertes Lust-Ich" bezeichnete Stadium angenom- 
men hat,"" ist klinisch kaum zu entscheiden. 

Weit sicherer ist die ökonomische Funktion der Projektion. Sie ergibt 
sich nach Freud aus der Erkenntnis, daß dem seelischen Apparat ein Reiz- 
schutz gegen übermäßige äußere Reize zur Verfügung steht, nicht aber gegen 
entsprechende innere. Daher wird die Neigung verständUch, in der Projektion 
überstärke innere Reize wie äußere zu behandeln, damit der Reizschutz auch 
gegen sie angewandt werden kann."^ Diese schützende Funktion zeigt sich 
besonders deutlich in jenen Fällen von Amentia bzw. Pathoneurose, in denen 
eine unliebsame Eigenschaft des Ichs, deren Wahrnehmung nicht ganz unter- 
drückt werden kann, api anderen empfunden wird. Ähnhches findet sich 
übrigens häufig auch bei der Schizophrenie, z. B. wenn ein sich für gesund 
haltender Kranker einen anderen für verrückt erklärt. Wir erwähnten schon, 
daß die Projektion sich an den Stellen etabliert, wo die Realität ihr entgegen- 
kommt. Man kann den Paranoiden geradezu als besonders feinfühlig für das 
Unbewußte des anderen bezeichnen, nämUch dort, wo er dieses Fühlen als 
Rationahsierung für seine Projektionstendenzen benutzen kann."^ Er ist fein- 
fühlig für das Unbewußte des andern, wenn ihm dies ermöglicht, für das 
eigene Unbewußte ganz besonders taub zu werden. — Zwischen Paranoia und 
paranoider Schizophrenie ist in der psychoanalytischen Literatur bisher nicht 

loo) Freud: Triebe und Triebschicksale (Ges. Sehr. Bd. V. S. 461). 
loi) Freud: Jenseits des Lustprinzips (Ges. Sehr. Bd. VL S. 217). 
102) Siehe Freud: Einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, Paranoia und 
Homosexualität (Ges. Sehr. Bd. V. S. 391 ff). 

7 Fenichei, Perversionen 



98 

derselbe Unterschied gemacht worden wie in der psychiatrischen. Es läßt sidh 
aber ohne weiteres vermuten, daß der Paranoia dieselben Mechanismen zu- 
grundeliegen, nur daß einer glücklicheren Konstellation der Kräfte hier die 
Abkapselung der pathologischen Prozesse besser gelingt als dort. Die Beziehung 
zur Realität erscheint nur an einer einzigen Stelle unterbrochen, die Lücke 
durch den Wahn ausgefüllt und der ausschlaggebende Konflikt durch die 
Wahnbildung lokalisiert. 

Die Hebephrenie ist dadurch charakterisiert, daß bei ihr lärmende 
Restitutionserscheinungen ganz fehlen und der Objektverlust sehr allmähUch, 
aber meist unaufhaltsam fortschreitet. Hierher gehören ausgesprochen prägeni- 
tal fixierte Typen, die dazu neigen, allen Konflikten mit der Außenwelt durch 
Einziehung der betreffenden Objektbesetzungen aus dem "Wege zu gehen. 
Unter den „chronischen Neurasthenikern" und den „allgemein Gehemmten" 
gibt es Übergangsbilder zur Hebephrenie; der Unterschied der Regressionstiefe, 
d. h. der Umstand, ob unbewußt die .Objektbesetzungen noch erhalten sind 
oder nicht, stellt das differentialätiologische Moment dar."" Es läßt sich denken, 
daß solche Typen mit besonders prägenitaler und zur Wendung gegen das Ich 
bereiter ödipusgestaltung dem quantitativen Libidozuwachs der Pubertät nicht 
gewachsen sind und an ihm hebephren erkranken. 

^ Ein analysierter Fall ließ die sonst für den chronischen Neurastheniker charakte- 
ristische Ätiologie deuthch erkennen. Häufige frühzeitige Urszenen hatten eine sadi- 
stische Sexualauffassung, eine Identifizierung mit der Mutter und eine ungeheure 
Sexualangst noch vor Erreichung der phallischen Phase gesetzt. Die ursprüngliche 
Reaktion auf die Urszenen, eine ungeheure Wut auf beide Eltern, insbesondere auf 
den Vater, wurde in der zunehmenden Gleichgültigkeit der Welt gegenüber ebenso 
abgewehrt wie die oberflächlicheren, der Identifizierung mit der Mutter entsprechen- 
den passiv-homosexuellen Neigungen. — Es dürfte dieser besonderen Betonung einer 
ungeheuren Zerstörungswut in der Ätiologie der Hebephrenie (wie übrigens 
auch narzißtischer Organneurosen) eine typische Bedeutung zukommen. 

Die Katatonie ist das für die Psychoanalyse noch dunkelste, aber viel- 
leicht interessanteste Gebiet der Schizophrenieforschung."* Sie scheint, wenn 
man so sagen darf, um einen Grad komplizierter als Hypochondrie und Organ- 
entfremdung. Es handelt sich jedenfalls um Äußerungen einer organlibidinösen 
Überbesetzung der Muskelrepräsentanzen, die nach Zerfall des Ichs eine Art 
selbständiger Bedeutung gewonnen haben. Man kann beim psychogenen Tic 
erkennen, wie vom Gesamterleben relativ unabhängig „narzißtische Erinne- 
rungsspuren", d. h. lokale organlibidinöse Stauungen in der Muskulatur, nach- 
träglich eine Abfuhr suchen. Auch dort ist es schon klar, daß diese Abfuhr 

103) Siehe das Kapitel „Hemmungszustände" in meinem Buche „Hysterien und 
Zwangsneurosen". 

104) Vgl. Nunberg: Ober den katatonischen Anfall. Int. Z. f. Ps.-A. VI (1920). 



99 

im Kampfe liegt mit einer zur Stauung führenden entgegengesetzten Tendenz, 
die im Tic nur kurzschlußartig überwunden wird."^ Katatone Handlungen, 
z. B. die ticähnlichen Stereotypien, vor allem aber die als Raptus bekannten 
Erscheinungen, dürften einem analogen Kurzschluß zu verdanken sein. Manche 
Stereotypien und Bizarrerien lassen noch die Absicht erkennen, die ursprüng- 
lich hinter derartigen Innervierungen steckte, die aber nunmehr „organlibidinös 
automatisiert" ist. So ist es bei Zwangscharakteren häufig, daß sie bei Anlässen, 
die etwa an unbewußte Angstsituationen erinnern, aus Abwehrgründen freund- 
lich lächeln. In ähnlicher Weise enthält gewiß manches „blöde Lächeln" des 
Katatonen, manche „Spaltung zwischen Affekt und Vorstellungsinhalt" die 
Absicht, unliebsame traurige oder angsterregende Vorstellungen oder Wahr- 
nehmungen, vielleicht manchmal die der eigenen Geisteskrankheit, zu leugnen 
oder ihrer Gefühlsbedeutung zu berauben. Freilich scheint dieser Abwehrver- 
such mißlungen; das typisch katatone Mienenspiel enthält vom Gesamt-Ich 
gelöste Aktionen der in der Repräsentanz der mimischen Muskulatur zu den- 
kenden „Organerinnerungsspuren" jener Absichten. 

In der katatonen Starre sieht man den Kampf zwischen dem Willen 
zur Bewegung und seiner Abwehr, der ambivalenten Natur der narzißtischen 
Stufe entsprechend, auf die der Kranke regrediert ist, am deutlichsten. 
F e r e n c z i hat das Wort geprägt, die Katatonie sei eigentlich eine Kata- 
klonie, ein in rascher Frequenz folgendes Wechseln zwischen positiven 
(d. h. zur Bewegung treibenden) und hemmenden Innervierungsimpulsen."' 
Das Merkwürdige eines solchen Befundes können wir uns klarer machen, 
wenn wir daran denken, daß es auch dafür beim Neurotiker und Normalen 
Analogien gibt. Im hysterischen Muskelkrampf ringen ja ebenfalls Bewegungs- 
und Hemmungsimpulse miteinander. Nur daß die beiden in diesem Falle einer 
unbewußten Objektbeziehung Ausdruck geben, also bei intrapsychischer Be- 
setzung der Objektrepräsentanzen erfolgen, bei der Katatonie aber rein nar- 
zißtisch sind. Und auch beim Normalen wird der Zweckmäßigkeit der Mo- 
torik durch Konflikte zwischen Bewegungsimpulsen und entgegengesetzten 
Tendenzen in den „dystonischen" Erscheinungen Abbruch getan, die sich oft 
genug in einem einfachen Hypertonus manifestieren. Dieser kann als normales 
Vorbild der Katatonie aufgefaßt werden. Er verhält sich zu ihr wie die neu- 
rotische Introversion zur narzißtischen Regression der Schizophrenie."' 

Wir müssen noch einen Umstand betonen, der die Wahrscheinlichkeit, daß 

loj) Siehe das Kapitel „Psychogener Tic" in meinem Buche „Hysterien und 
Zwangsneurosen". 

io6) Ferenczi: Psychoanalytische Betrachtungen über den Tic. Int. Z. f. 
Ps.-A. V (1919) 

107) Fenichel: Über organlibidinöse Begleiterscheinungen der Triebabwehr. 
Int. Z. f. Ps.-A. XIV (1928). ,, ,. 



lOO 

die Schizophrenie ein absolut eigenartiges somatogenes Geschehen sei, noch 
weiter einschränkt. Aller Erfahrung nach besteht zwischen Schizophrenie 
einerseits und Norm andrerseits keine scharfe Grenze. Genau so wie bei den 
Neurosen gibt es auch hier Misch- und Übergangsfälle. In diesem Bereich heißt 
das, daß Fälle, ohne eine wirkliche Psychose zu entwickeln, einzelne Züge oder 
Mechanismen schizophrener Art aufweisen. Solche Fälle mögen sich häufig 
mit den von Kretschmer beschriebenen „Schizoiden" decken, müssen es 
aber nicht, da wir nicht an das manifeste Bild, sondern an die unbewußten 
Mechanismen denken. Hierher gehören z. B. viele der sogenannten „Grenz- 
fälle", der „verschrobenen Psychopathen" und „abortiven Paranoien", vor 
allem aber viele Menschen mit einem, wenn man so sagen darf, „hebe- 
phrenoiden Charakter", die einen großen Rest von primitivem Narzißmus 
und Prägenitalität und vor allem von der Neigung haben. Versagungen mit 
weitgehendem Objektverlust zu beantworten; meist in Kombination mit Depres- 
sionen, Hypochondrien, Organsensationen der „Entfremdung" und anderen Zei- 
chen einer gesteigerten narzißtischen Haltung. Gerade solche Fälle, die man 
auch als „Schizophrenia mitis" bezeichnet hat, werden in der Praxis des Psy- 
choanalytikers von größerer Bedeutung sein als echte Schizophrenien. Es gibt 
übrigens auch — im Gegensatz zu den Behauptungen mancher Psychiater — 
Übergänge von Pseudohalluzinationen zu Halluzinationen und von Phantasien 
zur Wahnbildung. Was das erster« betrifft, so sei auf .die Ausführungen von 
Schilder über die Übergangsgebiete von Vorstellung und Wahrnehmung"^ 
verwiesen. Bezüglich des „abortiven Wahnes" sei z. B. an die ErythropJhobie er- 
innert, bei der das Gefühl, alle Leute warteten auf das Erröten, einen Übergang 
zum Beobachtungswahn darstellt. Ebenso ist es vielfach nicht möglich, zwischen 
überstarker „sozialer Angst" und leichtem Beziehungswahn zu unterscheiden. 
Es gibt auch wahnbildende Mechanismen bei noch erhaltener Realitätsprüfung, 
so daß das, was so entsteht, kritisch verworfen wird, also psychiatrisch nicht 
als Wahn zu bezeichnen wäre, aber eine merkwürdige Phantasie darstellt, die 
inhaltlich den typischen Wahnbildungen gleicht und sich unter Umständen unter 
Einwirkung kleinster ökonomischer Faktoren in einen echten Wahn verwandelt. 

Freud hat diese im Beginn über die schon vorhandenen paranoiden Ideen 
wachende Kritik beschrieben."' — Man erlebt bei der Analyse von Schizoiden nicht 
selten Äußerungen wie die folgende, die ein hauptsächlich an Hypochondrie leidender 
Patient tat: „Ich könnte jetzt sagen, Sie geben mir alle meine Gedanken ein. Ich 
weiß, daß es nicht so ist, aber ich habe doch ein Gefühl, als ob meine Gedanken von 
außen gemacht würden.'" 



io8) Schilder: "Wahn und Erkenntnis. Berlin 1918. 

109) Freud: Über einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, Paranoia und 
Homosexualität (Ges. Sehr. Bd. V). 



Zwangsneurotiker leiden bekanntlich oft an der Zwangsvorstellung, jemanden 
ermordet zu haben, und müssen, obgleich sie volle Einsicht in die Realität 
haben, sich in Zeremoniells von der Unrichtigkeit der Zwangsvorstellung über- 
zeugen. Obwohl die ausgesprochene Wahnbildung, einen Menschen ermordet zu 
haben, sich schon im Erleben von einer solchen Zwangsvorstellung deut- 
lich unterscheidet, gibt es doch „schizoide Zwangsneurotiker", bei denen eine 
Phantasie gelegentlich in der einen, gelegentlich in der anderen Form erlebt 
wird, z. B. überwiegend als Zwangsvorstellung, aber in einzelnen Affektmomen- 
ten als Wahn. 

Ein Patient, bei dem zweifellos weit eher Zwangsneurose als Schizophrenie zu 
diagnostizieren War, obwohl sein Symptomenbild in manchen Punkten schizoid war, 
ging einmal nach einem Streit mit der Mutter in heftigster Erregung vom Hause 
fort und zweifelte, ob er die Mutter nicht erschlagen hätte. Schließlich siegte die 
Überzeugung, daß er es getan hätte, er ging zur Polizei, stellte sich selbst mit der 
Angabe, er hätte seine Mutter getötet, und war von der objektiven Richtigkeit dieser 
Angabe überzeugt. Erst als Schutzleute aus seiner Wohnung auf die Polizeiwache 
zurückkehrten und ihm mitteilten, es sei doch nicht wahr, die Mutter lebe ja, schlug 
sich der Patient auf den Kopf und erinnerte sich, daß er es ja in Wirklichkeit gar 
nicht getan hatte. — ■ Auch manche Formen des Glaubens an die Allmacht der Ge- 
danken und das, was Freud „zwangsneurotisches Delir" genannt hat,"" sind solche 
Übergangserscheinungen. 

Manche Zwangshandlungen sind ebenfalls ohne Analyse von Stereotypien 
nicht zu unterscheiden, besonders wenn sie „automatisiert" sind und ohne Be- 
teiligung des bewußten Ichs vor sich gehen.'" Erst die Analyse kann, je nach der 
relativen Beteiligung des Narzißmus, unterscheiden und wird eine (über den 
Tic gehende) kontinuierliche Reihe feststellen müssen. Alle diese Übergangs- 
bildungen sind Indizien für die Verwandtschaft von Neurose und Psychose, für 
die Auffassung, daß bei der Schizophrenie ebenso eine Regression vorliege wie 
bei der Zwangsneurose, die nur tiefer reicht. Diese „Schizoiden" sind die Fälle, 
die ev. später Schizophrenien werden können, und deshalb gewinnt gerade bei 
ihnen die Frage nach einer ev. prophylaktischen Analyse Bedeutung. 

Es ist noch nicht lange her, da hieß es ganz apodiktisch: Die analytische Be- 
trachtung der Schizophrenie sei zwar wissenschaftlich von größter Bedeutung; 
therapeutisch käme die Analyse aber nicht in Betracht. Dieser Auffassung ver- 
lieh Freud Ausdruck durch seine Gegenüberstellung von „Übertragungsneu- 
rosen" und „narzißtischen Neurosen"."^ Damit sollte betont werden, daß die 



iio) Freud: Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose (Ges. Sehr. 
Bd. Vin. S. 277 und 282). 

II i) Landauer: Automatismen, Zwangsneurose und Paranoia. Int. Z. f. 
Ps.-A. XI (1925). 

112) Z. B. in Freud: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (Ges. 
Sehr. Bd. VII). 



I02 



Analyse auf der Einflußnahme des Analytikers auf den Patienten beruht, also 
bei diesem ein gewisses Maß von Objektzugewendetheit erfordert, das der 
Narzißt aufzubringen nicht in der Lage ist. Obwohl das zweifellos richtig ist 
und eine Analyse ohne Realitätskontakt, d. h. ohne Kontakt mit dem Analy- 
tiker, em Unding wäre, wird man dies heute mit dieser absoluten Schroffheit 
nicht mehr verteidigen. Eine analytische Beeinflussung Schizophrener und 
Schizoider muß davon ausgehen, daß die Regression zum Narzißmus selten eine 
hundertprozentige ist, und an den Resten der Realitätsbeziehungen die Arbeit 
durchzuführen suchen. Daß man mit dem Stupor nichts anderes anfangen kann 
als in unendlicher Geduld durch liebevolles Benehmen einen wenn auch noch so 
flüchtigen Kontakt zu suchen, und daß alle Bemühungen umsonst sind, wenn 
dieser Kontakt nicht gefunden werden kann, ist selbstverständlich. Aber nicht 
alle Fälle sind Stuporen. Immerhin versteht man, welche ungeheuere Schwierig- 
keiten einem solchen Unternehmen im Gegensatz zur Analyse von Neurotikern 
entgegenstehen. Wir haben betont, daß, im Gegensatz zur Hysterie, bei der 
Zwangsneurose nicht mehr das wesentliche Stück des Ichs, sondern nur ein ge- 
wisser Anteil desselben in Verbindung mit dem Arzt gegen die Krankheit zu 
kämpfen vermag. Hier nun ist dieser Rest verschwindend klein und — was das 
schlimmste ist — völlig unverläßlich geworden. Es wäre ja, wie wir schon be- 
tonten, ein Irrtum zu glauben, narzißtische Neurosen übertrügen ihre infantilen 
Konflikte nicht auf den Analytiker. Sie übertragen oft in stürmischster, gelegent- 
lich zu wilden Aktionen führender Weise. Aber diese Übertragungserscheinun- 
gen sind Sämtlich un v e r 1 ä ß 1 i eh. Die Patienten neigen zum Objektverlust, 
d. h. kleinste keineswegs voraussehbare ökonomische Veränderungen (keines- 
wegs nur im Verhalten des Analytikers, sondern irgendwo im Tageserleben be- 
gründet) können eine Übertragung von heute auf morgen vollkommen ver- 
schwinden lassen. Man weiß nie, wie lange ein bestehender Kontakt halten wird. 
Ist der Objektverlust eingetreten, so ist, zumindest für einige Zeit, jede Arbeits- 
möglichkeit verloren. Die Neigung des Patienten, gefährlich werdende Ver- 
suchungen, wie eine gesteigerte Übertragung, durch narzißtische Regression ab- 
zuwehren, zeigt sich praktisch vielleicht am deutlichsten bei der Paranoia, deren 
Analyse scheitert, sobald der Analytiker selbst zum Verfolger geworden ist. 
Man kann bei solchen zwischen Übertragungsfähigkeit und narzißtischem Ver- 
halten wechselnden Patienten dann nur im jeweiligen Übertragungsstadium 
analysieren, wie manche Autoren es bei dem Versuche, katatone Anfälle zu be- 
handeln, getan haben. Allein schon die Gefahr des Raptus, d. h. der Unberechen- 
barkeit der Aktionen des Patienten, macht Versuche zur planmäßigen analyti- 
schen Behandlung von Schizophrenen zu einer Angelegenheit der geschlossenen 
Anstalten. Die Fragen nach Modifikationen der Technik, die geeignet wären, 
die psychoanalytische Methode an dieses neue Objekt anzupassen, indem sie 



103 

Objektbeziehungen herstellen, verstärken oder festhalten, die bei den Neurosen 
als Voraussetzung der Beeinflußbarkeit von vornherein vorhanden sind, werden 
eine weitergehende, praktisch belangvolle Befestigung erst gewinnen können, 
wenn die Anstalten sie in ihr Forschungsprogramm aufgenommen haben wer- 
den. Die Versuche von S i m m e I in einer — allerdings offenen und dadurch in 
der Forschungsmöglichkeit beschränkten — Klinik sind ein hoffnungsvoller An- 
fang dazu.^" 

In einzelnen Fällen wurden volle Heilerfolge bei Analysen von 
Schizophrenien und Paranoien berichtet. Aber man hat bei der Lektüre mehr 
den Eindruck, daß in diesen Fällen eine besonders günstige Konstellation vor- 
lag, als daß eine prinzipielle Anpassung der für objektlibidinöse Patienten er- 
dachten psychoanalytischen Methode an den Narzißmus gelungen wäre."* In 
der gewöhnlichen analytischen Praxis wird die Frage der Analysierbarkeit der 
„mitis"-Fälle eine größere Rolle spielen als die großer Psychosen. Man sieht auf 
den ersten Blick, daß es hierbei ausschlaggebend auf die ökonomischen 
Verhältnisse ankommen wird, auf die Quantität der objektlibidinösen Reste und 
auf die Intensität der Neigung zum Objektverlust. Der Realitätskontakt muß 
gestützt, ev. hergestellt werden; darauf laufen alle Modifikationsvorschläge der 
Technik, die die Psychoanalyse für narzißtische Neurosen applizierbar machen 
sollen, hinaus. Der allgemeine Rat, den Abraham zu geben pflegte, man 
müsse bei Narzißten die Übertragung aktiv herstellen und festhalten, sich also 
davor hüten, sie durch Analyse frühzeitig zu stören, wie wir es bei Neurotikern 
gewohnt sind, ist leichter theoretisch gegeben als praktisch durchgeführt. Denn 
unter Umständen können die die Übertragung störenden Faktoren in ihrer ob- 
jektiven Geringfügigkeit vom Analytiker unmöglich vorhergesehen und abge- 
schätzt werden. Ferner darf man nicht vergessen, daß auch eine intensiver wer- 
dende Übertragungsbindung, insofern sie als Versuchungssituation perzipiert 
wird, Anlaß zum Objektverlust werden kann. Auch kann der Rat, die Über- 
tragung nicht zu analysieren, nicht absolut genommen werden, wenn überhaupt 
analysiert werden soll; denn eine Analyse ohne Übertragungsanalyse wäre ein 
Unding. Immerhin ist zuzugeben, daß viele Triebeinstellungen, die sowohl im 
Verhältnis zum Analytiker als auch im sonstigen Lebensverhalten ihren Aus- 
druck finden, an letzterer Stelle analysiert werden können. Im Ganzen ist aber 
wohl am ehesten gemeint: Die Analyse dieser Fälle ist als sich in zwei Stadien 
abspielend gedacht, einem ersten nicht-analytischen, psychagogischen, für das 

113) Simmel: Die psychoanalytische Behandlung in der Klinik. Int. Z. f. Ps.-A. 
XIV (1928). 

114) Siehe z. B. Bjerre: Zur Radikalbehandlung der chronischen Paranoia. 
Jahrb. f. ps.-a. u. psychopath. Forschgn. III (1912), Mack-Brunswick: Die 
Analyse eines Eifersuchtswahnes. Int. Z. f. Ps.-A. XIV (1928). 



104 



de Regel gdt um jeden Preis Übertragung herzustellen und festzuhalten, das 
also darauf abzielt die Psychose möglichst neurose-ähnlich zu machen, und 
einem zweiten, in dem dann erst regelrecht analysiert wird. In der Praxis wer- 
den diese zwei Phasen freilich vielfach ineinander übergreifen. Die „objekt- 
bindende Einleitungszeit die unter Umständen gleichzeitig auf nicht-analyti- 
schem Wege auf Erweckung von Krankheitseinsicht und Heilungswillen ge- 
richtet sein kann, wird nie völlig ausgeschaltet werden können. Umgekehrt 
wd man vielleicht an einzelnen Stellen schon vom ersten Tage an analysieren 
können. Bally hat mit Recht darauf aufmerksam gemacht, daß Erweckung 
und Stärkung der Realitätsbeziehungen sich nicht auf das Verhalten des Analy- 
tikers zu beschränken braucht, sondern daß man vielfach Gelegenheit hat. durch 
Besprechung der aktuellen Konflikte. Beziehungen und Verhaltungsweisen des 
Patienten diese Realitätsbeziehungen zu unterstreichen, und daß es ein Kunst- 
fehler wäre, dem Narzißten durch Symbol- und Komplexdeutungen Gedanken- 
material zu geben, so lange kein Real-Ich vorhanden ist, das diese Deutungen zu 
beurteilen und zu verwenden versteht.- Wälder hat gezeigt, daß es gele- 
gentlich gelingt das narzißtische Verhalten eines Menschen sozusagen realitäts- 
gerecht unterzubringen, so daß das restliche Verhalten relativ objektgebunden 
bleibt und das am Beispiel eines Mathematikers demonstriert."» Simmel end- 

.ezeiet'Tß'." ^'^f^^^^^'^'^^f ^^ ^- Stärkung der Objektlibido vor allem 
gezeigt, daß die Moghchkeit. die psychischen Vorgänge im Patienten nicht nur 
wahrend emer_ Stunde täglich zu beobachten, sondern von seinem Gesamtver- 
halten Kenntnis zu erhalten, ebenso die Möglichkeit, dieses Gesamtverhahen 
durch äußere Maßnahmen zu beeinflussen - Möglichkeiten, die die Klinik vor 
der Wpraxis voraus hat - bei der Psychosebehandlung von ausschlaggeben- 
der Wichtigkeit sind."' 

Zusammengefaßt könnte man alle diese Versuche theoretisch in der Formel 
wiedergeben, es käme darauf an, in einer Einleitungsphase der Behandlung (die 
an Zeitraum vielleicht den größten Teil der Behandlung beansprucht), die 
Übertragungsfähigkeit des Patienten so weit zu sichern, daß man die Übertra- 
gung analytisch wieder abbauen kann, ohne daß dies zur narzißtischen Regres- 
sion fuhrt. Das Schwierige dabei ist, diese „Übertragungsstärkung" ökonomisch 
richtig zu dosieren. Man darf nicht vergessen, daß ein allzu freundliches Ver- 
halten des Analytikers vom Unbewußten des Patienten natürlich auch wieder als 
Versuchung zu einer (e v^ osexuellen) Obj ekt bindung perzipiert w ird, die er 
Xm!\^^o!^^'' ^"' ^"^' ^'' Behandlung schizoider Neurotiker. Int. Z. f. Ps-aT 
Int"z. Tisli'.X.'^r^" ^''^'"'™'" ""'' Beeinflussungsmöglichkeit der Psychosen. 
XIV^l^Vs"""''' ^'' P'y=^°''"*'y"^^he Behandlung in der Klinik. Int. Z. f. Ps.-A. 



ja gerade fürchtet, und die er durch die narzißtische Regression abwehren will. 
Der Analytiker des Schizophrenen und Schizoiden muß zwischen der Skylla 
des zu unpersönlichen Verhaltens, das den Patienten in seinem Narzißmus allein 
läßt und ihm keinen Anreiz bringt, die Objektwelt zu erstreben, und der Cha- 
rybdis des zu freundlichen Benehmens, das den Patienten erschreckt und gerade 
dadurch in den Narzißmus treibt, hindurchsegeln. Bei kleinen — und wie ge- 
sagt durchaus nicht immer voraussehbaren — Schwankungen kann passager eine 
Steigerung des Objektverlustes, bei bisher „gesunden" Schizoiden ev. eine Psy- 
chose provoziert werden. Auch deshalb ist die Behandlung in der Anstalt vor- 
zuziehen. Richtige Einschätzung der restierenden Übertragungsfähigkeit und der 
obersten dem Patienten noch zuzumutenden Belastungsgrenze sind die Voraus- 
setzungen für ein solches Unternehmen. Es wäre naheliegend, bei in Schüben ver- 
laufenden Schizophrenien die Analyse in den freien Intervallen abzuhalten. 
Wahrscheinlich wäre das auch therapeutisch das Aussichtsreichste. Aber da 
erhebt sich wieder ein neues Bedenken: Es gibt Fälle, die im Intervall relativ so 
gesund erscheinen, daß man, in der Unmöglichkeit vorauszusehen, ob diese Ge- 
sundheit nicht vielleicht nun spontan anhalten wird, sich scheut, die Gefahr 
einer neuen Provokation einer Psychose auf sich zu nehmen. Und ein analyti- 
scher Versuch bedeutete eine solche Gefahr. 

Man sieht: Eine Analyse hier ist doch ein anderes Unternehmen als die Ana- 
lyse einer Neurose. Aber wir meinen, daß die Schwierigkeit einer Unternehmung 
uns nicht davon abhalten darf, sie in die Wege zu leiten. Der Umstand, daß 
man trotz aller Versuche Schizophrenien auf einem anderen "Weg bestimmt nicht 
bessern kann, die Überzeugung, daß es technische Schwierigkeiten sind, die uns 
entgegenstehen, daß aber prinzipiell die ev. modifizierte Analyse der einzige 
adäquate Weg wäre, endlich die — wenn auch nur in geringem Prozentsatz — 
berichteten vollen Heilerfolge, werden uns den Mut zur analytischen Psychosen- 
behandlung geben. Die analytische Psychiatrie ist heute noch eine Sache der Zu- 
kunft. Jeder Einzelne, der Psychosen analysiert, leistet Pionierarbeit. Man darf 
nicht erwarten, daß eine neue hoffnungsvolle Sache mit hundertprozentigen Er- 
folgen beginnt. Wer eine solche Behandlung unternimmt, muß wissen, was er 
tut: er wird die Indikation nach genauen Erwägungen der ökonomischen Ver- 
hältnisse gerade dieses einen Patienten stellen, wird die nötige äußere Vorsicht 
walten lassen (d. h. die Angehörigen über die Zweifelhaftigkeit der Prognose 
und über die Möglichkeit eines psychotischen Schubes aufklären), er wird in 
zweifelhaften Fällen, wenn er dazu Gelegenheit hat, die Behandlung in die ge- 
schlossene Anstalt verlegen und er wird endlich darauf bedacht sein, daß er mit 
der klassischen Technik der Analyse allein sein Auskommen nicht finden wird, 
sondern, unter Benutzung der bereits vorliegenden prinzipiellen Modifikations- 
vorschläge, seine Methode den Verhältnissen des Falles anpassen. Aber unter 



io6 

allen diesen Kautelen wird er die Behandlung auch tatsächlich beginnen, in man- 
chen Fällen auch einen vollen Erfolg erreichen und jedenfalls, auch in den 
restlichen Fällen, viel lernen."^ 

Denn eine wissenschaftliche Bedeutung der Schizophrenie-Analyse soll zum 
Schluß noch einmal besondere Hervorhebung finden: Wie die Neurosen, die unbe- 
wußt eine Regression in die infantile Sexualität darstellen, uns diese' erkennen 
ließen, so wird die Analyse der Schizophrenie, die eine Regression in die primi- 
tiven Ich-Phasen ist, uns über die Entstehungsgeschichte des Ichs und damit über 
die Grundfragen der Psychologie belehren. 



P.llh^'' '"^ ^/'"t ^T"^^ °^ ^"^'^- ^'^^^°^- ^ ^930 erschienene Diskuwion über 
Psychotherapie der Psychosen war mir noch nicht zugänglich. 



IV. KAPITEL 

Die manisdi-depressive Gruppe 

Die zweite große Gruppe von Psychosen ohne erkennbare somatische Ur- 
sachen ist — trotz einzelner sehr früher Arbeiten über dieses Thema — in 
systematischer Weise erst später Objekt der psychoanalytischen Forschung ge- 
worden als die Gruppe der Schizophrenien. Obwohl dieses so junge Forschungs- 
gebiet uns bereits viele grundlegende Erkenntnisse über die frühesten Entwick- 
lungsstadien von Libido und Ich gebracht hat, ist die Theorie dieser Krankheits- 
gruppe noch recht unabgeschlossen und voller Probleme. Die Bemerkung, die 
wir schon dem Schizophrenie-Kapitel vorausgesandt haben, wir würden uns auf 
Besprechung der grundlegendsten Problematik beschränken müssen, muß hier 
noch ausdrücklicher wiederholt werden. 

Das Gebiet des „manisch-depressiven Irreseins" wurde von vielen Psychiatern 
als „uneinfühlbar" und daher psychologischer Erfassung unzugänglich noch 
hartnäckiger verteidigt als das der Schizophrenie. Aber die somatische For- 
schung hat hier auch noch weniger eindeutige Resultate ergeben als dort. Es 
sind nur drei Momente, die gegen eine Überschätzung des psychogenen Faktors 
in der Ätiologie zu sprechen scheinen: i) Die strikte Periodizität, in der gerade 
bei den typischsten Vertretern dieser Gruppe die Schübe unabhängig von allem 
äußeren Erleben aufzutreten pflegen, scheint auf einen biologischen Faktor hinzu- 
deuten. 2) Das hereditäre Moment — und zwar das einsinnig hereditäre — ist 
bei keiner anderen Neurose so sicher nachzuweisen wie hier, und auch das 
spricht für die Bedeutsamkeit des biologischen Faktors. 3) Auch in den Fällen, 
in denen die Periodizität nicht so ausgesprochen ist, ist oft die Spontane i- 
t ä t, die scheinbare Anlaßlosigkeit der Stimmungsschwankungen etwas, was 
gegen ihren psychogenen Charakter spricht. Nun, wir meinen, alle drei Argu- 
mente brauchen uns von einer psychologischen Betrachtung auch dieser Gruppe 
nicht abzuschrecken. "Was die Periodizität anlangt, so scheint sie zwar „endogen", 
aber was periodisch zum Vorschein kommt, könnte doch psychologisch erfaß- 
bar sein. Das hereditäre Moment ist hier zwar deutlicher als sonst, es ist aber 



io8 



auch bei anderen Neurosen und Psychosen zweifellos nachzuweisen und hat uns 
auch dort nicht davon abgehalten, psychoanalytisch zu forschen. Wir sahen über- 
all eine Erganzungsreihe zwischen Konstitution und Erleben und haben keinen 
Grund gerade an dieser Stelle etwas anderes zu erwarten. Ein organisch konsti- 
tutioneller Faktor ist sicher vorhanden, aber er braucht nicht der allein aus- 
schlaggebende zu sein, ja vielleicht gelingt es erst gerade psychoanalytischer 
i-orschung, auch diesen konstitutionellen Faktor auf das relative Überwiegen 
eines sexuellen Partialtriebes oder einer erogenen Zone zurückzuführen so wie 
sich die Konstitution zur Zwangsneurose als erhöhte Analerogeneität erwies 
Und gegen das dritte Argument, das der Anlaßlosigkeit der manisch-depressi- 
ven Schübe, ist am meisten Kritik am Platze. Man hat „endogene" und re- 
aktive" Depressionen unterschieden, nur nach dem Umstände, ob sich ein ein- 
fuhlbarer Anlaß nachweisen läßt oder nicht. Das aber scheint uns kein brauch- 
bares Kriterium zu sein, seit wir die Existenz des Unbewußten kennen. Wie 
verhalt es sich denn diesbezüglich etwa bei hysterischen Anfällen? Auch da 
scheint mancher Anfall einen unmittelbaren Anlaß zu haben, mancher unerklär- 
lich spontan aufzutreten^ dennoch hat man nicht in „endogene" und „reaktive" 
hysterische Anfälle eingeteilt, sondern angenommen, daß auch die scheinbar 
spontanen Anfälle einen Anlaß haben, der nur dem groben Beobachter entgeht. 
Ähnlich konnte es sich ja bei der Depression verhalten. Auch bei Diskrepanzen 
zwischen geringfügigem Anlaß und großartiger Reaktion pflegten wir bis jetzt 
nicht auf einen psychologischer Untersuchung unzugänglichen organischen Fak- 
tor zu schließen, sondern nur auf eine Verschiebung. Dazu kommt, daß manche 
wegen der Schwere und des unzweifelhaft psychotischen Charakters als „endo- 
gen zu rubrizierende Fälle einen durchaus erkennbaren Anlaß, etwa den Tod 
eines nahen Verwandten oder eine Liebesenttäuschung, haben; andrerseits gibt es 
oft genug geringgradige Verstimmungen, gewiß nicht psychotische, ja sogar noch 
im Rahmen des Normalen bleibende, z. B. schlechte Launen, die auftreten, ohne 
daß der Betreffende oder ein Beobachter irgend einen Anlaß erkennen könnte. 
Offenbar ist die in der praktischen Psychiatrie meist angewandte Gleichsetzung 
einerseits von einfühlbar und normal oder neurotisch, andrerseits von anlaßlos 
und psychotisch gewiß falsch. Wir wissen, daß in der allgemeinen Neurosen- 
■ lehre eine „Ergänzungsreihe" zwischen Anlaß und tiefer verdrängter Ursache 
besteht. Auch hier dürfte es nicht anders sein: Wer aus seiner infantilen Sexua- 
lität eine (noch zu untersuchende) schwere Krankheitsdisposition mitbringt, 
kann am ehesten an leichten Anlässen erkranken, die dem Beobachter entgehen- 
umgekehrt erkranken an schweren und leicht erkennbare^n Erlebnissen auch 
solche mit relativ geringer Disposition. Eine psychologische Untersuchung muß 
mit den „einfühlbaren Fällen" anfangen, in der Hoffnung, daß die „endogenen" 
sich als von ihnen doch nicht prinzipiell verschieden erweisen werden, gerade 



109 

so wie die entstellten und sinnlos scheinenden Träume der Erwachsenen prinzi- 
piell von den unentstellten sinnvollen Kinderträumen nicht verschieden sind. 
Der Eindruck, daß eine „endogene" Gruppe einer „reaktiven" prinzipiell gegen- 
überstehe, entsteht lediglich aus dem manifesten Bild, das zu überschätzen der 
Psychoanalytiker sich hüten wird. So gehen wir an die Untersuchung der ma- 
nisch-depressiven Erscheinungen schon mit einigen Vorurteilen heran, die den 
üblichen psychiatrischen strikt widersprechen: i) Vielleicht können wir erwarten, 
daß der organische Unterbau hier relativ mehr von Bedeutung ist als bei den 
Neurosen; da wir ihn bei jeder Neurose voraussetzen, so werden wir hier keinen 
prinzipiellen Gegensatz, sondern seine Entlarvung als konstitutionelle Erhöhung 
einer besonderen Erogeneität erwarten; 2) „Reaktive" und „endogene" Formen 
— erwarten wir — sind nur quantitativ, nicht prinzipiell verschieden; 3) die so- 
genannte „Zyklothymie" und die Stimmungsschwankungen des Normalen stellen 
genau so einen Übergang zwischen Manifestationen dieser Psychose und der 
Normalität dar, wie wir auch bei Schizophrenie und Neurose breite Übergangs- 
gebiete zum Normalen gefunden haben; auch das spricht dafür, daß wir es hier 
nur mit den Folgewirkungen eines pathologischen Schicksals der gleichen Ent- 
wicklung zu tun haben, die jeder mitgemacht hat. Es gibt eine Reihe normal- 
psychologischer Probleme, wie das des „Selbstgefühls", seiner Erhöhung und 
Herabsetzung (also all das, was man andernorts als „Geltungstrieb" oder dgl. 
bezeichnet), die „Stimmungen" und „Launen", Traurigkeit und Fröhlichkeit, 
das Wesen der Trauer, deren Gegenstände in den Erscheinungen des manisch- 
depressiven Kreises ihr pathologisches Zerrbild finden. Wir dürfen hofFen, daß 
die analytische Erfassung des manisch-depressiven Irreseins uns ebenso helfen 
wird, diese Probleme zu lösen, wie das Studium der Neurosen die Psychologie 
der infantilen SexuaUtät, die Psychoanalyse der Schizophrenie die des primitiven 
Ichs ermöghcht. Das allgemein formulierte Resultat der analytischen Forschung 
mag hier vorweggenommen werden: Das Ich des Melancholikers ist mit seinem 
Über-Ich entzweit, wie das des Neurotikers mit seinem Es, das des Schizophre- 
nen mit der Realität. Ja, die Existenz und Selbständigkeit der psychischen In- 
stanz „Über-Ich" wurde erst am Studium des Melancholikers bewiesen. Denn 
die Wirksamkeit eines vom Ich unterschiedenen Über-Ichs tritt nur dort deutlich 
in Erscheinung, wo es mit dem Ich entzweit ist, was gewiß bei jedem Schuld- 
gefühl beim Normalen und in schon bedeutend erhöhtem Maße beim Zwangs- 
neurotiker der Fall ist, aber extrem und deutlich erst wird in der Depression; an- 
dernfalls bildet es ja mit dem Ich eine unzertrennbare Einheit. 

Man erkennt bereits, an welchen bekannten Punkten wir jetzt anzuknüpfen 
haben werden: i) bei jenen Erscheinungen der Zwangsneurose, die man als Er- 
scheinungen der „doppelten Front" des zwangsneurotischen Ichs bezeichnen 
kann, das nicht nur mit seinem Es, sondern auch mit seinem Über-Ich in Fehde 



liegt und auch gegen dieses eine Gegenbesetzung entwickeln muß; 2) an all den 
neurotischen Erscheinungen, wo narzißtische Regressionen bewirken, daß Kon- 
flikte zwischen dem Subjekt und seinen Objekten in die Seele des Subjektes Ver- 
legt werden und dort als zwischen Ich und Über-Ich (oder Organ) spielende 
Konflikte weiterwirken. Das ist der Fall bei der Hypochondrie, den narziß- 
tischen Organneurosen, manchen prägenitalen Konversionen und schizophrenen 
Erscheinungen. 

Die wichtigsten Erkenntnisse zur Psychologie der Depression sind in einigen 
wenigen grundlegenden Arbeiten niedergelegt, die einander derart ergänzen und 
fortführen, daß wir hier am besten historisch vorgehen und die Inhalte dieser 
Arbeiten referieren. Zwei wichtigen Arbeiten von A b r a h a m^ folgte die ent- 
scheidende Erkenntnis in Freuds Aufsatz „Trauer und Melancholie^ die 
wiederum von A b r a h a m weiter ausgebaut und fruchtbar gemacht wurde," 
bis sc,hheßhch eine Arbeit von R a d 6 einige weitere wichtige, noch offen geblie- 
bene einschlägige Probleme lösen konnte.* Wir gehen bei der Besprechung dieser 
Arbeiten von der Melancholie aus. Wir halten uns dabei vor Augen, daß sich 
schon aus dem manifesten Bild ihres schweren Schuldgefühls ergibt, daß ihr ein 
pathologischer Gewissenskonflikt zugrundeliegt, und daß die Auffassung, dieser 
Konflikt könnte einen Außenweltskonflikt regressiv widerspiegeln, die von 
A b r a h a m und F r e u d erst in mühseligen Arbeiten gewonnen werden konnte, 
uns bereits als bei der Besprechung anderer Neurosenformen gewonnenes Vor- 
urteil zur Verfügung steht. 

Die erste Arbeit von Abraham' brachte die Grundentdeckung, die jede 
Arbeit über dieses Thema seither immer wieder bestätigte: die Erkenntnis der 
hervorragenden Rolle, die der A mb i v al e n 2 im Seelenleben des Depressiven 
zukommt. Die Ambivalenz war uns freilich auch beim Zwangsneurotiker aufge- 
fallen. Wir können hier schon konstatieren, daß das Seelenleben des Depressiven 
mit dem des Zwangsneurotikers Verwandtschaft aufweist. Aber die Wirksam- 
keit der Ambivalenz scheint uns hier noch eine unvergleichlich größere als dort, 
d. h. die gleichzeitig vorhandenen Liebes- und Haßquanten scheinen einander 
an Größe mehr zu entsprechen. Depressive können nicht recht lieben. Entweder 
sie entwickeln gegen ihr Liebesobjekt gleichzeitig auch einen manifesten Haß 



n^^-lV^^*-"' ^"'''" ^"^ P'^ycl'^analytischen Erforschung und Behandlung des 
manisch-depressiven Irreseins und verwandter Zustände. Zentralbl. f. Ps.-A. II Ljx) 
und: Untersuchungen über die früheste prägenitale Entwicklungsstufe der Libido. Int. 
z.. r. is.-A. IV (1516). 

2) Freud: Trauer und Melancholie (Ges. Sehr. Bd. V). 

3) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libida 

4) Kadö: Das Problem der Melancholie. Int. Z. f. Ps.-A. XIII (1927) 

5). Abraham: Ansätze zur psychoanalytischen Erforschung und Behandlung des 
manisch-depressiven Irreseins und verwandter Zustände. Zentralbl. f. Ps -A II (191 1) 



oder — häufiger — eine gewisse „Lähmung" ihrer Liebesfähigkeit, die einem 
unterdrückten Haß entspricht. „Liebesunfähigkeit durch Ambivalenz" heißt 
theoretisch: frühe Fixierung; denn die prägenitalen Objektbeziehungen mit ihrem 
Triebziel der Einverleibung sind diejenigen, bei denen Liebe und Haß noch un- 
trennbar beisammen sind. Die gegenüber der Zwangsneurose höhere 
Ambivalenz könnte einer früheren Fixierung entsprechen; welche Annahme 
allerdings zu dem Problem führt, worin dann die Differenz der zur Depression 
und der zur Schizophrenie führenden Fixierung bestehen möge, da beide narziß- 
tischer und archaischer zu sein scheinen als die Zwangsneurose. Die Betrachtung 
der Krankheits-A n 1 ä s s e ergab Abraham die nahe Beziehung der Ambiva- 
lenz zur Krankheit. Denn wo ein solcher Anlaß nachweisbar war, da war es 
entweder ein realer Liebesverlust, der geeignet war, in dem Patienten das Gefühl 
zu verstärken, „ich kann nicht lieben", oder ein besonderer Liebesreiz (z. B. eine 
Verlobung), der geeignet war, dem Patienten seine Liebesunfähigkeit besonders 
zum Bewußtsein zu bringen. Auch der Tod eines (ambivalent) geliebten Objektes, 
von dem so oft Depressionen ihren Ausgang nehmen, erweist sich als Anlaß, 
die Ambivalenz, die Liebesunfähigkeit besonders zu aktivieren, da er die Gelegen- 
heit bietet, die ehemaligen Todeswünsche gegen das unbewußt gehaßte Objekt 
näher zu rücken, bzw. zu einer ambivalenten Stufe der Libidoentwicklung stärker 
zu regredieren. So besteht die Formulierung Abrahams zu Recht, die Depres- 
sion hätte ihren „Ausgang immer genommen von einer das Liebesvermögen 
paralysierenden Haßeinstellung". Wenn er fortsetzt, das depressive Gefühl, „ich 
werde gehaßt", sei eine Projektion der inneren Wahrnehmung „ich hasse", so 
hat er bestimmt ebenfalls für viele Fälle recht. 

Die Depressionen einer zyklothymen Patientin ließen sich auf das Gefühl ihrer 
Kinderjahre zurückführen, niemand hätte sie lieb. Dieses Gefühl entsprach, wie der 
Patientin in der Analyse klar wurde, keineswegs einer objektiven Realität. Es war ihr 
eigener Haß vor allem gegen das in ihrem dritten Lebensjahr geborene Geschwister- 
chen, der ihr in Versagungen, deren Notwendigkeit ein anderes Kind ohne weiteres 
emgesehen hätte, als Feindseligkeit von außen entgegentrat. 

Aber wir würden meinen, daß das Gefühl, von allen gehaßt zu sein, eher schon 
den Übergangsfällen zum Verfolgungswahn entspreche, während die klassischen 
Depressionen ja eher das Gefühl haben, die anderen haßten sie nicht genug, 
weil sie nicht wüßten, wie verworfen sie seien. Weniger ein „die anderen hassen 
mich" als vielmehr ein „ich hasse mich" ist hier die charakteristische Haltung. 
Der Depressive kann offenbar sich selbst ebensowenig lieben wie die äußeren 
Objekte. Er behandelt sich selbst mit der gleichen Ambiva- 
lenz wie die Objekte. Das Gefühl, gehaßt zu sein, ist vielleicht häufiger 
erst eine Konsequenz aus dem primären, dem eigenen Haß gegen sich selbst 
entsprechenden Gefühl. Wir können vorläufig etwa die Formel festhalten: Ich 



112 



bemerke, daß ich nicht lieben kann, darum hasse ich mich selbst. Der Depressive 
verhält sich zu seinem eigenen Ich genau so ambivalent wie zu den Objekten, 
nur ist die Schichtung der beiden Komponenten der Ambivalenz eine ver- 
schiedene: Den Objekten gegenüber ist meist die Liebesregung manifest, der 
Haß unbewußt. Dem eigenen Ich gegenüber ist dieser Haß in Selbstvorwürfen 
überlaut; daß dahinter auch eine primäre narzißtische Liebesüberschätzung des 
eigenen Ichs verborgen ist, daß die Depressiven sich im Grunde sehr anmaßend 
verhalten, keinen Sinn dafür haben, wie sehr sie mit ihrem Verhalten sich den 
Objekten aufdrängen, muß erst die Analyse nachweisen. Und gerade dieses 
latente liebevolle Verhalten zum Ich fällt zusammen mit einem latenten sadisti- 
schen Verhalten zur Umwelt. Denn objektiv gelingt es dem mitleidheischenden 
Depressiven, seine ganze Umgebung im höchsten Maße zu quälen. Deutlicher als 
sonstwo haben wir hierin die Wirksamkeit eines larvierten Sadismus 
zu erblicken. Anderweitige Erfahrungen machen es wahrscheinlich, daß die 
Tnebquelle eines solchen larvierten Sadismus die orale erogene Zone ist. Zum 
weiteren Verständnis ist es bedeutsam, welche Form der Selbsthaß annimmt Es 
ist typischerweise die Form des Schuldgefühls, also eine Entzweiung zwischen 
Ich und Über-lch. Abraham sprach damals davon, daß in diesem Sclbsthaß 
eine „Hinwendung" des ursprünglich gegen die Objekte gerichteten Sadismus 
„zum Masochismus" vorliegt. Diese Formel enthält schon eine tiefe Erkenntnis, 
nur war der Mechanismus dieser Hinwendung (die Introjektion) noch unbe- 
kannt. Auch daß die Verarmungsangst der Depressiven ein Ausdruck der Er- 
kenntnis ihrer Liebesunfähigkeit, der Libidoverarmung, ist, ist richtig, aber 
Abraham wußte damals noch nicht, daß gerade diese Ausdrucksweise der 
für die Psychologie der Depressiven bedeutungsvollen Analität entspricht. Dieser 
Umstand ist, können wir vorwegnehmend sagen, die Antwort .auf die Frage nach 
der Natur der Verwandtschaft zwischen Manisch-Depressiven und Zwangsneuro- 
tikern: Beiden Neurosenformen liegen anale Triebkonflikte zugrunde; nur kommt 
bei der Depression noch ein komplizierendes Moment hinzu (ihre Regression 
reicht tiefer). Das bisherige Resultat läßt sich in der Erkenntnis zweier Grund- 
lagen jeder Depression formulieren: i) erhöhte Ambivalenz (verstärkter, vielleicht 
oraler Sadismus), 2) Wendung dieses Sadismus gegen das eigene Ich (Regression 
zum Narzißmus). 

Die zweite Arbeit von Abraham» erschien, nachdem Freud inzwischen 
die anal-sadistische und die orale Organisationsstufe der Libido erkannt und be- 
schrieben hatte.' In ihr entdeckte Abr aham die ungeheure Steigerung der 

LSät\i:\:7: VsTtT9^6t'' ''^ '"'"'' '"'^""'^ E„twickl„ng.tufe der 
7) Freud: Die Disposition zur Zwangsneurose (Ges. Sehr. Bd. V. S. 281 ff) und- 
Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V. S. 72 ff .). 



113 

O r a 1 i t ä t bei der Melancholie. Sie zeigt sich schon am gröbsten in den häufig- 
sten Symptomen. Nahrungsverweigerung ist nicht nur das verbreitet- 
ste klinische Symptom der Melancholie, sondern eine einfühlbare Begleiterschei- 
nung jeder Depression. Gelegentlich wechselt sie mit Erscheinungen des Heiß- 
hungers. (Dieser Heißhunger scheint in der normalen Trauer häufiges Vorkomm- 
nis zu sein; ihm entspracht die Sitte der „Totenmahlzeiten", die natürHch ebenso 
wie die Beziehung der OraHtät zur Depression überhaupt ihre tiefe unbewußte 
Bedeutung hat.) Kannibalistische Tendenzen werden nachweisbar, sei es in Wahn- 
ideen der Melancholie, sei es bei weniger schweren Fällen in Träumen oder end- 
lich erst in der Analyse als unbewußter Sinn des einen oder anderen Symptoms. 
Depressive greifen auf orale Beschäftigungen ihrer Kinderjahre, z. B. auf das 
Lutschen, zurück. Ihre ganze unbewußte und oft auch bewußte Phantasie ist er- 
füllt von Ideen von aufgegessenen Teilen von Objekten, Phantasien vom Charak- 
ter der von Abraham sogenannten Partial- oder Totaleinverlei- 
bung.* Man kann dem in der Psychologie des Unbewußten nicht Bewanderten 
gegenüber nicht genug betonen, wie wörtlich diese oralen Einverleibungen als 
Auffressen gedacht sind. ,■ , 

An dieser Stelle nur ein Beispiel für viele: Eine sonst depressive Patientin hat 
hysterische Magen-Darm-Sensationen. Sie meint, ihr Zwerchfell täte ihr weh. Sie muß 
eine Menge Speisezeremoniells befolgen, damit ihr Zwerchfell nicht schmerze. Das 
hauptsächlichste Speiseverbot bezieht sich auf Fische. Das ging darauf zurück, daß sie 
als Kind von der „Seele" des Fisches hat reden hören. Sie darf also keine Seele == 
Leiche essen. Der Vater der Patientin war in ihrem ersten Lebensjahr gestorben. Wie 
so häufig hatte dies eine besondere orale Note des Ödipuskomplexes zur Folge. Sie 
wehrte sich in ihren Symptomen gegen den ödipuswunsch, der die Form angenommen 
hatte, den toten Vater zu essen. Nun stelke sich heraus, sie hatte, ihrem Dialekte 
folgend, „Zwerchfell" wie „Zwergfell" ausgesprochen und sich einen kleinen Zwerg 
vorgestellt, der in ihrem Bauche herumspringe und rumore. Dieses Zwerchfell war also 
mit dem aufgegessenen Vater resp. mit seinem aufgegessenen Penis identisch. — Wem 
das Wirken kannibalistischer Wünsche und Ängste unglaubwürdig erscheint, der braucht 
übrigens nur Kinder zu beobachten, die oft genug erkennen lassen, daß sie affektiv 
noch an die Möglichkeit des Auffressens und Aufgefressenwerdens bewußt glauben, wo 
sie es intellektuell nicht mehr tun." 

Dazu kommen noch die erst von Abraham entdeckten oralen Charakter- 
züge, über die im Charakterkapitel ausführlicher die Rede sein wird," die im 
Benehmen der Depressiven eine große Rolle spielen. Freilich gibt es neben diesen 

8) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. S. 8o. 

9) Einen überwältigenden Eindruck vom Realwert der kannibalistischen Phantasien 
(und ihrer gleich zu besprechenden Beziehungen zur Identifizierung) erhält man aus 
der kinderanalytischen Arbeit von Steff Bornstein: Zum Problem der narzißtischen 
Identifizierung. Int. Z. f. Ps.-A. XVI (1930). 

10) Abraham: Beiträge der Oralerotik zur Charakterbildung in: Psychoanalytische 
Studien zur Charakterbildung. 

S Feniche], Perversionen 



114 

oralen Zügen auch sehr viele anale im Symptom- und Charakterbild der De- 
pressiven. Auf die Bedeutung des Geldes in der Psychologie der Melancholie als 
auf ein anales Moment haben wir bereits hingewiesen. In ihrem Charakter, das 
war die Entdeckung Abrahams, gleichen die Manisch-Depressiven besonders 
im freien Intervall weitgehend dem sogenannten Zwangscharakter." So gleicht 
der Melancholiker 2unächst darin dem Zwangsneurotiker, daß sein unbewußtes 
Triebleben von analen Wünschen beherrscht wird. Aber an den Einverleibungs- 
ideen sieht man, daß diese Analität nicht wie bei der Zwangsneurose eine objekt- 
konservierende ist, sondern wie wir es schon bei manchen Formen der Paranoia 
gefunden haben, eine objektzerstörende. Sie muß, wie Abraham zeigte,*^ 
einer früheren analen Stufe entsprechen als der Fixierungsstelle der Zwangs- 
neurose, einer, die durch Exkretionslust mehr charakterisiert ist als durch Reten- 
tionslust, einer, die ambivalenter ist. Offenbar ist die Regression zu dieser frühe- 
ren analen Stufe ein verhängnisvoller Schritt. Ihre Tendenz zur Objektvernich- 
tung zwingt in die archaischen Formen der Objektbeziehungen, in die Einver- 
leibungsphantasien hinein. Der Patient verliert offenbar mit dem damit verbun- 
denen partiellen Objektverlust jeden Halt, die Libidoregression geht unaufhalt- 
sam noch weiter in die Oralität und in den Narzißmus. 

Die Entdeckung der Rolle der Prägenitalität in der Depression ergänzt also 
unsere früheren Formulierungen: Die Ambivalenz ist eine Folge der starken prä- 
genitalen Fixierungen, die schon bei kleinen Anlässen verhängnisvolle Regres- 
sionen hervorrufen. Und die Wendung gegen das Ich, die wir erkannten, ist 
offenbar eine Regression zum Narzißmus, zusammenfallend mit einer zur Orali- 
tät, deren Ziel sein muß, das Objekt aufzufressen und durch solche Vernichtung 
des realen Objektes den objektlosen Zustand des Narzißmus herzustellen. Das 
dispositionelle Moment endlich, das in der Heredität zum Ausdruck kommt, ist 
vielleicht identisch mit einer konstitutionellen Erhöhung der oralen Erogeneität. 
Die Verbindung aller narzißtischen Erscheinungen der Melancholie mit den 
oralen macht es hier eher möglich als bei der Schizophrenie, die Lebensperiode, 
in der diese Fixierung ankert, zu nennen: Es ist die Säuglingszeit, in der auch 
traumatische Erlebnisse bei späteren Manisch-Depressiven häufiger nachgewiesen 
werden können als bei späteren Schizophrenen. 

Wir haben gefunden: Ambivalenz, Wendung gegen das Ich, Oralität. Die 
Verbindung aller dieser Momente zu einer einheitlichen Theorie gab Freud 
in seiner Arbeit „Trauer und Melancholie".^' Er geht bei seinen Untersuchungen 
von den Fällen aus, deren Krankheitsanlaß der Verlust eines Liebesobjektes ist 
(und könnte sich hierbei auf Abraham berufen, der gezeigt hat, daß auch die 

ii) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. S. 9 f f . 

12) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. S. 11 ff. 

13) Freud: Trauer und Melancholie (Ges. Sehr. Bd. V). 



115 

anderen Fälle eine Erhöhung der Ambivalenz, also eine Art Liebesverlust, zum 
Ausgangspunkt haben.") Der Depressive klagt über seine Nichtswürdigkeit und 
Nichtigkeit, als wäre er selbst zu einem Nichts geworden. Er hat also faktisch 
ein Objekt verloren, benimmt sich aber so, als hätte er sein Ich verloren; Objekt 
und Ich sind also irgendwie gleichgesetzt (der dem Objekt geltende Sadismus ist 
gegen das Ich gewendet). Nun bietet die von Abraham merkwürdigerweise 
wenig beachtete spezielle Form dieses Selbsthasses einen Einblick in die Struktur 
des Ichs, wie wir ihn nirgends sonst erhalten können. Die kritische Instanz, die 
wir heute Über-Ich nennen, scheint hier selbstherrlich geworden zu sein. Mit 
unerhörtem Sadismus, der den Sadismus des zwangsneurotischen Über-Ichs 
ebenso in den Schatten stellt wie die Objekt-Ambivalenz des Melancholikers die 
des Zwangsneurotikers, wütet sie in Selbstanklagen und Selbstvorwürfen gegen 
das ganze passiv gewordene Ich. Die Entdeckung Freuds, die hier weiterführt, 
war nun die, daß die Selbstvorwürfe der Kranken sehr oft auf das Objekt pas- 
sen, daß sinnlos erscheinende Äußerungen einen Sinn erhalten, wenn wir in die 
Klagen des Patienten an die Stelle von „Ich" den Namen des verlorenen 
Objektes setzen. Solche melancholische Klagen sind verkappte Anklagen, und 
wie die realen Objektbeziehungen des Melancholikers uns beherrscht schienen von 
einem larvierten Sadismus, so ist offenbar auch ihr Hauptsymptom, die Selbst- 
anklagen, der Ausdruck eines solchen. Das Über-Ich der Kranken behandelt ihr 
eigenes Ich so wie die Kranken unbewußt das verlorene Objekt behandeln möch- 
ten. Nun wissen wir, daß alle Menschen dazu neigen, nach einem Objektverlust 
einen Teil der Libido in ihr Ich wieder zurückzuziehen. Dieser normale Prozeß 
findet hier in außerordentlicher Verstärkung statt, und zwar erfolgt er nicht 
diffus, wie wir es bei der Schizophrenie gesehen haben, sondern die früher dem 
Objekt zugewandte Libido bleibt auch nach der narzißtischen Regression zu 
emer Einheit verbunden, die dem Rest des Ichs wie ein Objekt gegenübersteht. 
Das äußere Objekt ist nicht völlig verschwunden, sondern durch ein inneres 
ersetzt. Ein Teil des Ichs des Kranken ist bei dieser narzißtischen Regression 
selbst zu diesem Objekt geworden. Der „Schatten" des Objektes ist, wie Freud 
sagt, „auf das Ich gefallen". Das ist das Vorbild dessen, was wir Identifi- 
zierung nennen, und zwar die narzißtische Identifizierung im Gegensatz zur 
hysterischen, weil hier das ganze Objekt durch eine Veränderung des Ichs ersetzt 
ist; da wir die Identifizierung für die primäre Form der Objektbeziehungen 
halten und die Objektliebe nur für ihr Differenzierungsprodukt, so können wir 
von einer Regression einer Objektliebe zu einer Identifizierung sprechen.'^ Was 



14) Abraham: Ansätze zur psychoanalytischen Erforschung und Behandlung des 
manisch-depressiven Irreseins und verwandter Zustände. Zentralbl. f. Ps.-A. II (191 1). 

15) Freud: Trauer und Melancholie (Ges. Sehr. Bd. V). Vgl. dazu Fenichel: 
Die Identifizierung. Int. Z. f. Ps.-A. XII (1926). 



ii6 



wir bei I-Iypochondrie, Organneurosen, Paranoia usw. trafen, wenn wir sagten, 
ein Organ „repräsentiere" ein Objekt, war offenbar eine prinzipiell gleichartige 
Regression zur Identifizierung, die zusammenfällt mit einer zum Narzißmus und 
— wie jetzt hinzuzufügen ist — mit einer zur Oralität. Denn die Exekutive der 
Aufnahme des Objektes in das eigene Ich erweist sich in der Analyse als iden- 
tisch mit der oralen Einverleibung, von der wir vorhin sprachen. Sie kann — 
wie schon erwähnt — auch anal, epidermal, respiratorisch oder sonstwie gedacht 
sein. Allerdings scheinen diese nichtoralen Einverleibungsideen regelmäßig von 
oralen begleitet.'» Es ist also die oral-sadistische Haltung des Melancholikers 
seinem Objekt gegenüber, die als Reaktion auf den Objektverlust eintritt, die 
verantwortlich zu machen ist für die verhängnisvolle in Form einer Identifizie- 
rung sich abspielende „Wendung des Sadismus gegen das eigene Ich". 

Hier erinnern wir uns, daß Helene Deutsch etwas Ähnliches in der 
Psychogenese der Agoraphobie aufgedeckt hat, nämlich eine verhängnisvolle 
Identifizierung mit dem gehaßten bzw. sadistisch besetzten Objekt. Wir müssen 
uns nunmehr fragen, wodurch sich die Identifizierung des Melancholikers von 
der des Agoraphoben unterscheidet. Diese Frage ist nicht schwer zu beant- 
worten. Die Regression zum Oralen findet dort in ungleich geringerem Aus- 
maße statt. „Der Unterschied ist, daß bei der Agoraphobie die Identifizierung 
auf einer höheren Stufe der Libidoentwicklung zustandekommt und somit eine 
passagere und korrigierbare ist"." 

Wir lernen in Analysen oft Menschen mit einer gewissen narzißtischen 
Disposition kennen, die sich etwa im narzißtischen Typus der Objektwahl 
äußert, bei denen es sehr deutlich wird, daß in ihren Liebesbeziehungen die 
Identifizierung mit dem Partner neben der eigentlichen Liebe zu ihm eine 
große Rolle spielt. Man denke etwa an feminine Männer und maskuline Frauen, 
die durch Einfühlung in den Partner zur Befriedigung kommen. (Häufig ist 
eine solche Hinwendung zur Gegengeschlechtlichkeit die Überkompensierung 
einer ursprünglichen Angst vor dem andern Geschlecht.) Während aber der 
Melancholiker, der eine totale Identifizierung vorgenommen hat, dadurch jedes 
Interesse am realen Objekt veriiert, — er hat es durch seine Ichveränderung 
wirklich ersetzt, — sind diese Patienten vom Liebespartner realiter noch 
viel abhängiger als Normale. Denn sie bedürfen zu ihrer Befriedigung 
eines ganz besonderen, Anteilnahme ermöglichenden oder fördernden Beneh- 
mens des Partners, das ihnen erlaubt, sich mit ihm eins zu fühlen, sie „wir" 
sagen läßt. So sind solche Frauen oft sehr interessiert daran, daß ihr Ehemann 



i6) Vgl. hiezu Lewin: Kotschmieren, Menses und weibliches Über-Ich. Int. Z. f. 
Ps.-A. XVI (1930) und Fenichel: Über respiratorische Introjektion. Int. Z. f. Ps.-A. 
XVII (193 1). 

17) Helene Deutsch: Psychoanalyse ^ler Neurosen. S. 13J. 



117 

eine Liebschaft anfängt, an der sie einfühlend maskulinen Anteil nehmen 
können; schlagen aber sofort in höchste Eifersucht um, wenn der Mann ihnen 
nicht mitteilt, wann er zur Freundin geht. Ähnliches in weniger massiver Form 
ist ungemein häufig. Verwandt ist der Typ, der vom Nebenmenschen fort- 
während nicht nur „Möglichkeit zur Einfühlung", sondern auch „Verzeihung" 
benötigt. Er ist ebenso wie der, in dessen Liebe immer Identifizierung hinein- 
spielt, stets darauf bedacht, ein „gutes Einvernehmen" herzustellen. Diese 
Abhängigkeit von der Außenwelt unterscheidet solche PartiaHdentifizierungen 
von der tiefer narzißtischen Identifizierung der Melancholie und findet sich auch 
oft in der Anamnese späterer Melancholiker. (Wir werden im . Kapitel 
„Charakterstörungen" auf diese Typen zu sprechen kommen.) 

Der Melancholiker hat also nach dem Objektverlust zweierlei Aufgaben zu 
bewältigen: i) die Trauer, d. h. die allmähliche Lösung seiner Bindung an 
das nicht mehr vorhandene Objekt, 2) die Regression zum Narzißmus = zur 
Oralität = zur Identifizierung. Wir werden später noch darauf zurückkommen, 
daß wahrscheinlich jede, auch die normale Trauer sich bis zu einem gewissen 
Grade des gleichen Mechanismus bedient wie die Melancholie, was auch die 
erlebnismäßige Verwandtschaft der Gefühle der Trauer und der Depression 
erklärt; nur geschieht, was in der Trauer partiell mit einem kleinen Anteil der 
Gesamtlibido des Individuums vor sich geht, hier mit der Hauptmasse der 
Libido. Die depressiven Ersjcheimingen sind nur möghch bei einer übergroßen 
Ambivalenz, der es zu verdanken ist, daß sich das durch sie sadistisch gewor- 
dene Über-Ich mit solcher Gewalt gegen das durch die Introjektion veränderte 
Ich wendet. Die versteckte sadistische Befriedigung, die darin liegt, läßt die 
Selbstquälereien dann irgendwo noch genußreich erscheinen und ist derjenige 
Punkt, der uns zunächst einmal die übergroße Selbstmordneigung der Melan- 
choliker (auf die wir noch zurückkommen) begreiflich machen kann. Durch 
Ambivalenz gestörte Trauer haben wir allerdings auch in Fällen ohne Melan- 
cholie, etwa bei Zwangsvorwürfen nach Todesfällen. Die Tiefe der Regression 
ist also das pathognomonisch Ausschlaggebende; sie bedingt den narzißtischen 
Konflikt zwischen Ich und Über-Ich. 

Der ursprünghch dem Objekt geltende Sadismus hat sich nach der Regression 
zur Identifizierung zum Über-Ich geschlagen und wütet gegen das durch Intro- 
jektion veränderte Ich. Man kann diesen Tatbestand auch einmal von der 
anderen Seite, vom Standpunkt des vom Über-Ich bedrohten Ichs aus ansehen. 
Wie verhält sich dieses dazu? So wie das Ich sich in einer Entzweiung mit dem 
Über-Ich immer zu diesem einstellt: ambivalent. Manche Züge in der Symptomatik 
von Depressionen sehen wie der Ansatz zu einer großartigen Rebellion aus. 
Wir werden noch hören, daß das introjizierte Objekt nicht immer nur als ver- 
folgtes Opfer des Über-Ichs, sondern gelegentlich auch als verfolgendes Über-Ich 



ii8 



erscheint, so daß dann die Neigung zur Rebellion gegen das Objekt, die den 
ganzen pathologischen Prozeß eingeleitet hat, sich in solche gegen das Über-Ich 
gerichtete Ansätze fortsetzen kann. Aber die Rebellionsversuche ersticken bald, 
und zum typischen Bild der Depression gehört es eher, daß das Ich hilflos den 
Angriffen des Über-Ichs preisgegeben wird. 

Wie kann es zugehen, daß manchmal sogar der Eindruck entsteht, als ob das 
Ich diese Schädigung noch bejahte? Untersucht man das analoge Problem bei 
der Zwangsneurose, so findet man, daß das Ich sich sowohl durch Fügen in 
sein Schicksal schwerere Unlust zu ersparen sucht, als auch, daß es aus solcher 
Schädigung libidinösen Gewinn im Sinne einer masochistischen Haltung ziehen 
kann." Das erste Moment kommt hier weniger in Frage, da es ja kaum schwe- 
rere Unlust geben kann als die völlige Vernichtung des Selbstgefühles in der 
Depression. Dagegen scheint in manchen Verhaltungsweisen der Kranken eine 
Art wollüstige Bejahung ihrer Selbstherabsetzung sichtbar zu werden. Aber auch 
diese wird eher bei leichten neurotischen Depressionsformen bemerkbar. Freilich 
dürfte irgendwo auch in jedem Suizid ein Stück masochistisch-libidinöser Be- 
friedigung stecken. Gerade die besprochene Psychogenese der Melancholie 
scheint ja die Bestätigung für den Satz, jeder Selbstmord entspreche einer gegen 
das eigene Ich rückgewendeten Mordtendenz. Aber was von größerer Bedeutung 
zu sein scheint und der hohen Selbstmordneigung gerade des Melancholikers zu- 
geordnet, das ist der durch das Wüten des Über-Ichs dem Ich aufgezwungene 
vöIHge Verlust jedes Selbstgefühles. Das Ich „sieht sich von seinem Über-Ich 
verlassen und läßt sich sterben"." - Auch unter den traumatischen Neurosen 
gibt es narzißtische Formen, die das traumatische Erleben als Strafe perzipieren, 
die vom Über-Ich über das Ich verhängt wurde.^» Diese personelle Auffassung 
des „Schicksals" als einer Elternimago, die dem eigenen Ich persönlich wohl 
oder übel will, ist ihrerseits wieder eine Äußerung einer infantil-narzißtischen 
Haltung.^^ Beim Melancholiker ist die Preisgabe durch das eigene Über-Ich, 
deren Eintritt etwa in solchen traumatischen Neurosen gefürchtet wird, tat- 
sächlich erfolgt und hat ihm jede Lebenslust genommen. Denn „Lebenswille" 
heißt offenbar, sich von einem Über-Ich gehalten fühlen. Wo dieses Gefühl 
schwindet, dort ist die ganze Hilflosigkeit des alleingelassenen Säuglings wieder 
gegeben. Der vom Ich ins Werk gesetzte Selbstmord muß letzten Endes der 
Illusion entsprechen, die verlorene Elternimago und ihren Schutz durch solche 
Tat wiederzugewinnen. 

neurie^"^'' '^^' ^^^"^' »Zwangsneurose" meines Buches „Hysterien und Zwangs- 

19) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr. Bd. VI. S. 404). 

20) Siehe das Kapitel „Die traumatische Neurose" meines Buches „Hysterien und 
Zwangsneurosen". 

21) Siehe Freud: Das ökonomische Problem des Masochismus (Ges. Sehr. Bd. V). 



119 

Vielleicht hat man den Eindruck, daß die Formel der „Wendung des oralen 
Sadismus gegen das eigene Ich" nicht ausreicht, um die Ausmaße der melan- 
cholischen Erscheinungen zu erklären. Sie läßt auch eine ganze Reihe von 
Problemen noch unbeantwortet. Aber wir wollen zunächst mit dem Referat der 
beiden weiteren für die Melancholie grundlegenden Arbeiten fortfahren. 

Das Buch von Abraham „Versuch einer Entwicklungsgeschichte der 
Libido"" brachte sowohl in einer Fülle von Material zwingende Bestätigungen 
für die von F r e u d nur theoretisch formulierten Anschauungen" als auch einige 
wertvolle theoretische Ergänzungen. Wir wollen uns auf diese beschränken, da 
die Berufung auf klinisches Belegmaterial an dieser Stelle überflüssig scheint. 
Von theoretischer Bedeutung ist besonders die Unterteilung der analen und oralen 
Organisationsstufe der Libido in zwei Unterabteilungen, eine Korrektur über 
die AufFassung der Selbstvorwürfe, die Formulierung der ätiologischen Voraus- 
setzungen und der infantilen Vorbilder der Depression, sowie die Unter- 
suchungen über die Manie. 

Die Unterteilung der analen Stufe mußten wir bereits vorwegnehmen. Sie 
ergibt sich aus einem Vergleich der Psychologie des Melancholikers mit der des 
Zwangsneurotikers. Beide benehmen sich in hohem Maße anal. Dieser behält 
dabei seine unbewußten (allerdings schon ambivalenten) Objektbesetzungen bei, 
er „konserviert" sein Objekt, die angestrebte Lust ist — Retentionslust. Der 
Melancholiker zerstört das Objekt, er vernichtet es in der mit intensivster 
Ambivalenz verbundenen Wiedererrichtung des Narzißmus. Sein ursprüngliches 
Ziel ist die Exkretionslust. Wir haben weiter gesehen, daß der Schritt über die 
Grenze zwischen diesen beiden Unterabteilungen hinaus durch die mit ihm 
gegebene Aufgabe jeder Rücksicht auf das Objekt ein verhängnisvoller ist und 
offenbar der Anlaß zu weiterer Regression in orale Stufen. Da das orale Ver- 
halten des Melancholikers ein sadistisches und gegen die Objektwelt ambivalentes 
ist, der Säugling ursprünglich aber vor Errichtung des Ichs keine Objekte kennt, 
also „präambivalent" ist, so ist die ambivalente sadistisch-orale Stufe, die wir am 
Melancholiker beobachten, schon eine etwas höhere Organisationsform, der eine 
objektlose präambivalente Periode voranging, in die offenbar (im Gegensatz zur 
Melancholie) manche Formen der Schizophrenie regrediert sind.^' 



22) Abraham: Versuch eiiier Entwicklungsgeschichte der Libido auf Grund der 
Psychoanalyse seelischer Störungen. 1924. 

23) Freud: Trauer und Melancholie (Ges. Sehr. Bd. V). 

24) Die Unterteilung der beiden prägenitalen Organisationsstufen der Libido ermög- 
lichte Abraham die Anlegung einer schematischen Tabelle der Libidoentwicklung, 
der für die spezielle Neurosenlehre grundlegende Bedeutung zukommt. Inhaldich liegt 
sie vielen Ausführungen unserer Arbeiten zugrunde. "Wir wollen die Gelegenheit be- 
nutzen, um die Abrahamsche Tabelle hier übersichtlich wiederzugeben, vermehrt 
durch die Rubrik „prävalente Fixierungsstelle", die den Abraham sehen Darlegungen 



120 



Abraham versuchte auch da eine Gegensätzlichkeit des ursprünglichen 
Triebzieles m Para lele zu der Gegensätzlichkeit des Verhaltens den Objekten 
gegenüber festzustellen: Die oral-sadistische Periode hätte das Ziel des Beißens 
(Emverleibens) und entspreche der Zeit des Hervorbrechens der Zähne im 
Saughngsalter; die präambivalente Phase hätte das Ziel des Saugens. Die Zu- 
cheTLr 1 'T t" ""'"^'^" Verhältnissen entsprechen, da analyti- 

S n1 T '"" "5 ? r" 7 ""'^ ""^ ""'' Melancholie, sondern auch 
bei Nymphomanie u. dgl. _ Saugephantasien als ihre Basis erkennen läßt. 

So hatte eine Patientin ihre Neurose auf einer der Partialeinverleibung des Objektes 
entsprechenden Identifizierung mit dem Penis des Vaters aufgebaut. In ihren Symptomen 
perpetmerte sie diese Einverleibung durch Ver,rh;.K„„„ • ^°/«"n Symptomen 

gier, die sie als Kind ^s^e^eickn^ Z^ I^tf7!::f:rTZ 1°"" w" 
den Penis repräsentierende Objekte mit den Au L^alf.^^ellf S rhat:! ^f t 
ganz merkwürdig intensives Interesse für alle physikalischen Phänomene, bei denen 1" 
sich um das Au steigen = Aufgesaugtwerden einer Flüssigkeit handelte Da war zu 
nächst ein symbolischer Ausdruck ihres Interesses für den lenis, indem die aufsre^^end" 
Flüssigkeit den auf männliche Weise entleerten Urin repräsentiWte. Aber es wa nkh 

Ta^tn irs tf?-'^'"^' '-' T ''-'''''' '^-'' beschätt?;;rdrt 

saugen, das das Aufsteigen erst produziert. Es war eine Projektion ihres eigenen 

zTvTS:;. ^"" '" '^°'^ "^^^"^^"«^"' "'" ''^'^ ^-»^ -i''^^ 'i-h saie? r 

Freud hatte die für viele Fälle sicher verblüffend zutreffende Formel ge- 
funden: Die Klagen der Depressiven sind Anklagen, sie richten sich eigentlich 
gegen das introjizierte Objekt.- Abraham fügte hinzu: Manche Klagen 
scheinen auch geradezu umgekehrt vom introjizierten Objekt auszugehen, 
wiederholen z. B. Vorwürfe, die einmal das reale Objekt gegen den Patienten 
geäußert hatte Das bedingt eine große Unklarheit, da wir doch angenommen 
hatten daß das Objekt ins Ich aufgenommen und vom Über-Ich sadistisch 
behandelt wird. Wird es nun auch in das Über-Ich aufgenommen.' Müssen wir 
diese unerwünschte Komplikation einer doppelten Introjektion des Objektes 
anerkennen? Auf diese Frage werden wir erst später antworten. Vorläufig stellen 

Organisationsstufen der Entwicklungsstufen der Prävalente 

v^ VA-.- , ■ Objektkebe .■ Fixierungsstelle bei 

D Frühere orale (Sauge-) Stufe ^.^oSoüLMo^.^.ä..)fyor..r.^>M^r) ManAe Formen der SAizo- 

phrenie (Stupor) 

AnVi. Ml Tr'"r"".^''T'" ^^" *«^^ Art beschrieb Helene Deutsch im 
Anhang „Melancholie" ihres Buches: Psychoanalyse der Neurosen. 



121 



wir fest, daß der Fund, das introjizierte Objekt schlage sich auch irgendwie auf 
die Über-Ich-Seite, zu der grundlegenden Theorie von Freud paßt, daß das 
Über-Ich einer Objektintrojektion seine Entstehung verdankt.^" 

Abraham konnte sogar einen Fall beschreiben, bei dem verschiedene Objekte in 
verschiedener Weise introjiziert waren. Die Selbstanklagen entsprachen Vorwürfen, die 
die introjizierte Mutter dem introjizierten Vater machte." 

Weiss konnte zeigen, daß dem auch beim Melancholiker nicht seltenen Vergif- 
tungswahn eine solche Introjektion eines Objektes auf die Über-Ich-Seite ent- 
spncht.=8 (Das braucht natürlich nicht einer in oberflächlicherer Schicht gültigen Be- 
fruchtungsbedeutung der Vergiftungsidee zu widersprechen.) Der Kranke mit Ver- 
giftungswahn meint, etwas gegessen zu haben, was nun im Inneren seines Körpers ihm 
Beschwerden mache. Dies entspricht einer intrapsychischen Wahrheit: Er hat in seiner 
Phantasie ein Objekt sich introjiziert (es gefressen), das nun von innen her gegen ihn 
seine Anklagen erhebt. - Ich hatte Gelegenheit, diese Deutung von Weiss wieder- 
holt, z. B. in dem Falle von dem „Zwerchfell", zu bestätigen. In diesem Sinne ist die 
Vergiftungshypochondrie die Form von Hypochondrie, die der Erkenntnis des wahren 
Sachverhaltes, daß das hypochondrisch affizierte Organ einem introjizierten Objekt 
entspricht, am nächsten kommt.^" Die großartigen hypochondrischen Wahnbildungen 
bei schweren Melancholien entsprechen solchen entstellten Auseinandersetzungen mit 
dem Vorgang der Introjektion. Besonders deudich wird das bei (bewußten oder un- 
bewußten) Ängsten, von etwas im Körperinnern Befindlichem von innen her zerfressen 
zu werden. Dieses Etwas kann als pathogener Virus rarionalisiert sein (hier ist eine 
Brücke zur gewöhnlichen Infektionsphobie); diese Idee, von einem „Introjekt" zerfressen 
zu werden, läßt viele Neurodker die geheimnisvolle Krebskrankheit so fürchten. 

Freud hatte als ätiologische Voraussetzung der Melancholie neben der 
prägenitalen Fixierung die narzißtische Einstellung hervorgehoben, ohne die eine 
Regression von der Objektliebe zur Identifizierung nicht denkbar wäre.^" Sie 
mag sich z. B. schon darin äußern, daß die Wahl des Objektes, dessen Verlust 
den ganzen Prozeß einleitete, nach dem narzißtischen Typus erfolgt war. 
Abraham konnte zusammenfassend und ergänzend folgende ätiologische 
Voraussetzungen hervorheben:" i) Einen konstitutionellen Faktor, wahrschein- 
lich gegeben in der konstitutionelkn Verstärkung der Munderotik; 2) eine 
besondere Fixierung der Libido auf der oralen Entwicklungsstufe. Zu diesen 
beiden Punkten ist kaum etwas hinzuzufügen. — Wenn man sich die Frage 
nach den psychischen Zusammenhängen bei einer im späteren Lebensalter aus- 
brechenden Zwangsneurose vorlegt, so findet man, daß ihre Voraussetzung eine 

26) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr. Bd. VI). 

27) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. S. 52. 

28) Weiss: Der Vergiftungswahn im Lichte der Introjektions- und Projektions- 
vorgänge. Int. 2. f. Ps.-A. XII (1926). 

29) In neuerer Zeit untersuchte Kielholz Giftmord und Vergiftungswahn. 
Int. Z. f. Ps.-A. XVII (193 1). 

30) Freud: Trauer und Melancholie (Ges. Sehr. Bd. V). 

31) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. S. 42— J4. 



bereits zur Zeit des Unterganges des Ödipuskomplexes in der frühen Kindheit 
erfolgte Regression von der phallischen zur anal-sadistischen Stufe ist, die, auch 
wenn sie später partiell überwunden wurde, diesen Regressionsweg gleichsam 
bahnte und erst die Möglichkeit schuf, daß das Rückgreifen auf die infantile 
Sexualität nach späteren Enttäuschungen nicht beim phallischen Ödipuskomplex 
haltmachen konnte, sondern, dem infantilen Vorbild der Erledigung folgend, 
die Abwehr dieser wiedererweckten Wünsche durch weitere Regression zur anal- 
sadistischen Phase vollziehen mußte.^'' Abraham wies nun nach, daß das 
Analoge auch für die Melancholie gilt. Es ist nicht nur eine prägenitale Fixie- 
rung und die dazugehörige Ambivalenz, die es ermöglicht, daß ein Mensch nach 
einem (äußeren oder inneren) Objektverlust auf oral-sadistische Einverleibungs- 
ideen regrediert. Die Neigung zu dieser Reaktion ist vielmehr dadurch erworben 
worden, daß der Kranke bereits als Kind schwerste Enttäuschungen erlebt und 
mit einem ähnlichen Mechanismus beantwortet hat. Diese Enttäuschungen 
müssen, der späteren narzißtischen Fixierung entsprechend, schwere narzißtische 
Kränkungen gewesen, und — der späteren prägenitalen Reaktionsweise ent- 
sprechend — sehr früh vorgefallen sein. So konnte Abraham als weitere 
Voraussetzungen formulieren: 3) eine schwere Verletzung des kindlichen Nar- 
zißmus durch Zusammentreffen von Liebesenttäuschungen; 4) Eintritt der ersten 
großen Liebesenttäuschung vor gelungener Bewältigung der ödipuswünsche; 
j) Wiederholung der primären Enttäuschung im späteren Leben als Krankheits- 
anlaß. — Die Reaktion auf die kindlichen Versagungen brachte, wenn auch 
in kleinerem Maßstab, dieselben Mechanismen wie die spätere Melancholie, deren 
Bahnung durch eben diese „Urverstimmung" die verhängnisvolle Neigung setzte, 
auf spätere Enttäuschungen analog zu reagieren. Und das Abraham sehe 
Material belegt die Existenz solcher kindlicher Urverstimmungen bei allen 
später Manisch-Depressiven.^' 

Die Erscheinungen der Manie sind bisher von uns noch nicht betrachtet 
worden. Sie gibt der analytischen Forschung ein viel schwereres Rätsel auf als 
die Depression. Der Gegensatz ihres Zustandsbildes zu dem der Melancholie 
ermöglichte es zwar Freud, den unbewußten Mechanismus, der ihr zugrunde- 
liegen muß, frühzeitig zu durchschauen, ohne aber noch erklären zu können, 
wann und warum dieser Mechanismus spielt."' Es muß sich um eine völlige Auf- 
hebung der Differenz zwischen Ich und Über-Ich handeln. Die Tatsache der 
heiteren Stimmungslage des typisch Manischen läßt mit der ökonomischen Er- 



32) Siehe das Kapitel „Zwangsneurose" meines Buches „Hysterien und Zwangs- 
neurosen". 

33) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. S. 54— J9. 

34) Freud: Trauer und Melancholie (Ges. Sehr. Bd. V) und: Massenpsychologie und 
Ich- Analyse (Ges. Sehr. Bd. VI. S. 334 ff.). 



123 

klärung der Heiterkeit als Aufwandsersparnis'' erkennen, daß die Spannung 
zwischen Über-Ich und Ich vorher eine besonders große und ihre Aufhebung 
eine ganz plötzliche sein muß. Daß das wirklich so ist, zeigen am besten die 
Fälle, die aus schwerer Melancholie plötzlich in Manie umspringen.'* In der 
Manie gelingt es dem Ich irgendwie, den schrecklichen Druck seines Über-Ichs 
los zu werden, den Kampf mit dem „Schatten" des verlorenen Objekts durch 
völlige Einziehung des Über-Ichs in das Ich zu erledigen und gleichsam einen 
Triumph über dieses Gelingen zu feiern. Denn nur das kann uns das gehobene 
Selbstgefühl und die herabgesetzte Gewissensfunktion des Manischen erklären. 
Wir betonten, daß der Manisch-Depressive auch seinem eigenen Ich gegenüber 
ambivalent eingestellt ist; aber in der Depression sehen wir fast ausschließlich 
die gegen das eigene Ich gerichtete Haßtendenz; die Manie führt uns nun den 
anderen Pol, die gleichzeitig vorhandene ungeheure Selbstliebe, vor Augen.'' 
Freud hat daran gedacht, daß der zyklothymen Periodizität letzten Endes 
ein biologischer Zwang entsprechen mag: Alle Differenzierungen im seelischen 
Apparat müssen vielleicht von Zeit zu Zeit wieder aufgegeben werden. Das 
gesamte Ich sinkt allnächtlich im Schlafzustand in das Es zurück, aus dem es 
entstand. In analoger Weise wird in der Manie das Über-Ich in das Ich ein- 
gezogen.'' Nach wie vor aber ist das Problem offen, wann und wieso es manchem 
Depressiven gelingt (im Gegensatz zu anderen), über sein strenges Über-Ich und 
gleichzeitig irgendwie über das introjizierte Objekt so zu triumphieren. Abraham 
bestätigte an überzeugendem Material, daß der wesentliche Gehalt der Manie 
ein „Abschütteln" des Über-Ichs resp. des Objekts durch das Ich und eine Art 
Triumphfest über das Gelingen dieser Unternehmung, vergleichbar dem Totem- 
fest der Primitiven, darstellt. Am deutlichsten wird dies, wo in manischen 
Symptomen Exkretionsfunktionen oder -phantasien überbetont erscheinen und 
sich in der Analyse als phantastische Befreiung vom introjizierten Objekt 
herausstellen. Aber nur dieses Verhältnis zwischen Ich und Ober-Ich ist ver- 
schieden. Sonst zeigt unter einem durch diese Differenz verschiedenen Stand- 
punkt der manische Kranke dieselben Kennzeichen wie der Depressive: 
Gesteigerte Oralität, die Zielsetzung der Einverleibung, die Ambivalenz gegen- 
über den Objekten sind hier wie dort dieselben. Die Fälle endlich, wo Manien 
auftreten, ohne daß eine Melancholie vorangegangen wäre, konnte Abraham 
dadurch erklären, daß es sich bei ihnen nur um ein Abschütteln der Neigung 
zur Wiederholung der Urverstimmung handle, die selbst nicht wiederholt wird. 

35) Freud: Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten (Ges. Sehr. Bd. IX). 

36) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. S. 59—66. 

37) Dieser Umstand wird besonders betont von Alexander: Psychoanalyse der 
Gesamtpersönlichkeit. S 9 ff. und 56 ff. 

38) Freud: Massenpsychologie und Ich- Analyse (Ges. Sehr. Bd. VI. S. 33$). 



124 



Die beiden Flauptfragen, die bis jetzt noch offen blieben, sind die nach der 
doppelten Introjektion des Objektes in Ich und Über-Ich, und die nach dem 
Umstände, der dem vom Über-Ich gequälten Ich einen endlichen Triumph in 
Form einer Manie ermöglicht. Die Arbeit von R a d 6, die die Problematik der 
manisch-depressiven Erkrankungen am einheitlichsten zusammenfaßt, versucht, 
diese beiden Probleme zu lösen.'» 

Die Selbstvorwürfe der Melancholiker sind nicht nur entstellte Versuche zur 
Vernichtung des Objektes, sondern sie sind auch, insofern sie, wie A b r a h a m 
nachwies," vom introjizierten Objekt ausgehen, ein entstelltes Werben um 
das Objekt, nämlich um seine Verzeihung, indem man ihm vorführt, wie sehr 
man sich seine Vorwürfe zu Herzen nimmt. Aber welche Wünsche sind es, die 
an das Objekt gerichtet werden? Die oral-narzißtische Fixierung gibt den Sexual- 
wünschen des zur manisch-depressiven Erkrankung Disponierten eine besondere 
Färbung: Dem oral Fixierten sind die Objekte Mittel zur Erhaltung des Selbst- 
gefühles. Er hat eine erhöhte narzißtische Bedürftigkeit und braucht „Selbst- 
gefühlszufuhr" von außen. 

Deutlicher noch als bei Melancholikern kann man dies beobachten bei schweren Ent- 
wicklungsstörungen, deren Objektbeziehungen auf solcher Stufe fixiert geblieben sind. 
Wir erwähnten einen solchen Fall bei Besprechung des sexuellen Infantilismus 
(Wurstchenesser) und werden im Charakterkapitel noch darauf zurückkommen. 

Offenbar ist diese ersehnte Zufuhr von außen eine Art Abkömmling der 
Milch, die der Säugling von außen erhalten mußte, um befriedigt zu sein. Der 
Nachweis der Gültigkeit einer solchen symbolischen Gleichung zeigt die Frucht- 
barkeit des schon bei den Süchten erwähnten Gedankens von R a d 6, die 
Depression als eine Fortsetzung des Hungerzustandes des Säuglings, die Manie 
als solche des Sättigungszustandes zu betrachten." Wir sagten, der spätere 
Manisch-Depressive hätte frühzeitige schwere narzißtische Kränkungeji erlebt 
und versucht, sich aggressiv gegen sie aufzulehnen; eben an dieser Auflehnung 
sei er gescheitert, indem er sie gegen das eigene Ich wenden mußte. Nun ver- 
stehen wir, was für Enttäuschung und was für Auflehnung gemeint sind: diese 
„narzißtische Zufuhr" ist ihnen in ungenügendem Maße zuteil geworden. Das 
Kind konnte nichts mehr von sich halten, weil es sich nicht mehr genug geliebt 
fühlte. 

Im Aufsichnehmen von Selbstkritik und Selbstvorwürfen liegt ein Werben 
um das Objekt. Nur das kann letzten Endes das ökonomisch ausschlaggebende 
Motiv für die normale Errichtung des Über-Ichs überhaupt sein: „Du brauchst 



39) Rado: Das Problem der Melancholie. Int. Z. f. Ps.-A. XIII (1927). 

40) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. S. 52 

41) Rad6: Die psychischen Wirkungen der Rauschgifte. Int. Z. f. Ps.-A. XII (1026) 
fortgeführt m: Das Problem der Melancholie. Int. Z. f. Ps.-A XIII (1927) 



I2J 

nicht mehr böse zu mir zu sein", sagt der Knabe gleichsam zu seinem Vater, 
„das besorge ich schon allein". In der Errichtung des Über-Ichs introjiziert er 
sich gleichsam die „böse Haltung" des Vaters, um als reales Objekt nur den 
guten Vater nach Ausmerzung seiner bösen Haltung übrig zu behalten. 

Im gleichen Sinne sagt der Melancholiker zu seinem Objekt: Siehe, ich bin 
brav, du kannst mich wieder lieb haben, — denn ich brauche das narzißtische 
Gefühl des Geliebtwerdens. Nur richtet der Melancholiker diese Aufforderung 
nicht mehr an das wirkliche Objekt, sondern an das introjizierte, und hier haben 
wir die Antwort auf unsere frühere Frage nach den Gründen für das merk- 
würdig unterwürfige Verhalten des Ichs seinem Über-Ich gegenüber. Der Kreis- 
lauf Tat— Sühne— Verzeihung, der in der Abwechslung von oraler Befriedi- 
gung und Hunger in der Säuglingszeit sein Vorbild hat, ist die Fixierungsstelle 
für das Objektverhalten des Depressiven, und die Absicht seines Verhaltens ist, 
die Verzeihung seines Über-Ichs zu eriangen. Warum scheitert diese Absicht? 
Darauf geben die Forschungen von Freud und Abraham" eine eindeutige 
Antwort: Weil der ungeheure Sadismus der oralen Triebhaltungen sich zum 
Über-Ich geschlagen hat, das nun gegen das Ich so wütet, wie dieses unbewußt 
gegen das Objekt hatte wüten wollen. Führt dieser Sadismus des Über-Ichs das 
Ich zu dem Gefühl des gänzlichen Verlassenseins, so ist das Suizid das Ende, 
und das Ich hatte, als es durch Unterwürfigkeit sein Über-Ich befriedigen wollte, 
eine falsche Rechnung gemacht. Andere Maie aber scheint die Rechnung doch 
zu stimmen und die Verzeihung erlangbar zu sein, nämlich in den Fällen, die 
in eine Manie auslaufen. In ihr ist das Über-Ich vom Ich trotz Weiter- 
bestehens derselben Haltungen überwältigt worden. Bei der normalen Über-Ich- 
Bildung müssen wir gleichsam unterscheiden zwischen der Imago des „bösen 
Objektes", das introjiziert, und dem „guten Objekt", das in der Außenwelt 
belassen wird. Aber auch diese Formel muß korrigiert werden. In Wahrheit 
hat ja das Kind die Tendenz, die „bösen Eltern" überall auszurotten und durch 
„nur liebe Eltern" zu ersetzen. Auch von dem introjizierten Elternersatz will 
das Ich geliebt werden, und auch ihm gegenüber muß sich das Ich seine aggres- 
siven Regungen versagen. Das Über-Ich nimmt also bei seiner Entstehung aus 
dem Ich den Vorstellungskreis „liebe Eltern" mitsamt der daran haftenden Be- 
setzung des Ichs auf, während es dem Vorstellungskreis „böse Eltern" nur die 
in ihm enthaltenen Inhalte entlehnt (Rad 6). 

Und nun können wir das Problem der doppelten Introjektion des Objektes 
bei der Melancholie klären: Dem Über-Ich wird wie bei der seinerzeirigen 
Bildung des ersten Über-Ichs das „liebe Objekt" einverieibt, das aber wie 
damals mit dem Recht ausgestattet wird, zum Ich böse zu sein (und infolge 



42) In den besprochenen Arbeiten. 



126 



der Regression von diesem Recht leider unerwünschten und allzu ausgiebigen 
Gebrauch macht). Was bei der Melancholie als „Regression der Objekt- 
beziehung zur Identifizierung" pathognomonisch hinzukommt, ist die von 
Freud beschriebene Übernahme des „bösen", nämlich gehaßten Objektes in 
das Ich.'^ So ist Abrahams Fund, in der Melancholie könne ein intro- 
jiziertes Objekt gegen das andere wüten," von allgemeiner Bedeutung. Gelingt 
die melancholische Tendenz in der Manie, so hat Freuds Formulierung 
recht, daß hier ein Triumph über das (ins Ich) introjizierte Objekt statthat, 
das nun durch den melancholischen Prozeß zerstört worden ist. Denn dieser 
erscheint uns nun als ein großartiger Reparationsversuch mit dem Ziel, das 
durch den Liebesverlust zugrundegegangene Selbstgefühl des Ichs wieder her- 
zustellen, indem das „böse Objekt", das durch Einstellung der von ihm aus- 
gehenden narzißtischen Zufuhren den Sadismus provoziert und das ganze 
psychische Gleichgewicht gestört hatte, gezüchtigt und getötet wird, auch auf 
narzißtischem Boden, nachdem es durch Introjektion ein Teil der Seele des 
Kranken geworden ist. Manchmal ergeht es bei diesem gegen das böse Objekt 
gerichteten Vernichtungsstreben dem melancholischen Ich so wie Dorian Gray, 
der sterben muß, wenn er sein Porträt vernichten will, denn Objekt und Ich 
sind eins geworden. Manchmal aber — und wir können noch nicht angeben, 
unter welchen Umständen das eine, und unter welchen das ändere statthat, — 
gelingt diese Vernichtung durch eine bloße psychische Besetzungsänderung. Dann 
stellt sich der Zustand der Manie ein, in dem das böse Qbjekt restlos ver- 
nichtet ist, und sich das Ich mit seinem purifizierten, nur mehr lieben Über-Ich 
narzißtisch in Liebe vereinigen kann. Das Selbstgefühl ist wiederhergestellt, 
und bei der oralen Fixierung der Kranken kann es nicht wundernehmen, daß 
diese Vereinigung von Ich und Ober-Ich in Form einer Regression in eine Zeit 
stattfindet, in der es eine Differenzierung von Ich und Über-Ich noch überhaupt 
nicht gab.*' In noch anderen Fällen wird das melancholische Ziel ohne 
solchen Triumph allmählich erreicht — so wie auch die normale Trauer ohne 
Manie allmählich zu enden pflegt, — einfache oder zyklische Melancholie. Über 
die — wohl quantitativen — Faktoren, die darüber entscheiden, ob und wann 
Suizid, Heilung oder Umschlag in Manie erfolgen, wissen wir nichts. 

Die Wichtigkeit des „Selbstgefühls" für die Krankheitsgruppe läßt es ratsam 
erscheinen, eine Zusammenfassung des noch allzu dürftigen psychoanalytischen 
Wissens um diesen Gegenstand an dieser Stelle zu versuchen.*" 

43) Freud: Trauer und Melancholie (Ges. Sehr. Bd V). 

44) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. S. 52. 

45) Dies alles nach R a d 6: Das Problem der Melancholie. Int. Z. f. Ps.-A. XIII (1927). 

46) Auch diese Zusammenfassung gründet sich auf die zitierten Arbeiten von R a d 6 
unter Berücksichtigung von F r e u d: Zur Einführung des Narzißmus (Ges. Sehr. Bd. VI. 
S. 182 fr.). 



127 



Nach dem Verlust des ursprünglichen kindlichen Allmachtgefühls bleibt eine 
Sehnsucht zurück, dieses wiederherzustellen. Diese Sehnsucht nennen wir 
„narzißtische Bedürftigkeit", das „Selbstgefühl", der Index ihrer Größe, ist am 
stärksten, wenn die Sehnsucht erfüllt ist, am schwächsten, wenn sie von der 
Erfüllung am weitesten entfernt ist. Das primitivste Mittel zu ihrer Befriedigung 
ist das Gefühl des Geliebtwerdens. Das kleine Kind fühlt sich im Selbstgefühl 
herabgesetzt, wenn ein Liebesverlust eintritt und umgekehrt. Auf dieser Stufe 
fällt die narzißtische und die erotische Bedürftigkeit noch voll zusammen. Das 
läßt die Vermutung zu, daß beide auf ein gemeinsames Vorbild zurückgehen, 
auf eine Ur-Sehnsucht, die durch äußere Zufuhr gestillt werden konnte. Diese 
Ur-Sehnsucht ist der Hunger des Säuglings, ihre Befriedigung seine Sättigung, 
der „alimentäre Orgasmus". Später differenzieren sich narzißtische und erotische 
Bedürftigkeit. Diese entwickelt sich in den Beziehungen. zu den realen Objekten 
(Liebe und Haß), jene in denen zum eigenen Über-Ich, d. h. zu den introjizier- 
ten (oral aufgenommenen) Objekten. Jede Diskrepanz zwischen Über-Ich und 
Ich, d. h. jedes Schuldgefühl, setzt das Selbstgefühl herab, jede Idealerfüllung 
steigert es. Wie bei allen psychischen Entwicklungen bleibt aber das Alte neben 
dem Neuen noch nachweisbar: Auch ein Teil der Beziehungen zu den realen 
Objekten ist vom Selbstgefühl regiert. 

Es gibt nun Menschen mit einer besonderen Selbstgefühlfixierung, 
die, wie eine andere Fixierung, aus konstitutionellen oder akzidentellen 
Momenten stammen mag. Die akzidentellen sind die von Abraham gekenn- 
zeichneten frühzeitigen narzißtischen Kränkungen, d. h. Schädigungen des 
Selbstgefühls des Kindes, das sich von den Erwachsenen nicht mehr genug 
geliebt fühlte. Die so erworbene Fixierung ist gekennzeichnet durch erhöhte 
Angst vor Liebesverlust, durch narzißtische Objektwahlen mit dem Ziel des 
Geliebtwerdens, durch erhöhte narzißtische Bedürftigkeit und durch die 
Neigung, besonders leicht mit schweren Schuldgefühlen, ev. schwerer 
sozialer Angst — und auch wieder leichter triumphaler Überwindung dieser 
Angst bei Erlangen der „Verzeihung" zu reagieren. Es stimmt zur Theorie, daß 
es dieselben Menschen sind, die die Regulierung dieses gesteigerten Bedürfnisses 
in einem relativ zu hohen Maße von außen fordern und die gleichzeitig 
in ihrem Verhalten orale Züge aufweisen. Diese Fixierung, ev. durch 
Regression verstärkt, scheint die gemeinsame Disposition zur manisch- 
depressiven Erkrankung und zur Süchtigkeit darzustellen. Bei dieser lernt der 
Kranke irgendwann im pharmakotoxischen Rausch eine unerhörte Erfüllung 
seiner Sehnsucht kennen, einen Zustand, in dem das frühkindliche Selbstgefühl 
und erotische Befriedigung gleichzeitig erreicht werden. Diesen Zustand will er 
dann immer wieder erleben, auch wenn es ihm nicht mehr möglich ist. Im 
melancholischen Prozeß kombiniert sich das Bestreben, das eigene Über-Ich zu 



128 



versöhnen mit dem intrapsychisch weiterwirkenden oralen Sadismus gegen das 
introjizierte Objekt. In der Manie ist diese "Versöhnung und damit der Rausch 
des frühkindlichen Selbstgefühls wieder erreicht. Die ungeheure Angst vor 
Liebesverlust erklärt die hohe Suizidneigung als Versuch, das Gefühl, vom 
eigenen Über-Ich nicht mehr geliebt zu sein, zu überwinden. 

Diese Erkenntnisse, die gewiß den Blick für eine neue Reihe ungelöster 
Probleme öffnen, vermögen auch schon etwas Licht auf das Problem der 
Periodizität zu werfen. Sie ist ein biologisches Moment, hieß es erst, eine Aus- 
drucksform des Rhythmus, in dem sich alle Lebensprozesse abspielen. Sie ist, 
vermutet dann Freud, eine biologische Notwendigkeit, entsprechend dem 
Zwang, Differenzierungen des seelischen Apparates von Zeit zu Zeit wieder 
aufzugeben; wie im Schlafe das Ich in das Es zurücksinkt, so in der Manie (im 
Fest) das Ober-Ich in das Ich." Aber die Beziehung, die sich zu zeigen schien . 
zwischen solchen Zuständen ohne Über-Ich und dem des gesättigten Säuglings, 
zwischen den Qualen des Schuldgefühls und denen des Hungers, zeigte uns 
einen anderen biologischen Wechsel, der mit dem Wechsel von Depression und 
Manie in einer noch zu klärenden Beziehung stehen muß: den von Hunger und 
Sättigung. Dieser bringt abwechselnd höchste Unlust (Spannung) und ihre lust- 
volle (nach R a d 6 „alimentär-orgastische") Lösung. Dieser Wechsel, der mit 
naturgesetzlicher Notwendigkeit immer wieder eingetreten ist (andernfalls wäre 
der Säugling ja verhungert), prägt sich dem Gedächtnis unauslöschlich ein, und 
jede spätere Abwechslung von Lust und Unlust wird nach dem Modell dieser 
Erinnerung perzipiert. Tatsächlich läßt sich auch eine wesentliche Überein- 
stimmung zwischen den Ideen Strafe— Verzeihung und Hunger— -Sättigung fest- 
stellen. Beidemal handelt es sich um ein Ausbleiben bzw. Wiederkommen von 
zur Befriedigung notwendigen äußeren Zufuhren (hier der Milch, dort des 
narzißtischen Gefühls des Geliebtwerdens).'^ Strafe und Liebesentzug von Seiten 
der Erzieher werden als Analoga des Hungerzustandes perzipiert und die 
Absolution wie damals die Sättigung angestrebt. Und wie zu den Erziehern 
verhält sich das Ich auch nach erfolgter Introjektion zu seinem Über-Ich. In 
der Depression fühlt sich das Ich von seinem Über-Ich nicht mehr geliebt, 
d. h. in seiner oralen Wunschwelt im Stich gelassen, in der Manie ist die 
verzeihende orale Liebesvereinigung mit dem Über-Ich wieder eingetreten. Bei 
solcher Bezugsetzung bleibt gewiß vieles an dem Rätsel der Periodizität unge- 
löst, so vor allem die Hauptfrage, warum manche Fälle eines erkennbaren oder 
verborgenen äußeren auslösenden Anlasses bedürfen, der in Form einer libido- 
ökonomischen Veränderung einen Wechsel der Phase herbeiführt, bei anderen 

47) Freud: Massenpsychologie und Ich- Analyse (Ges. Sehr. Bd. VI. S. 335). 

48) Siehe auch Alexander: Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit. 



129 



aber dieser Wechsel einem regelmäßigen, scheinbar biologisch fundierten 
Rhythmus entspricht. (Bei menstruellen Depressionen z. B. wird man zwar regel- 
mäßig in der Analyse nachweisen, daß und wie das Erlebnis der Menstruation 
psychisch als Versagung empfunden wird, dennoch aber den Eindruck eines 
solchen biologischen Faktors behalten.) Nichtsdestoweniger scheint sie einige 
andere Probleme der Lösung doch näher zu führen. Ich erwähne nur die Ver- 
wandtschaft des Wechsels Manie— Depression mit dem bei den Süchten und der 
Zwangsonanie erwähnten von Rausch und Kater, die sich durch das gemeinsame 
Vorbild: die oralen Erlebnisse der Säuglingszeit klärt. 

Die schon erwähnte Annahme, daß der neurotischen Depression 
prinzipiell gleichartige Vorgänge zugrundeliegen könnten wie der Melancholie, 
nur in geringerem Ausmaße, scheint zunächst unglaubwürdig im Hinblick auf die 
gewaltigen Differenzen zwischen den beiden Zustandsbildern. Aber nicht nur 
theoretische psychoanalytische Wahrscheinlichkeit spricht für sie. Zunächst 
wird sie nahegebracht durch Erfahrungen mit gewissen Fällen von Zyklo- 
thymie, bei denen Stimmungsschwankungen, die einer rein inneren 
Periodizität zu gehorchen scheinen, in genau der gleichen Weise auftreten wie 
beim manisch-depressiven Irresein, nur daß sie eben nicht stark genug sind, um 
den Patienten aus der Realwelt in die psychotische zu reißen. Die analytische 
Erfahrung zeigt, daß sie ebenso in die orale Fixierung hinabreichen und (bis auf 
die bessere Übertragungsfähigkeit) ebenso schwer zu behandeln sind wie 
manisch-depressive Psychosen. Die Identität der Mechanismen beweist ferner 
die analytische Betrachtung des normalen Affektes der Trauer: Der 
Trauernde, der ein Objekt verloren hat, muß die libidinöse Bindung, die ihn 
an dasselbe kettet, lösen. Diese Bindung ist nicht eine einmalige Angelegenheit, 
sondern sie haftet an tausenderlei Einzelerinnerungen; an jeder einzelnen muß 
diese Lösung durchgeführt werden, was Zeit in Anspruch nimmt und von 
Freud als Trauer arbeit bezeichnet wurde." Sie ist vergleichbar dem 
„Durcharbeiten" in der analytischen Kur, bei dem die gegebene Deutung auch 
nach und nach an alle Einzel Vorstellungen herangebracht werden muß.°° Die 
Durchführung der Trauerarbeit ist eine schwierige und unangenehme Angelegen- 
heit, der sich mancher eine Zeit lang auch durch Verdrängung zu ent- 
ziehen sucht, (wobei bei der scheinbaren Affektlosigkeit schon die Identifizierung 
mit dem Toten mitspielen mag). Offenbar pflegt aber jeder Trauernde sich die 
Aufgabe zu erleichtern, indem er sich nach dem Verschwinden des Objektes 
aus der realen Welt sozusagen ein Ersatzobjekt in seinem eigenen Ich aufbaut. 
Er benutzt dazu den gleichen Mechanismus der Regression von der Objektliebe 



49) Freud: Trauer und Melancholie (Ges. Sehr. Bd. V). 

jo) Freud: Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten (Ges. Sehr. Bd. VI). 

9 Fenichel, Perversionen 



130 



zur Identifizierung wie der Melancholiker — und nur die Quantität der Libido, 
die dieses Schicksal erleidet, entscheidet darüber, ob wir eine Trauer als normal 
oder als pathologisch empfinden." Man kann sehr häufig beobachten, daß der 
Trauernde in der einen oder anderen Beziehung dem verlorenen Objekt ähnlich 
wird, daß er etwa, wie Abraham es beschrieb, graue Haare bekommt wie 
sie das verlorene Objekt hatte, daß er Herzsymptome produziert, wenn das 
Objekt an einer Herzkrankheit gestorben ist, daß er seine Rede- und Be- 
wegungsweise in dem einen oder anderen Punkte annimmt u. dgl. Freud hat 
darauf hingewiesen, daß das nicht nur für den Verlust eines Objektes durch den 
Tod gilt, sondern auch für einen rein psychischen Verlust, indem er darauf auf- 
merksam machte, wie oft Frauen nach einer Trennung vom Geliebten Züge von 
diesem annehmen.'' Auch Symptome wie Heißhunger (Sitte der Totenmahlzeit) 
und Nahrungsverweigerung bei schwerer Trauer fallen in den Bereich des 
Normalen. Es handelt sich eben um eine echte Identifizierung, deren Exekution 
gedacht ist als orale Einverleibung von gleicher Tiefe, nur von geringerem 
Ausmaße wie bei der Melancholie." 

Folkloristische und ethnologische Betrachtungen der Toten- und Bestattungs- 
gebräuche überzeugen erst von der allgemeinen Verbreitung der oralen Iden- 
tifizierung als Reaktion auf Objektverluste."* Es würde zu weit führen, auf 
die geistreichen Gedankengänge von F r e u d'° und R 6 h e i m"» einzugehen, die 
diesen Tatbestand hypothetisch mit der Entstehungsgeschichte des menschlichen 
Ödipuskomplexes in Verbindung bringen. Wir wollen uns darauf beschränken, 
die Begründetheit dieser Auffassung, die Freud einmal in die Worte gefaßt 
hat: „Vielleicht ist diese Identifizierung überhaupt die Bedingung, unter der 
das Es seine Objekte aufgibt"," durch eine, wie uns scheint, bedeutungsvolle 
klinische Beobachtung zu erhärten: Man findet unter Menschen, die einen 
Elternteil in früher Kindheit verloren haben, außerordentlich häufig solche 
mit Anzeichen einer oralen Fixierung, mit der Neigung, neben und nach eigent- 
lichen Objektbeziehungen weitgehende Identifizierungen resp. Einverlei- 
bungsziele zu entwickeln. Eine partielle Regression zum Oralen ist eben eine 
automatische Folge des Zwanges, ein in der Realität verlorenes Objekt sich 



51) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. S. 22 ff 1 

J2) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr. Bd. VI. S. 373 ff.). T 

53) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. S. 22 ff. •' |' 

J4) Siehe Zulliger: Beiträge zur Psychologie der Trauer- und Bestattungs- 

gebrauche. Imago X (1924). 

55) Freud: Totem und Tabu (Ges. Sehr. Bd. X). 

• 5^,^^'^'?^'™: Nach dem Tode des Urvaters. Imago IX (1923) und: Heiliges Geld 

m Melanesien. Int. Z. f. Ps.-A. IX (1923). 

J7) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr. Bd. VL S. 373). 



131 

wieder zu ersetzen, und eine solche Regression kann, wenn sie in frühem Alter 
auftritt, für die weitere Entwicklung nicht ohne Einfluß sein.^' Die mit der 
Trauer verbundenen Schwankungen des Selbstgefühls zeigen, daß auch da ein 
Über-Ich sich mit einem auf solche Weise veränderten Ich auseinandersetzt. 
Und was für die „Trauer" gilt, gilt wohl auch für die „Traurigkeit". Auch 
für sie sind die Mechanismen der erhöhten narzißtischen Bedürftigkeit und 
ihrer (partiellen) Ausfechtung auf narzißtischem intrapsychischem Boden nach 
vollzogener Objekteinverleibung charakteristisch; nur daß es nicht der Haupt- 
teil der Libido ist, der sich an diesem Kampf beteihgt, sondern daß ein großer 
Rest an Objektbeziehungen daneben besteht, unterscheidet diese Formen der 
Depression von den psychotischen. In den gleichen Zusammenhang gehört, 
daß z. B. der Affekt des Humors, eines normalen Vorbildes der Manie, sich 
Freud ebenfalls als eine narzißtische Auseinandersetzung mit dem eigenen 
Über-Ich erwiesen hat.™ Das Problem der neurotischen Konflikte des Selbst- 
gefühls, die ja in jeder Neurose eine Rolle spielen und vielleicht in jeweils 
charakteristischer Weise vom Ich der Lösung näher gebracht werden, gehört 
hierher. Freilich ist es richtig, daß die Minderwertigkeitsgefühle, die bei Neu- 
rotikern jeder Art so häufig sind, aus dem Untergang des Ödipuskomplexes 
stammen,™ daß sie mit dem Kastrationskomplex zusammenhängen," indem 
z. B. die Vergleiche, die der Kranke zwischen sich und anderen ziehen muß, 
unbewußt einen Vergleich der eigenen und fremden Genitalien bedeuten. Ohne 
Deutung und Würdigung dieser inhaltlichen Umstände kann man das Wesen 
der neurotischen Minderwertigkeitsgefühle gewiß iiicht verstehen. Aber ihre 
volle, rein psychologische Erfassung, also nicht die Frage, welche primäre 
Zurücksetzung sich im Minderwertigkeitsgefühl spiegelt, sondern warum über- 
haupt „Zurücksetzung" erlebt wird und Eindruck macht, also die ich-psycho- 
logische Frage nach der narzißtischen Bedürftigkeit, wird durch die weitere 
Melancholieforschung beantwortet werden. Den Ansatz dazu gab Freud, da 
er klar machte, daß das „Selbstgefühl" nicht nur abhängig ist von der von 
außen oder innen erlangten Anerkennung und von Erlebnissen, die den alten 
Allmachtsglauben zu bestätigen oder zu widerlegen scheinen, sondern auch von 
der Summe der dem Ich zur Verfügung stehenden Libido. Diese Summe aber 

j8) Siehe Fenichel: Spezialformen des Ödipuskomplexes. Int. Z. f. Ps.-A. XVII 
(1931) und als Beispiel: Marie Bonaparte: Die Identifizierung der Tochter mit 
ihrer verstorbenen Mutter. Int. Z. f. Ps.-A. XV (1929). Über eine entsprechende Gleich- 
setzung Sexualbefriedigung =r Tod vgl. Abraham: Über ein kompliziertes Zere- 
moniell neurotischer Frauen. Int. Z. f. Ps.-A. II (1914). Auch in: Klinische Beiträge 
zur Psychoanalyse. S. 114 ff. 

J9) Freud: Der Humor (Ges. Sehr., Bd. XI). 

60) Freud: Jenseits des Lustprinzips (Ges. Sehr. Bd. VI. S. 207). 

61) Freud: Zur Einführung des Narzißmus (Ges. Sehr. Bd. VI. S. 176). 



132 



ist bei Neurotikern durch ihre Verdrängungen, die ja bestimmte Libido- 
quanten dem Ich entziehen, eingeschränkt."^ 

Neurotische Depressionen kommen im Bereich aller Neurosen vor; wenn 
sie bei Zwangsneurosen häufiger zu sein scheinen, so stimmt das zu der be- 
sprochenen Verwandtschaft von zwangsneurotischen und depressiven Mecha- 
nismen überhaupt. 

Die therapeutischen Aussichten der Psychoanalyse sind bei neurotischen 
Depressionen andere als bei Melancholie und manisch-depressiven Psychosen. 
Leichteste Fälle brauchen keine besondere Behandlung, die Auflösung der zu- 
grundeliegenden infantilen Sexualkonflikte in der Analyse der Hauptneurose 
bringt automatisch auch die Auseinandersetzung mit dem Über-Ich mit sich. 
Schwere Fälle, bei denen die Depression das Krankheitsbild bereits beherrscht, 
sind den analytischen Schwierigkeiten nach, die sie bieten, etwa den Zwangs- 
neurosen gleichzusetzen (Prägenitale Fixierung): Je „endogener" im psychia- 
trischen Sinne die Krankheit scheint, desto schwerer ist sie zu beeinflussen. 
Die Schwierigkeiten der analytischen Behandlung manisch-depressiver Psychosen 
stehen hinter denen der Schizophrenie nicht zurück. Von dreierlei Art sind 
die Schwierigkeiten, die der Analytiker überwinden muß. Die eine besteht aller- 
dings auch schon bei neurotischen Depressionen und liegt in der oralen Fixie- 
rung, d. h. in der frühen Zeit, in der die aufzudeckenden, ausschlaggebenden 
Kindheitserlebnisse („Urverstimmung") gelegen sind. Die zweite Schwierigkeit 
liegt in der narzißtischen Natur der Erkrankungen und der durch sie bedingten 
Unverläßlichkeitder Übertragung, die, von Anfang an in einem Grade 
ambivalent, wie wir das bei keiner anderen Neurosenform kennen, durch die 
ständige Neigung zur narzißtischen Regression immer gefährdet und in un- 
berechenbarer Weise sprunghaft ist. In dieser Hinsicht scheinen die Manisch- 
Depressiven allerdings einen Vorzug gegenüber den Schizophrenen zu haben: 
Die Häufigkeit freier Intervalle, in denen sie zu Objektbeziehungen fähig sind. 
Aber auch in diesen freien Intervallen sind ihre Objektbeziehungen keine nor- 
malen, sondern außerordentlich ambivalente, also analytisch schwer ausnutz- 
bane. Der dritte Punkt bringt die größte Schwierigkeit, nämlich die, die sich 
aus den Zustandsbildern für die Technik ergibt. In einem schweren melan- 
cholischen oder manischen Zustand ist der Kranke fast ebenso unzugänglich 
wie ein katatoner Stupor. In dem Zustand etwa wahnhafter ängstlicher Erregung 
oder monoton klagender melancholischer Depression ist jede analytische 
Bemühung umsonst. (Immerhin hat Abraham darauf aufmerksam gemacht, 
und die Erfahrung bestätigt es immer wieder, daß auch solche Kranke für ein 
aufmerksames Zuhören ganz außerordentHch dankbar sind und entsprechend 




133 

liebevolle Geduld ebenso wie Katatone oft mit einem plötzlichen überraschenden 
Kontakt belohnen."') Aber manische und depressive Phasen haben gegenüber 
schizophrenen Zuständen den, Vorteil, daß sie spontan nach einiger Zeit nach- 
lassen. Das freie Intervall bietet sich von selbst als geeignetster Zeitpunkt für 
analytische Bemühungen dar. Freilich muß man theoretisch die Gefahr bedenken, 
daß man gerade durch eine Analyse im freien Intervall den Kriänken wieder 
in einen neuen Schub hineinstoßen könnte. Abraham leugnet aber nach 
reicher praktischer Erfahrung die Schwere dieser Gefahr und kann berichten, 
daß im Gegenteil die Intervalle, wenn während ihrer Dauer analysiert wurde, 
immer länger wurden. Er konnte auch von wirklichen Heilerfolgen berichten, 
obwohl die dazu erforderlichen Zeiten unwahrscheinlich lange sind, besonders 
wenn die Behandlung noch durch in ihre Zeit fallende Schübe verlängert wird."* 
Diese Existenz der freien Intervalle macht die manisch-depressiven Erkran- 
kungen bei ungefähr gleichgroßer Schwierigkeit zu einer doch etwas aussichts- 
reicheren Angelegenheit als die Behandlung der Schizophrenen. Bei der Aus- 
sichtslosigkeit aller anderen Therapie, der Hoffnung, durch fortschreitende 
praktische Erfahrungen die für Behandlung narzißtischer Neurosen nötigen 
Modifikationen der Technik, über die bei der Schizophrenie die Rede war, 
klarer zu erkennen, und bei Beachtung des Umstandes, daß man durch die 
entlastenden Aussprachen dem Kranken wohl auch dann hilft, wenn die Analyse 
mißlingt, wird man im allgemeinen, nachdem man auf die Fraglichkeit der 
Prognose aufmerksam gemacht hat, bei manisch-depressiven Erkrankungen zur 
Analyse raten können. Aber man darf eines nicht vergessen. Der Dissimulation 
und der Plötzlichkeit der melancholischen Handlungen (Unverläßlichkeit der 
Übertragung) kann auch der Psychoanalytiker erliegen. Die Suizidgefahr bei 
schweren Depressionen ist eine ungeheure. Auch wenn der Analytiker eine 
andere Art Kontakt zu seinem Kranken hat als der Psychiater, darf er in diesem 
Punkte die von der Psychiatrie gelehrte Vorsicht nie außer Acht lassen. Deshalb 
gilt wohl, was bei der Schizophrenie gesagt wurde, auch hier: Die größer 
angelegte psychoanalytische Erforschung der Manisch-Depressiven, die im Inter- 
esse der Kranken wie der Wissenschaft so erforderlich wäre, ist eine Sache 
der geschlossenen Anstalt. 

Zum Schluß wollen wir noch ein paar Worte sagen zu dem Versuch von 
Kr et sc hm er, die Gegensätzlichkeit der schizophrenen und der manisch- 
depressiven Psychosen zu verallgemeinern zu einer Gegensätzlichkeit zweier 
Grundtypen der Menschen, der Schizoiden und der Zykloiden.*"* Nach allem, 



63) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. 

64) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. S. 66—71. Siehe 
auch die kasuistischen Berichte von Brill, Dooley, Federn und Feigenbaum. 

65) K r e t s c h m e r: Körperbau und Charakter. 



t34 



was wir analytisch erfahren haben, scheint uns eine solche Einteilung nicht 
sehr wertvoll. Bei aller Anerkennung der Differenzen zwischen „schizoidem" 
und „zykloidem" Verhalten, schien uns doch bedeutsamer, was beide Typen 
gemeinsam haben: die Neigung zum Objektverlust, zur narzißtischen Regression. 
Schizophrenie und zyklothyme Krankheiten schienen uns miteinander verwandt 
zu sein, wenigstens in dem ausschlaggebenden Punkte, in dem sich beide von 
den Neurosen und dem Verhalten des Normalen unterscheiden. Wertvolleres, 
auch für die Charakterologie, schiene uns geleistet mit einer Gegenüberstellung 
von objektlibidinösem und narzißtischem Typus, wobei dann Schizoide und 
Zykloide nur Unterabteilungen des letzteren wären. 



V. KAPITEL 



Charakterstörungen 

Die realen Fälle der Praxis entsprechen niemals den von einer speziellen 
Neurosenlehre geschilderten klassischen Neurosenformen. Sie stellen nicht nur 
in größerem oder geringerem Umfange Kombinationen solcher Formen dar, 
sondern es suchen darüber hinaus immer häufiger Patienten ärztliche Hilfe, die 
gar nicht an bestimmten Symptomen kranken und selbst nur schwer angeben 
können, warum sie Hilfe brauchen. Man könnte zusammenfassend von ihnen 
aussagen, daß hier nicht dem gesunden Ich durch irgendwelche ihm fremde 
Mächte die Herrschaft in der Seele streitig gemacht wird, sondern daß das Ich 
selbst in den Krankheitsprozeß einbezogen ist. Hierher gehören etwa als 
gröbste Typen die, die man früher als „Psychopathen", als „Verschrobene", 
„moral insanity" und dgl. bezeichnet hat, ferner ganze oder partielle Infantilis- 
men, Hemmungen im Berufs- oder Liebesleben, unzweckmäßiges Lebensver- 
haltcn, Störungen der Gefühls- und Willenssphäre, Menschen, die keinen oder 
nur einen bestimmt gestalteten Kontakt zu Mitmenschen gewinnen können, die 
immer von den gleichen, oft abnormen Schicksalen betroffen werden u. dgl. m. 
Von ihnen allen kann man nicht wie von den Neurotikern sagen, daß sich in 
der Krankheit etwas ereignet, was die PersönUchkeit durchbricht, sondern ihre 
Persönlichkeit selbst, ihre ständige Reaktionsweise, erscheint „irrational", inko- 
härent; sie sind nicht so, wie sie sein möchten oder — für manche Fälle muß 
man sagen — wie sie sein könnten. Sind schon keine scharfen Grenzen zwischen 
„normal" und „neurotisch" möglich, so gehen hier die Gebiete von Norm und 
Krankheit breit ineinander über. Am besten wäre es, den Krankheitsbegriff 
auf diesem Gebiete ganz aus dem Spiel zu lassen und statt dessen von 
„UnZweckmäßigkeit" zu sprechen; aber auch das geht nicht gut an, da wir 
keinen objektiven „Zweck" kennen, nach dem wir diese Zweckmäßigkeit 
prüfen könnten. Von allen diesen Störungen kann die Psychoanalyse am besten 
das verstehen, was an ihnen den Neurosen analog ist, und es ist ein Triumph 



136 



ihrer Therapie, wenn es gelingt, sie in Neurosen zu wandeln, die dann nach 
bekannten Regeln weiter zu behandeln sind. In dem Gebiet aber, wo sie sich 
von den Neurosen unterscheiden, hat die psychoanalytische Forschung eben 
erst ihre ersten Schritte getan. 

Man darf die Schwierigkeiten einer psychoanalytischen Charakterologie nicht 
unterschätzen. Keine der psychologischen Forschungsrichtungen, die sich bis 
jetzt mit Charakterkunde befaßt haben, kann der Psychoanalyse irgend eine 
V Handhabe geben, denn keine ist naturwissenschaftlich und wertfrei. Das erstere 
konnte keine sein, da es eine haturwissenschaftliche Psychologie anderer als 
bloßer Elemcntarvorgänge überhaupt erst gibt, soweit die Psychoanalyse sich 
theoretische Vorstellungen über den seehschen Apparat gemacht hat. Die 
erforderliche Wertfreiheit aber scheint den Forschern gerade auf diesem Gebiete 
am schwersten zu fallen. 

Es ist historisch zu begreifen, warum die Charakterkunde erst der jüngste 
Zweig der noch so jungen psychoanalytischen Wissenschaft ist. Bei ihrem 
ersten Gegenstand, den Neurosen, war ja das, was man Charakter nennt, also 
die habituelle Art zu reagieren, gerade durchbrochen, der Patient mußte etwas 
tun Oder empfinden, was seinem Charakter nicht entsprach. So mußte die 
Psychoanalyse zuerst das . Charakter f r e m d e im Menschen behandeln. Der 
Charakter selbst interessierte sie weiter nicht. Ja, man bediente sich seiner als 
emer notwendigen, aber selbst nicht weiter zu ergründenden Voraussetzung. 
Wenn man den Patienten die Einhaltung der Grundregel auftrug, so bediente man 
sich Ihres Charakters als Bundesgenossen gegen das zu erforschende Charakter- 
fremde. Wer die dazu nötige Entschlußkraft und Ausdauer nicht hatte, dem konnte 
man nicht helfen, und Freud formulierte als eine Bedingung der Durch- 
führbarkeit der analytischen Kur „einen verläßlichen Charakter".^ So kam es 
daß die Psychoanalyse das Unbewußte früher kennen lernte als das Bewußte' 
die neuaufgedeckte Triebwelt früher als die Teile der inneren Erfahrung, die 
bisher Gegenstand der Psychologie gewesen waren, das Absurde früher als das 
. Gewohnhche, das Ferne früher als das Naheliegende. Der Nachweis, daß nicht 
nur, was plötzlich herausbricht, sondern auch unsere gewohnte Art zu handeln 
uns zu bewegen, zu lieben, zu hassen, uns in verschiedenen Situationen zu' 
benehmen, von unbewußten Situationen abhängig ist, daß unser „Wille" 
ebenso determiniert ist wie seine Störungen, etwa die Fehlhandlungen oder die 
von uns nicht gewollten Träume, gelang erst später. 

Definieren wir Charakter als die habituelle Art, sich mit Außen- und Innen- 
welt auseinanderzusetzen, so ist es klar, daß der Begriff zusammenfällt mit der 
Funktion des konstanten, also organisierten Teiles des Ichs. Denn „Ich" nennen 

i) Freud: Über Psychotherapie (Ges. Sehr. Bd. VI, S. 19). 






137 

■wir eben den Teil des seelischen Apparates, dem die Vermittlung zwischen 
Triebwelt und Außenwelt zukommt.' Charakterkunde und Ichpsychologie 
scheinen so zum Teil identische Begriffe. Ihr grundlegendes Problem lautet: 
Wann und wie erwirbt das Ich die Quahtäten, in denen es sich mit Außenwelt 
und Triebwelt, später auch mit dem Ober-Ich auseinandersetzt? Anerkennen 
wir als die Grundlage der Ichpsychologie das von Wälder beschriebene 
Prinzip der mehrfachen Funktion', d. h. das Prinzip, mit einer Handlung 
gleichzeitig von verschiedenen Seiten gestellte Ansprüche zu befriedigen, also 
etwa mit einer Handlung, die einer Anforderung der Realität nachkommt, 
doch gleichzeitig auch eine Trieb- und eine Über-Ichbefriedigung zu verbinden, 
so kommt als viertes charakterliches Gebiet, das neben der habituellen Aus- 
einandersetzung mit Außenwelt, Ich und Über-Ich gestört sein kann, die Art 
und Weise hinzu, in der diese verschiedenen Ansprüche miteinander verbunden 
werden. Obwohl die bisherige psychoanalytische Forschung zu diesem vierten 
Punkt noch am wenigsten beitragen konnte, so wird gerade ihm vielleicht 
doch in Zukunft die höchste Bedeutung zukommen.* Alle diese vier Gebiete 
müßten von einer psychoanalytischen Charakterlehre, insbesondere für das 
Verständnis der Charakterstörungen, einzeln studiert werden. 

Da die Ausgangssituation der Neurosen ein Konflikt zwischen Ich und Es 
(die Verdrängung resp. Abwehr) ist, so werden wir uns an der Auseinander- 
setzung des Ichs mit dem Es am besten orientieren können und wollen deshalb 
damit beginnen. In der Neurosenlehre stößt man an verschiedenen Stellen auf 
Charakterprobleme. Erinnern wir uns z.B. zunächst an die Symptomatologie 
der Zwangsneurose, bei der gewisse charakterliche Veränderungen zum Krank- 
heitsbild gehören, die bei allen Zwangsneurotikern in ähnlicher Weise auf- 
treten, so verschiedene Menschen sie auch sonst sein mögen. Diese Charakter- 
veränderungen haben also etwas mit der Dynamik der Zwangsneurose als 
solcher zu tun, und man kann sie auch analytisch verstehen, ohne darüber zu 
reflektieren, daß mit ihrer Zugehörigkeit zum Ich ein besonderes Problem 
gegeben ist; und zwar ganz wie die Symptome als Produkt eines Kampfes 
zwischen abgewehrten Trieben (den anal-sadistischen Ersatzprodukten phalli- 
scher ödipuswünsche) und Abwehrtendenzen. Am klarsten sind die soge- 
nannten „Reaktionsbildungen" verständlich als reiner Ausdruck der Gegen- 
besetzung. Im Prinzip scheint auch zwischen einer zwangsneurotischen 
Reaktionsbildung und einer phobischen Hemmung, die ja als bestimmte Ver- 

2) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr. Bd. VI). 

3) Wälder: Das Prinzip der mehrfachen Funktion. Int. Z. f. Ps.-A. XVI (1930). 

4) Entsprechend meint Rad6: „Vielleicht werden sich die individuellen Züge in 
der noch zu erforschenden Arbeitsweise der .synthetischen Funktion' einmal noch als 
Kern dessen herausstellen, was man psychoanalytisch als den .Charakter' • des Ichs 
bezeichnen kann." (Eine ängstliche Mutter. Int. Z. f. Ps.-A. XIII [1927], S 289). 



138 

haltungsweise des Ichs in gewissen Sinne ebenfalls zum Charakter zu rechnen 
ist, kein Unterschied: Das Ich sichert sich gegen die Gefahr, die es mit der 
Triebbefriedigung verbunden glaubt, hier durch betontes Vermeiden der Ver- 
suchungssituation, dort durch besonderes Betonen der gegensinnigen Haltung. 
Wie sich der Phobiker in das Haus einschHeßt, wenn er eigentKch auf die 
Straße will (was sexuelle Bedeutung hat), so wird der Zwangsneurotiker beson- 
ders gütig und gerecht, weil er grausam und ungerecht sein möchte. Besonders 
deutlich ist etwa die zwangsneurotische Reinlichkeit als Abwehrmaßnahme 
gegen die ursprüngliche Schmutzlust. Es handelt sich hier also um Sicherungen 
gegen abgewehrte Triebe, die besondere Gelegenheit zu sekundären narziß- 
tischen Gewinnen abgeben. Ist man einmal darauf aufmerksam geworden, so 
merkt man leicht, daß auch außerhalb der Reaktionsbildungen im engeren 
Sinne vielerlei Eigenschaften des Charakters der gleichen Funktion dienen; 
sie stellen ebenfalls eine spezielle Form dar, in der das Ich seine Funktion, die 
vom Es andrängenden Ansprüche zu sieben resp. abzuwehren, erfüllt, also 
cme bestimmte Art der Gegenbesetzung. In der Analyse finden wir solche 
Sicherungen auf der Seite des Widerstandes, da ja jede Gegenbesetzung in der 
Kur sich prinzipiell als Widerstand bemerkbar macht. So erkennen wir gleich 
im ersten Gegenstand der charakterologischen Untersuchung, den Reaktions- 
bildungen, die Berechtigung des Ausdrucks von Reich „Charakterwider- 
stand'« d. h. den Umstand, daß die Verhaltungsweisen eines Menschen dazu 
dienen, Triebanteile von der Bewußtwerdung resp. Wirksamkeit abzuhalten. 
Schon die Einführung dieses Begriffes zeigt, wo in diesem Zusammenhang das 
wesentliche und für die Analyse von Charakterstörungen belangvollste Pro- 
blem liegt: zum Begriff des Charakters gehört das Merkmal der relativen 
Konstanz. Die abzuwehrenden Inhalte wechseln im Verlauf etwa der 
analytischen Kur oder des Lebens überhaupt. Bis zu einem gewissen Grade 
pflegen aber bestimmte Menschen sich gegen die verschiedensten Inhalte in der 
gleichen charakterHchen Art zur Wehr zu setzen, z. B. indem sie, so oft eine 
anstößige Triebregung in bedrohliche Nähe rückt, welcher Art immer sie sein 
möge, eine trotzige, ablehnende Haltung oder auch immer eine passive Füg- 
samkeit oder immer eine aktiv-aggressive Haltung usw. entwickeln. Man muß 
fragen, wovon diese Gestaltung der triebabwehrenden Charakterhaltung ab- 
hängt. Das ist ein Problem, das leichter gestellt als eindeutig beantwortet ist.' 
Es kompliziert sich dadurch, daß das Ich ja, wie wir später des Näheren 
besprechen werden, die Triebe nicht nur abwehrt, sondern richtiger „siebt" 

J) Reich: Über Charakteranalyse. Int. 2. f. Ps.-A. XIV (1928) und spätere 
Arbeiten. '• ■■ 1 e 

6) Siehe dazu: Reich: Über Charakteranalyse. Int. Z. f. Ps.-A. XIV (1928) und: 
Uie charakterologische Überwindung des Ödipuskomplexes, ibid. XVII (193 1). 



139 



oder zensuriert, d. h. manche von ihnen in direkter, manche in etwas ver- 
änderter Form, zum Teil in charakterlich veränderter Form, zur Motilität 
zuläßt. Das formale Problem, warum charakterliche Abwehren gerade in der 
einen oder anderen relativ konstanten Form auftreten, ist aufs engste verbunden 
mit dem inhaltlichen Problem, unter welchen Bedingungen das Ich seine Triebe 
zu bejahen bereit ist. Jedenfalls hängen beide Fragen mit der individuellen 
Geschichte des Über-Ichs und damit mit der infantilen Sexualgeschichte aufs 
engste zusammen. Wir werden darauf zurückkommen und begnügen uns vor- 
läufig damit, auf den einfachsten Fall hinzuweisen, der der Analyse auch am 
ehesten durchschaubar wurde, nämlich den, wo trotz des Eindrucks, die 
charakterhche Abwehr bleibe bei jedem Triebinhalt die gleiche, sich dennoch 
eine gewisse Beziehung der Abwehrart zum abgewehrten Inhalt nachweisen 
ließ. Dabei kann diese Art entweder besonders geeignet sein zur Niederhaltung 
eines bestimmten Inhalts oder (häufiger) Gelegenheit bieten, den abgewehrten 
Trieb in der Abwehr selbst in entstellter Form und unbemerkt zu einem ge- 
wissen Rechte kommen zu lassen. Das erstere ist bei den eigentlichen Reaktions- 
bildungen der Fall, indem eben „Güte" inhaltlich gerade geeignet ist, Grausam- 
keit m Schranken zu halten. So gehört etwa die Scham vorwiegend den ex- 
hibitionistischen, der Ekel den oralen Triebwünschen zu. Das letztere wird uns 
klarer, wenn wir etwa fragen, warum die „Abwehr durch Reaktionsbildung« 
gerade bei Zwangsneurotikern so ausgesprochen auftritt, während hysterische 
Reaktionsbildungen nur einen flüchtigen Charakter zeigen.' Die Fähigkeit, 
konstantere Reaktionsbildungen in größerem Umfange zu bilden, setzt eine 
entsprechende Ambivalenz der Gefühlsregungen voraus, die der genitalen 
Erotik nicht mehr zukommt; deshalb entspricht sie der prägenitalen Zwangs- 
neurose und nicht der genitalen Hysterie. Die Erkenntnis einer solchen 
„Zuordnung" bestimmter charakterlicher (abwehrender) Verhaltungsweisen zu 
bestimmten Partialtrieben oder erogenen Zonen war der erste Schritt der 
psychoanalytischen Charakterologie und ist bis heute ihr gesichertstes Stück 
geblieben: Ordnungssinn, Sparsamkeit und Eigensinn z. B. sind Abwehr resp. 
Befriedigungsersatz der Analerotik.« (Darauf gehen wir später ein.) Aber gewiß 
wird durch solche Zuordnung das vorhin gestellte Problem nicht ganz gelöst; 
auch auf einen gegebenen Inhalt kann man unter Umständen sehr verschieden 
reagieren, und die relative Konstanz eines menschlichen Charakters in seiner 
Einmaligkeit ist dadurch nicht genügend erklärt. Jedenfalls können wir zu- 
sammenfassen: Manche Charakterzüge sind Sicherungen gegen Triebdurch- 
brüche. 

Aber wie bei allen psychischen Erscheinung en kann man auch hier sehen, 

7) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XI, S. loo). 

8) Freud: Charakter und Analerotik (Ges. Sehr. Bd. V). 



140 



daß kerne statische, sondern nur eine dynamische Betrachtungsweise an die 
Wirkhchkeit herankommt. Solche Charakterzüge sind nicht nur Sicherungen 
gegen den Trieb, sondern Anzeichen des dauernden Kampfes mit demselben. 
Uer Tneb dnngt in entstellter Form in das Produkt der Gegenbesetzung ein, 
der Charakterzug kann seine Funktion wechseln und Befriedigungsbedeutung 
annehmen. Dann muß der Kampf auf einem anderen Niveau fortgesetzt werden 
(i.s gibt „Reaktionsbildungen gegen Reaktionsbildungen"; manche Hemmungen 
lassen eine m dieser Weise komplizierte Genese erkennen.) Man kann z B 
mit der Reaktionsbildung der Übergüte seine Mitmenschen in larvierter Form 
schwer quälen. Wir dürfen bei Besprechung von Ichfunktionen nie das 
„Prinzip der mehrfachen Funktion" außer acht lassen: Wenn es dem Ich 
gelingt, mit der Erfüllung eines Über-Ich-Anspruches gleichzeitig die versteckte 
Triebbefriedigung zu verbinden, so wird es diesen Weg wählen. Ein Mechanis- 
mus, der für diese Art der Verdichtung in der Charakterbildung von ausschlag- 
gebender Bedeutung zu sein scheint, ist die I d e a 1 i s i e r u n g: Eine sadistische 
Quälerei wird möglich, wenn sie unter der Maske einer „guten Tat" geschieht. 
Die Erfüllung einer Idealfordenmg bringt ja dem Ich einen hohen narzißtischen 
Lustgewinn, aer es darüber hinwegtäuscht, daß es gerade in der in Frage 
stehenden Handlung Regungen durchließ, die es sonst abgewehrt hätte.» Jede 
Erfüllung emes Ideals erhöht, wie wir hörten, das Selbstgefühl, bringt dem Ich 
em Stuck seines früh-infantilen Alhnachtgefühls. In diesem gleichsam ma- 
mschen oder rauschartigen Zustand läßt das Ich in seinen sonstigen realitäts- 
und tnebprüfenden Funktionen nach, so daß ein Trieb relativ unzensuriert 
durchbrechen kann. Deshalb verkennt man in Zuständen des Rausches und der 
Selbstzufriedenheit die Realität so viel mehr als sonst. - Bei sehr vielen schein- 
bar unerkläriichen Triebdurchbrüchen handelt es sich um solche gleichzeitige 
Erhöhungen des Selbstgefühls.» So mögen nicht nur die von Alexander 
hervorgehobenen Triebdurchbrüche nach vorangegangener Idealerfüllung 
(„Bestechung des Über-Ichs")" ökonomisch erklärbar werden, sondern noch 
manches andere Phänomen des charakterlichen Verhaltens der Menschen. Das 
„ganz im Banne seiner narzißtischen Bedürftigkeit stehende Ich" bringt es 
fertig, eine unter anderen Umständen anstößige Triebregung „als Mittel zur 
Idealerfüllung" aufzufassen,« so daß nicht nur der Triebdurchbruch selbst, 
sondern unter Umständen sogar eine Glorifizierung dieses Durchbruchs erfolgt 
Edith J a c o b s s o h n hat zwei Fälle beschrieben, bei denen diese vom Schuld- 
gefühl entlastende Glorifizierung so weit ging, daß man gleichsam von einem 

9) Rad6: Eine ängstliche Mutter. Int. Z. f. Ps.-A. XIII (1927) 

10) Rad6: Eine ängstliche Mutter. Int. Z. f. Ps.-A. XIII (1927) 

11) Alexander: Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit. 

12) Kadö: Eine ängstliche Mutter. Int. Z. f. Ps.-A. XIII (1927) S 288 



141 



zweiten „triebbejahenden" Über-Ich sprechen konnte, das (in manischen 
Zuständen) die Herrschaft des gemeinen triebverneinenden Über-Ichs ablöste." 
Sie erinnert daran, daß einer solchen doppelten Idealbildung die ursprüngHche 
Zerlegung der Elternfiguren in „liebe" und „böse" zugrundeliegen müsse. Wir 
müssen ihr recht geben und hinzufügen, daß auch das Fest der Primitiven von 
diesen nicht als Rebellion gegen die Gottheit, sondern als Kulthandlung, als 
Erfüllung eines götthchen Gebotes empfunden wird. So weitgehend kann die 
„Idealisierung" das Ich über den wahren Charakter seiner Handlungen täuschen. 
Man sieht hier wieder, wie schwer es fällt, in den Charakterzügen die Be- 
ziehungen zu Es, Über-Ich und Außenwelt voneinander zu isolieren; denn der 
ökonomische Zusammenhang der Auseinandersetzungen mit allen drei Faktoren 
— im Fall der Idealisierung vor allem mit Über-Ich und Es — scheint hier 
gerade das Wesentliche. 

Andere Eigenschaften des Zwangsneurotikers scheinen nicht nur auf solchen 
Umwegen, sondern primär einer Triebbefriedigung zu entsprechen. So wirkt 
z. B. der Widerspruchsgeist im Sinne der Aggressivität; es gibt ja nicht nur 
gütige und gerechte, sondern auch grausame und ungerechte Menschen, bei 
denen sich sadistische Triebe als Grundlage dieses Charakters nachweisen lassen; 
auch das Verhalten eines Menschen etwa bei sexuellen Handlungen ist ja 
charakterlich bestimmt, — und wir wissen, daß dieses Verhalten sehr oft der 
direkten Befriedigung bestimmter Partialtriebe dient. Solche triebbejahende Ver- 
haltungsweisen kann man beschreiben als von der Ichorganisation erfaßte und 
beeinflußte Triebtendenzen. (Unbeeinflußte direkte Triebansprüche sind nicht 
dem Charakter zuzurechnen.) Das Problem ihrer Entstehung und Gestaltung 
ist identisch mit dem Problem der Entstehung und Wirksamwerdung des Reali- 
tätsprinzips," d. h. der Fähigkeit des Ichs, Triebe je nach den Ansprüchen der 
Realität zu beeinflussen; weiterhin mit dem der Entstehung und Gestaltung des 
Ober-Ichs, sowie der späteren Spannungen zwischen Ich und Über-Ich." Die 
„Idealisierung" ist gewiß nur ein Spezialfall der Mechanismen, durch die das 
Ich zur Einarbeitung von triebbejahenden Verhahungsweisen in seine Organi- 
sation bewogen werden kann. Gerade solche in Charakterzügen verankerte 
entstellte Befriedigungen haben oft eine ausschlaggebende Bedeutung für die 
gesamte Libidoökonomie. Der Mensch wird nicht ohne weiteres bereit sein, auf 
sie zu verzichten, und wir sehen daher auch solche Charakterzüge in der analy- 
tischen Kur als einen Teil des „Charakterwiderstandes"." 

13) Edith Jacobssohn: Beitrag zur asozialen Charakterbildung. Int. Z. 
r. Ps.-A. XVI (1930). 

14) F r e u d: Formulierungen über die zwei Prinzipien des psychischen Geschehens 
(Ges. Sehr. Bd. V). 

ij) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr. Bd. VI). 

16) Reich: Über Charakteranalyse. Int. Z. f. Ps.-A. XIV (1928). 



142 



Wir haben im Bisherigen schon einen ersten Blick in die Kompliziertheit der 
einschlägigen Probleme getan. Begnügen wir uns zunächst mit einer sehr simplen 
Formulierung, die sich uns ergeben hat: Auch die Charaktereigenschaften sind 
Niederschlage von Triebkonflikten; sie müssen also prinzipiell auch analysier- 
bar, auf unbewußte Triebgrundlagen zurückführbar sein wie die Symptome- 
und erst ihre eingehende Analyse kann uns über die Unterschiede zwischen 
Symptom und Charaktereigenschaft aufklären. 

Nach dem Verhalten den Trieben gegenüber können wir also vorerst die 
Charaktereigenschaften einteilen in solche, die mehr Abwehr-, und in solche 
die mehr Befriedigungsbedeutung haben. Da den meisten realen Erscheinungen 
beideriei Bedeutungen gleichzeitig zukommen, sind die Kategorien in praxi nicht 
scharf geschieden. Trotzdem wird es sich lohnen, diese beiden Typen einander 
gegenüberzustellen. Der ersten Kategorie gehören z. B. die typischen Reaktions- 
bddungen an; als Beispiel für die zweite, also als verschobene, ichgerecht 
gemachte Befriedigung haben wir die „Idealisierung" kennen gelerm 

Es ist das Wesen der Gegenbesetzung, daß sie einen der Richtung des zur 
Motilität strebenden Triebes entgegengesetzten Druck ausübt. Sie stell! den zur 
Niederhaltung des Triebes nötigen Daueraufwand dar." Ihre Voraussetzung ist 
die weitere Existenz des Verdrängten im Unbewußten. Alle Arten von „Abwehr 
durch Gegenbesetzung" wie Verdrängung, phobischer Vorbau, Isolierung und - 
auf der Charakterseite - Reaktionsbildungen hindern das Abgewehrte nur in 
seiner direkten Wirkung, heben aber nicht seine Existenz auf; es ist in der 
»Extraterritorialität"" des Unbewußten weiter vorhanden und wirkt von dort 
aus fort. Das ist eine Grundannahme d.r Psychoanalyse, die ja die neurotischen 
Erscheinungen als Äußerungen solchen Fortwirkens auffaßt." Der Nachweis 
Jr fortwährenden Neuproduktion von „Abkömmlingen" ist der Beweis für die 
Weiterexistenz Ces Verdrängten im Unbewußten. Die Reaktionsbildungen 
beruhen auf Gegenbesetzungen; hinter ihnen ist das Abgewehrte genau so un- 
bewußt vorhanden wie hinter den Verdrängungen. In diesem Sinne ist die 
Psychoanalyse den aus Reaktionsbildungen bestehenden Charakterzügen gegen- 
über wie auch sonst eine „entlarvende" Psychologie. Sie weist nach, daß hinter 
einer_ manifesten Haltung die Tendenz zu einer genau entgegengesetzten vorhan- 
den ist. Sie erkennt die „Unechtheit" eines Charakters oder Charakterzuges 
benso wie die Unechtheit einer Traumfassade: durch Aufdeckung der Abkömm- 
linge des Abgewehrten als Beweis seiner Wirksamkeit, sei es, indem diese als 

ll\ p'^' l'<i^<i- Die Verdrängung (Ges. Sehr. Bd. V, S. 46^). 

^^l e-^^j' Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd XI S ,d 
S 'Ifft'nT;- ^- "'"'^ '^"'^J ^'^ Abwehr-NeuropsXen ^es.' hr. Bd I 
(Ge:.1ctird^?lT;~ ^™'--S « Freud: ^Das Unbewußte 



M3 



grobe Durchbrüche manifest werden, sei es, daß sie sich in Analogie zum Sym- 
ptom in feineren Zügen des charakterlichen Verhaltens verraten, oder endlich 
indem sie eine besondere Übertriebenheit und Krampfhaftigkeit der gegen- 
sinnigen Haltung erzwingen. Eine solche Art von Charakteranalyse ist bis zu 
einem gewissen Grad in jeder Psychoanalyse überhaupt (man denke außer an 
Symptom- an Traum- und Fehlhandlungsanalysen) mitgegeben. Die Instabilität 
solcher Charakterhaltungen ist dem fortdauernden Kampf mit dem Trieb und 
dem Daueraufwand, der die hbidinösen Kräfte des Betreffenden ökonomisch 
verarmen läßt, zuzuschreiben. Deshalb ist ein Charakter, der sich in größerem 
Ausmaß aus solchen Bildungen zusammensetzt, unzweckmäßig. In diesem Fall 
muß eine Analyse nicht anders als bei einer Neurose helfen können, nur daß 
es bei dem geringeren Leiden schwieriger ist, einen solchen Menschen zu 
„Krankheitseinsicht" und Änderungswillen zu bewegen. Solche Menschen, 
deren gesamtes Verhalten nur darauf hinzielt, das gegenteilige Verhalten zu 
verhindern, was ihnen aber, dank der „Durchbrüche des Verdrängten aus der 
Verdrängung" nie vollständig gelingt, hat wohl L er and im Auge, wenn er 
von „reaktivem Charakter" spricht.^» (Seine Beispiele zeigen allerdings zum 
Teil eine sehr komplizierte Struktur: Ihr manifester Charakter ist nicht nur 
aus Reaktionsbildungen gegen ursprüngliches Triebverlangen zusammengesetzt, 
sondern auch aus solchen, die sich schon gegen Idealbildungen und ander« 
sekundäre Tendenzen richten, die selbst wieder eine komplizierte, zum Teil 
auf Reaktionsbildungen beruhende Genese haben.) Man denke als an ein Bei- 
spiel etwa an asketische Charaktere, denen der Kampf gegen jeden Trieb über- 
haupt zum (bewußten oder unbewußten) Hauptinhalt ihres Lebens geworden 
ist, an manche allgemein gehemmte Menschen, die sich fast gar keine Hand- 
lungen erlauben dürfen, weil alle den Sinn einer verbotenen Triebbefriedigung 
haben, an Sonderlinge, die ihr Leben der Bekämpfung irgend eines einzelnen 
sozialen Übelstandes gewidmet haben, der ihnen unbewußt ihr eigenes Trieb- 
leben vertritt u. dgl. Alle diese Menschen sind ständig von den Folgen ihrer öko- 
nomischen Verarmung oder von Durchbrüchen des gestauten Triebes bedroht. 
Als Beispiel sei ein überzeugter Vegetarier erwähnt, der nach jahrzehntelangem 
Kampf in der vegetarischen Bewegung sich entschloß — Schlächter zu werden. 
Einzelne praktisch besonders belangvolle Typen, welche hierhergehören, sollen später 
besprochen werden. 

Auch bei der „Idealisierung" gelingt es der Analyse in gleicher Weise, hinter 
der entstellten Ichbefriedigung den Wunsch nach der unentstellten Handlung 
als wirksam nachzuweisen, so wie hinter dem Symptom den unbewußten 
Sexualwunsch. 



20) Lorand: The Reactive Character. Medical Review of Reviews. Psychopath. 
Number 1930. 



144 



Schon bei der Abwehrart der Regression verhält es sich anders." Wenn die 
genitalen Triebwünsche regressiv durch anal-sadistische ersetzt werden, so er- 
scheint zwar in der praktischen Beobachtung eine solche Ersetzung niemals als 
hundertprozentig, indem phallische Inhalte neben den anal-sadistischen 
als wirksam nachgewiesen werden können; aber diese Regression ist doch ver- 
schieden von dem Mechanismus, der etwa bei einem konversionshysterischen 
Darmsymptom vorliegt, bei dem von der anal-sadistischen Fixierung nur die 
Lokalisation des Symptoms bestimmt wird, während es inhaltlich den vollen 
genitalen Wunsch ausdrückt. Der durch Regression abgewehrte Triebwunsch 
existiert also nicht mehr im gleichen Sinne weiter wie der verdrängte, sondern 
er ist durch seinen Abkömmling mehr oder minder vollständig ersetz t< Diese 
Frage, ob ein manifestes Gebilde Gegenmaßnahme oder Ersatz einer abgewehrten 
Regung ist, ist für die Behandlung des Charakters und seiner Störungen von 
besonderer Wichtigkeit. 

Nun kann es dem Ich auch gelingen, anstelle einer ursprünglichen Trieb- 
regung nicht nur eine etwas weniger anstößige wie bei der Regression zur anal- 
sadistischen Stufe, sondern sogar eine ichgerechte, organisierte, zielgehemmte 
Regung zu setzen, also den Triebstrom zu kanalisieren und nicht zu 
stauen. An eine Abwehr dfeser Art hat Freud wohl gedacht, wenn er 
früher häufig von „gelungener Verdrängung" im Gegensatz zur mißlungenen, 
die in der Pathogenese der Neurosen vorliegt, gesprochen hat.'" Ihre Mecha- 
nismen sind für den Neurosenforscher uninteressant. Für den Charakterforscher 
werden sie von der größten Bedeutung, weil — direkte Triebbefriedigungen 
rechnen wir ja nicht zum Charakter — alle Charakterzüge, soweit sie nicht 
„reaktiver" Natur sind, hierhergehören; die Umwandlung „reaktiver" in solche 
„echten Charakterzüge" wird die eine Aufgabe mancher Charakteranalyse sein, 
Behandlung von Störungen innerhalb der Mechanismen der „gelungenen Ver- 
drängung" die zweite. 

Mit unseren Kenntnissen über solche „gelungenen Verdrängungen" ist es aber 
noch problematisch bestellt. Ein einziger Typus — aber vielleicht der ausschlag- 
gebendste — ist von Freud eingehend studiert worden; sein pathologisches 
Zerrbild findet man nicht in der Neurosenlehre, sondern in der Psychologie des 
manisch-depressiven Irreseins: die Identifizierung." Nach ihrem Mechanismus 
vollzieht sich im Laufe der kindlichen Entwicklung sicher diejenige Veränderung 

2i) Vgl. zu dieser Problemstellung Freud: Hemmung, Symptom and Angst (Ges. 
Sehr. Bd. XI, S. 83, Fußnote). 

22) Z. B. Freud: Die Verdrängung (Ges. Sehr. Bd. V, S. 474), aber auch: Hem- 
mung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XI, S. 32). 

23) Siehe Freud: Massenpsychologie und Ich- Analyse (Ges. Sehr. Bd. VI, S. 303 ff) 
ferner: Das Ich und das Es (Ges. Sehr. Bd. VI, S. 372 ff.). Zusammenfassendes bei 
henxchel: Die Identifizierung. Int. Z. f. Ps.-A. XII (1926). 



M5 



der psychischen Struktur, die für die Charakterbildung von aiisschlaggebender 
Bedeutung ist: die Bildung des Über-Ichs. 

Ich darf als bekannt voraussetzen, daß das Über-Ich nach Freud als Erbe 
des Ödipuskomplexes" entsteht." Erscheinen seine Regungen aus inneren' und 
äußeren Gründen - sagen wir schematisch: aus Kastrationsangst - aussichtslos 
und müssen sie überwunden werden, so geschieht das normalerweise durch eine 
Regression von der Objektliebe resp. dem Objekthaß zur Identifizierung. Soweit 
dieser Vorgang gelungen ist, ist nachträglich kein Ödipuskomplex mehr vor- 
handen. Er ist durch das Über-Ich „aufgezehrt" worden.== Freilich ist diese 
Einverleibung der Objekte des Ödipuskomplexes keine totale; andernfalls 
wurden ja die Kinder narzißtische Psychotiker werden. Die Eltern bleiben als 
Realpersonen in der Wirklichkeit vorhanden, aber nur mehr als Objekte ziel- 
gehemmter Regungen. Der grobsinnliche und der aggressive Anteil der auf sie 
zielenden Wünsche ist durch di? partielle narzißtische Identifizierung erledigt 
worden. Das Resultat ist ein Verschwinden anstößiger Triebregungen 
und ein Nebeneinander von zielgehemmten Regungen und spezifischen Ver- 
änderungen im Bereiche des Ichs. Ichveränderungen und Desexualisierung waren 
ja aber auch gerade diejenigen Merkmale, die wir von den gesuchten „gelun- 
genen Verdrängungen" fordern mußten. 

Das Über-Ich entsteht nicht auf einmal, sondern hat seine Vorstufen. 
Machen wir uns etwa am Beispiel der Reinlichkeitserziehung, an der ja nach 
analytischen Erfahrungen wesentliche Teile des Charakters sich bilden, klar, 
wie ein Ich überhaupt dazu kommen kann, gegen seine eigenfen Triebe Stellung 
zu nehmen.^" Dem kleinen Kinde macht es Lust, sich regellos zu beschmutzen. 
Wir wissen mcht, ob es, unerzogen, diese Lust überwinden würde oder nicht 
Praktisch wird es „erzogen". D. h. es erfährt, daß es den Erwachsenen lieb ist, 
wenn es sich anders verhält. Entweder will es Liebe erringen oder eine drohende 
Strafe vermeiden, wenn es sauber wird. Die weitere Entwicklung besteht nun 
dann, daß diese belohnende und strafende Außenwelt introjiziert wird, d. h. daß 
das Kind dahin kommt, sich in Identifizierung mit der Mutter selbst durch er- 
höhtes Selbstgefühl für Bravsein zu belohnen, durch erniedrigtes für Schlimm- 

24) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr. Bd. VI, S. 378). 
2j) Freud: Der Untergang des Ödipuskomplexes (Ges. Sehr.' Bd V) 
26) Der Ausdruck „Vorstufen des Über-Ichs" stammt von Reich in: Der trieb- 
hafte Charakter. Das Entsprechende wurde unter dem Namen „Sphinktermoral" von 
i- erenczi in: Zur Psychoanalyse von Sexualgewohnheiten. Int. Z. f. Ps -A XI (102?) 
und ohne Unterscheidung vom eigentlichen Über-Ich von Melanie Klein- Die 
psychologischen Grundlagen der Frühanalyse. Imago XII (1926) und: Frühstadien des 
Ödipuskonfliktes. Int. Z. f. Ps.-A. XIV (1928) beschrieben. Zusammenfassung bei 
Fenichel: Die Idenüfizierung. Int. Z. f. Ps.-A. XII (1926). 

10 Fenichel, Perversionen. 



146 • 

sein zu bestrafen.^' "Wir haben bei der Melancholie erwähnt, daß auch diese 
Verinnerlichung des mütterlichen Gebotes im Dienste der Werbung um das , 

äußere Objekt geschieht, von dem ständige Freundlichkeit erhofft wird, wenn 
man die Bestrafung selbst besorgt.^' Es folgen also einander die Auffassung der 
Befriedigung als Gefahr, der Konflikt und der Sieg der Hemmung in der An- 
gleichung an den Erzieher. 

Die Neigung zur Identifizierung ist tief archaisch, da sie (Resultat der „Ein- 
verleibung") die erste Objektbeziehung überhaupt darstellt. Kein Zweifel, daß 
schon vor der Reinlichkeitserziehung und auch nachher viele Eigenschaften des ' 

Ichs durch direkte Übernahme von Vorbildern entstehen, sei es, daß eine Objekt- 
beziehung regressiv wieder zur Identifizierung erniedrigt wird, sei es, daß diese 
von vornherein eine Objektbeziehung begleitet. Für eine „Vorstufe des Über- 
Ichs" wäre charakteristisch, daß bei ihr gerade die Eigenschaft des Verbietens 
ins Ich aufgenommen wird, und es ist die gleichzeitig bestehende Objektliebe, 
die dafür verantwortlich ist. Dieser Verzicht um einer objektlibidinösen Ent- 
schädigung willen ist der Weg, auf dem das Kind die Zielhemmung seiner 
Triebe erwirbt. Solche „Vorstufen" sind dadurch gekennzeichnet, daß sie lose, 
unabhängig von einander bestehen — etwa so wie die Partialtriebe vor ihrer 
Zusammenfassung zu einer einheitlichen Sexualorganisation. Der wesentliche 
Charakter des Über-Ichs, seine Einheitlichkeit, sein Gegensatz zum Ich, Eigen- 
schaften, die ihm als dem Erben des Ödipuskomplexes zukommen, fehlen ihnen. 
Erst bei Erledigung des Ödipuskomplexes durch Introjektion ergibt sich, wie 
Freud zeigte, aus der Natur des Ichs wie aus der der eingeführten Objekte, 
daß der Gegensatz, der vorher zwischen Ich und Objekt bestand, seine intra- 
psychische Fortsetzung findet.'* 

Es ist kein Zufall, daß wir die Entstehung des Über-Ichs und seiner Vor- | 
stufen an Beispielen von Versagungen erörtert haben, die von der Umwelt 
erzwungen werden, nicht an solchen, die sich aus der physiologischen Unzu- ' ■ 
länglichkeit des Kindes ergeben. Solche führen zwar auch zu Identifizierungen, 
aber aller Erfahrung nach nicht zu den für die Über-Ich-Bildung ent- 
scheidenden. Wer an dieser Stelle anders denkt, verkennt den gesellschaftlichen 
Charakter der psychogenen Störungen und überschätzt in unberechtigter Weise 
die Biologie. .1 
__^ . i 

27) Ohne Rücksichtnahme auf die Identifizierung ist die Rolle der Reinlichkeits- 
erziehung für die Charakterbildung von Freud zum ersten Mal erwähnt worden in: 
Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V, S. 61), dann ausführlicher in: 
Charakter und Analerotik (Ges. Sehr. Bd. V, S. 264 ff.). } 

28) Rad 6: Das Problem der Melancholie. Int. Z. f. Ps.-A. XIII (1927). 

29) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr. Bd. VI, S. 37$). Vgl. Fenichel: 

Die Identifizierung. Int. Z. f. Ps.-A. XII (1926). ' 



147 

Der Mechanismus der Über-Ich-Bildung ist nun für die Charakterologie von 
ausschlaggebender Bedeutung, weil von Art, Gestaltung und Macht des Über- 
Ichs die Stellungnahme des Ichs zu seinen Trieben abhängt. Freilich ist diese 
Über-Ich-Bildung keine mit einem Mal abgeschlossene Sache, sondern an seiner 
Errichtung haben verschiedene Objekte Anteil. Aber auch direkte „Identifizie- 
rungen im Ich" sind für die Charakterbildung von Einfluß, was wir z. B. schon 
bei der Homosexualität besprochen haben. Zahlreiche Charakterzüge lassen sich, 
wie Freud'"' und A b r a h a m^' ausführlich gezeigt haben, direkt als Über- 
nahme von Eigenschaften und Haltungen ehemals geliebter Objekte in das Ich 
nachweisen; wieder andere (was dem Mechanismus nach ja dasselbe ist) als 
ihr konträrer Gegensatz; so daß die Analyse der zu Identifizierungen regredierten 
Objektbeziehungen einen wesentlichen Bestandteil jeder „Charakteranalyse" aus- 
machen muß. Das durch eine spezielle Identifizierung entstandene Über-Ich 
nun ist für die Charakterbildung, wie leicht einzusehen, von besonderer Be- 
deutung. Es kommt also nicht nur darauf an, wie die Eltern beschaffen sind, 
mit denen ein Kind sich identifiziert, sondern auch darauf, welche Haltungen 
der Eltern — und zwar sowohl als Vorbilder als auch als Verbote — , es über- 
nimmt, in welchem Entwicklungsstadium das erfolgt, wie das alte Ich sich zu 
dem durch die Identifizierung veränderten Stück der Persönlichkeit einstellt, 
ob es mit ihm verschmilzt oder zu ihm in Gegensatz gerät.^'' Bei der Erkenntnis 
von der Bedeutung von Form und Inhalt des Über-Ichs für den Charakter 
setzen auch Versuche ein, die empirischen Differenzen im männlichen und weib- 
lichen Charakter auf Differenzen der männlichen und weiblichen Über-Ich- 
Bildung zu reduzieren. Beim Mädchen veranlaßt kein plötzlicher Schock von 
Kastrationsangst den über-ich-bildenden Untergang des Ödipuskomplexes, son- 
dern die allmählicher wirkende Einsicht in die Unerfüllbarkeit der ödipus- 
wünsche und die weniger schroffe Angst vor Liebesverlust. Freud sprach die 
Vermutung aus, daß „Charakterzüge, die die Kritik seit jeher dem Weibe vor- 
gehalten hat, daß es weniger Rechtsgefühl zeigt als der Mann, weniger Neigung 
zur Unterwerfung unter die großen Notwendigkeiten des Lebens, sich öfter in 
seinen Entscheidungen von zärtlichen und feindseligen Gefühlen leiten läßt", 
in dieser „Modifikation der Über-Ich-Bildung eine ausreichende Begründung" 
fänden." Nach Sachs hat die ödipusenttäuschung für das Mädchen die Folge 
einer partiellen Regression zum Oralen, zu einer Neigung, den Vater durch 
Einverleibung festzuhalten. Nur wenn diese Einverleibung ihren geheimen 

30) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr. Bd. VI, S. 373 ff.). 

31) Abraham: Psychoanalytische Studien zur Charakterbildung, und: Versuch 
einer Entwicklungsgeschichte der Libido. 

32) Reich: Der triebhafte Charakter. S. 10 — ii. 

33) Freud: Einige psychische Folgen des anatomischen Geschfechtsunterschiedes 
(Ges. Sehr. Bd. XI, S. i8f.). 



148 

libidinösen Sinn verliere, wenn das Mädchen wirklich entsage, komme es bei 
ihm zu einer wirklichen Über-Ich-Bildung. Auch das spiegle sich im Geschlechts- 
charakter wider, da die typischen weiblichen Konflikte mehr um die Ent- 
sagungsforderung spielen, bei den männlichen aber der gegen einen Trieb- 
anspruch gerichtete Impuls immer den Charakter des Drohenden habe.'' 

Man darf nicht vergessen, daß mit der Etablierung des Über-Ichs normaliter 
die Latenzzeit einsetzt als die Zeit, in der die Bewältigung der Triebe 
durch das Ich und damit die Charakterbildung die Hauptfunktion des Orga- 
nismus wird.'* 

Außer der Bildung des Über-Ichs sind natürlich auch die merkwürdigen und 
noch nicht genug durchschauten Mechanismen der Idealbildungen des späteren 
Lebens für die Charakterbildung von Bedeutung. Es macht oft den Eindruck, 
als würden vorbildliche Personen oder Ideen ebenso „ins Über-Ich introjiziert" 
wie in der Kindheit die Objekte des Ödipuskomplexes. Die Auseinandersetzung 
eines solchen neu introjizierten Objektes mit dem eigentlichen Über-Ich kom- 
pliziert aber die Sachlage. An anderer Stelle konnten wir den Freudschen 
Begriff des „parasitischen" Über-Ichs'« besprechen,'' der für manche Charakter- 
anomalien von grundlegender Bedeutung sein dürfte.'* 

Hier anzuschließen ist ein trotz seiner praktischen Wichtigkeit leider noch 
sehr dunkles Gebiet: nämlich das der S ublim ier u n g. "Wir sind besser 
imstande zu beschreiben, was bei ihr vorgeht, als die Bedingungen dieses Ge- 
schehens zu verstehen: Bei ihr wird durch die Einflußnahme des organisierten 
Ichs eine Triebregung von ihrem Ziele im Sinne des Ichs abgelenkt." Wir 
halten es mit B e r n f e 1 d für zweckmäßig, jede solche ichgerechte Ablenkung 
als Sublimierung zu bezeichnen, da die Durchsetzung dieses Begriffes mit Wert- 
momenten den naturwissenschaftlichen Charakter der Untersuchungen stören 
würde." Es handelt sich dann darum, daß die abwehrende Kraft des Ichs einen 
prinzipiell anderen Weg einschlägt als die zu Neurosen (oder charakterlichen 
Reaktionsbildungen) führenden Abwehrarten. Der Triebabfluß wird nicht still- 
gelegt oder durch eine entgegenwirkende Kraft gestaut, sondern sozusagen in ein 
künstliches Bett geleitet. In einem Bilde könnte man auch sagen, daß die Gegen- 

34) Sachs: Über einen Antrieb bei der Bildung des weiblichen Über-Ichs. Int. Z. 
f. Ps.-A. XIV (1928). 

3j) Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V, S. ji ff.). 

36) Freud: Einleitung zu „Zur Psychoanalyse der Kriegsneurosen" (Ges. Sehr. 
Bd. XI, S. 2J4). 

37) Im Kapitel „Die traumatische Neurose" meines Buches „Hysterien und Zwangs- 
neurosen". 

38) Die Literatur und Auseinandersetzungen auch zu diesem Problem sind gegeben 
bei Fenichel: Die Identifizierung. Int. Z. f. Ps.-A. XII (1926). 

39) Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd. V, S. $3). 

40) Bernfeld: Bemerkungen über „Sublimierung". Imago VIII (1922). 



149 

kraft des Ichs nicht wie bei der Gegenbesetzung direkt der Triebkraft entgegen- 
wirkt, sondern in einem "Winkel gegen sie einfällt, so daß nach dem Kräfte- 
parallelogramm eine Resultante entsteht, die, Triebkräfte und Abwehrkräfte 
in sich vereinend, frei abfließt. Deshalb ist die Sublimierung ein Gegensatz zur 
eigentlichen Verdrängung, weil sublimierte Triebregungen zur Abfuhr kommen, 
verdrängte aber abgesperrt sind und die Motilität nicht erreichen.'^ Vom 
„Durchbruch des Verdrängten aus der Verdrängung", der ja ev. sekundär in 
die Dienste des Ichs gestellt sein kann (sekundäre Gewinne), unterscheidet sich 
die Sublimierung dadurch, daß die Benutzung der Triebkraft durch das Ich 
für seine Zwecke eine von vornherein zu Recht bestehende primäre Angelegen- 
heit ist, und dadurch, daß bei ihr die volle Triebkraft abströmt, so daß das 
ursprünglich ungehemmte Ziel im Unbewußten nicht mehr vorhanden ist; von 
der „neurotischen Ersatzbefriedigung" durch die „Desexualisierung", d. h. da- 
durch, daß die Befriedigung des Ichs nicht mehr den Charakter einer direkten 
Triebbefriedigung hat. Welcher Umstand ermöglicht eine solche günstige 
Lösung? 

Eine voll befriedigende Antwort auf diese Frage können wir nicht geben. 
Denken wir an Folgendes: Die Sublimierung ist charakterisiert durch die Ziel- 
hemmung und DesexuaHsierung der an ihr beteiligten Libido, durch die Auf- 
zehrung eines Triebes durch seine Abkömmlinge, durch die damit verbundene 
Ichveränderung. Alle diese Eigenschaften teilt die Sublimierung mit der Identi- 
fizierung, wie wir sie in der Genese des Über-Ichs gesehen haben. Denken wir 
nun daran, daß aller Erfahrung nach die Sublimierungen, besonders die ersten 
Sublimierungen der Kinderjahre, abhängen vom Erscheinen von Vorbildern, 
von Anregungen, die die Umgebung des Kindes diesem direkt oder indirekt 
gibt, wofür die Analyse von Fällen von Störungen der Sublimierungsfähigkeit, 
die sich regelmäßig auf Identifizierungsschwierigkeiten zurückführen lassen," 
der Beweis ist, so gewinnt die Annahme von Freud außerordentlich an 'Wahr- 
scheinlichkeit, daß der Sublimierung ein der Identifizierung sehr nahestehender 
oder mit ihr identischer Prozeß zugrundeliegt, daß die sublimierte Libido eine 
von den Objekten auf das Ich zurückgewendete ist.*' Der Grad der „Ablen- 
kung durch das Ich" kann dabei ein sehr verschiedener sein. Bei manchen 

41) Daher können Sublimierungen nach Aufhebung von Verdrängungen einsetzen. 
Vgl. Freud: Avis der Geschichte einer infantilen Neurose (Ges. Sehr. Bd. VIII, S. jii) 
oder: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (Ges. Sehr. Bd. VII, 
S. 473/474). — Sublimierungen bedürfen eben eines ungehemmten Flusses der Libido, 
wie das Mühlrad eines ungehemmten Flusses des kanalisierten Wassers bedarf. 
Vgl. Hermann: Die Regel der Gleichzeitigkeit in der Sublimierungsarbeiti 
Imago X (1924). 

42) Siehe Berta Bornstein: Zur Psychogenese der Pseudodebilität. Int. Z. 
f. Ps.-A. XVI (1930). 

43) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr. Bd. VI, S. 390). 



IJO 



Fällen — und die kann man wohl als die Sublimierungen im engsten Sinne 
bezeichnen — beschränkt sich diese Ablenkung auf die Zielhemmung: der 
Sublimierende tut genau, was der Trieb von ihm verlangt, nur nach seiner 
Desexualisierung und in Unterordnung uhter Realitätsprinzip und Ichorgani- 
sation. Als Beispiel diene etwa der Chirurg, der tatsächlich so blutige H^indlun- 
gen vollführt wie sein ursprünglicher Trieb von ihm verlangt. In dieser Hin- 
sicht ist die Betrachtung vieler technischer Erfindungen in Bezug auf unbewußt 
zugrundeliegende Partialtriebe interessant." Es gibt aber auch Objekt- und 
Zieländerungen weit größeren Umfangs. Es ist schließlich auch möglich, daß 
eine der ursprünglichen Triebrichtung entgegengesetzte Betätigung nicht den 
Charakter einer dem unterdrückten Trieb das Gleichgewicht haltenden Re- 
aktionsbildung trägt, sondern im Sinne einer Sublimierung an seine Stelle 
getreten ist. Daran denkt wohl Freud, wenn er einmal - die Nomenklatur 
ist hier nicht sehr klar - von „Sublimierungen durch Reaktionsbildungen" 
spricht.« Manche Ekel- und Schamreaktionen, die für jeden Kulturmenschen 
selbstverständlich sind, und bei denen nichts für das Weiterwirken der infan- 
tilen Triebtendenzen, gegen die sie, ursprünglich gerichtet waren, spricht, gehören 
wohl hierher. Das von F r e u d beschriebene Triebschicksal der „Verkehrung 
ms Gegenteil" ist hiermit identisch, wenn dabei gemeint ist, daß die Gesamt- 
stärke des Triebes nunmehr in der neuen Richtung wirkt. 

Als ein Beispiel der Trieberiedigung durch Identifizierung, gleichzeitig als 
eines für das komplizierte Ineinanderspiel von Reaktionsbildung und Sublimie- 
rung, seien hier einige Worte über die Psychogenese des Mitleids einge- 
fugt. Das Mitleid ist zweifellos eine charakterliche Abwehr des Sadismus Da 
es das ursprüngliche Triebziel, dem anderen Schmerz zuzufügen, in sein Gegen- 
teil, den Schmerz des anderen zu vermeiden, umgewandelt hat, kann man es 
als eine „Reaktionsbildung" bezeichnen. Oft bewahrheitet sich diese Ansicht 
indem durch Tnebdurchbruch oder durch Analyse hinter der Mitleidsfassade 
der ursprüngliche Trieb noch als wirksam nachgewiesen werden kann. Andere 
Male scheint es sich um eine Art der eben erwähnten „Sublimierungen durch 
Reaktionsbildung" zu handeln, der Sadismus ist wirklich durch Mitleid er- 
setzt. In beiden Fällen aber scheint der Mechanismus der Triebabwehr eine 
Identifizierung mit dem Objekt des ursprünglichen Sadismus zu sein. 
Es zeigt sich also, daß in diesem Falle die Identifizierung noch keine Gewähr 
für eine durch sie bedingte Desexualisierung bietet. Denn die Wandlung von 
Sadismus in (immer noch voll libidinösen) Masochismus bedient sich der glei- 
chen Identifizierung, und mancher Mitleidige genießt ausgesprochen masochi- 



stisch-erotische Lust. 



44) Siehe Giese: Sexual vorbildet bei einfach 



^ r Vliese: äexualvorbilder bei einfachen Erfindungen. Imago III (1914) 
4J) Freud: Drei Abhandlungen zur Sexuakheorie (Ges. Sehr. Bd. V S <-,\ 



(Ges. Sehr. Bd. V, S. 53). 



15» 

Nun hat J e k e 1 s nachgewiesen, daß es noch eine andere Spielart von 
Mitleid gibt, bei der auf den ersten Blick keine Identifizierung vorzuliegen 
scheint, sondern vielmehr eine von Kastrationsangst gespeiste ausdrückliche 
Ablehnung einer solchen Identifizierungsneigung. Sagt der Identifizierungs- 
Mitleidige zu seinem unbewußten Wunsch, das fremde Objekt möge vom 
Vater geschlagen werden: „Nein, nicht er, sondern ich soll geschlagen werden", 
so lehnt dieser Typ das wieder ab: „Nein, nicht geschlagen, geliebt will ich 
werden". Aber woher dann das Mitleid? "Weil der Betreffende nicht nur von 
einem äußeren Vater, sondern auch vom introjizierten Vater, vom eigenen 
Über-Ich, geliebt werden will. Er behandelt das Objekt so, wie er vom eigenen 
Über-Ich behandelt werden möchte. Das war die neue, so unzweifelhaft rich- 
tige Erkenntnis von J e k e 1 s." Ist es nun richtig zu sagen, bei dieser Art von 
Mitleid spiele Identifizierung keine Rolle? Ist nicht das Über-Ich aus Identifi- 
zierung hervorgegangen? Allerdings handelt es sich um einen Versuch, narzißti- 
sche Konflikte mit dem eigenen Über-Ich wieder in der Außenwelt zu lösen, 
wofür wir später noch andere Beispiele kennen lernen werden. Aber die D e- 
sexualisierung, die der Sadismus bei dieser Art von Mitleid erfahren hat, 
scheint uns gerade ein Produkt der I c h p a s s a g e des Objektes, der einstigen 
über-ich-bildenden Identifizierung. — Auch die Erkenntnis, eine charakterliche 
Triebabwehr erfolge durch Identifizierung, sagt also noch nichts darüber aus, 
ob es sich um eine „geglückte", um eine mit völliger Aufzehrung der ursprüng- 
lichen Triebtendenz einhergehende Abwehr handelt. Es gibt auch „Reaktions- 
bildungen" mit Identifizierung. Und es gibt die „eigentlichen", in größerer 
(oraler) Tiefe vor sich gehenden, zur Desexualisierung und Triebaufzehrung 
führenden Identifizierungen. 

Eine Gegenüberstellung von Erscheinungen bei der Charakterbildung, die 
einen ursprünglichen Trieb gewaltsam niederhalten, und solchen, die ihn 
ersetzen, ist sehr instruktiv und genügt, um viele normale und pathologische 
Erscheinungen zu verstehen. 

Da die Nomenklatur, wie erwähnt, hier uneinheitlich ist, soll das Gemeinte 
zwecks Vermeidung von Mißverständnissen noch einmal kurz in einem Schema 
dargestellt werden: 

Wir unterscheiden die charakterlichen Triebverarbeitungen nunmehr je nach 
dem Umstand, ob sie den ursprünglichen Trieb niederhalten oder ersetzen (in 
Wahrheit tun sie bis zu einem gewissen Grade immer beides). Davon unab- 
hängig ist die Einteilung nach dem Umstand, ob sie in der weniger oder 
mehr modifizierten Richtung des ursprünglichen Triebes wirken oder in ihm 
diametral entgegengesetzter. Wir können demnach folgendes Schema zeichnen: 

46) Jekels: Zur Psychologie des Mitleids. Imago XVI (1930). [Auch in: Almanach 
der Psychoanalyse 1932]. 



152 



Chäräkterzüge, die in der 



(modifizierten) Riditung 
des Triebes („) 



dem Trieb entgegen- 
gesetzten Riditung (b) 



wiricen 



Charakter- 

bei denen 
der Trieb 



niedergehalten 
wird (j) j 



ersetzt 
ist (2) 



2. 



1b 



2b 



W,r erkennen dann die typische zwangsneurotische Reaktionsbildung als i b 
den guten Chirurgen als 2 a. die „Verkehrung« eines Triebes „ins Gegenteil"! 
ie „SubWung durch Reaktionsbildung" als 2 b. x a könnte man als „neu- 
rotische Ersatzbefr:ed:gung" bezeichnen (etwa einen prügelnden sadistischen 
Lehrer) Die terminologischen Schwierigkeiten entstehen daraus, daß der Aus- 
druck „Reaktionsbi düng" gelegentlich für die Kategorie x gebraucht wird. 

umfaßt dann aber auch Sublimierung" gelegentlich für die Kategorie .. die 
umfaßt ^^'^ ''" '^' ^'^ ^^^^S°"^ ^' ''^^ ^--nA^. 

X "t"/'" "^T" ^^' ^""°''' ^'^ ^' "^ ^°^^'^1^-' ^ Einteilung 

~\ ^7-^^^"^ zugrundezulegen. Die inhaltHch ausgezeichnete und 

mit unseren Ausfuhrungen übereinstimmende Arbeit von St erb a" ist leider 

terminologisch entgegengesetzter Ansicht. Sterba will gerade zh, also Bil- 

e?hrk!aL .-.f "T""^^"'^^ Triebanspruch gänzlich verschwunden ist, 
»echte Reaktionsbildungen" nennen (er rechnet also die Entstehung des Über- 
Ichs 2. B. zu den Reaktionsbildungen), die Kategorie xb aber „gegen- 
besetzungsgemäße Reaktionsbildungen". Wir halten diese Nomenklatu; ange- 
^l^T "T /' ^"^ ''"^ ^° ^'' Psychoanalyse die Bezeichnung ..Reak- 
Tonenhl g^g-t--ung^g-äße Bildungen eingebürgert hat, für 

s£\tZtf'^'".'^"^''^^T''''''''^^'^^ ^°S^^' die praktisch eine 
Abw h . IT::?' "^'•^^^^ « '^'^^ P--iP-Il genau so wie bei solcher zur 
Abwehr des gefährlichen Triebes selbst, so daß wir sie nicht gesondert zu be- 
sprechen brauchen Auch bei ihnen findet man (häufig) die Kategorie ., bei der 
die Analyse d.e charakteriich abgewehrte Angst befreien muß. und (selten) die 

wSiTüb™': r ^""^ ^"^ '^''^ ''-'''''--' ^^ ''- ^'■^'^' 

^Die relative Prävalenz der Kategorien x oder z unter den Charakterzügen 
muß für das Schicksal des Menschen bedeutungsvoll sein. 

47) Sterba: Zur Problemadk der Sublimierungslehre. Int. Z. f. Ps.-A. XVfci^ 



153 

Bei der charakterlichen Verarbeitung des Ödipuskomplexes kann es sich also 
darum handeln, daß er sich in zweckmäßiger Weise in „charakterologische 
Reaktionen transformiert" hat oder darum, daß unzweckmäßigerweise 
Charakterzüge gebildet wurden, die „Reaktionsbildungen gegen seine Grund- 
elemente darstellen".*^ Eine schematische, eindrucksvolle Gegenüberstellung 
dieser Differenzen verdanken wir R e i c h.** 

Für die verschiedene charakterliche Verarbeitung von Triebenergien nur zwei 
Beispiele: Sowohl von einem Kinde, das sehr gut und mit besonderer innerer Beteiligung 
schreiben lernt, als auch von einem, das peinlich, krampfhaft genau schreibt, als auch 
von einem, das schmiert, und von einem, das Schreibhemmungen produziert, müssen 
wir sagen, es hat analerotische Triebanteile auf die Schreibfunktion verschoben. 
Aber beim ersten Kind handelt es sich um eine S u b 1 i m i e r u n g: Es will eben nicht 
mehr schmieren, sondern schreiben. Den anderen Kindern ist diese Kanalisierung des 
Triebes nicht gelungen. Sie müssen ihn durch Reaktionsbildungen binden, gewähren 
lassen oder mit Gegenbesetzung hemmen.»» — Wir sagen dem Neurotiker, er müsse 
seine infantilen Objekte aufgeben. Aber auch der Gesunde liebt die Frau am meisten, 
die ihn an die Mutter erinnert. Der Neurotiker hat seine Mutterliebe verdrängt; sie' 
ist starr und unveränderlich geworden. Der Normale liebt statt der Mutter die in 
einem Punkt ihr ähnliche, aber sonst von ihr grundverschiedene Frau. 

Man versteht auch sofort, worauf wir später näher eingehen werden, daß, da 
die Ambivalenz Voraussetzung der Reaktionsbildung ist, die Reaktionsbildungen 
eine umso geringere Rolle spielen, je genitaler das Triebleben eines Menschen 
zentriert ist. Die von A b r a h a m geschilderten Vorteile der Erreichung des 
vollen Genitalprimats für die Charakterbildung" sind nicht zuletzt in den 
Ersparnissen an Aufwand gelegen, die das relative Zurücktreten von Reaktions- 
bildungen und Vorrücken von Sublimierungen bedingen. Aber daß die Gegen- 
überstellung von „Typen" immer eine abstrakte ist, ist hier noch wichtiger 
zu betonen als in der Neurosenlehre. Jeder Mensch hat beide Typen von 
Charakterzügen und in seinem nicht grob-triebmäßigen Verhalten Abänderun- 

48) Reich: Die charakterologische Überwindung des Ödipuskomplexes. Int. Z. 
f. Ps.-A. XVII (193 1). 

49) Reich: Der genitale und der neurotische Charakter. Int. Z. f. Ps.-A. XV (1929). 

50) Dieses Beispiel macht es notwendig, die Theorie von Müller-Braunschweig 
zu erwähnen, derzufolge die Körper- bzw. Funktionsfindung des kleinen Kindes ein 
der Identifizierung sehr ähnlicher Mechanismus ist, der zu Sublimierungen Gelegenheiten 
bietet. (Siehe Müller-Braunschweig: Beiträge zur Metapsychologie. Imago XII 
[1926]). Durch die „Identifizierung" mit Organen oder Erregungsvorgängen werde 
autoerotische Libido zu desexualisiert-narzißtischer. Die Desexualisierung (Sublimierung) 
dabei bedeutet eine Steigerung der Funktion des libidobesetzten Organs im Gegensatz 
zur Autoerotik, die die Funktion schädigt. So haben Onanist und bildender Künsder 
die Hand „libidinisiert". Jener schwächt dabei die Ichfunktionen der Hand, dieser 
hat die Handlibido desexualisiert, die Onaniestrebung sublimiert. Hermann hat in 
seiner Arbeit „Organlibido und Begabung", Int. Z. f. Ps.-A. IX (1923) diesen Gegen- 
satz herausgearbeitet und — nicht ganz korrekt — in dem einen Falle von „Genitali- 
sierung", im anderen von „zur Sublimierung fortschreitender Erotisierung" gesprochen. 



IJ4 



gen der ursprünglichen Triebe im Sinne des Realitätsprinzips (Sublimierungen) 
und Reaktionsbildungen gegen dieselben nebeneinander. An den extremen 
Enden sind die beiden Typen leicht zu unterscheiden: Die zwangsneurotische 
Übergüte ist reine Reaktionsbildung; der gute Chirurg hat nur subhmiert. 
Dazwischen aber gibt es zahlreiche Übergänge. Der ideale „postambivalente 
genitale Charakter"" ohne Reaktionsbildungen ist ein Grenzbegriff. Deshalb 
kann man auch das Nebeneinander beider Typen am anschaulichsten bei den 
„prägenitalen Charakteren" demonstrieren. 

Dazu nehmen wir zunächst ein uns bereits bekanntes Beispiel: die Über- 
windung eines Aggressionstriebes durch Identifizierung mit dessen Objekt, wie 
wir sie bei der Genese der milden Homosexuahtät kennen gelernt haben.**" Wenn 
dort, wo Haß war, Liebe auftritt, so können wir dann von einer Charakter- 
veränderung sprechen, wenn sich diese Veränderung nicht auf die Einstellung 
dem einen Objekt gegenüber beschränkt, sondern das gesamte soziale Ver- 
halten beeinflußt. Da diese Veränderung durch Identifizierung erfolgt, sind wir 
geneigt, sie der zweiten triebersetzenden Kategorie zuzurechnen. Kann man 
aber, wie es z. B. bei einer intensiven „Heidenverehrung" fast regelmäßig der 
Fall ist, hinter dieser wohlmeinenden Identifizierung Spuren der ursprüng- 
lichen Haßeinstellung, z, B. einen immer noch intensiven Neid nachweisen, 
so ist das ein Beweis dafür, daß hinter dem Abwehrenden das Abgewehrte im 
Unbewußten noch vorhanden ist. So muß es sich hier also um eine Kombina- 
tion von Identifizierung und Reaktionsbildung handeln, wie wir sie auch bei 
der ersten Mitleidkategorie kennen gelernt haben; Teile der ursprünglichen 
Haßbesetzung sind durch Identifizierung desexualisiert worden, andere Teile 
smd erhalten und durch eine Gegenbesetzung unterdrückt worden. (Diese 
Gegenbesetzung mag ihren Aufwand von Besetzungsgrößen bestreiten, die 
ursprünglich jenen ersten Teil gespeist hatten.) — Nun sind alle „sozialen 
Gefühle" von dieser Art. Die Mitglieder einer Masse sind nach Freud mit 
einander identifiziert, und es gehört zu der damit verbundenen (nicht vollständi- 
gen) Aufzehrung der ursprünglichen Aggressionsbesetzung, daß sie die Aggressio- 
nen gegeneinander einstellen.^' Wir wissen aber auch, wie leicht die aggressiven 
Neigungen innerhalb einer solchen Masse dennoch wieder durchbrechen 
können, wozu kleine ökonomische Veränderungen, irgend eine Umgruppie- 
rung, den „Narzißmus der kleinen Unterschiede"^' betreffend, als Anlaß 
genügen. Trotz der Identifiz ierung war also ein gut Stück der Haßabwehr vom 

ji) Abraham: Zur Charakterbildung auf der „genitalen" Entwicklungsstufe in: 
Psychoanalytische Studien zur Charakterbildung. 

J2) Freud: Über einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, Paranoia und 
Homosexualität (Ges. Sehr. Bd. V). 

53) Freud: Massenpsychologie und Ich- Analyse (Ges. Sehr. Bd. VI). 

54) Freud: Zur Einführung des Narzißmus (Ges. Sehr. Bd. VI). 



Charakter einer Reaktionsbildung. Und es ist begreiflich, daß die relative Ver- 
teilung von Anteilen der Identifizierung und der Reaktionsbildung im Kampf 
gegen die aggressiven Impulse in einer Gesellschaft für ihre sozialpsychologische 
Struktur von ausschlaggebender Bedeutung ist, da sie darüber entscheidet, wie 
viel der Bindung resp. der Aggressionseinschränkung verläßlich, wie viel nur 
mit großer Mühe aufrecht erhaltene Maske ist. 

Ein noch besseres Beispiel, wie dicht (zum Teil mißlungene) reaktive Abwehr 
und Veränderung des Triebes durch Identifizierung oder Sublimierung neben- 
einander liegen,=^ sind die erwähnten „prägenitalen Charaktere". Die Zuordnung 
bestimmter Charakterzüge zu bestimmten Erotismen war, wie gesagt, die erste 
Entdeckung der analytischen Charakterologie und ist auch heute ihr am 
besten ausgearbeiteter Teil. Wir erwähnten, daß hier die Art der Erledigung, 
sowohl der Reaktionsbildung als auch der Sublimierung, durch den abgewehr- 
ten Inhalt determiniert erscheint, resp. durch die erogene Zone, in der der 
abgewehrte Trieb seine Quelle hat. Hier wurden auch die einzelnen Vorgänge 
der Verschiebung vom ursprünglichen Triebziel zu einem dem Ich gemäßen 
Verhalten, die Zusammenhänge des ursprünglichen Zieles mit dem der Subhmie- 
rungen und die Entstehungsgeschichte von Reaktionsbildungen und ihrer Durch- 
brüche am besten studiert. 

Die erste Entdeckung von Freud war bekanntlich die, daß die Eigen- 
schaften Ordnungsliebe, Sparsamkeit und Eigensinn bei Menschen vorkommen, 
die als Kinder besonders intensive Analerotiker gewesen sind.^' Diese Charakter- 
eigenschaften sind also die Fortsetzung analerotischer Betätigungen, und zwar 
sowohl Ersatz für sie als auch Reaktionsbildungen gegen sie. Daß sie beides 
sind, und wie verwickelt ihr Zusammenhang untereinander und mit den 
ursprünglichen Triebzielen ist, zeigte die zweite Arbeit von Freud über die 
„Triebumsetzungen".^' Diese Zusammenhänge wurden — wie die infantile 
Sexualität selbst — zuerst durch Rückschlüsse aus der Analyse Erwachsener 
und erst später in direkter Beobachtung am Kinde erkannt. Der bedeutungsvolle 
Schritt vom Lust- zum Realitätsprinzip, der dem Ich erst erfolgreiche Einfluß- 
nahme auf die Triebe ermöglicht, indem es lernt, aus Rücksicht auf die Außen- 
welt (dem Objekt zuliebe) direkte Triebbefriedigungen aufzugeben oder auf- 
zuschieben,^* erfolgt nicht zum. geringsten Teil im Zusammenhang mit der 
Reinlichkeitserziehung. Und sie erfolgt naturgemäß je nach der durch Kon- 
stitution und frühere Erlebnisse bedingten relativen Triebstärke der Analerotik 

5J) Vgl. dazu Ferenczi: Mischbildungen von erotischen und Charakterzügen. 
Int. Z. f. Ps.-A. IV (1916). 

j6) Freud: Charakter und Analerotik (Ges. Sehr. Bd. V). 

57) Freud: Über Triebumsetzungen insbesondere der Analerotik (Ges. Sehr. Bd. V). 

j8) Freud: Formulierungen über die zwei Prinzipien des psychischen Geschehens 
(Ges. Sehr. Bd. V). ' 



I5Ä 



und nach dem Verhalten der äußeren Objekte sehr verschieden. Die „analen 
Charakterzuge', dxe sich dabei herausbilden, tragen zum Teil den Charakter 
des tnebgemaßen Widerstandes gegen die Forderungen der Außenwelt, zum 
Teil den des Gehorsams, und zum größten Teil den des Kompromisses zwischen 
beiden Emstellungen.» Der Widerstand überwiegt in jenen Cha aLel igen 
dxe man ,m Anschluß an akute Regressionen zur anal-sadistischen ^S 

Kmdern oder Erwachsenen auftreten sieht, und die in einem der Regression 
en sprechend stärker ambivalenten und bisexuellen Verhalten der Obfektwelt 
gegenüber bestehen Auch von den im engsten Sinne analen CharakterzüVen 
smd manche em acher Ausdruck solchen Widerstandes. So der Eigens nn und 
der Trotz d.e s.ch darauf zurückführen lassen, daß das Kind e TgeCg 
semer Exkretion nach den Vorschriften der Umgebung vorzunehmen skh 

Zn « H "m rf ^ """^'^"^^^^ ^^^"^^^ " ''^ '--1-h so Lern! 
Grade, daß der Mensch dazu kommt, in allem und jedem genau das Gegentd 
von dem zu tun, was die Umwelt von ihm verlangt. ^ 

un^L^Na^hf iirl^e?^^^^^^ -^'' '^' ^ - ^ei Tag .Mief 

, wen er „nicht einsah , warum man es wie üblich machen solle. 

Zum Teil entsprechen sie dem vollen Gehorsam: Hierher gehören 
Ordnungshebe Pünkthchkeit, Pedanterie, Korrektheit, die eine Versch ebu" 

Auch der Ekel vor dem Exkrementellen gehört hierher; wir haben das Wort 
von Freud erörtert, es handle sich hierbei um eine „Sublimierung durch 

Cra'r '^'T ^'^^ '"''' '-' ^^"^" ^- ^^^-- en pichenden 

Charakterzugen erkennt man leicht, daß sie zum Teil von der Art der Rea" 

xonsWd smd. Allzuleicht werden sie v.n gegensinnigen Verhatungswe st 

abgelost oder durchsetzt. Es sind die pünktlichsten Menschen, die in manXr 

kZ7 U T't ^"'- """ ^'''-P-ch im Verhalten spiegeh den 

fZL:::£rV t'^^'''T^'''''- ^'^^^^- hateineR^esolche: 
charakterhcher Verankerungen des ewigen, mit Gegenbesetzung arbeitenden 
K mpfes beschneben," z. B. Menschen, die in der äußeren KLdungllt- 
e ^e^sthTz ' " " ^'^-^^^^'^-S ^^--ben unsauber sind; MeU^, 
tiben f r T" " Unordnung haben, aber von Zeit zu Zeit über- 

Charakterzüge. Int zTIT-A ^ (^7^'"''^! 1^°'' J° "" ' '■■ ^^'' analerotLhe 



IJ7 



Gewohnheit entspricht, den Stuhl sehr lange zurückzuhalten, um dann „alles 
auf einmal zu erledigen") u. dgl. m. Da wieder die ganze soziale Einordnung 
eines Menschen davon abhängt, wieweit er Objekten zuliebe Einschränkungen 
auf sich zu nehmen bereit ist, oder wieweit er gegen solche Einschränkungen 
trotzt, so erkennt man daraus die Bedeutung der Analerotik für das Verhalten 
gegenüber der Außenwelt überhaupt. 

Zum Teil endlich handelt es sich bei analen Charakterzügen um eine direkte 
Subhmierung, d. h. eine Ablenkung des Triebes durch das Ich, sei es auf ein 
anderes Objekt, sei es auf ein anderes Ziel. Es gibt sowohl anale Sublimierungen, 
die Verschiebungen des Produktes ihre Entstehung verdanken, als auch Ver- 
arbeitungen des Vorganges. Nachdem Freud auf die Verschiebung vom 
Begriffe , Kot" auf die Begriffe „Geschenk" und „Geld" aufmerksam gemacht 
hatte, (die Zusammenhänge mit den genitalen Vorstellungen Penis und Kind sind 
hier weniger von Interesse),- vermochte Ferenczi die Umwandlung des 
Kotinteresses m Geldinteresse über verschiedene Zwischenglieder zu verfolgen.«» 
Alle Wege, auf denen ursprünglich der Kot das Kind zu reizen vermag, seine 
Beziehung zu Haut, Auge und Nase, finden im Verhalten dem Gelde gegen- 
über subhmierten Ausdruck. Bei Störungen kami man sich dem Geld gegen- 
über ebenso verschieden verhalten, wie sich der Analerotiker dem Kot gegen- 
über verschieden verhalten kann. Die gelungene Subhmierung kennzeichnet 
sich dadurch, daß dieses Interesse von realen Gesichtspunkten geleitet wird. Ist 
aber infolge allzu starken analen Triebes oder infolge unglücklicher Umstände 
bei seiner Abwehr die Sublimierung von Reaktionsbildungen durchsetzt, so ist 
hinter der Einstellung zum Gelde der alte dem Kot geltende Triebwunsch 
noch am Werke, und man verhält sich dem Gelde gegenüber ebenso irrational 
wie auch sonst eine „sexualisierte" Ichfunktion unzweckmäßig ausgeübt wird. 
Man sieht dann im Geld statt eines Realobjekts ein Lustobjekt, einen Kot- 
ersatz. Man kann es in irrationaler Weise zurückhalten oder verschwenden oder 
diese beiden widersprechenden Einstellungen in verschiedenster Weise mit- 
einander kombinieren. 

Ebenso gibt es gelungene und mißlungene Sublimierungen der Funktion. 
Daß z. B. das Zeichnen eine Fortsetzung des Kotschmierens darstellt, beweisen 
wieder vor allem die Fälle, bei denen statt reiner Sublimierung verhängnisvolle 
Reaktionsbildungen vorliegen, so daß das Zeichnen im Unbewußten noch die 
ursprüngliche Bedeutung beibehalten hat, was, je nachdem, zum künstlerischen 
Mißlingen oder, bei Einspruch des Ichs, das hinter der sexualisierten Funktion 
den verpönten Trieb erkennt, zu einer Hemmung der Zeichenfähigkeit führt. 
Daß die Besetzung der Defäkation auf die Tätigkeiten des Redens und Denkens 

62) Freud: Über Triefaumsetzungen insbesondere der Analerotik (Ges. Sehr. Bd V) 
63; i-erenczi: Zur Ontogenie des Geldinteresses. Int. Z. f. Ps.-A. II (1914). 



/ 



158 

verschoben sein kann, daß auch da die irrationale Art von Zurückhalten und 
Hergeben verräterisch für die Entstehungsgeschichte ist, erkennt man sowohl bei 
den Rede- und Denkhemmungen als auch bei der charakteristischen Oberbesetzung 
dieser Funktionen bei der Zwangsneurose. Im Verhalten zur Eigenleistung, zum 
Werk, ist häufig noch das seinerzeitige Verhalten des Kindes zu seinem analen 
Produkt nachweisbar. Es kann wieder je nach den realen Erlebnissen der analen 
Periode sehr verschieden aussehen. Eine Neigung zum selbstzufriedenen Bewun- 
dern alles Geschaffenen findet man dort, wo ein ähnliches Verhalten in der 
Kindheit möglich war, eine Unzufriedenheit mit jeder Leistung dort, wo solche 
Unzufriedenheit der analen Tätigkeit der Kinderjahre beschieden war. 

Die Neigung zur übersteigerten Selbstkritik konnte bei einer Patientin darauf zurück- 
geführt werden, daß sie nachdem sie schon sauber gewesen war, mit drei Jahren an 
emer Darmkrankheit erkrankte, in der sie inkontinent wurde und nur ungeformten 

h—retrrdr """"^"-"" ''^ ^^''^' ^ ^ ^^ ^^^ 
Mit dem Verhalten dem Werke gegenüber hängt eng zusammen das Ver- 
haken zum Besitz. Der Zusammenhang mit der Analität wurde durch 
Abraham geklärt, der zeigen könnt«, daß „Besitz" ursprünglich wirklich das 
ist, worauf man sitzt.«' Sowohl die Geldgier und die Sammelwut als auch die 
\erschwendung haben das entsprechende infantile Verhalten dem Kot gegen- 
über zur Voraussetzung. 

Der Zeit gegenüber verhalten sich die Analcharaktere nicht anders als dem 
Besitz gegenüber: Geiz oder Verschwendungssucht oder ein Abwechseln oder 
Ineinander beider, Unpünktlichkeit und Überpünktlichkeit, Einteilungen, die 
Bruchteile von Minuten berücksichtigen, und grobe Unverläßlichkeit in Zeit- 
angelegen heiten sind charakteristisch. 

Der Satz von Abraham, „die Patienten sparen oft Zeit im kleinen und verlieren 
sie im großen ,- fand seme extremste Verwirklichung in einem Falle, den Garma 
beobachtete: Em berufloser Mann, der nur neurotischen Beschäftigunge; nachgeht und 
stundenlang tagtraumt, öffnet, wenn er ausgehen will, das Fenster, um das Herannahen 
des Vorortzuges mit dem er zur Stadt fahren will, zu hören. Beim Geräusch des 
IITa Z Zuges ruft er das Dienstmädchen, das darauf hin die Tür zu öffnen 
und den Mantel bereit zu halten hat. Der Patient reißt ihn ihr aus der Hand, stürzt 
r akTI rrij^T ^r S=S^""''"I'«g='^den Bahnhof und erreicht gerade noch den 
«Abfahrt befindlichen Zug. _ Hier sehen wir eine einfache Wiederholung der kind- 
lichen Gewohnheit, erst im allerletzten Augenblick das Klosett aufzusuchen. 

Dazu kommt, daß das Verhalten der Analcharaktere durchzogen ist von 
den Erscheinungen des immer gleichzeitig wirkenden Sadismu s oder der 

f 4) f ^ r ah am: Psychoanalytische Studien zur Charakterbildung! ' 

65) Abraham: Psychoanalytische Studien zur Charakterbildung. S. 2,, 



IJ9 

Reaktioiisbildungen gegen denselben; ferner, daß in der Retentionslust des 
Kindes ja eine neue Art von Genuß, nämlich die narzißtische Befriedigung der 
Beherrschung der Sphinkterenfunktion, gefunden wird, die ebenfalls Ausgangs- 
punkt von Sublimierungen und Reaktionsbildungen wird. Ein besonderer Macht- 
wille kann auf dieses Gefühl der eigenen Machtfülle der Sphinkterenbeherrschung 
zurückgehen, ebenso das Ideal der Selbstbeherrschung und die Neigung, andere 
zu beherrschen. 

In formaler Hinsicht bleibt die bedeutungsvollste Rolle der Reinlichkeits- 
erziehung für die Charakterbildung die Überwindung der Retentionslust aus 
Rücksicht auf die Objektwelt, aus Liebe oder Angst; also die Erlernung des 
Gebens, während die orale Zeit vornehmlich nur das Nehmen kannte. 
Störungen dieser Entwicklungsperiode liegen deshalb den Störungen der Objekt- 
beziehungen zu Grunde, die Nehmen und Geben m kein Gleichgewicht bringen 
können. In der Identifizierung mit den Forderungen nach Hergeben ist nicht 
nur manche Über-Ich-Forderung gegen erotische Triebe, sondern auch die Ein- 
schränkung der primitiven narzißtischen Bedürftigkeit verankert. Die innere 
Forderung, für alles Empfangene wiederzugeben, ist die Grundlage der D a n k- 
barkeit. Das „Dankopfer" zeigt, daß man andernfalls die Strenge des 
Über-Ichs bzw. der Erzieher fürchtet. Das Opfer wird auch prophylaktisch 
hergegeben, um in Zukunft schuldlos Glück „empfangen" zu dürfen. In der 
Bescheidenheit sehen wir den primitiven Narzißmus durch Schuld- 
gefühle in einer Reaktionsbildung (das sind jene Menschen, hinter deren Be- 
scheidenheit die Arroganz hervorlugt) oder in einer „Sublimierung ins Gegenteil" 
erledigt. 

Abrahams klassische Schilderung"" hat noch eine ganze Reihe weiterer 
weniger grundlegender Charakterzüge auf die Analerotik zurückzuführen ver- 
mocht, wie etwa die Neigung, alle Gegenstände von der „Kehrseite" zu be- 
trachten, die „Anfangsangst", die den Beginn jeder neuen Tätigkeit so lange 
wie möglich hinausschiebt, dafür aber dann die begonnene Tätigkeit nicht mehr 
unterbrechen kann, die Neigung, „sich alles machen zu lassen", wenn Klistiere 
in der Geschichte der infantilen Analität eine Rolle spielten, die Neigung, alles 
selbst zu bestimmen, wenn das Gegenteil der Fall war; Einzelheiten des wider- 
spruchsvollen Verhaltens Geld und Zeit gegenüber; die Neigung, vieles zugleich 
zu tun, die auf autoerotische Spielereien während der Defäkation zurückgeht, 
die sich meist in dem Zwang, im Klosett zu lesen, oder eine andere Betätigung 
mit geheimer analerotischer Bedeutung auszuführen, fortsetzt. 

Eine Patientin hatte von ihrem sehr analerotischen Vater die Erinnerung bewahrt, 
daß er so lange das Klosett in Anspruch nahm, daß die übrigen Familienmitglieder 

66) Abraham: Ergänzungen zur Lehre vom Analcharakter. In: Psychoanalytische 
Studien zur Charakterbildung. - 



i6o 



täglich vor dem Verlassen des Klosetts zu tun pflegte. ' "^^^ '' 

Eine entsprechende Schilderung der Beiträge der O r a 1 er o t i k zur Charak 

terbildung haben ebenfalls A br ah am" und E Glo ve r"« . U c u 
kein so geschlossenes Bild wie den Analcharaktt VoZL T . 'f 
Umstände verantwortlich macht: Erstens vMeltl l' l "^/T^'^' 
Oraierotik als der Analerotik auch unter dem r ^^^^^l^^. B^^andteile der 
Snl,iv» 4 /7 • *" Gemtalprimat in der erotischen 

Sphäre so daß nur em geringerer Beitrag zur Charakterbildung herang ll" 
wird. Zweitens gelingt es der regressiv fnr.rl,..^ ä . J^erangezogen 

orale Charakterbildungen losgetrenTtvoI T ^^ ^". ""' "^"^^' ''^ 

zu erfassen. Drittens uLßt die o'^^^^ den späteren analen Beimischungen 

.^^^stuf. ehr versc^^rS: t^ Z 2:^^^^ 

Be^i^i^^ji^trrr^i^^r^r "■ -^ ^^ -- 

unmittelbare Triebbefriedigu^g rverzLhtfn ^ o f'^"'^ ^"^'^^ ^"^ 

oder „dh&che (E„«chädis„„gt J^XlLr T' ■""^° <'^''"'''"' 

die da, Kind ...4 *"» Ö~I „^at i-'T/"'"""''" '»' ■*" Grf„.„„, 

d.j »., v„ d„ ii?rrs»h?Se"L't:*"Lr'''';* 't 

Befriedigung, de er mir geranKi- »,,, ■ j l , "*"" ""■ «^'^ orale 

deutet immer auf orale Fixierungen."« vorenthaltene, zu beantworten, 

^^6^8)^E. Glover: Notes on Oral Character Formation. Int. Journal of Ps.-A. VI 
ÄTps..A!xVl\V;3of" ^^'^^""^^^" ^°^S-^-''- 'i« Ödipuskomplexes. 



i6i 

Oft haben diese oral-sadistischen Forderungen einen mehr „vampyrhaften", 
saugenden Charakter. Es sind Menschen, die viel bitten und fordern, die ihr 
Objekt nicht loslassen und sich gleichsam an ihm festsaugen. 

Das „Anklammern" vieler Schizophrener an ihr Objekt bringt auf die Idee, daß 
in der oralen Zeit die Angst, das Objekt zu verlieren, real begründet im Verschwinden 
der Brust, besonders groß ist, und dieses „Ansaugen" verursacht. Vielleicht hat der 
sogenannte „epileptische Charakter" hiermit zu tun. 

Der „orale Sadismus" kann im Charakter auch vorwiegend durch (mehr oder 
weniger gelungene) Reaktionsbildungen vertreten sein: Wir sehen Menschen, die 
im Essen gestört sind, sich in übertriebener Weise niemandem „aufdrängen", keine 
Geschenke annehmen, um nichts bitten können usw. Über die Spiegelungen oraler 
Fixierungen im Verhalten gegen Außenwelt und Über-Ich werden wir später 
mehr handeln. 

Der Anblick jüngerer Geschwister, die die Brust erhalten, läßt sich oft als 
Ursache des empirisch aufgedeckten Zusammenhanges des Neides und der 
Eifersucht mit der Oralerotik nachweisen, welch letzteren Umstand 
E i s 1 e r betont hat.™ 

Dazu kommt, daß manche direkt erotische Betätigungen der oralen Lust sich 
im Charakter widerspiegeln können (Verhalten zum Essen, Trinken, 
Rauchen, Küssen usw.), und daß auch diese erotischen Genüsse durch Subli- 
mierungen oder Reaktionsbildungen ersetzt werden können.'* Beiträge der Oral- 
erotik für die Redefunktion, normaliter eine Sublimierung, bei Störungen eine 
Reaktionsbildung, sind für die Psychogenese des Stotterns von Bedeutung. Dem 
entsprechen die polar entgegengesetzten Eigenschaften von Rededrang, Ruhe- 
losigkeit, Hast und Neigung zu trotzigem Schweigen als oralerotische Charakter- 
züge. Durch eine Verschiebung des Komplexes „Hunger" auf das Geistige 
kann die Wißbegierde zu einer oralen Charaktereigenschaft, unter Umstän- 
den mit der ganzen Gier einer ursprünglich oralen Leidenschaft ausgestattet, 
werden. Entsprechend erscheinen dann die Mittel, die Wißbegierde zu stillen, 
insbesondere das Lesen als Ersatz des Essens, speziell des leidenschaftlichen oral- 
sadistischen Einverleibens fremder Objekte, oft des Kotes. Die Analyse von Lese- 
störungen führt immer zu derartigen prägenitalen Triebkonflikten. Strachcy 
hat unlängst diese Zusammenhänge zum Gegenstand einer interessanten Arbeit 
gemacht.'^ Oft ist die Verkopplung der Gedankenwelt „Sehen" und „Essen" 
historisch auf bedeutsame Szenen zurückzuführen, in denen das Kind essen 
sah (z. B. ein Geschwisterchen, das gestillt wurde). 

7o)Eisl€r: Über Schlaflust und gestörte Schlaffähigkeit. Int Z, f. Ps.-A. VII 
(1921). 

71) Vgl. Spiel rein: Verdrängte Munderotik. Int. Z. f. Ps.-A. VI (1920). 

72) Strachey: Some Unconscious Factors in Reading. Int. Journal of Ps-A XI 
(1930)- 

II F e n i c h e 1, Perversionen 



i6z 



Ein Gedicht von Morgenstern beginnt: KorfF erfindet eine Mittagszeitung, welche, 
wenn man sie gelesen hat, ist man satt. wcicne. 

Dem Lesen gleichgeordnet ist häufig eine intensive Neugier, ein krampf- 
haft-gieriges Schauen als Substitut der Freßkst zu erkennen '= 

Sowohl eine besondere Freigebigkeit als auch ein besonders neidvolles 
Zurückhalten kann, der Gegensätzlichkeit der beiden Unterstufen entsprechend, 
auf orale Quellen zurückgeführt werden. Jede positive oder negative Betonung 
des Nehmens und Bekomm ens bei allen Beziehungen zu anderen Men- 
sehen deutet auf orale Ursprünge. 

Auf einen Zusammenhang der Ur e t h r a 1 e r o t i k mit der Charakter- 
eigenschaft des Ehrgeizes haben Jones- und später H i t s c h m a n n- auf- 
merksam gemacht Die Analyse zeigt, daß der Wettbewerb in Urinierfertigkeit 
ein führender Gedanke der kindlichen Urethralerotik ist. Der dabei entwickelte 
El^geiz kann allerdings auf ältere orale Quellen zurückgehen und besonders bei 
Madchen wegen der Aussichtslosigkeit des urethralen Wettbewerbes sekundär 
auf das Anale verschoben werden.- Phallisch sind auch Stolz und Mut resp 
Furchtsamkeit und Verschüchtertheit, je nach den Schicksalen, die die Angst 
um das Glied während der Kindheit erfahren hat. Sehr viel von dem, was wir 
„Mut nennen, ist _ sekundäre Überkompensation einer Angst, ein meist mit 
Hilte von Identifizierungen erlangter Triumph über eine solche ursprüngliche 
Angst Die „Entmutigung", die in der Theorie der Individualpsychologie eine 

r ■ t"; rr, ''"^' ^''^ ^"'^ " ''" ^^S^^ '^' ^- Kastrationskomplex 

zurückfuhren. (Allgemeines über die neurotischen Minderwertigkeitsgefühle be- 
handelten wir im Kapitel über die manisch-depressive Gruppe) 

Einen besonderen Beitrag zur Charakterbildung leistet der Kastrationskomplex 
noch bei manchen F r a u e n. Wir erwähnten, daß es wahrscheinlich kein kleines 
Madchen gibt, das nicht einen Penisneid entwickelt. Aber das spätere 
Schicksal dieses Penisneides ist ein recht verschiedenes. Ist er nicht sehr intensiv 
sokann er mit der Übernahme der weiblichen Sexualrolle praktisch überwunden 
sein, gewisse Anteile werden in verschiedener Weise sublimiert oder gehen in 
bestimmte individuelle Züge des Sexualverhaltens über. Ist er sehr intensiv oder 
wurde er frühzeitig verdrängt, so ist eine solche Erledigung ausgeschlossen. Wir 
haben gesehen, wie oft er in der Pathogenese von Neuros en eine ausschlag- 

73) Eine ausgezeichnete Darstellung, wie letzten Endes der orale Bemächtigungs- 
drang über viele direkt triebhafte und schon sublimierte Zwischenglieder schlfeß"fch 
zum Wissensdrang wird, gibt die für die frühe Entwicklung des Ichs so auf chlÜß- 
iS: X Vl\:;3"or^ S c h m i d t: Die Entwicklung des Wiltriebe. bei if S. 

74) Jones: Urethralerotik und Ehrgeiz. Int. 2. f. Ps.-A. III (iqij) 

75) Hitschmann: Urethralerotik und Zwangsneurose. Int. Z. f. Ps.-A VI figiol 

Ke^vfew'xiaS) ^"^'^ ^'^ "^'^""^^ ^^^"^ °^ ^^""^^^ Erotis^ K 



i6i 

gebende Rolle spielt. Eine nicht geringere Rolle spielt er dann aber auch für die 
Charakterbildung überhaupt. Abraham unterschied einen „Wunsch- 
erfüllungs"- und einen „Rachetypus", je nachdem, ob die betreffende Frau in 
ihrem charakterlichen Verhalten mehr bestimmt ist vom Begehren nach Über- 
nahme der männlichen Rolle, Phantasien vom gegenwärtigen oder zukünftigen 
Penisbesitz („Geschenk"), — oder von den Impulsen der Rache gegen die bevor- 
zugten Männer, welche Impulse sich wieder in sehr mannigfacher Weise äußern 
können." Das gegenseitige Verhältnis von Penisneid und Ödipuskomplex kann 
sich bei Frauen in verschiedener Weise charakterUch spiegeln, vor allem in 
„reaktiven" Charakterzügen. Karen H o r n e y beschrieb z. B. die äußerlich 
maskuline Frau, die feminine Haltungen abwehrt,™ Joan R i v i e r e die äußer- 
lich feminine Frau, die sich gegen tiefere männliche Tendenzen wendet.™ 

Da jeder Mensch in seinem charakterlichen Verhalten seine Beziehungen zu 
Besitz, Geld, zur Objektwelt überhaupt regeln muß, so ergibt sich aus dem 
Vorhergehenden, daß auch im rationalsten Charakter gewisse Züge aus der 
prägenitalen Erotik stammen müssen. Von Anomalien dürfen wir nur reden, 
wenn diese Zuschüsse entweder qualitativ im Sinne von Reaktionsbildungen 
resp. von direkt durchbrechenden Triebäußerungen statt von Sublimierungen be- 
herrscht sind, oder wenn sie quantitativ besonders hervorstechend sind. Das 
entspricht dem Umstand, daß jeder Mensch prägenitale Partialtriebe hat, aber 
nur mancher auf den prägenitalen Organisationsstufen der Libido fixiert geblie- 
ben ist. Die Aufzehrung prägenitaler Triebquantitäten in der Charakterbildung 
ist also ein normales Schicksal, das einen wesentlichen Teil der Funk- 
tionen der Latenzzeit darstellt, das aber nur in bestimmter Quantität und 
Qualität geschehen darf. Hier drängt sich die Frage auf, was denn mit den 
Resten der prägenitalen Triebquantitäten beim Normalen geschieht, bei dem sie 
nicht im Zustande der Verdrängung im Unbewußten bestehen bleiben, mit an- 
deren Worten, wie der Fortschritt von einer Organisationsstufe der Libido zur 
nächsthöheren überhaupt zu denken ist. Wandelt sich dabei prägenitale Libido 
in genitale, d. h. wird sie von ihrer erogenen Zone auf die genitale verschoben? 
Zum Teil gewiß. Abraham hat z. B. die anale Retention als ein auf die 
Sphinkteren verschobenes Saugen erkennen lassen.^" Die Analyse weist ebenso eine 
orale Komponente in der normalen vaginalen Erogeneität nach. Nach 
Fer enczis wohl übertriebener Annahme setzt sich die Genitalität überhaupt 
aus solchen verschobenen prägenitalen Besetzungsgrößen zusammen." Sodann 

77) Abraham: Äußerungsformen des weiblichen Kastrationskomplexes. Int. Z. 
f. Ps.-A. VII (1921). 

78) Horney: Flucht aus der Weiblichkeit. Int. Z. f. Ps.-A. XII (1926). 

79) Ri viere: Weiblichkeit als Maske. Int. Z. f. Ps.-A. XV (1929). 

80) Abraham: Psychoanalytische Studien zur Charakterbildung. S. 38. 

81) Ferenczi: Versuch einer Genitaltheorie. 



1^4 



darf man nicht vergessen, daß auch beim Normalen ein Teil prägenitaler Erotik 
unverändert erhalten bleibt, allerdings nicht in verdrängtem Zustand, sondern 
untergeordnet unter dem Genitalprimat und sich in Vorlustmechanismen offen- 
barend. Und em dritter Teil wird eben in besprochener Weise in der Charakter- 
bildung verbraucht. Ein Teil dieses Teiles wieder ist statt in Form von Subli- 
mierungen m der von Gegenbesetzungen untergebracht. Dieser Anteil fehlt beim 
Idealen Normalen ganz und ist beim Neurotiker groß. Er wird um so größer 
•Sern, je mangelhafter die Verschiebung auf die nächst höhere erogene Zone und 
je mangelhafter der Genitalprimat ist; diese Mangelhaftigkeit aber wird um so 
deutlicher sean, je größere Anteile der Prägenitalität das Schicksal der Verdrän- 
gung erfahren haben. So verstehen wir jetzt, was der Genitalprimat für die 
Charakterbildung bedeutet. Er bringt nicht nur der Objektwahl gegenüber die 
Überwindung der Ambivalenz und damit erst die Möglichkeit, zum vollen Ver- 
ständnis und zur Rücksichtnahme auf andere zu gelangen, sondern auch intra- 
psychisch eine Harmomsierung der verschiedenen Charakterzüge, ein Maximum 
an Sublimierung und ein Minimum an Reaktionsbildungen mit ihren aufzehren- 
den Gegenbesetzungen.'' 

Diese Übersicht ermöglicht uns zweierlei: i) ein Verständnis für die reale 
Mannigfaltigkeit menschlicher Charaktere; .) eine Ordnung der pathologischen 
Charaktere, soweit sie sich mit den Trieben auseinandersetzen. In erster Hinsicht 
erschien uns der Charakter als Spiegelbild der Schicksale primitiver Triebe und 
der gegen sie gerichteten Abwehrmaßnahmen. Diese Schicksale müssen so 
mannigfaltig sein, wie eben Anlagen und Erleben mannigfaltig sein können. 
Schon m der Neurosenlehre durften wir nie übersehen, daß ihre Gesetze wie 
etwa die Gesetze der pathologischen Anatomie und Physiologie nur Allge- 
mein gültigkeit haben, daß Begriffe wie „Ödipuskomplex" und „Kastrations- 
komplex formalen Charakter tragen, denen in jedem Einzelfall andere beson- 
dere und einmalige Inhalte zukommen.- Für die Charakterbildung gilt das in 
noch^ stärkerem Maße, da sie nicht nur ebenfalls von den mannigfaltigen Trieb- 
gestaltungen durch Konstitution und Erleben, dem Verhältnis von Prägenitalität 
zu Genitahtät, den speziellen Formen des Ödipuskomplexes abhängt, sondern 
auch von den mannigfaltigen Formen seiner Erledigung. Wollte man die dabei 
M rr. t°'""f "'J^'^ P^l''°'-^n -"f-ählen, so käme man. ähnlich wie die 
Mendelsche Vererbungslehre, zu Variationsrechnungen mit unwahrscheinlich 

82) Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Ges. Sehr. Bd V S 8j) 

der neurotische Charakter. Int. Z. f. Ps.-A. XV (1929) ^^""'- ^'' 8«"*1<= «"«1 
^^^84)^ Siehe Pen ich eh Spezialformen des Ödipuskomplexes. Int. Z. f. Ps.-A. XVII 



i6s 

hohen 2ahlen.'° Eine detaillierte Überlegung der Triebentwicklung und 
Über-Ich-Bildung zeigt, wie groß die Fülle der Störungsmöglichkeiten ist, und 
daß solche Störungen prinzipiell durch die Analyse nicht weniger korrigierbar 
sind als neurotische Symptome, da sie, analog wie diese, in der individuellen 
Vorgeschichte wurzeln. Man versteht ohne weiteres die Bedeutung des Zeit- 
punktes, in dem die Störung eintritt. Wie eine Verletzung des Froscheies im 
Zweizellenstadium von verhängnisvollerer Bedeutung ist als die Verletzung der 
Kaulquappe, so sind Störungen der oralen Periode verhängnisvoller als solche 
der genitalen. Aber nicht nur das Entwicklungsstadium der Gesamtpersönlichkeit 
im Momente einer Versagung ist für deren charakterliche Verarbeitung aus- 
schlaggebend, sondern auch der spezielle Entwicklungsstand der jeweils betrof- 
fenen Triebe. Da das dynamische Wechselspiel zwischen Trieb und Triebabwehr 
bei Versagungen auf verschiedener Entwicklungshöhe verschieden aussieht, muß 
auch, wie abermals Reich im Einzelnen ausgeführt hat,«» sein charakterliches 
Produkt ein verschiedenes sein. So hängt der Charakter in seiner Einzelgestaltung 
von den einmahgen Erlebnissen der individuellen Vorgeschichte ab, von Anzahl 
und Art der Personen der Umgebung, von dem Umstand, ob das Kind inner- 
oder außerhalb einer Familie aufwächst, wie groß diese Familie ist, welche 
Charaktere die Eltern haben, so daß man wieder auf den allgemeinen Charakter 
unserer Ausführungen aufmerksam machen muß, der nur durch spezielle 
Krankengeschichten ergänzt und überwunden werden könnte. 

Daß 2. B. manche Charakterbildungen nur bei einem bestimmten Platz in der 
Geschwisterreihe möglich sind, hat u. a. S a d g e r sehr frühzeitig betont.»' Ein einziges 
Kind erlebt den intensivsten Ödipuskomplex und die geringste Gelegenheit zur Ein- 
ordnung in die Sozietät,«» das älteste kann sich am ehesten mit dem Vater identifizieren 
und „nach unten drücken", das jüngste ist der Gefahr der Verwöhnung ausgesetzt, das 
mittlere der, nicht genügend geliebt zu werden.«» Die Möglichkeit, Regungen des 
Ödipuskomplexes auf Geschwister zu übertragen, kann, je nach Umständen, entlastend 
wirken oder neue Konfliktmöglichkeiten mit sich bringen usw. 

Die Bedeutung der Geschwisterzahl für die soziale Einordnung mag z. B. aus 
einem Traum eines Patienten mit mehreren älteren Brüdern erschlossen werden: „Ich 
komme mit der Mutter von einem Spaziergang heim, von unserm Haus hat aber 
inzwischen eine Räuberbande Besitz ergriffen." Die Räuberbande, das sind die Brüder,, 
mit denen er nach dem Spaziergang den Besitz der Mutter wieder teilen muß. 

8j) Eine Tabelle der in Betracht kommenden Faktoren bei Reich: Die charak- 
. lerologische Überwindung des Ödipuskomplexes. Int. Z. f. Ps.-A. XVII (i9ji). 

86) Reich: Die charakterologische Überwindung des Ödipuskomplexes. Int. Z. 
f. Ps.-A. XVII (193 1). 

87) Sa dg er: Zur Psychologie des einzigen und des Lieblingskindes. Fortschr. 
d. Med. (191 1). 

88) Meng: Das einzige und das einsame Kind. Neue Erziehung X (1928). 

89) Hug- Hellmuth: Vom „mittleren" Kinde. Image VII (1921). 



i66 



Zur Erfassung der Charakteranomalien bieten sich uns nun etwa folgende 
Gesichtspunkte dar: z) Charaktere, die zu sehr von prägenitalen Zügen beherrscht 
smd; 2) Charaktere, die zu sehr von Reaktionsbildungen beherrscht sind; 
3) Charaktere, deren Identifizierungen und Sublimierungen abnorm sind. Es ist 
Mar, daß eine solche Einteilung keine systematische ist, daß vielmehr Fälle der 
emen Kategone gleichzeitig einer anderen zugerechnet werden müssen, daß die 
zweite und dritte Kategorie vielleicht nur Unterabteilungen der ersten darstellen, 
da ja, wie wir gesehen haben, ein Überhandnehmen der Reaktionsbildungen eben- 
falls einer prägenitalen Fixierung zugeordnet ist. 

ad Was unter „Analcharakter" und „Oralcharakter" zu verstehen ist, haben 
wir ausführlich besprochen. Da wir prägenitale Fixierungen als für besondere 
Keurosenformen charakteristisch erkannt haben, müssen wir die Erwartung haben, 
daß diese Zuordnung in der Erfahrung bestätigt wird, daß z. B. Zwangsneurotiker 
einen Analcharakter, Melanchohker einen Oralcharakter aufweisen, überhaupt 
müssen wir erkennen, daß man von hier aus das Verhältnis zwischen Neurose 

'' Tau '^ T"""'" ''^""^ "Charakterstörungen" sind nicht nur eine schwer 

. faßbare Neurosenform, die ein letztes Kapitel einer „speziellen Neurosenlehre" 
verdient, sondern alle Neurosen wachsen auf einer charakterlichen Basis, auf 
^ emer besonderen Art des Ichs, sich mit der Außenwelt und den Trieben aus- 
' einanderzusetzen (sie abzuwehren), die ihrerseits ebenfalls durch die Schicksale 

der infantilen Sexualität entstanden ist."" 
/ Unsere Erwartung erfüllt sich: Die Zwangsneurotiker sind sämtlich Anal- 
charaktere. Man kann zur Beschreibung des Zwangscharakters in Ergänzung 
des bisher iiber den Analcharakter überhaupt Gesagten in Hinsicht auf Außen- 
welt und Über-Ich hinzufügen, daß er außer auf den charakterlichen Offen- 
barungen seiner Denkveränderungen (Grübelsucht, Zweifelsucht), seiner Ambi- 
valenz und Bisexualität (die Abbiegung der MännHchkeit durch die Analerotik 
beschrankt sich nicht auf das eigentlich sexuelle Gebiet) auch auf Spiegelungen 
der doppelten Gegenbesetzung" im Charakter, etwa von der Art der Neigung 
zu bestimmten Formen der socialen Angst, beruht. So wird, was wir „Zwan<^s- 
charakter" nennen, die vielleicht nosologisch klarste Diagnose innerhalb der 
Charakterstörungen. Es gibt solche Zwangscharaktere ohne jedes eigentliche 
Zwangssymptom. Und leider wissen wir nur sehr wenig zur differentiellen 
Ätiologie von Zwangsneurose und Zwangscharakter." Vielleicht ent- 
spricht der Zwangscharakter (ähnlich wie die chronische Neurasthenie) 
mehr einer Entwicklungsstörung als einer Regression; vielleicht - und 
das wäre kein Widerspruch dagegen - g ibt eine Differenz in der 

90) Siehe Reich: Über Charakteranalyse. Int. 2. f. Ps.-A. XIV (igzS) 



I 



16/ 

Relation von Ichentwicklung und Libidoentwicklung den Ausschlag, d. h. be- 
sondere Schicksale der kindlichen Identifizierungen. — Analytisch lassen sich 
Zwangscharaktere in ähnlicher "Weise wie Zwangsneurosen behandeln. Sie sind 
— schon wegen der mangelnden Krankheitseinsicht und der überragenden 
sekundären Gewinne — im allgemeinen schwerer zu behandeln als Zwangs- 
neurotiker, sonst aber ihnen außerordentlich ähnlich, da ja die Mechanismen 
die gleichen sind. Ihre Analyse erscheint so im allgemeinen lang und kompli- 
ziert, aber keineswegs aussichtslos. 

Beim „Zykloiden" wird man entsprechend einen oralen Charakter erwarten. 
Aber leider ist dieser nicht so eindeutig wie der Analcharakter. Immerhin 
zeigen sowohl Manisch-Depressive als auch ihre neurotischen Abortivformen 
neben überraschend vielen analen Charakterzügen die vorhin beschriebenen 
Haltungen des oralen Charakters."^ Trotzdem denkt man aber, wenn man vom 
„zykloiden Charakter" spricht, zunächst an etwas anderes, nämlich an die 
das ganze Verhalten färbenden Stimmungsschwankungen. Es ist die diffuse 
Natur des Symptoms, die es ermöglicht, dieses unter die Charakterzüge zu 
rechnen. Es ist von der gleichen Natur wie das der echten Manisch-Depressiven, 
gehört in das Kapitel „Auseinandersetzungen mit dem Über-Ich", die, wie wir 
hörten, allerdings dem Vorbild der Auseinandersetzungen mit den oralen Ob- 
jekten folgen. Wir haben sie in dem betreffenden Kapitel behandelt. Depression 
und Manie des zykloiden Ablaufes können durch andere verwandte Erschei- 
nungen ersetzt sein. Wir erwähnten „Rausch— Kater"; es gibt auch körperliche 
„Depressionsäquivalente", die von Landauer beschrieben worden sind,*' 
wahrscheinlich sind auch die zykloiden Symptome der „Wanderer""* und 
anderer „periodisch" Impulsiver durch Abwehrmaßnahmen coupierte Depres- 
sionen. Hierher gehören auch viele der A le x an de r sehen „neurotischen 
Charaktere""^ (s. später), bei denen Erfolg und Mißerfolg abwechseln wie 
Manie und Depression. Bei ihnen allen sind auch die Zeichen des Oralcharakters 
nachweisbar. Über die Indikation der Analyse haben wir im Kapitel über die 
manisch-depressive Gruppe gesprochen. 

Anale und orale Charakterzüge müssen auch der narzißtischen Fixierung der 
Schizophrenie entsprechen und tun es auch. Was man als „schizoide Charaktere" 
anspricht, ist immer mit analen und oralen Charakterzügen ausgestattet; dazu 
kommen aber abortive schizophrene Mechanismen; es handelt sich dabei also 
um ein schwaches, in der Entwicklung gestörtes oder regrediertes Ich, das mit 

92) Siehe Abraham: Untersuchungen über die früheste prägenitale Entwicklungs- 
stufe der Libido. Int. Z. f. Ps.-A. IV (1916). 

93) Landauer: Äquivalente der Trauer. Int. Z. f. Ps.-A. XI (192 j). 

94) Bernfeld: Der soziale Ort und seine Bedeutung für Neurose, Verwahrlosung 
und Pädagogik. Imago XV (1929). 

9j) Alexander: Der neurotische Charakter. Int. Z. f. Ps.-A. XIV (1928). 



i68 



,s"To?r^^^^ "^^^^ f-i, ..d. Eine Un.e. 

-eher Charatter" dasselbe wie eine „sLach P ;Jw' £ " 7 "'^'^t 
der Psychotiker die Realität ganz und gar der Nor^ ' . 7 ' "" ^• 

«ur ein klein wenig, der „paranoide Sak L' s et " .'" ''^"'"''^" 
Prävalenz der Charakterzüge des MiiJ trauet Td d^F ." '^^'^"^ ^' 
für ihn charakteristisch (abortiver Verfnl! u '^^'' ^^ f er su ch t ist 

die Übergänge zwischen '^Zll^^^. ^J "t^!!'^^-^'^- «^- 
nien"). Wir erwähnten schon, daß alwZ t u f ^"'^ "^'^ Schizophre- 
den Charakter enorn^er, in der Re/e '2 ^^^^P'^^^""^^^ Hemmungen oft 
Reaktionsbildungen habL, theC£h Td '•'""" 'i^^''"'^'" ^^"^'^^"' 
greifen als Zwangscharaktere, erC tg rir;:!^-^"'* '^^'''' ^"^''- 
Weinsicht (der gesunde „Rest der Per n/cUeTt' ist"Tf " 'TT ^""'- 
^-egen der Gefahr, den Patienten in .• "^^f ^^'f ''^ ^^«ner) und zweitens 
- Kapitel „Die Schizophlw' ^''^'"^ ^^-einzutreiben; näheres siehe 

Der Begriff „hysterischer Charakter" ;.,• 

müssen von ihn. phallische Züge rwarTen 1 TJ T'" "'^'^""^- ' ^'' 

und gleichzeitig ihre Ablehnung Zcharak?; ""' '" ^^^"^^^^^^^ 

Sexualität neben dem ewigen inL£en Be^^'r'^'. '" '"^ '^'^" ^^ ^- 

• So scheint die S u g g e s t i b i Ht ä7. ^^^^^^^^^^gtsem mit ihr widerspiegeln. 

Wer Obiektbezie^i: enl:!: i^i^^^^ in- 

ntroversion, d. h. der phantastischen Abwen^ g^oj ^^^^^^^^^^^^^ '^ 

leicht emem Versuch ■{^c\^ il,. A l ^ ^ Realität und viel- 

- Wie ist es m 1 1; " o ebeTfl /"T"'"' ""^^ "^^"'^^^ ^^ ^"-. 

und ihrer stärksten Ausplgt; ^ le^^^^ T'""^" Lügenhaftigkeit 
erkennen wir zunächst dfe Phan as Jk , W '^^^ """"^^ ^'^ ^^' 

Racheaktion, weil man selbst rtr^fTuT""^ '^'^ -irksam; daneben eine 
selben Mechanismen ^etlm^rferh:^^^^^^^^^^^^ 
besprochenen Mechanismus, sich vorenthalten ul , . " '^' °^^^ 

96) Die Arbeit von Wittplt- T^= u ^ ! " ~ 



169 

r!',;jr """""" ^"'^"' ™ ^^^'^^^^^-^ -f-^I- Sexualgeschlchte 



von manischen Schüben herau "eTke Oh "'^ T'^ '^ ^'' ^"^'^^^ ^^^ ^'J--!-^ 

deutung zukommt, ist mt nk^tw ° Zusammenhang typischere Be- 

Charaktere bezeichnen, über die später die Rede sein wird 

T^^rJ^lirJr,^^^^^^^ ^-- i^'^- Menschen .u. 

lorie Hi.r .^ '^^^.^o«, die Psychoanalyse sei eine „entlarvende" Psycho- 

vorherrschen ist un.wH ^^ ?""''*^^' '" 'ä^«' die Reaktionsbildungen 

Triebdurchbrüche zerriLn und / u T, ''""" ^^''^^^ vorkommende 

liehen Züge eines i: iZ^T, T ^u' ''\'^'^" '^^^ --^"^- 
gesagt, daß er mit de^ f '^''T'" Charakters" bereits besprochen, ebenso 
5 gt, aaii er mit dem „pragenitalen Charakter" oft zusammenfäll, 
emem anderen Gesichtswinkel aus gesehen ist Diln T ^ A.""' ''"" 

neu,rose vid deutlicher und vor allem dauernder in ErscheiZg tritf als be X 

^^-rl^'^r' '" T'' ''- '-'-- Frage,'™ eLut 
der ebe reaktive Charakter verschiedene Inhalte immer auf ein und dieselbe 

aTJ L k •" ^r ™ ^'°^ Verhaltensweise mit solcher 1" 

auW, können wir sie als Charakterzug bezeichnen), können wir jetzt b'ts 
prinzipiell geben: Die Ursache muß in der Geschichte der infantilen slalt 
msbesondere m der der Identifizierungen gelegen sein. Die hi tr gehltn 
Charakterzuge erscheinen so als Folgen und Sicherungen bestimmte aZ! 
meiner oder spezieller Verdrängungen. Soweit es Foleen" „"nd l aT t 
um „Hemmungen", soweit „Sicherungen", Jl^^Z^^^ i:^ 
Typen seien hervorgehoben: Die allgemeine charakterliche TriebTbw^hr 7e 
Asketen haben wir erwähnt. Spezieller ist die Affektkälte h.T 
^em^onders d^erenziertem Gefühlsleben, ^Jt^^^^^^ 

nnfafrt:::;^:2.:^tT^2: ?Ps?A'xv-ta^,r '''''' ""'•' ""'' ^^""^'^ 
locOJehe das Kapitel „Hemmungszustände" meines BucL „Hysterien und Zwangs- 



neurosen' 



170 



Phantasien zu provozieren."^ Der Ü b e r i n t e 1 1 e k t der Zwangscharaktere 
erscheint gleichfalls als eine Flucht vor dem Gefühls- und Triebleben, 
die aber typischerweise mißlingt. Eine Abart dieser Kategorie ist der 
Theoretiker, der besonders gegen seinen Schautrieb Reaktionen 
aufbaut, nicht die Gegenstände betrachtet, sondern nur ihren begriff- 
lichen oder wörtlichen Widerschein. Ihm kommt eine besondere tech- 
nische Bedeutung in der analytischen Behandlung zu, denn er ist allzu 
rasch bereit, intellektuelle Deutungen anzunehmen, ohne seinen „Charakter- 
widerstand" aufzugeben. Deshalb hat es keinen Sinn, bei solchen Typen in der 
Analyse viel über die Inhalte des Unbewußten zu reden, bevor diese Isolierung 
vom Affekt aufgehoben ist. Die allgemeine technische Regel, im Widerstand 
keine Inhaltsdeutungen zu geben, sondern erst den Widerstand zu analysieren 
hat hier die Bedeutung, daß man zunächst weniger das analysieren darf, was 
der Patient sagt, sondern die Form, w i e er es sagt. Offenbar hat R e i c h recht 
daß hier nur besonders deutlich wird, was für die „Charakteranalyse" über- 
haupt gilt."' 

Ein Patient, dessen Schauhemmung so weit ging, daß er, der philosophisch sehr be- 
wandert war, über die allerprimitivsten Realitäten des Lebens überhaupt nicht Bescheid 
wußte, hing an alle Deutungen seine Zweifel. Schließlich stellte sich heraus, daß er 
an den Ödipuskomplex nur glauben wollte, wenn er ihn irgendwie gegenständlich vor 
s.ch sehen konnte. So war der durch die Verschiebung auf das Denken abgewehrte 
bchautrieb „aus der Verdrängung wiedergekehrt". 

Verwandt ist die De pe r s o n a 1 i s a t i o n, .bei der ebenfalls innere Wahr- 
nehmungen seelischer Art verdrängt werden, was bei schizoiden Charakteren 
in allen möglichen Formen auftritt. Ähnliche einzelne Verdrängungen finden 
Ausdruck in Begabungshemmungen und bei den Menschen, denen bestimmte 
„Erlebnisqualitäten" fehlen. 

Wenn es, wie Jones annimmt, einen „Angstcharakter" gibt,"^ d. h. Men- 
schen, deren Persönlichkeit beherrscht ist durch die Neigung, auf alle Reize 
mit Angst zu reagieren oder mit Reaktionsbildungen darauf, so ist er ebenfalls 
hieher zu rechnen, denn die Angst stellt ja ein Abwehrsignal des Ichs dar. 
Viele „reaktive" Charakterzüge halten nicht direkt einen verpönten Trieb- 
anspruch nieder, sondern richten sich (in der Phobie analoger Weise) gegen die 
Angst, die zuerst den Trieb hatte abwehren sollen. Es handelt sich um Menschen, 
deren ganzes Verhalten der Absicht dient, Angsterlebnissen zu entgehen, welche' 
Absicht die Analyse entlarven und vereiteln muß. 

Häufig sind Arbeitsstörungen, die phobischen Mechanismen folgen, wie z. B. bei 
loi) Ferenczi: Über forcierte Phantasien. Int. Z. f. Ps.-A. X (1924) 

( TK^Vrrr^l ^"'^ '^'^^"^ ^" °'"""S «nd der Widerstandsanalyse". Int. Z 
t. i's.-A. XIII (1927). 

Numbe/.°4o.''^ '^^^ ^"^'"'' Character. Med. Review of Reviews Psychopath. 



Menschen, die beim Aufsuchen des Arbeitsortes, der unbewußt sexuelle Bedeu- 
tung angenommen hat, mit Angst reagieren. Ihnen ist die natürliche und zum 
gesunden Berufsleben notwendige Aggression als mit homosexueller Libido 
sexualisiert verboten. 

Der affektfcälteste Patient, den ich jemals sah, der Monate der Analyse in monotonster 
Weise scheinbar gleichgültige Dinge besprach, der dabei alle Aggression als „unver- 
nünftig" ablehnte, der seinen Technikerberuf vernachlässigte, weil, wie er sagte, alle 
technischen Erfindungen von Kriegstechnikern für ihre Vernichtungspläne ausgenützt 
würden ^ und er dazu nicht beitragen wollte, pflegte frei assoziierend schon innerhalb 
zwei Minuten nur mehr Kritik an öffendichen Institutionen oder an der Verhaltungs- 
weise anderer Menschen zu üben. Es gab überhaupt kein anderes Thema als intellek- 
tuelle Kritik. So „drang" ihm der abgewehrte Sadismus „aus allen Poren". 

Von einem anderen affektlahmen Patienten, der alle Aggression nur gegen sich selbst 
wendete und keiner Fliege etwas zuleide tun konnte, stellte es sich eines Tages heraus, 
daß er seine Symptome aggravierte und Zwangsimpulsen leichtester Art immer nachgab 
mit der Begründung: „Ich will doch sehen, ob der Analytiker mir meine Symptome 
rauben kann, wenn ich nicht will." So verfälschte er die analytische in eine Kampf- 
situation, die ganz verdrängte Aggressionsneigung so entstellt befriedigend. 

Natürlich kann nicht nur eine aggressive Hemmung Berufsstörungen dieser 
Art im Gefolge haben, auch die passive Art, mit der man der Aggression aus- 
weicht, kann wieder sexualisiert werden, so daß Berufs- und Konkurrenzkampf 
im aktiven und passiven Sinn als Sexualäquivalente gemieden werden. Das ist 
eine Art „Wiederkehr des Verdrängten aus der Verdrängung" beim passiv- 
femininen Charakter: Wie schon mehrfach besprochen, bleibt demjenigen, 
dessen Aktivität durch eine ungeheure Kastrationsangst lahmgelegt ist, nichts 
anderes übrig, als seine Befriedigung in der ihm aufgezwungenen passiven 
Haltung zu finden. Ein solcher Charakter zieht sich affektiv oder tatsächlich 
mehr oder weniger aus der ganzen Welt zurück, weil die ganze Welt ihm voll 
Mord und Totschlag ist, die er sowohl verüben als auch erleiden könnte, ~ was 
ein entstellter Ausdruck ist für seine sexuellen Wünsche. Man versteht, warum 
es auch bei solchen passiven Charakteren wichtig ist, die Beseitigung des „Cha- 
rakterwiderstandes" bei der analytischen Kur vor allem im Auge zu haben."' 
— Sehr schön hat Reich in einer Arbeit gezeigt, daß es nicht nur solche 
passiv-gefügige Menschen gibt, die eine durch die Analyse zu entlarvende 
Angriffslust verbergen, sondern genau so wilde Draufgänger, die eine übergroße 
Passivität oder Ängstlichkeit überkompensieren."^ — „Arbeitsstörungen" können 
auch noch nach verschiedenen ganz andern Typen gebaut sein. Praktisch be- 
sonders wichtig ist die „neurasthenische Arbeitsstörung", bei der die unerledigte 
Erregung die zu jeder geordneten Arbeit nötige innere Ruhe verhindert. 

104) Reich: Zur Technik der Deutung und der Widerstandsanalyse. Int. Z. 
f. Ps.-A. XIII (1927). 

105) Reich: Zwei narzißtische Typen. Int. Z. f. Ps.-A. VIII (1922). 



172 



ihr^esfn i G^ '^'"^ ''^'^'' "'^ ^-"^»^^f- Charakter an. der 

schTr- d i^r r"' ""'"^^ ^^^°^^" - B. „Arbeitsmen- 

Lhor« , "" Zwangsneurotiker, der seine Symptome unterdrückt 

„Roboter nannte sich mit Recht ein solcher Patient Rei ch s -Tbtuct 
nicht naher ausgeführt zu werden, warum eine solche Arbeit auch in R. 

^aarau^.u.ckgehen^a. ^^^l. ^J^:^^:^^::;- 
zu tkr .^T"^"''f ^^ '" ''^^'^" '^^^ ^-"^^'-n Arbeit dü2n o 

gegen d,e Außenwelt) anlegt - Der charakterliche Panze! ist entlüfden als 
^S^Za:^ T'7 Aufeinanderprallens von Triebansprkr Id . ! 
sagender Außenwelt und „bezieht aus den aktuellen Konflikten zwischen Trieb 

(Der WT ""^ ^'1: ""' "^"^ '""''^"^^'^'^^ Daseinsberechtigung^ - 
Im mard cTu ^f ^^^^--'^l-I^ -gehende Berücksichtigung finden 

zu vlrchlLS^^^^^^^^^^^ '\\"^^ ^^™^ psychischen' Geschehen 
erf Jrt m No ^ " "^'T ^'^' '^"='^"' ''"^'^^ ^'^ ^'^ Kommunikation 
sorol ^"^,'^°™^'^" ''"^" diese Löcher groß und zahlreich, bei den be- 
sprochenen Charakteranomalien klein und eng. Die analytische Kur, die durcl 

gäbe diesen Panzer zu zertrümmern. Prinzipiell kann sie diese Aufgabe leisten 
da der „Panzer" ia ein Entwicklungsprodukt der infantilen Sexualg s Weht 
darstellt, ^ir erwähnten, daß zu einem gewissen Ausmaß die Charakterat l e 

107) Ferenczi: Sonntagsneurosen. Int. 2. f Pc-A V /t«.„i 4 u • „ 
steine zur Psychoanalyse. Bd. II, S. 178 ff " ^^^^- ^'^"^ '"■" ß^"" 

108) Reich: Über Charakteräna'lyse. Int. Z. f Ps-A XTV frn.s^ a t^ 

tale und der neurotische Charakter. Int. 2. f Ps -A XV Trf^f ^t, ^^ ^"' «'"'■ 
fassende theoretische und praktische Darstellung dieVersIitedefVf^'t'^rr'"'"' 
Reich: Die charakternln,»;»rl,„ rTk ■ j 7 "^"^ Charakterlehre in 

f. P..-A. XVII (^5jy"'°'°S"'='>= Überwindung des Ödipuskomplexes. Int. 2. 

f/Ä^Xvtl^x'';^i),t.tr'°''"'^ Überwindung des Ödipuskomplexes. Int. 2. 



173 

liehe Voraussetzung jeder Neurosenanalyse ist."» NX^o die Beseitigung solcher 
Charakteranomalien aber die Hauptaufgabe der Analyse darstellt, kommt gegen- 
über der Neurosenanalyse die Schwierigkeit dazu, die sich aus der mangelnden 
Krankheitseinsicht und der Prägenitalität ergibt. Die erstere ist besonders 
wichtig. Wo die Krankheitseinsicht fehlt, muß sie geweckt werden, denn man 
kann em Symptom nicht analysieren, ohne daß es als solches empfunden wird, 
die gewohnte Art eines Menschen nicht, solange sie ihm nicht selbst proble- 
matisch geworden ist. 

ad 3) Unfähigkeit oder herabgesetzte Fähigkeit zu Sublimierungen im weite- 
sten Sinne kann zunächst den Charakter einer einfachen Hemmung tragen, 
wie wir das für manchen Begabungsmangel angenommen haben. Überall dort, 
wo ein Trieb durch Gegenbesetzungen niedergehalten wird, so daß er nicht 
frei abströmen kann, ist auch eine Sublimierung unmöglich. (Deshalb ist ja 
die Reaktionsbildung, die der Ausdruck einer vollzogenen Verdrängung ist, der 
Gegensatz zur Sublimierung, die durch die Verdrängung ausgeschlossen wird.) 
Dadurch kann auch die Analyse, die Verdrängungen aufhebt, damit automatisch 
Sublimierungsmöglichkeiten schaffen.'" Sublimierungsstörungen durch frühzeitige 
Verdrängungen fallen daher zusammen mit den sub 2) besprochenen Charak- 
teren. Man kann sich auch vorstellen, daß dort, wo frühzeitig verdrängt worden 
ist, eben dadurch eine Identifizierung nicht mehr möglich ist."' Wie wesentlich 
die Identifizierungen für die Charakterbildung sind, nicht nur in der Reinlich- 
keitserziehung und in der Überwindung des Ödipuskomplexes, sieht man erst 
bei der Analyse ihrer Störungen. 

Aber nicht alle Identifizierungsstörungen müssen auf frühzeitige Verdrän- 
gungen resp. andersartige mit Gegenbesetzungen erfolgte Triebabwehren zu- 
rückgehen. Solche sehr frühe Störungen der Objektbeziehungen, die den Identi- 
fizierungen überhaupt eine andere Rolle im Gesamtleben zuteilen,"' fallen zum \ 
Teil mit schon besprochenen Charakteranomalien zusammen; (auf einen be- 
sonderen Typus werden wir noch später zu sprechen kommen). Sondern die 
Identifizierungen können auch aus verschiedenen Gründen an falscher 
Stelle erfolgen, sei es, daß man sich mit einem „falschen" Objekt identi- 
fiziert — der wichtigste hierher gehörende Spezialfall ist wohl die von R e i c h 

iio) Siehe auch Reich: Zur Technik der Deutung und der Widerstandsanalyse. 
Int. Z. f. Ps.-A. XIII (1927). 

m) Siehe Freud: Aus der Geschichte einer infantilen Neurose (Ges. Sehr. 
Bd. VIII, S. J12). ^ 

112) Vgl. Berta Bornstein: Zur Psychogenese der Pseudodebilität. Int. Z. 
f. Ps.-A. XVI (1930). 

113) Ein Beispiel dafür: Josine Müller: Früher Atheismus und Charakterfehler- 
entwicklung. Int. Z. f. Ps.-A. XI (192J). 



174 



so genannte „geschkchtHcbe FehJidentifizierung""" _ sei es, daß die Identifizie- 
rung mit einem Objekt an einer falschen Stelle erfolgt, z. B. relativ zu viel 
im Triebverhalten, zu wenig in den Verboten. Endlich kann eine Identifizie- 
rung auch m psychologisch durchaus normaler • Weise erfolgen, aber mit einem 
an sich pathologischen Objekt, so daß dadurch das Resultat der Identifizierung 
ebenfalls ein pathologisches wird. Das gröbste Beispiel hierfür wäre ein Sohn, 
der die verbrecherischen Ideale seines verbrecherischen Vaters übernimmt 
Weniger grob, dafür aber um so häufiger ist es, daß die Milieuumstände eines 
Kindes eine tiefere Identifizierung durch raschen Wechsel der Milieupersonen 
überhaupt unmöglich machen, oder auch, daß das zerrissene und widerspruchs- 
volle Benehmen eines und desselben Objektes der Identifizierung mit ihm eben- 
falls eine pathologische Form aufdrückt. Solche Umstände müssen Gestalt und 
Starke des Ober-Ichs wesentlich beeinflussen und sind, wie wir hören werden, 
tatsächlich in der Anamnese von Uber-Ich-Anomalien sehr häufig aufzu- 
decken. Häufiger Milieuwechsel oder Anomalien der Familiensituation sind in 
der Anamnese der sogenannten „Verwahrlosten" fast 'regelmäßig,"^ schreiende 
Inkonsequenzen der Erzieherpersonen in den Fällen von „sozialer Angst""« 
ebenso häufig aufzudecken. So versteht man, daß das soziale Moment für die 
Charakterbildung von noch größerer Bedeutung ist als für die Neurosenbildung 
für die sie F r e u d zum ersten Male in seinem Gleichnis „Zu ebener Erde und 
im ersten Stock" angedeutet hat."' Bei allen diesen Typen steht aber nicht so 
sehr die Beziehung des Ichs zu den Trieben, als die zu Außenwelt und Über- 
ich ini Vordergrunde. Indem wir nochmals betonen, daß das Wesentliche am 
Charakter die Kombinierung aller drei Ansprüche ist, so daß ihre Trennung 
in der Besprechung von Charakteranomalien auf jeden Fall etwas Künstliches 
an sich haben muß, wenden wir uns nun diesem Verhalten gegenüber Außen- 
welt und Über-Ich zu. 

Anomalien des Ichs in diesen Beziehungen sind wir bereits mehrfach be- 
gegnet. Man wird für ihr Verständnis stets an das Wort von Freud denken 
müssen, daß es dem Ich mögUch sei, einen „Bruch nach irgendeiner Seite da- 
durch zu vermeiden, daß es sich selbst deformiert, sich Einbußen an seiner 
Emheithchkeit gefallen läßt, eventuell sogar sich zerklüftet oder zerteilt""« 

Wenn wir das charakteriiche Verhalten der Außenwelt gegenüber betrachten 

H4) Reich: Der triebhafte Charakter. 

II 5) Aichhorn: Verwahrloste Jugend. - Statistisches bei Kraus: Die Ver- 
waisung als soziale Erscheinung. Z. f. ps.-a. Pädag. IV (1930). 

f. PslA^XVirCc"") ^"'''^''^'''""S'g"^'^''^'^*^ """ Falles von sozialer Angst. Int. Z. 
S."J^/^66)^"'^' Voriesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (Ges. Sehr. Bd. VII, 
118) Freud: Neurose und Psychose (Ges. Sehr. Bd. V, S. 422). 



I7J 

wollen, so müssen wir zunächst eines Typus gedenken, der nach ganz anderen 
Kriterien beschrieben wurde als die, die wir bisher zugrundelegten, so daß die 
Einteilung, die ihn vom Normalen oder Neurotischen trennt, disparat ist zu 
unserer bisherigen Einteilung; Angehörige aller bisher besprochenen Charakter- 
typen können auch ihm angehören. Ich meine die von Alexander noso- 
logisch zusammengefaßte Einheit des „neurotischen Charakters".*" So nennt 
er Menschen, denen die Außenwelt ein Ort zur Austragung innerer neurotischer 
Konflikte wurde. Wir kennen aus der analytischen Kur das Phänomen des 
Agier ens. Es hesteht darin, daß die Patienten in der Übertragung ver- 
suchen, die neu mobilisierten alten Konflikte nicht nur zu erzählen, sondern 
im Verhältnis zum Arzt noch einmal zu erleben, wobei es auffällt, daß dieser 
Drang zum Wiedererleben sich sogar über das Lustprinzip hinauszusetzen 
scheint."" Aufgabe der Analyse ist es dann, diesen Drang zur Aktion schon in 
statu nascendi zu erkennen und durch rechtzeitige Besprechung das Handeln 
zu verhindern und durch Erinnern zu ersetzen. Nun lehrt die analytische Er- 
fahrung, daß es Menschen gibt, bei denen diese Aufgabe besonders schwer 
gelingt. Es sind dieselben, deren Aktionen sich keineswegs auf den Bereich 
der Analyse beschränken, sondern denen die Analyse nachweisen kann, daß 
auch die sonstigen Handlungen im Leben mehr Wiederholungen aus der Kind- 
heit oder Versuche zur Erledigung kindlicher Konflikte darstellen als rationale 
Unternehmungen. Alle sogenannten „Übertragungsaktionen" im Leben gehören 
hieher — und damit die meisten in der Literatur mitgeteilten, durch Analyse 
heilbaren passageren Anomalien der Verhaltungsweise, wie Streitsucht, Prahl- 
sucht, Rachedurst, Empfindlichkeit, Trotz etc. Eine solche innigere Beziehung 
des Unbewußten zur motorischen Sphäre imponiert wie eine — von der 
Neurosendiagnose völlig unabhängige — Grundeigenschaft. Die Typen, die 
Alexander als „neurotische Charaktere" zusammenfaßt, haben diese Eigen- 
schaft im höchsten Grade. Ihr ganzes Leben stellt ein „Agieren" dar. Ihrem 
analytischen Studium muß die Frage nach Genese und Mechanismus dieser Eigen- 
schaft zum Hauptproblem werden. 

Auch die Erfassung dieser Charakteranomalie wurde durch Freud vor- 
bereitet, der unter dem Titel „Einige Charaktertypen aus der psychoanalyti- 
schen Arbeit" drei hiehergehörige Typen beschrieb:"' „Die Ausnahmen", d. h. 

119) Alexand er: Kastrationskomplex und Charakter. Int. Z. f. Ps.-A. VIII 
(1922), Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit und: Der neurotische Charakter. Int. 2. 
f. Ps.-A. XIV (1928). Vgl. hiezu Glover: The Neurotic Character. Int. Journal of 
Ps.-A. VII (1926) und: Einige Probleme der psychoanalytischen Charakterologie. 
Int. 2. f. Ps.-A. XII (1926). 

120) Freud: Jenseits des Lustprinzips (Ges. Sehr. Bd. VI, S. 225). 

121) Freud: Einige Charaktertypen aus der psychoanalytischen Arbeit (Ges. Sehr. 
Bd. X). 



176 

Menschen, die aus einer frühzeitigen Versagung, die sie erfahren mußten, das 
Recht ableiten, vom Schicksal Entschädigung zu fordern und sich im ganzen 
spateren Leben entsprechend benehmen; „die am Erfolge scheitern", Menschen, 
die aus dem infantilen Sexualleben ein solches Schuldgefühl übrig behalten 
haben, daß ihr strenges Über-Ich sie keinen Erfolg ausnutzen läßt; und „die 
Verbrecher aus Schuldbewußtsein", die ein entsprechendes präexistentes Schuld- 
gefühl zu einem Verbrechen treibt, durch das dieses sekundär rationaHsiert 
werden soll. Alle drei Typen b e n u t z e n die Außenwelt nicht nur als Objekt 
ihrer objektlibidinösen Bestrebungen, sondern zur Austragung intrapsychischer 
Konflikte, insbesondere narzißtischer Konflikte mit dem eigenen Über-Ich. Sie 
haben die gleichen Konflikte, die gleichen Regressionen wie die Neurotiker, 
unterscheiden sich von ihnen aber durch einen Punkt: Während das neurotische 
Symptom autoplastisch ist, sich an der eigenen Person abspielt, ist hier die 
Fähigkeit zur AUoplastik, zur realen Handlung in der Außenwelt erhalten ge- 
blieben, nur die Handlung selbst steht im Dienste des Verdrängten. Was der 
Hysteriker phantasiert, sagt AI ex an d e r,"^' was der Zwangsneurotiker in 
seinen Symptomen als Tat und Reue symbolisiert, geschieht hier wirklich. 
Eine Beziehung zum manisch-depressiven Kreis ergibt sich daraus, daß meist 
triebbefriedigende und Über-Ich-befriedigende Aktionen in großen, oft perio- 
dischen Abständen einander ablösen, eine Beziehung zur Zwangsneurose daraus, 
daß der Patient subjektiv das Gefühl hat, seine Impulse unbedingt realisieren zu 
müssen, und doch empfindet er die Tat als von sich aus gewollt, ohne etwas 
von einer Zwangsqual zu fühlen. Instruktive Beispiele hat Alexander selbst 
sowohl klinisch als auch durch die Analyse von Gestalten aus der Literatur be- 
schrieben."^ Ein besonders schönes Beispiel ist ferner der von Abraham be- 
schriebene Hochstapler, dessen hochstaplerische Aktionen den Sinn eines ent- 
stellten Durchbruches seiner ödipuswünsche hatten."* Auch von den Bei- 
spielen von Aichhorn"» und Reich"» gehören viele hieher. Die Sexuali- 
tät ist fast immer gestört, meist findet sich eine Schein-Hypersexualität, wie 
wir sie besprochen haben, manchmal scheint die Sexualität vom übrigen Leben 
in merkwürdiger Weise isoliert. Der klinisch wichtigste Spezialfall ist der 
„morahsche Masochismus"."' Es handelt sich um Menschen, die schwere Kon- 
flikte mit dem Über-Ich in der Realität austragen, indem sie die introjizierten 
Elterngestalten des Über-Ichs als „Schicksal" wieder in die Außenwelt projizie- 
ren. Sie benutzen das Schicksal, um sich „strafen" z u lassen. Ein solches Ich 

122) Alexander: Der neurotische Charakter. Int. Z. f. Ps.-A. XIV (1928) 

123) Ebfndort und in: Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit. 

124) Abraham: Die Geschichte eines Hochstaplers. Image XI (1925). 
12 j) Aichhorn: Verwahrloste Jugend. 

126) Reich: Der triebhafte Charakter. 

127) F reud: Das ökonomische Problem des Masochismus (Ges. Sehr. Bd. V) 



^77 

kann zweierlei Motive zu solchem Verhalten haben, die aufs engste miteinander 
verbunden sind."» Das eine ist die „Gewissensangst", ist das Bestreben, die dem 
Über-Ich gegenüber bestehende Spannung auszugleichen. Aber ebenso wie seiner- 
zeit das Kind dem Vater gegenüber gehorsam war, nicht nur um seine Strafen 
zu vermeiden, sondern auch, um seine Liebe zu gewinnen, so wirbt auch der 
morahsche Masochist zweitens um die Liebe seines Über-Ichs. Und wie es 
Menschen gibt, die erfahren haben, daß in „Strafen" ein Sexualgenuß hegen 
kann, oder denen alle andere Sexualbefriedigung so abgesperrt wurde, daß 
ihnen nichts anderes übrig blieb als die Strafsphäre zu sexuaHsieren, so kann 
auch eine solche Sexualisierung der Straf Sphäre intrapsychisch weiterwirken: 
Der moralische Masochist, der sich vom Schicksal strafen läßt, läßt sich dabei 
eigentlich vom Vater schlagen, was seinerseits wieder ein entstellter Ausdruck 
ist für „vom Vater koitiert werden"."" 

Auf die leider noch durchaus unklare Frage nach den Umständen, die eine 
stärkere Neigung zum Agieren verursachen, weiß Alexander nur die Ant- 
wort, es sei eine „stärkere Expansionskraft des Trieblebens" vorhanden."» Das 
ist nun sicher richtig, aber es erklärt uns nicht, woher diese Expansionskraft 
stammt. Müssen wir in ihr ein konstitutionelles Moment erbHcken? Zum Teil 
gewiß. Zu einem andern Teil scheint bei manchen Fällen auch hier die durch 
die Kindheit aufgezwungene Identifizierungsgeschichte wesentlich dafür verant- 
wortlich zu sein; so beim Abrahamschen Hochstapler""^ und bei vielen 
moralischen Masochisten. 

Ebenso scheinen über die Prognose der analytischen Therapie dieser Fälle 
die Ansichten geteilt. Alexander hält sie für besonders günstig, weil bei 
ihnen eine Aufgabe wegfällt, die die Neurosenanalyse zu leisten hätte: sie 
brauchen den Schritt zur AUoplastik, zur realen Handlung, nicht erst zu er- 
lernen."" Trotzdem meinen wir, daß dieser Vorteil für die analytische Kur 
auch gleichzeitig einen schweren Nachteil bedeutet, denn es gibt kaum einen 
schwerer zu beherrschenden Widerstand in der Kur als eine intensive Neigung 
zuni Agieren. Es scheint uns, als müsse diese Neigung von der fortschreitenden 
Analyse erst einmal unterdrückt werden, um überhaupt Einlaß in die ver- 
gessene Kindheitswelt zu erlangen. FreiKch, der neurotische Charakter ist allo- 
plastisch wie der normale. Aber wenn man seine AUoplastik psychoanalytisch 
in eine zweckmäßigere umwandeln will, so will es uns nötig scheinen, zwischen 
die unzweckmäßige und die neu erwünschte AUoplastik eine passagere Periode 

128) Siehe das Kapitel „Zwangsneurose" in meinem Buche „Hysterien und Zwangs- 
neurosen". 

129) Freud: Das ökonomische Problem des Masochismus (Ges. Sehr. Bd. V). 

130) Alexander: Der neurotische Charakter. Int. Z. f. Ps.-A. XIV (1928). 

131) Abraham: Die Geschichte eines Hochstaplers. Imago XI (1925). 

12 Fenichel, Perversionen 



178 

der Autoplastik (des aktiven Erinnerns und Durcharbeitens) einzuschalten. So 
erscheint es oft schon als Triumph der Therapie, wenn es gelingt, den neuroti- 
schen Charakter erst einmal in eine Neurose zu verwandeln, um ihn dann wie 
eine solche weiter zu analysieren. Bekannt ist, daß speziell die Bewältigung des 
morahschen Masochismus zu den schwersten Aufgaben gehört, die sich eine 
Psychoanalyse überhaupt stellen kann. 

Das Verhalten zur Außenwelt auch in nichtsexueller Beziehung hängt im 
wesentHchen vom Schicksal der Objektlibido ab. Wir brauchen an dieser Stelle 
nicht zu wiederholen, welche Folgen es für das Realverhalten hat, wenn der 
Genitalprimat nicht erreicht wurde. Anläßlich der „milden Homosexualität" 
verstanden wir, daß die sogenannten sozialen Gefühle auf einer Identifizierungs- 
liebe beruhen, die die ursprünghche Aggressionsneigung abgelöst hat. Der gesamten 
Objektwelt gegenüber war man ja, nachdem man ihre Existenz anerkennen 
mußte, zuerst feindlich gesinnt, dann suchte man sie durch Identifizierung 
(Einverleibung), dann erst durch echte Objektbeziehungen zu gewinnen."' 
Es gibt nun Entwicklungsstörungen oder Regressionen, bei denen die Identi- 
fizierungsneigung über die Fähigkeit zur Objektliebe prävaliert. Wir sind 
solchen Typen mehrfach begegnet; zu ihnen gehören jene Narzißten, die das 
Geliebtwerden dem Lieben vorziehen,"' jene Fälle, bei denen die ganze alte 
Feindschaft gegen die gesamte Welt mit der Sehnsucht nach dem Einswerden 
mit ihr für die ganze Charaktergestaltung ausschlaggebend bleibt. Zu diesen 
Typen gehören auch die zu „oral fixierten" Krankheiten wie Depressionen, 
Zyklothymie, Süchtigkeit, Impulshandlungen, psychosexuellem Infantilismus 
Disponierten. Wir brauchen sie hier nicht nochmals breit zu schildern; aber 
etwas zu kurz gekommen scheint uns bei der Besprechung des „oralen Charak- 
ters" die primitive Einstellung zur Außenwelt mancher Charaktere, über die 
wir deshalb hier noch einiges nachtragen wollen. 

Der Säugling, der die Objektwelt erkannt hat, will von ihr nur genährt und 
geliebkost werden. Es gibt Menschen, die auf dieser Stufe fixiert bleiben und in 
ihrem ganzen Leben zu andern Menschen keine andere Einstellung bekommen 
können als die, die Befriedigung ihrer narzißtischen Bedürfnisse von ihnen zu 
verlangen. Ihnen ist die Außenwelt ein Mittel, ihr Selbstgefühl zu reguheren."' 
Ich erinnere daran, daß wir gerade diesen Zug als im Charakter der Manisch- 
Depressiven vorherrschend hervorgehoben haben. Sie wollen von der Außen- 
welt ebenso Selbstgefühl zugetragen erhalten wie der Säugling Milch. Sie ver- 
langen zeitlebens die Wiedergutmachung oraler Versagungen. Hieher gehören 

132) Freud: Triebe und Triebschicksale (Ges. Sehr. Bd. V). 

133) Freud: Zur Einführung des Narzißmus (Ges. Sehr. Bd. VI). 

134) Vgl. hiezu Freud: Zur Einführung des Narzißmus (Ges. Sehr. Bd. VI 
S. 184 ft.). ' 



179 

die von Adler hervorgehobenen Typen, denen auch reale Sexualbeziehungen 
nichts anderes sind als Regulatoren ihres Selbstgefühls. (Nur unterläßt es 
Adler, nach der Genese dieser Selbstgefühlanomalie zu suchen.) In einem 
gewissen Ausmaß gibt es ähnhches bei jedem Menschen. Aber es gibt extreme 
Fälle, gewisse Infantilismen des Charakters (deren wir schon anläßlich der Be- 
sprechung der Sexualinfantilismen und der manisch-depressiven Disposition ge- 
dachten), deren gesamte Beziehung zur Außenwelt nur von dieser Rücksicht 
beheiTscht ist. Sie brauchen kontinuierliche Bestätigung ihres Ichs von außen 
— und nichts sonst."'^ Gewiß ist, wie erwähnt, im Triebziel des Geliebtwerden- 
"Wollens immer ein Stück solcher archaischer Sehnsucht erhalten, nach Freud 
bei Frauen mehr als bei Männern."" Manche Formen der Eifersucht sind 
ein Indikator für die Stärke dieses Verlangens, dieser ungeheuren Angst vor 
Liebesverlust. Häufig äußert sich dies auch sehr gewalttätig und ist dann — 
etwa bei Kleptomanen, Nymphomanen oder bei Süchtigen — als Abkömmling 
des oralen Sadismus nachzuweisen. 

Da das Selbstgefühl des Normalen vor allem durch die jeweils akute Span- 
nung zwischen Ich und Über-Ich bestimmt ist, sind Leute, die im besonderen 
Maße eine „Verzeihung" von außen brauchen, oft solche mit einem besonders 
strengen Über-Ich. Andere Male haben wir wieder den Eindruck, als hätten 
solche Menschen überhaupt kein Über-Ich, als würde ihr Triebleben nicht 
durch eine innere Instanz, sondern durch die äußere Anerkennung oder Be- 
strafung reguliert. Mit diesen Widersprüchen kommen wir zu der Problematik 
der „sozialen Angst", der Menschen, deren ganzes Leben beherrscht ist von dem 
Gedanken, was die anderen über sie denken, was sie von ihnen verlangen. 

Im Bereich des noch dunklen, aber für die Charakterforschung grundlegen- 
den Gebietes der Über-Ich-Anomalien kann es ja, grob schematisch gesprochen, 
außer Dysfunktionen nur zwei entgegengesetzte Typen geben: Menschen, die 
ihr Triebleben zu viel, und solche, die es zu wenig hemmen. Die ersteren Typen 
erkennen wir leicht als zusammenfallend mit den reaktiven Charakteren. Da- 
gegen sind die „Triebhaften", Menschen, bei denen sonst streng verpönte 
Regungen teils ständig, teils gelegentlich zum Durchbruch kommen, noch 
problematisch. Wir haben also noch zu sprechen über die „soziale Angst" und 
über die „triebhaften Charaktere". 

Das Über-Ich ist bekanntlich die Macht, die dem Ich vorschreibt, nach 
welchen Kriterien es seine triebzensurierende Tätigkeit ausführen soll. In 
seiner Gestalt spiegeln sich so nicht nur die einzelnen Erzieherpersönlichkeiten, 
sondern über sie hinaus die ganze Sozietät mit ihren Forderungen. Freud hat 
die Zusammenhänge des Über-Ichs mit den tiefsten biologischen phylogeneti- 

13 j) Rad6: Das Problem der Melancholie. Int. Z. f. Ps.-A. XIII (1927). 
136) Freud: Zur Einführung des Narzißmus (Ges. Sehr. Bd. VI, S. 171 ff.). 



i8o 



sehen Schichten nachgewiesen."' Noch aber ist die soziologische Be- 
dingtheit des Über-Ichs, die Tatsache, daß in ihm sozusagen der gesellschaft- 
liche intrapsychischc Faktor vorliegt,"' weder deskriptiv noch in seinen Kon- 
sequenzen genügend gewürdigt worden. Uns schiene eine solche Würdigung die 
einzige Grundlage für die Erörterung der Grenzprobleme von Soziologie und 
Psychoanalyse. Wann, mit wem und wie man sich identifiziert, ist zweifellos das 
erste, was sich in veränderten Milieubedingungen mitändert, wie ja auch das 
Über-Ich die phylogenetisch jüngste Akquisition des seeHschen Apparates ist. 
Weil wir aber in diesem Rahmen auf soziologische Fragen weder eingehen 
können noch wollen, müssen wir uns auch hier auf individuell-psychologische 
Erörterungen beschränken und mit der Betrachtung der „sozialen Angst" 
beginnen. 

Freud hat uns begreiflich gemacht, daß die soziale Angst ein Mittelding 
ist zwischen der Kastrations- und Liebesverlustangst des Kindes einerseits, der 
Gewissensangst des Erwachsenen andrerseits."^ Die ursprünglichen kindlichen 
Ängste sind in ihr schon weiter verarbeitet — sowohl die Inhalte der Befürch- 
tungen als auch die Personen, von denen die Gefahr ausgehend gedacht ist, sind 
durch Abwehr unkenntlich gemacht — , es fehlt aber noch die „Verinner- 
lichung" der Gefahr, die Introjektion des drohenden Objektes. Eine solche 
Angst vor der Reaktion der Umwelt auf die eigenen Handlungen spielt in den 
wirklichen Beziehungen der Menschen untereinander neben Liebe und Haß eine 
große Rolle. Es kann ja auch gar nicht anders sein. Hängt doch die Existenz 
jedes einzelnen hundertfach von solcher Rücksichtnahme ab ! F r e u d hat 
immer gesagt, daß nur der Kern des Über-Ichs bei der Introjektion der 
Elternimagines entsteht, während spätere Anteile desselben sich aus der 
Übernahme unpersönlich-allgemeiner Anforderungen der sozialen Umwelt 
bilden"" — und vielfach ist eben diese Übernahme nicht durch Introjektion 
und tiefe strukturelle Änderung, sondern durch Angst vor (realen oder ver- 
meintlichen) äußeren Folgen aufgezwungen, durch ein eben noch nicht zum 
eigenen Gewissen gewordenes Derivat der Kastrationsangst. Die soziale Angst 
entsteht also dort, wo das Kind begreifen lernt, daß die verbietenden Eltern 
nicht allmächtig, sondern nur Exekutoren allgemeiner gesellschaftlicher For- 
derungen sind, daß „die Erwachsenen" und nicht der einzelne konkrete Er- 
wachsene fordern und versagen. Eine solche Angst ist also zunächst für das 
Kind sehr real begründet, da es ja faktisch in Wohlbefinden und Existenz vom 

137) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr. Bd. VI). 

138) Vgl. Reich: Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse. Unter d. Banner 
d. Marxismus 1929. 

139) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XI, S. 87). 

140) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XI, S. 80). 



i8i 

Benehmen der Erwachsenen abhängig ist. Anna Freud hat dargestellt, wie 
weit die Triebregulierung auch größerer Kinder noch nach diesem Prinzip, 
aus Angst vor äußeren Gefahren, erfolgt."* Man muß aber gleich hinzufügen, 
daß auch ein sehr großes Stück der Triebregulierung des Erwachsenen so 
erfolgt, und daß dies in der Realität ausgiebig begründet ist, insofern die 
herrschende soziale Gewalt über die beherrschten Erwachsenen resp. die 
herrschende Klasse über die beherrschte reale Macht hat. Freilich droht weder 
dem schlimmen Kind noch dem rebellischen Erwachsenen reale Kastration; aber 
die alte irrationale Kastrationsangst gibt die tiefe Basis ab für sehr rationale 
Ängste vor Leidzufügung von hunderterlei Art bis zur physischen Vernich- 
tung. Wenn die soziale Angst entwicklungsgeschichtlich zwischen Kastrations- 
und Gewissensangst steht (und deshalb von beiden nur ungefähr, nie scharf 
abgrenzbar ist), so kann die restierende soziale Angst des Erwachsenen ent- 
weder einem Angstanteil entsprechen, dessen Objekt niemals voll introjiziert 
wurde, oder einem, dessen bereits introjiziertes Objekt regressiv wieder in die 
Außenwelt zurückprojiziert wurde. Beides ereignet sich in einem gewissen 
Ausmaß beim normalen Erwachsenen; nur die Überschreitung dieses Aus- 
maßes kann als pathologisch gewertet werden. Wie viele Handlungen werden 
nicht „dem eigenen Ich gehorchend", sondern aus Rücksicht auf die Außen- 
welt begangen oder unterlassen! In wie weitem Ausmaß werden etwa kriminelle 
oder auch weit harmlosere als „schlecht" empfundene Impulse nur vor Zu- 
schauern, nicht aber im Alleinsein, nur vor Stärkeren, nicht aber vor Schwäche- 
ren gehemmt! Aber nicht nur die Introjektion der „Moral" bleibt unvoll- 
ständig; sondern es gehört wohl auch zur normalen Entwicklung ein Stück 
regressiver Ersetzung von automatisierter Über-Ich-Reaktion durch vernünf- 
tige Beurteilung der voraussichtlichen Reaktion der Umwelt. Wenn wir sagen, 
nach dem Untergange des Ödipuskomplexes sei das Über-Ich zunächst starr, 
streng, dem Ich entgegengesetzt, später werde es beim Normalen ichnäher, 
plastischer und vernünftiger (was eben beim Neurotiker unterbleibe), so han- 
delt es sich bei solcher Entwicklung zum Teil darum, daß die Berücksichtigung 
der äußeren Umwelt in einem gewissen Ausmaß an Stelle der Äußerung des 
wie ein Trieb wirkenden archaischen Über-Ich-Anteils tritt. Im „Realitäts- 
prinzip" ist also ein Stück Rückprojektion von Ober-Ich-Anteilen in die Außen- 
welt erkennbar. Man kann diese normalen Anteile der sozialen Angst, die 
sowohl durch mangelnde Introjektion als auch durch neuerliche Projektion 
entstehen und zum Realitätsprinzip gehören, „soziale Furcht" nennen und 
meinen, daß sie sich zur pathologischen Form der sozialen Angst so verhalten, 
wie die Furcht vor einer Realgefahr zur neurotischen Angst des Angst- 

141) Anna Freud: Einführung in die Technik der Kinderanalyse. S. 68 ff. 



182 

Hysterikers. Freilich müssen wir auch betonen, daß über solche begründete 
Furcht hinaus ein Stück Angst vor dem Urteil der anderen immer noch zur 
Normalität gehört — ebenso wie ein Stück „neurotischer Angst" allgemein 
verbreitet ist, - und daß wir im Folgenden als" „Charakteranomalien" nur 
Typen im Auge haben, bei denen diese Angst extreme Graide erreicht und die 
ganze Verhaltungsweise beherrscht. Es ging der Psychoanalyse häufig so, daß 
das Verständnis pathologischer Extreme zu dem der quantitativ bedeutungs- 
loseren Erscheinungeo im Bereich des Normalen führte. Vielleicht wird es 
uns auch hier so ergehen. 

Äußere Ängste an Stelle von (genetisch auf äußere Ängste reduzierbaren) 
Gewissensängsten als Motoren der Triebabwehr finden wir bei vielen Neurosen. 
Wir finden sie schon bei der Hysterie, die unbewußt erwartet, bei jeder Trieb- 
befriedigung kastriert oder wenigstens verlassen zu werden, vor allem aber bei 
jeder Angsthysterie, der es gelungen ist, die innere Triebgefahr in eine äußere 
Wahrnehmungsgefahr zu verwandeln.»« Aber dabei handelt es sich um ent- 
stellte Formen von Kastrations- und Liebesverlustangst, nicht um deren 
charakteristisches Derivat „soziale Angst", bei der die Sphäre des Beobachtet-, 
Verurteilt- oder Entschuldigtwerdens im Vordergrunde steht. Wir wollen von 
Menschen reden, die nicht das Gebissen-, sondern das Geächtetwerden fürchten, 
wenn auch beides. Biß und Ächtung, eigentlich Kastration bedeutet. Menschen 
dieser Art können offenbar sehr verschiedenen Typen angehören. Wir werden 
sie am ehesten verstehen, wenn wir in der Erscheinungswelt der Neurosen 
nach ähnlichen Phänomenen suchen. Wir finden sie einerseits bei der Neurosen- 
form, bei der die Introjektion der ödipusobjekte schon viel fortgeschrittener 
ist und das Ich mit Projektionsversuchen sich eines besonderen Über-Ich- 
Druckes zu erwehren sucht, bei der Zwangsneurose; andrerseits — die Un- 
fähigkeit, Verurteilung zu ertragen ist der Index einer erhöhten narzißtischen 
Bedürftigkeit — bei den Psychosen, bei denen der Narzißmus besonders 
erhöht ist. 

Zwangsneurotiker sind oft besonders höfhche, entgegenkommende, rück- 
sichtsvolle Menschen. Wir verstanden: Das ist ein Ausdruck von Reaktions- 
bildungen, die sie gegen ihre aggressiven Tendenzen errichtet haben. Wer 
andere unbewußt haßt, hat auch allen Grund, diese anderen, nämlich ihre 
Rache zu fürchten."' 

Ein aggressionsgehemmter Patient beginnt im Widerstand, seine feindselige Ober- 
tragung verratend, zu zitieren: „Zu Dionys, dem Tyrannen schlich...", aber seine 
Angst läßt ihn fortsetzen: „Damokles, den Dolch im Gewände." 

Ein erster Typ übertriebener sozialer Angst ist einfach als eine solche Folge- 
erscheinung gesteigerter Ambivalenz zu verstehen. Aber darüber hinaus ver- 

142) Vgl. die betreffenden Kapitel meines Buches „Hysterien und Zwangsneurosen". 



i83 

suchen viele Zwangsneurotiker in der Übertragung dem Analytiker, außerhalb 
der Kur irgendwelchen anderen Menschen, „der Allgemeinheit" Funktionen 
ihres Über-Ichs zuzuweisen. Dieses ist bekanntlich in der Pathogenese der 
Zwangsneurose besonders streng geworden; solche Menschen streben jetzt Ver- 
zeihung von außen an, um einem inneren Schuldgefühl zu entgehen. Sie sagen 
gleichsam ihrem Über-Ich: „Siehe, es kann nicht so schlimm sein, da es mir die 
Außenpersonen auch nicht so übelnehmen". Ihr Ich sucht, wie die englischen 
Autoren sagen, bei der Außenwelt eine „alliance" gegen das Über-Ich. 

So fiel mir auf, daß ein Patient seine Zwangsskrupel stets am Anfang der Stunde 
äußerte, dann aber weiter kein Material mehr dazu brachte. Gefragt, gestand er, daß 
die Skrupel bereits durch das Aussprechen verschwunden seien und zwar so: dadurch, 
daß der Analytiker sie schweigend anhört, fühle er sich bereits entlastet; er sage sich, 
wenn der Analytiker nicht vor Entsetzen vom Stuhl falle, so seien die Skrupel über- 
flüssig. 

Ähnliche Erscheinungen sind in larvierter Form auch im gewöhnlichen sozia- 
len Leben ungemein häufig. Ein entsprechendes Bestreben, sich durch äußeren 
Beifall von innerem Schuldgefühl zu entlasten, ist grundlegend für die Psycho- 
logie des Künstlers. Er verführt mit seinem Werk die Menschen zur Anteil- 
nahme an seinem verpönten unbewußten Seelenleben, damit zum Bekenntnis 
der gleichen verpönten Regungen, und die "Wahrnehmung, daß alle ähnlich 
fühlen, entlastet sein Schuldgefühl."' — R e i k hat verständlich gemacht, daß 
der Antrieb, einen "Witz mitzuteilen, ebenfalls darauf beruht, daß erst die 
Billigung eines Zweiten das Schuldgefühl wegen der im Witz larviert enthalte- 
nen anstößigen Regungen zum Schweigen bringen kann."' Jemand anderen zur 
gleichen Schuld zu verführen, leistet offenbar dem vom Schuldgefühl bedrängten 
Ich den gleichen Dienst wie die direkte Erlangung einer äußeren Verzeihung. 
Nach diesem Modell sind gewiß sehr viele Erscheinungen des sozialen Lebens 
gebaut. Viele wirkliche und ersehnte, gelungene und mißlungene Gesellung von 
Menschen gilt im Grunde ähnlichen Entschuldungszwecken. Die „sozialen Selbst- 
gefühlsregulationen" harren noch als wichtiges Kapitel der eingehenden psycho- 
analytischen Beschreibung. Das von Reik als „Geständniszwang" beschriebene 
Phänomen"* ruht wohl auf derselben Grundlage und hat das Ziel, einem 
Gewissensanspruch äußere Verzeihung entgegenzuhalten. 

So hatte der früher erwähnte Patient auch das zwanghafte Bedürfnis, Zeitungen vor- 
zulesen. Er empörte sich über die vielen Ungerechtigkeiten der "Welt, brauchte aber 
die Anerkennung durch Mitempörer, daß es sich um wirkliche Ungerechtigkeiten 
handle. Das Vorlesen hatte die Absicht, das innere Schuldgefühl zu mildern, indem die 
Zustimmung des Hörers seine Aggressionsneigungen rechtfertigte. — Ich konnte mich 

143) Rank: Der Künstler. Und Sachs: Gemeinsame Tagträume. 

144) Reik: Künstlerisches Schaffen und Witzarbeit. In: Lust und Leid im Witz. 

145) Reik: Geständniszwang und Straf bedürfnis. 



184 



seither überzeugen, daß manche Formen von übertriebenem Mitteilungsbedürfnis und 
Rededrang dem gleichen Typus angehören, d. h. der Absicht entstammen, innerlich als 
verboten Empfundenes von außen gebilligt zu erhalten. 

Durch Provokation, Werbung, Verführung oder Geständnis wird also die 
äußere Welt zur Erledigung innerer zwischen Ich und Über-Ich spielender 
Konflikte (oft vergeblich) herangezogen. Zunächst wäre es gewiß verkehrt bei 
allen solchen Fällen von einem „Strafbedürfnis" zu reden. Sie haben eine Straf- 
angst und deshalb ein Absolutionsbedürfnis. Nur in manchen Fällen kann 
eine von der Außenwelt provozierte Strafe ebenso zur Erledigung von Ge- 
wissensspannungen erstrebt werden wie in andern die direkte Verzeihung oder 
die Mitschuld anderer."» Das kann so zugehen, daß von der Außenwelt zuge- 
fügte Strafen „prophylaktisch" aufgesucht werden, weil ja kein äußeres Objekt 
so streng ist wie ein sadistisches Über-Ich, oder so, daß die Strafsphäre sexuali- 
siert wurde und daß in der realen Bestrafung eine nunmehr doch objekt- 
hbidinose masochistische Befriedigung gesucht wird.- Der deutlichste hieher 
gehörige Fall ist der „Verbrecher aus Schuldbewußtsein";"« ferner viele Typen 
des „neurotischen Charakters" A 1 ex an der s, die in realen äußeren Erleb- 
nissen ihre Über-Ich-Konflikte auszutragen suchen. 

Was hat das nun alles mit sozialer Angst zu tun? Das durch Über-Ich- 
Anspruchegestörte Selbstgefühl soll durch Urteil (Verzeihung) oder Handlungen 
anderer wieder hergestellt werden. Es gibt bei Menschen, die das anstreben, 
eine so.ia e Angst, die der Angst vor dem Mißlingen dieses Versuchs entspricht. 
Wer das Urteil anderer zur Erhaltung seines seelischen Gleichgewichts braucht, 
hat Ursache, dieses Urteil zu fürchten. Diese Menschen müssen mit aller Welt 
m gutem Einvernehmen stehen, vor allem in Freundschaft auseinandergehen, 
um die äußere Freundlichkeit gegen ihre Schuldgefühle in die Wagschale werfen 
zu können. Von dieser Art ist die Angst des Künstlers um den Erfolg und das 
Lampenfieber des Schauspielers, der den Beifall zu seiner Entschuldung 
braucht. Bei dieser sozialen Angst liegt also keine mangelnde Über-Ich-Bildung 
vor, sondern eine sekundäre Projektion des Über-Ichs als Fluchtversuch vor 
seinen Ansprüchen, wobei die Art der Angst auch ursprüngliche Triebkonflikte 
zwischen dem Kranken und der Person, deren Introjektion das Über-Ich ent- 
stehen ließ, widerspiegelt. Daß dabei die Beziehung zu den Personen, die ver- 
zeihen, mittun oder strafen sollen, sexualisiert ist. daß bei solcher Angst passive 
Homosexualität und Masochismus auf ihre Kosten kommen, wurde in anderem 

146) Siehe die terminologische Auseinandersetzung darüber im Kapitel Zwangs 
neurose" meines Buches „Hysterien und Zwangsneurosen". ^ ..^^angs- 

.nir^ ^^'' n''^'' ^"t^ndniszwang und Strafbedürfnis und A I ex an d e r: Psycho- 
analyse der Gesamtpersönlichkeit. i sycno 

148) Freud: Die Verbrecher aus Schuldbewußtsein (Ges. Sehr. Bd. X). 



i»5 

Zusammenhange ausgeführt"" und wird auch später noch einmal Beachtung 
finden. 

Der äußeren Absolution kann ein solches Gewicht nur von Menschen bei- 
gemessen werden, die einen besonderen Genuß am Gefühl des Geliebt- und 
Anerkanntwerdens und eine besondere Angst vor Liebesverlust haben, also eine 
gesteigerte narzißtische Bedürftigkeit. Wir verstehen, wo die zweite Stelle ist, an 
der wir in der Neurosenlehre mit Phänomenen zu tun bekamen, die der sozialen 
Angst verwandt sind: Wir erkannten in den Objektbeziehungen der Menschen 
mit einer bestimmten oralen Fixierung, also solcher, die zu manisch-depressiven 
Erkrankungen, Sucht und Impulshandlungen disponiert sind, eine mangelnde 
Differenzierung von narzißtischer und erotischer Bedürftigkeit und führten aus, 
daß und warum eine solche Fixierung zur Folge hat, daß das Selbstgefühl- 
niveau, dessen Erhaltung viel lebenswichtiger ist als bei anderen Menschen, 
nicht intrapsychisch (durch Über-Ich-Befriedigung), sondern durch Zufuhr von 
außen her gehalten wird.'"» Die soziale Angst solcher Patienten entspricht der 
Angst vor dem Ausbleiben dieser lebensnotwendigen äußeren Zufuhren, die 
Anerkennung durch andere ersetzt das gute, die Abweisung das schlechte 
Gewissen. Ihr Selbstgefühl wird zwar schon durch Idealerfüllung gehoben, aber 
die Entscheidung darüber, ob ein Ideal erfüllt wurde, steht nicht ihnen, sondern 
den Personen der Außenwelt zu. 

Ein impotenter Patient dieser Art verkroch sich, wenn er allein ein Kino besuchte, 
hinter dem Rücken seines Vordermannes und lief beim Koramen und Gehen mit auf- 
geschlagenem Kragen, um nicht gesehen zu werden. Die Leute dürfen nicht sehen, daß 
er ohne Mädchen ins Kino geht, sonst würden sie ihn als impotent verlachen. — Das 
imponiert fast schon als Beziehungswahn, auf dessen Zusammenhänge mit sozialer Angst 
wir später zu sprechen kommen. 

Solche Menschen sehnen sich nicht nur danach, geliebt zu werden, sondern 
sie vertragen nicht den Zustand des NichtgeUebtwerdens, geraten in Unruhe, 
wenn sie merken, daß sie einem ihnen gleichgültigen Menschen auch selbst gleich- 
gültig sind. Ihre Angst vor dem Liebesverlust ist — meist in Verbindung mit 
einer besonderen Spannungsintoleranz — so groß, daß sie den Verlust auch der 
Liebe und der Achtung aller ihnen unbekannter Objekte fürchten. 

Man darf über die Betonung der Angst vor dem Liebesverlust als der genetischen 
Grundlage solcher sozialer Angst die Rolle nicht übersehen, die auch hier die 
Kastrationsvorstellung spielt. Die übertriebene Bemühung eines Patienten, sich immer 
und um jeden Preis das Wohlwollen seines jeweiligen Gesprächspartners zu erwerben 
oder zu erhalten, ging direkt auf Kindheitserlebnisse zurück, die in ihm den Glauben 
hatten entstehen lassen, der Vater könnte sich plötzlich mit einem Messer auf ihn 

149) Im Kapitel „Zwangsneurose" meines Buches „Hysterien und Zwangsneurosen", 
ijo) Siehe S. 127 f. 



i86 



stürzen. — Die Sorge eines anderen Patienten war es, sich stets das Wohlwollen aller 
Ärzte, Friseure und Schneider zu erhalten. 

Solche soziale Angst, bei der eine „alliance" zwischen Außenwelt und Über- 
ich besteht, erfordert dann vor allem eine energische Unterdrückung aller 
Aggression, um das "Wohlwollen der Umwelt nicht zu verlieren, was die 
Patienten, denen ja gleichzeitig eine Verstärkung des oralen Sadismus eigen ist, 
in nicht geringe Konflikte stößt, die sich etwa formulieren lassen: Verschaffe 
ich mir die mir nötige Zufuhr eher mit Gewalt oder mit „braver" Selbstbeherr- 
schung?, und die sich in mannigfachster Weise im charakterlichen Verhalten 
äußern können. 

Patienten dieser Art bemerken etwa in der Kur Äußerungen und Verhaltungsweisen 
des Analytikers, denen sie widersprechen müßten, nicht oder mißverstehen sie, um das 
„gute Einvernehmen" nicht zu stören. Keine, auch noch so kurze Verstimmung ist 
erträglich, insbesondere kein Auseinandergehen ohne tadelloses Einvernehmen. 

Was in der Entstehung der sozialen Gefühle überhaupt so wichtig ist, nämlich 
die Überwindung aggressiver Regungen durch eine milde Identifizierungsliebe, 
ist in gesteigertem Maße dann für solche Fälle ein naheliegender Ausweg. Häufig 
verzichtet man dabei durch „Ausweichen" auf bestimmte Gebiete, die man den 
Objekten überläßt — und es ist wieder für die soziale Angst charakteristisch, 
daß diese Gebiete vorwiegend die der Wertung sind, der Entscheidung dar- 
über, was angestrebt und was verworfen werden solle, also die Funktionen des 
Über-Ichs (deren Projektion jetzt zu der seinerzeitigen ungenügenden Introjektion 
hmzukommt). Die Sehnsucht danach, solche Entscheidungen vom anderen zu 
hören, kann sich dann mit dem allgemein „ansaugenden" Verhalten der oralen 
Charaktere verbinden zu vielerlei Arten der „Erpressung" der oralen Zuschüsse. 
Der Nachweis von Freud, daß regelmäßig die im Über-Ich introjizierten 
Elterngestalten schließlich in die äußere Vorstellung des „Schicksals" projiziert 
vrerden,"^ zeigt, daß auch solche Mechanismen in einem gewissen Maße normal 
sind. Eine besonders starke Angst vor den Schicksalsmächten wird aber wieder 
für unseren oralen Typus charakteristisch sein. 

Es sind nicht immer nur Entwicklungsstörungen und Regressionen in der 
Über-Ich-Bildung, die solche Typen entstehen lassen, sondern es kommen auch 
abwegige Über-Ich-Bildungen in Betracht: Hoff mann hat in sehr richtiger 
Weise dem normalen „autonomen" Über-Ich ein „heteronomes" gegenübergestellt, 
dessen vorherrschendes Gebot nicht lautet: „Benimm dich so, wie du es für nötig 
findest", sondern „benimm dich so, wie man es im Augenblick von dir ver- 
langt.""'' Eine solche Anomalie kann sich nur unter zwei Voraussetzungen aus- 

iji) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XI, S. 80). 
1J2) Hoffmann: Entwicklungsgeschichte eines Falles von sozialer Angst. Int Z 
f. Ps.-A. XVII (1931). ^ 



i87 

bilden. Die eine ist wieder ein erhöhte Angst vor Liebesverlust. Da, wie wir 
gehört haben, die normale Übcr-Ich-Bildung der Tendenz dient, sich die Liebe 
der realen Eltern durch Bravsein zu gewinnen, so muß die zweite Voraussetzung 
einer solchen Über-Ich- Anomalie ein extrem inkonsequentes Verhalten der Erzieher 
sein, das es dem Kind unmöglich macht, vorauszusehen, welche Verhaltungs- 
weisen ihm am wahrscheinlichsten die Liebe der Eltern sichern, so daß es, auf 
eigene Unterscheidungen zwischen brav und schlimm ganz verzichtend, eben nur 
die jeweils von außen gestellte Forderung sich zur Richtschnur nehmen kann. 
Das „heteronome" Über-Ich ist dabei nur die extremste Form der Wirkung 
solcher inkonsequenter Erziehung. In etwas geringerem Grade dürfte die Un- 
sicherheit der Erziehungspersonen in ihrem pädagogischen Verhalten auch dafür 
verantwortlich sein, daß überhaupt Charakterfehlentwicklungen entstehen statt 
klassischer Neurosen, deren Voraussetzung eine konsequente Verdrängung ist. So 
spiegelt der Wechsel der manifesten Neurosenbilder den — wirtschaftlich be- 
gründeten — Zerfall der bürgerlichen Vorkriegsmoral wider. 

Ein neurotisches Krankheitsbild, dem die soziale Angst niemals fehlt, ist die 
Erythrophobie, deren soziales Verhalten den Konflikten ihrer infantilen 
Sexualität entspricht. Ihre ständige Angst vor dem Beachtetwerden, durch die sie 
sich von der Konversionshysterie unterscheidet und derentwegen wir sie an dieser 
Stelle heranziehen, rückt sie in die Nähe der Paranoia — wie man überhaupt 
kaum einen schwereren Fall von sozialer Angst beobachten kann, ohne an die 
Paranoia erinnert zu werden, die ja ebenfalls das Urteil der anderen — nur mit 
höherer Verkennung der Realität — fürchtet. Wir müssen also nun noch die 
paranoiden Wahnbildungen als dritte Stelle der Neurosenlehre, an der es ver- 
wandte Phänomene gibt, zum Verständnis der sozialen Angst heranziehen. In 
der Analyse des Beziehungswahnes haben wir ein von Freud ver- 
ständlich gemachtes Beispiel der regressiven Projektion des Über-Ichs in die 
Außenwelt kennen gelernt.*^' Dort haben wir verstanden, daß die ganze Proble- 
matik entsteht durch die Sexualisierung der Beziehung zwischen Ich 
und Über-Ich, die ja von desexualisierter homosexueller Libido gespeist ist. Diese 
Desexualisierung war rückgängig gemacht worden, wogegen der Wahn einen 
Abwehrversuch darstellte. Oder, konnten wir hinzufügen, es konnte bei einem 
Restitutionsversuch nach erfolgter Regression zum Narzißmus nur noch diese 
Über-Ich-Beziehung zur Außenwelt wieder „eingefangen" werden. Die „Projek- 
tion des Über-Ichs" erscheint dann als ein Suchen nach den verlorengegangenen 
Objekten. 

Entsprechende Mechanismen gibt es sehr häufig auch bei Nichtpsychotikern, 
nämlich bei narzißtischen Charakteren, die dazu neigen, unangenehme Reize mit 

IJ3) Freud: Zur Einführung des Narzißmus (Ges. Sehr. Bd. VI, S. 179). 



i88 



pamellem Ob^tverlust zu beantworten. Manche soziale Angst erklärt sich dann 
als entsprechende Angst vor dem Objektverlust. In Kombination mit den schon 
besprochenen Mechamsmen brauchen solche Menschen oft die entschuldende 

um sich vor der narzißtischen Regression zu schützen. Die vorhin erwähnten 
Falle, deren narzißtische Bedürftigkeit nach Zufuhr von außen so starlTs dtß 
^e«ne andere Beziehung zur Außenwelt überhaupt nicht mehr ^nn^' t^. 
meiden ;a durch Betonung eben dieser Beziehung eo ipso den völligen Obiek - 
Verlust. Nach dem, was wir über den Eifersuchtswahn ausführten ist auch 
ohne _,,„,,,,^ ,^, ^^j^^^ ^^^.^^^ _^^ ^^ besond;r: eS 

sucht sehr gut verträgt. 

scht^rwfhlf T'f r'f '^^-^'^'^-^P^-- t--t aber - wie teilweise 
schon erwähnt - auch für alle anderen Typen der sozialen Angst in Betracht 
und das Beherrschtwerden aller menschlichen Beziehungen durch die Jale 

sexuellen Beziehungen geworden ist. Es ist ja für die besprochene orale Fixierun. 
charakteristisch, daß bei ihr narzißtisches und erotisches LdürfnisweldSeren 

ZT,' f ''7 '': ''""^^'^-^^^' ''' '''^ -- '^^ Beobachterund BeSlt- 
werden ^lurch a d.re befaßt, von der objektlibidinösen nicht zu trennen it De 
Analyse der Kmdheitserlebnisse solcher Fälle erweist dann, wie Hof f mann- 
:n Ergänzung d.r Freud sehen FormuMerungen über die PaLoia- ze gen kon«e 

2ZS2.1^ T "^^rf ""^'^ ^^^"^ -'J- Möglichkeit offen blieb als 

qlz d TeL h "" ""'''""• ^" ^°^^^° ^^"^^-^ pädagogische Inkonse- 
quenz der Erziehungspersonen m Verbindung mit einer frühzeitigen Hemmun. 
a 1er aggressiven Regungen und die Erfahrung, daß in den aufgez—en 
Stra en selbst em Lustmoment gelegen sein kann, müssen da zusammenrkfn 

BefHedi,u„, .i„er^St ^ Zlk^^Se^r 1 ^^f' ^^ S^^^T' 

^^^^S^r,'r^t^.^::Z^^:-:^ fs^. wider,r„.H.olle, 
aufs höchste aufstachelte es dann aber ftVa^ die Sexualerregung des Kindes 

prügelte. . p.^; 7 ^ -i:tr^Lxs-i;Xt:i: 

f. PstA"xvirri;3"i ^"^-^^I-S^g-Wchte eines Falles von sozialer Angst. Int. 2. 

ben:^^^n=;:^=SrtStl!^^'';;^ !S^ J- autobiographisch beschrie- 
(Ges. Sehr. Bd. VI). ' ™^= ^"'" Einführung des Narzißmus 

156) Alexander: Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit. S. igi-xjj. 



189 

seinem Benehmen allen äußeren Objekten gegenüber, als auch, charakteristischerweise, 
SMnem eigenen nach dem Muttervorbild aufgebauten, sehr strengen und im wesentlichen 
,,heteronomen" Ober-Ich gegenüber. Die einzige intensivere Beziehung zu Objekten, 
deren er fähig war, war die, sich beurteilen zu lassen, was verbunden war mit ober- 
flächlicher Unterwerfung und tieferer Rebellion den Wertungen des jeweils gewählten 
Vorbildes gegenüber. Das unbewußte feminine Ziel des Geprügeltwerdens hatte ganz 
die Form des Verurteiltwerdens, die abwehrende Angst davor die Form von sozialer 
Angst angenommen. (Es bestand eine schwere Examensangst.)'" 

So sehen wir häufig soziale Angst und moralischen Masochismus bei ein und 
demselben Patienten und verstehen dann: Der moralische Masochismus ist der 
Ausdruck seiner regressiv entstellten Sexualität, die im „Schicksal" einen Über- 
ich- Vertreter zum Objekt nimmt; die soziale Angst ist die Abwehr dieser 
Form der Sexualität. 

Daß die Triebkonflikte, die auf solche Weise fortleben, die wesentUchen 
infantilen Konflikte darstellen, also die speziellen Formen des Ödipuskomplexes 
bzw. seiner Erledigung, ist selbstverständlich und geht auch aus den ange- 
führten Beispielen hervor. 

Manchmal zeigt sich dies mit aller Deutlichkeit; so, wenn eine manifest masochistische 
Patientin mit sehr strengem Vater auf alle selbständigen Wertungen in moralischer 
und ästhetischer Hinsicht verzichtet hat und die Analyse ergibt, daß die Wollust, mit 
der sie sich fremder Meinung unterwirft, die infantile Sehnsucht widerspiegelt,' sich 
dem Vater hinzugeben. 

Ebenso ist verständlich, daß Sadomasochismus, orale und anale Kom- 
ponenten in solcher Sexualität vorherrschen müssen. Aber noch einem Partial- 
trieb kommt, obwohl er bis jetzt noch nicht Erwähnung finden konnte, in 
diesem Zusammenhang grundlegende Bedeutung zu: dem Exhibitionis- 
mus. Sein Triebziel ist von vornherein das Beachtet werden, und es sind 
vielerlei Erlebnisse denkbar, die einerseits dieses Triebzkl in Angst, andrerseits 
die Vorstellung der genitalen in die der moralischen Wertung wandeln können. 
Der Gedanke, „was werden die Leute über mich sagen?" hat dann die unbe- 
wußte Fortsetzung, „wenn sie mein Genitale (bzw. meine anale Leistung usw.) 
sehen?" Besonders in der sozialen Angst von Frauen läßt sich oft die unbe- 
wußte Angst, bei Exhibition des Penismangels wegen verlacht zu werden, 
nachweisen. 

Die Examensangst eines Mädchens war hauptsächlich ein Abkömmling der Angst vor 
der Kritik der Erzieherin an ihrer analen Leistung. — Ein anderes Mädchen war wie 
der früher erwähnte Fall von A 1 e x a n d e r zur Sexualisierung der Strafsphäre durch 
eine sexualbefriedigende Exhibitions-Strafe erzogen worden: Sie hatte nach dem Ein- 
nässen die nasse Hose allen sichtbar an ihrer Schulmappe befestigen müssen. 

IJ7) Die „Projektionen des Über-Ichs" dieses Falles sind genauer beschrieben in 
Fenichel: 2ur Klinik des Strafbedürfnisses. Int. Z. f. Ps.-A. XI (1925). 



1^0 



Man sollte meinen, daß manche soziale Angst, die sich im Anschluß an eine 
Impotenz entwickelt, ein Beweis für die phallische Natur der in ihr enthaltenen 
libidinösen Strebungen sei. Aber die nähere Untersuchung solcher Fälle lehrt, 
daß zutrifft, was wir nach der Erörterung der narzißtischen (oralen) Probleme 
der sozialen Angst erwarten müssen: Daß nur solche Impotente so reagieren, 
deren phallische SexuaHtät auf einer intensiven prägenitalen Basis ruht. 

Zwangsneurotische Sehnsucht nach Absolution von außen, narzißtische Be- 
dürftigkeit nach äußerer (oraler) Zufuhr, Flucht vor dem Objektverlust und 
regressive Sexuahsierung der sozialen Gefühle schließen einander nicht aus 
sondern ergänzen sich. Sowie derjenige am leichtesten regrediert, der eine aus- 
giebige Fixierung mitbringt wird auch derjenige Zwangscharakter am ehesten 
von außen Losung seiner Über-Ich-Konflikte erwarten statt Bußen über sich 
selbst zu verhangen, der aus seiner oralen Zeit der Außenwelt eine besondere 
narzißtische Bedürftigkeit entgegenbringt; und diese Neigung wird wieder 
starker sein wenn Konstitution und frühe Entwicklung den Menschen dazu 
zwingen sich auf solche Art überhaupt an die Objektwelt anzuklammern. Und 
wo das Ich mit so gearteten Über-Ich- bzw. Außenweltsansprüchen auch solche 
des Es gleichzeitig miterledigen kann, dort wird es dies umso eher tun. 

nuSlnoSef ^df^efsf" '"'^" ?" ""^^ Geinein.chaft mit gesellschaftskritischen Gesin- 
S?vX rder n ^-"T . T ""^' "'^^ '''^'' gleichzeitig Schutz vor dem 

?ucf rSt/ K T""^ ""'^ '" """^"^^^ '^^ "''"-^'^''^ ('^^ -dem begehen 
auch die Tat) - Kombmationen von narzißtischen und eigendich sexuellen Wünschen 
der Außenwelt gegenüber charakterisieren so sehr den (partiellen) Narz ßter.!- der 
totale ist ;a durch den Objektverlust von der Außenwelt unabhängg geworden - daß 
es sich erübrigt, hiefür einzelne Beispiele anzuführen. SSS^^orasn .daß 

Es muß nun noch einmal betont werden, daß wir hier nur extreme Typen 
im Auge hatten Denn in einem gewissen Ausmaß finden wir alle hier ge- 
schilderten Mechanismen gewiß auch bei jedem Normalen, wo ihr Wechsel- 
spiel, das ja zu seinem vollen Verständnis nicht nur des psychologischen, son- 
dern auch des hier nicht beachteten soziologischen Gesichtspunktes bedürfte, 
viel schwerer durchschaubar ist als bei den pathologischen Zerrbildern. 

Aus der Erkenntnis der zugrunde liegenden Mechanismen ergibt sich, daß 
dae analyt^cbe Therapie solcher pathologischer Extreme keinesfalls leicht 
sem kann Sowoh schwere Entwicklungsstörungen auf oraler Basis als auch die 
durch widerspruchsvolle Erziehung entstandene Zerrissenheit und Ambivalenz, 
a s auch der morahsche Masochismus und der in der besonderen Betonung des 
Verhältnisses zwischen Über-Ich und Ich enthaltene Narzißmus sind, wie wir 
wissen, für den Therapeuten sehr unangenehme Momente. Prinzipiell können 
wir bei diesem Anlaß bemerken, daß es zwischen „Ichanalyse" und „Libido- 
analyse keinen Unterschied gibt, denn wie anders könnte man die Auseinander- 



191 

Setzung zwischen dem Ich und Personen, die das projizierte Über-Ich repräsen- 
tieren, zwischen dem Ich und dem Über-Ich oder zwischen dem Ich und 
anderen introjizierten Objekten analysieren, als indem man die ursprünglich 
zugrundeliegenden Objektbeziehungen, den Ödipuskomplex, analysiert? „Analyse 
des Über-Ichs" kann nichts anderes bedeuten als Analyse seiner Genese, denn 
das bloße Durcharbeiten von Existenz und Wirkungsweise des Über-Ichs ist 
noch keine Analyse. — Nur insofern es gelingt, Realitätsprinzip und Genital- 
primat herzustellen, kann es auch gelingen, soziale Angst durch vernünftige Be- 
urteilung der zu erwartenden Reaktionen anderer zu ersetzen, die es ermögHcht, 
je nach dem Interesse des Ichs solchen Reaktionen aus dem Wege zu gehen 
oder sie zu riskieren. Diese Einsicht unterscheidet die Ansicht der Psycho- 
analyse über dieses Thema von der der Individualpsychologie, die sich ja 
wesentlich mit diesen Fragen der narzißtischen Anforderungen an die Außen- 
welt beschäftigt. 

* 

Der Ausdruck „triebhafter Charakter" ist von Reich in die analytische 
Literatur eingeführt worden."' Die von ihm beschriebenen Fälle gehören zweifel- 
los in verschiedenen Hinsichten sehr diflerenten Typen an, zum Teil der 
Alexand ersehen Kategorie „neurotisoher Charakter","" zum Teil anderen 
von uns beschriebenen Charaktertypen; sie werden aber durch eine ihnen allen 
gemeinsame Problematik zu einer Kategorie zusammengehalten: starke Trieb- 
durchbrüche in die Wirklichkeit. Alle Autoren sind sich darin einig, daß auch 
bei solchen Fällen ein vollkommener Mangel des Über-Ichs wohl nie oder 
äußerst selten vorliegt, sondern daß es sich um Anomalien in der QuaUtät des 
Über-Ichs und seiner Beziehung zum Ich handeln muß. Manchmal sind diese 
AnomaUen aus der Kindheitsgeschichte ohne weiteres verständlich. Wir er- 
wähnten, daß die typische Anamnese der Verwahrlosten die des häufigen 
Milieuwechsels, der Lieblosigkeit, der Inkonsequenz der Außenweltseinflüsse ist, 
also eine Anamnese, die es begreiflich erscheinen läßt, daß auch der Ödipus- 
komplex und seine Erledigung entsprechend zerrissen, schwach und wider- 
spruchsvoll sein muß. „Triebbejahende" und „triebverneinende" Identifizie- 
rungen mit Außenweltspersonen sind von Anfang an nebeneinander vorhan- 
den."" Solche Erfahrungen lassen annehmen, daß bei der Verwahrlosung die 
Konstitution eine noch um vieles geringere Rolle spielt als bei den Neurosen, 
daß ihre spezifische Ätiologie eine soziale ist. Für manche Formen von 
„Triebhaftigkeit" hat Bernfeld die ausschlaggebende Rolle des „sozialen 
Ortes" klargelegt, nämlich für manche triebhaften Wanderer, deren Wander- 

ij8) Reich: Der triebhafte Charakter. 

159) Alexander: Der neurotische Charakter. Int. Z. f. Ps.-A. XIV (1928). 

160) Vgl. A i c h h o r n: Verwahrloste Jugend. 



192 



trieb die Funktion einer Depressionsabwehr zukommt/" Ihre Voraussetzung 
ist, daß es in der Kindheit möglich war, drohenden Strafen tatsächlich durch 
Weglaufen zu entgehen, welche Voraussetzung heute nur in bestimmten Be- 
völkerungsschichten erfüllt ist. 

Es gibt wohl mannigfache qualitative Anomalien des Über-Ichs und der 
Stellungnahme des Ichs ihm gegenüber, die für die Triebhaftigkeit bedeutsam 
sind. Eine ist wohl in der „Bestechung des Ichs" durch Erhöhung des Selbst- 
gefühls gelegen, indem also die Triebfreiheit durch vorangegangene oder gleich- 
zeitige Idealerfüllung erkauft wird. Wir haben sie bei der „Idealisierung" be- 
sprochen. Damit identisch ist wohl der von A lexan der beschriebene Mecha- 
nismus, bei dem das Über-Ich durch teilweise Erfüllung seiner Forderungen 
dazu bewogen wird, in seiner Strenge nachzulassen und so Triebdurchbrüche 
zu ermöglichen."^ Einen weiteren Mechanismus hat Reich besonders heraus- 
gegriffen; die sogenannte „Isolierung" des Über-Ichs."^ Während sonst das 
Ich bestrebt ist, soweit wie möglich die Forderungen des Über-Ichs zu erfüllen 
und nur gelegentlich zu einer Art von „Verdrängung" von Ober-Ich-Forderun- 
gen schreitet, scheint es hier das Über-Ich in verdrängungsanaloger Weise kon- 
sequent aktiv von sich fernhalten zu wollen. Damit erhält es wahrscheinlich 
die ursprüngliche Situation aufrecht, die im Moment der Über-Ich-Bildung 
bestand, als das introjizierte übermächtige Objekt in so ausgesprochenen Gegen- 
satz zu dem genuinen schwachen Ich geriet. Bei dem Normalen und Neurotiker, 
meint Reich, wird „Stück um Stück der realen Außenwelt als Über-Ich-For- 
derung aufgenommen und mit dem bestehenden Ich aufs innigste ver- 
schmolzen"."" Eine solche Isolierung wird begünstigt, wenn das Ich vorher 
sehr mtensive Organlust erfahren hat, oder wenn es den Objekten gegenüber 
besonders ambivalent eingestellt ist. Leider ist dieser heuristisch gewiß wertvolle 
Begriff der „Isolierung des Über-Ichs" noch nicht theoretisch abgrenzbar gegen 
Mechanismen, die auch sonst bei Neurotikern oder Normalen vorkommen. 
Viele der für die Triebhaften als charakteristisch angenommenen Vorgänge 
finden wir auch bei der Melancholie, eine gegen das Über-Ich gerichtete Gegen- 
besetzung beim Zwangsneurotiker und in gewissem Ausmaße bei jedem 
Normalen. 

Mit der „Isolierung des Über-Ichs" enge verwandt ist das Phänomen der 
„Idealisierung" der Triebbetätigung, das gleichsam zu einem zweiten trieb- 
bejahenden Über-Ich füh rt, das dem genuinen triebverneinenden Über-Ich die 

i6i) Bern fei d: Der soziale Ort und seine Bedeutung für Neurose, Verwahr- 
losung und Pädagogik. Imago XV (1929). 

162) Alexander: Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit. 

163) Der triebhafte Charakter. 

164) Reich: Der triebhafte Charakter. S. 85. 



193 

Herrschaft periodisch streitig macht, ein Mechanismus, der ebenfalls manches 
asoziale Verhalten verständHch macht."' So sehr die Entstehung solcher Über- 
ich-Anomalien aus bestimmten Kindheitsgeschichten bei den einzelnen von den 
Autoren mitgeteilten Fällen einleuchtend erscheint, so sehr müssen wir doch 
zugeben, daß die Theorie der Identifizierungsschwierigkeiten und Über-Ich- 
Anomalien noch problematisch ist. (Inhaltlich haben wir die meisten hier 
zugrundeliegenden Konflikte im Kapitel über die Impulsiven behandelt, formal 
die Probleme der Erledigung von Über-Ich-Konflikten durch Provokation der 
Außenwelt bei der „sozialen Angst" besprochen.) 

Die Frage nach dei analytischen Therapie ist wahrscheinlich bei den ver- 
schiedenen Fällen dieser Kategorie sehr verschieden zu beantworten. Es liegt 
auf der Hand, welchen Schwierigkeiten sie begegnet. Die Krankheitseinsicht 
fehlt meist, die Patienten sind mißtrauisch und können ihre Wiederholungs- 
aktionen gut rationalisieren. Die Neigung zu Aktionen, auch zum Suizid (Ver- 
wandtschaft zur manisch-depressiven Gruppe) ist sehr groß. Übertragungs- 
aktionen werden gelegentlich mit extremer Hemmungslosigkeit produziert. Die 
Assoziationsarbeit ist oft in höherem Grade erschwert als bei Zwangsneuro- 
tikern."" — Die mangelnde Analysierbarkeit kann unter Umständen durch ein 
erzieherisches Eingreifen, also durch eine Vorbereitungszeit geschaffen werden. 
Die dazu nötigen Maßnahmen entsprechen, wie manche Beispiele von A i c h- 
hörn"' zeigen, völlig der Vorbereitungszeit, die Anna F r e u d für die 
Analyse von Kindern für nötig hält."^ Insofern manche dieser Typen im 
Grunde daran kranken, daß sie nie lieben und deshalb auch nie sich in normaler 
Weise identifizieren gelernt haben, werden für sie pädagogische Maßnahmen 
weit wichtiger werden als die Analyse; sie müssen im Grunde darauf hinaus- 
laufen, das in der frühen Kindheit Versäumte später nachzuholen. Man ver- 
steht, daß hier die Frage nach Prophylaxe weit mehr noch als bei den 
Neurosen mit sozialen und daher politischen Problemen aufs innigste ver- 
bunden ist."^^' 

Manche Fälle von Kriminalität, die ja im wesentlichen ebenfalls in 
der Ausführung von sonst unterdrückten Triebhandlungen besteht, sind solchen 
„triebhaften" zuzurechnen. Andere Kriminelle scheinen im ganzen eher 
gehemmt als „triebhaft". Ihre Handlungen haben einen verborgenen Sinn, 
sind der Ausdruck eines neurotischen Konfliktes. Das sind also manche der 

i6j) Edith Jacobssohn: Beitrag zur asozialen Charakterbildung. Int. Z. 
f. Ps.-A. XVI (1930). 

166) Die Schilderung dieser Schwierigkeiten siehe bei Reich: Der triebhafte 
Charakter. S. 1 1 5 ff. 

167) Aichhorn: Verwahrloste Jugend. 

168) Anna Freud: Einführung in die Technik der Kinderanalyse. S. j — 24. 
i6Sa) S. meine Arbeit: Die offene Arbeitskolonie Bolschewo. Imago XVir^i93i). 

13 Fenichel: Perversionen 



194 



Alex an der sehen „neurotischen Charaktere", die nicht durch ein psycho- 
logisches Moment, sondern durch die Beschaffenheit des Strafgesetzbuches von 
den übrigen Angehörigen dieser Kategorie unterschieden sind."" Der Freud- 
sehe „Verbrecher aus Schuldbewußtsein"'™ ist eine Unterabteilung hievon. 
Zweifellos gibt es neben diesen „neurotischen" Kriminellen auch andere Typen. 
Alexander und Staub unterscheiden eine organisch bedingte, toxische 
Kriminalität, Fälle mit einem „kriminellen Über-Ich", (die — rein psycholo- 
gisch gesehen — normal sind und deren Verständnis einzig die Würdigung 
ihres „sozialen Ortes" bringen kann),"' eine genuine Kriminalität (Menschen 
ohne Über-Ich — ein Grenzbegriff) und eine akzidentelle Kriminalität."» Bei 
den vielen Erörterungen über die „Psychologie des Kriminellen" halten wir es 
für erforderlich, diese letzte Kategorie und ihre hohe prozentuale Beteiligung 
an der Gesamtkriminalität ganz besonders zu unterstreichen. Es handelt sich 
um Menschen, deren psychologische Struktur eine durchaus normale ist, 
und deren Tat deshalb auch keinerlei psychopathologisches Interesse zukommt. 
Die Problematik dieses „Verbrechertums" ist eine soziale und politi- 
sche. Aber auch bei allen übrigen Kriminellen wäre, wie Fromm betont 
hat,"' die Fragestellung falsch, ob die Triebgestaltung oder die wirtschaftlichen 
Verhältnisse ausschlaggebend wären. Denn die Triebgestaltung ist ihrerseits 
von wirtschaftlichen Faktoren abhängig. 

Nachdem so über die wichtigsten Charakteranomalien, ihr Verhalten gegen 
Triebe, Außenwelt und Über-Ich gesprochen wurde, bliebe theoretisch der 
vierte Typus von Anomalien zu erörtern, bei dem die Art und Weise, die von 
diesen drei Seiten herankommenden Ansprüche miteinander zu vereinigen, ge- 
stört erscheint. Eine solche Störung, also das, was man einen unharmonischen, 
zerrissenen Charakter nennen könnte, hängt ja aber so sehr von den Schwierig- 
keiten ab, die dem Ich jedem einzelnen dieser drei Faktoren gegenüber ent- 
stehen, daß wir uns an dieser Stelle nur wiederholen könnten: Prägenitale, von 
Reaktionsbildungen beherrschte und aus Identifizierungsschwierigkeiten aufge- 
baute Charaktere werden auch diese ihre eigentliche Aufgabe, die drei ver- 
schiedenen Ansprüche miteinander in Einklang zu bringen, am schlechtesten 
lösen können. Die Erreichung des Genitalprimates ist also auch in dieser Hin- 
sicht die beste Garantie. Wieder einmal bewährt sich die von Freud stets 



169) Siehe Alexander und Staub: Der Verbrecher und seine Richter. — Eine 
besondere Schilderung dieses einen Typus gibt Alexander: The Neurotic Criminal. 
Med. Review of Reviews. Psychopath. Number 1930. 

170) Freud: Die Verbrecher aus Schuldbewußtsein (Ges. Sehr. Bd. X). 
i/i) Bernfeld: Die Tantalussituation. Imago XVII (1931). 

172) Alexander und Staub: Der Verbrecher und seine Richter. 

173) Fromm: Zur Psychologie des Verbrechers und der strafenden Gesellschaft. 
Imago XVII (193 1). 



betonte Vorbildlichkeit des sexuellen Verhaltens für den gesamten Charakter:"* 
Wie im Genitalprimat die verschiedenen Partialtriebe zu einer organisierten 
Einheit zusammengefaßt erscheinen, so auch im Genitälcharakter die den ver- 
schiedenen Partialtrieben entsprechenden Verhaltungsweisen."'* 

Ober die analytische Therapie von Charakteranomalien, die ja gegenwärtig 
im Mittelpunkte der Forschung steht und noch keine endgültigen kurzen 
Formeln erlaubt, ist das wichtigste bereits bei Besprechung der einzelnen Typen 
gesagt worden. Im allgememen wollen wir noch hinzufügen, daß im Gegen^ 
satz zur Neurosenanalyse als Hauptscliwierigkeiten hinzukommen die mangelnde 
Krankheitseinsicht und die Stärke dessen, was Freud den „Widerstand des 
Unbewußten" genannt hat,"" d. h. ein Wiederholungszwang, der es dem Ich 
so schwer macht, eine einmal gewohnte Verhaltungsweise aufzugeben oder 
zu ändern. Mehr noch als bei der psychoanalytischen Psychiatrie können wir 
sagen, daß die therapeutische Bedeutung der analytischen Charakterologie erst 
in der Zukunft sich wird auswirken können. Denn die Bestrebungen, einen 
Menschen charakterlich zu beeinflussen, bekommen mit der in Entstehung 
begriffenen ersten naturwissenschaftlichen Charakterologie zum ersten Male 
eine naturwissenschaftliche Basis. Diese Art unserer Fragestellung ist allerdings 
auch schuld daran, daß eine analytische Charakterologie nicht wie andere 
Lehren mit einer simplen Einteilung der Menschen in verschiedene einander 
ausschließende Grundkategorien beginnen kann. 

Für den praktischen Analytiker erweist sich der Charakter dort am bedeut- 
samsten, wo er als „Charakterwiderstand" den therapeutischen Erfolg bedroht.'" 
Wir haben gesehen, daß bei vielen Typen eine Deutung unbewußter Inhalte 
vor Behebung einer gewissen charakterlichen Abwehrhaltung sinnlos ist. Daraus 
scheint sich die Formel zu ergeben, daß im Grunde eine Charakteranalyse jeder 
Neurosenanalyse vorangehen müsse. In einem bestimmten Sinne kommentiert, 
ist dieser Satz auch sicher wahr, nämlich in dem, daß eine Analyse sich nicht 
anders vollziehen kann, als indem man den Patienten immer wieder darauf 
aufmerksam macht, wo und wie sein Ich der analytischen Arbeit Widerstand 
entgegensetzt, warum es dies und warum es dies in dieser Weise tut. Aber so 
formuliert ist das ja nichts anderes als eine Wiederholung der banalsten Grund- 

174) Freud: Die kulturelle Sexualmoral und die moderne Nervosität (Ges. Sehr. 
Bd. V, S. 61). 

i/j) Abraham: Zur Charakterbildung auf der genitalen Entwicklungsstufe. In: 
Psychoanalytische Studien zur Charakterbildung. Und Reich: Der genitale und der 
neurotische Charakter. Int. Z. f. Ps.-A. XV (1929). 

176) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr. Bd. XI, S. 102). 

177) Siehe besonders Reich: Zur Technik der Deutung und der Widerstands- 
analyse. Int. Z. f. Ps.-A. XIII (1927), Über Charakteranalyse. Int. Z. f. Ps.-A. XIV 
(1928) und: Der genitale und der neurotische Charakter. Int. Z. f. Ps.-A. XV (1929). 

■3* 



1^96 * . 

Sätze der analytischen Technik. Wollte man aber behaupten, daß es zum 
Zwecke der Heilung einer Neurose nötig sei, auf jeden Fall den ganzen 
Charakter umzubauen, so hätte man schon deshalb Unrecht, weil ja dieser 
„Charakterwiderstand" nur eine bestimmte Seite des Gesamtcharakters darstellt. 
Wir hoiFen, in der speziellen Neurosenlehre gezeigt zu haben, daß und warum 
die analytische Behebung neurotischer Mechanismen eine Aufgabe ist, die im 
allgemeinen doch wesentlich leichter ist als diese noch sehr problematische 
grundlegende Charakterveränderung. 



i 






t 



Literaturverzeichnis 



Das folgende Literaturverzeichnis umfaßt, nach Kapiteln geordnet: a) alle Arbeiten, 
auf die im Text der betrefEenden Kapitel Bezug genommen wurde, b) alle Arbeiten 
der engeren psychoanalytischen Schule zur Theorie der betreffenden Neurosenform, 
c) alle diejenigen kasuistischen psychoanalytischen Mitteilungen, die für das Ver- 
ständnis der betreffenden Neurosenform etwas Neues brachten. In einem Anhang 
„sonstige Kasuistik" folgen d) die sonstigen publizierten psychoanalytischen Kranken- 
geschichten. Von der nichtdeutschen Literatur wurde nur die englische berücksichtigt. 

Abkürzungen 

GS =: Sigm. Freud, Gesammelte Schriften. Bd. I— XI. Journ Nerv Ment z= Journal of Nervous and Menta 

Internationaler PsA. Verlag, Wien Diseases 

I. Journ PsA - International Journal of Psydio- p^ - Zeitsdirift für psa. Pädagogik 

Analysis 

I. PsA. V. =z Internationaler Psydboanalytisdier Verlag, ^'^ P"' = P»y<i<'^^lyse. psydioanalytisd. 

Wien PsA. Rev. = PsyAoanalytic Review 

Jb = Jalirbuch für psydioanalytisdie und psycho- Z =: Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse 

pathologische Forschungen, Bd. I-V ; Jahrbuch der zbl r:: Zentralblatt für Psychoanalyse 

Psychoanalyse, Bd. VI 

I. Kap.: Perversionen 

i) Abraham: Bemerkungen zur Psychoanalyse eines Falles von Fuß- und Korsett- 
Fetischismus. Jb III 1910 

2) — : Untersuchungen über die früheste prägenitale Entwicklungsstufe der Libido. 

Z IV 1916 

Nr. i) und 2) auch in: Abraham, Klinische Beiträge zur Psychoanalyse. I. PsA. V. 1921 

3) — : Äußerungsformen des weiblichen Kastrationskomplexes. Z VII 1921 

4) — : Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. I. PsA. V. 1924 

5) Blüher: Nils Lyhne von Jacobsen und das Problem der Bisexualität. Imago I 191 2 

6) — : Zur Theorie der Inversion. Z II 1914 

7) Bloch: Das Sexualleben unserer Zeit. Berlin 

8) Boehm: Beiträge zur Psychologie der Homosexualität. Z VI 1920 und Z VIII 1922 

9) — : Homosexualität und Bordell. Z VII 1921 

10) — : Bemerkungen über Transvestitismus. Z IX 1923 

11) — : Homosexualität und Ödipuskomplex. Z XII 1926 

12) Bousfield: The Castration Complex in Women. PsA. Rev. Xi 1924 



198 



13) Brill: The Conception of Homosexuality. Journal of Amer. Med. Ass. 1523 

14) Bryan: Bisexuality. I Journ PsA XI 1930 

15) Burrow: The Genesis and Meaning of Homosexuality. PsA. Rev. IV 1917 

16) Carp: Die Rolle der prägenitalen Libidofixierung in der Perversion. Z X 1924 

17) Helene Deutsch: Der feminine Masochismus und seine Beziehung zur Frigidität. 

2 XVI 1930 
xS) Federn: Beiträge zur Analyse des Sadismus und Masochismus. Z II 1913 

19) Fenichel: Zur ökonomischen Funktion der Deckerinnerungen. Z XIII 1927 

20) — : Zum Merkbefehl. Z XIV 1928 

21) — : Eine Traumanalyse. 2 XV 1929 

22) — : Zur Psychologie des Transvestitismus. 2 XVI 1930 

23) — : Zur prägenitalen Vorgeschichte des Ödipuskomplexes. Z XVI 1930 

24) Ferenczi: Zur Nosologie der männlichen Homosexualität. Z II 1914. Auch in: 

Ferenczi, Bausteine zur Psychoanalyse. Bd. I, I. PsA. V. 1927 

25) Freud: Über Deckerinnerungen. GS I 

26) —: Zur Psychopathologie des Alltagslebens. GS IV 

27) — : Drei Abhandlungen zur Sexual theorie. GS V 

28) — : Analyse der Phobie eines fünfjährigen Knaben. GS VIII 

29) — : Zur Einführung des Narzißmus. GS VI 

30) — : Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. GS VII 

31) — : Aus der Geschichte einer infantilen Neurose. GS VIII 

32) — : Wege der psychoanalytischen Therapie. GS VI " 

33) — : ,.Ein Kind wird geschlagen". GS V 

34) — : Ober die Psychogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität. GS V 
3J) — : Jenseits des Lustprinzips. GS VI 

36) -: Über einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, Paranoia und Homo- 

sexualität. GS V , , 

37) — •• Das Ich und das Es. GS VI 

38) — : Der Untergang des Ödipuskomplexes. GS V 

39) — : Das ökonomische Problem des Masochismus. GS V 

■40) — : Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschiedes. GS XI 

41) —: Hemmung, Symptom und Angst. GS XI 

42) — : Fetischismus. GS XI 

45) Friedjung: Schamhaftigkeit als Maske der Homosexualität. Z III 191 5 

44) ~: Wäschefetischismus bei einem Einjährigen. Päd II 1927 

45) Gebsattel: Über Fetischismus. Nervenarzt II 1928 

46) Goetz: Sexuelle Kümmerformen und ihre strafrechtliche Bewertung. Sozialist 

Arzt IV 1928 

47) Clara Happel: Onanieersatzbildungen. 2 IX 1923 

48) Hirnik: Schicksale des Narzißmus bei Mann und Weib. Z IX 1923 

49) —• 2ur Psychologie des 2opfabschneiders. 2. f. Sexw. XII 1928 

50) — : 2ur Therapie der Homosexualität. Vortrag auf der II. Tagung der Deutschen 

PsA Gesellschaft, Dresden 1930 

51) Max Hartmann: Autogamie bei Protisten und ihre Bedeutung für das Befruch- 

tungsproblem. Arch. f. Protistenkunde 1909 

52) — : Die Sexualität der Protisten und Thallophyten und ihre Bedeutung für eine 

allgemeine Theorie der Bisexualität. 2eitschrift f. indukt. Abstammungs- und 
Vererbungslehre 1930 



»59 

53) Hitschmann: Paranoia, Homosexualität und Analerotik. Z XII 1^16 
J4) Karen Horney: Flucht aus der Weiblichkeit. Z XII 1926 

jj) Hermine Hug-Hellmuth: Ein Fall von weiblichem Fuß-, richtiger Stiefelfetischis- 
mus. Z III 191 j 

56) Jones: Die erste Entwicklung der weiblichen Sexualität. Z XIV 1928 

57) Karpman: The Psychopathology of Exhibitionism. PsA. Rev. XIII 1926 

j8) A. Lampl-de Groot: Zur Entwicklungsgeschichte des Ödipuskomplexes der Frau. 

Z XIII 1927 
J9) Langer-Toldt: Lehrbuch der systematischen und topographischen Anatomie. Wien 

und Leipzig. 

60) Ophujisen: Das Sexualziel des gewalttätigen Sadismus. Z XV 1929 

61) Pfeifer: Äußerungen infantil-erotischer Triebe im Spiele. Imago V 1919 
61) Rank: Perversion und Neurose. Z VIII 1922 

63) Read: Homosexuality. Journ. of Ment. Science 67, 1921 

64) Sachs: Zur Genese der Perversionen. Z IX 1923 

65) Sadger: Zur Ätiologie der konträren Sexualempfindungen. Med. Kl. 1509 

66) — : Über den sadomasochistischen Komplex. Jb V 1913 

67) — : Über den Wert der Autobiographien sexuell Perverser. Fortschr. d. Med. 1913 

68) — : Sexuelle Perversionen. Jb VI 1914 

69) — : Neue Forschungen zur Homosexualität. Berl. Klinik 191 5 

70) — : Psychopathia sexualis und innere Sekretion. Fortschr. d. Med. 1920 

71) — : Die Lehre von den Geschlechtsverirrungen (Psychopathia sexualis) auf psycho- 

analytischer Grundlage. Leipzig und Wien 192 1 

72) — ; Ein Beitrag zum Verständnis des Sado-Masochismus. Z XII 1926 

73) Schaudinn: Die Befruchtung der Protozoen. Verh. deutsch. Zool. Ges. 190J 

74) Sherman: The Factor of Parental Attachment in Homosexuality. PsA. Rev. 

XIII 1926 
7jj Silverberg: Eine Übergangsphase in der Genese der Phantasie „Ein Kind wird 
geschlagen". Z XVI 1930 

76) Slotopolsky: Sexualchirurgie. Z. f. Sexw. XII 1925 

77) Sabine Spielrein: Ein Zuschauertypus. Z IX 1923 

78) Steinach: Histologische Beschaffenheit der Keimdrüsen bei homosexuellen Männern. 

Arch. f. Entwmechanik 46, 1920 

79) Steinach und Lichtenstern: Heilung der Homosexualität beim Menschen. Münchner 

med. Woch. 1918 
; 80) Stekel: Zur Psychologie des Exhibitionismus. Zbl I 1911 

81) — : Masken der Homosexualität. Zbl II 1912 

82) — : Zur Psychologie und Therapie des Fetischismus. Z. f. Pathopsych. 1914 

83) — : Onanie und Homosexualität. 1917 

> 84) Editha Sterba: Nacktheit und Scham. Päd III 1929 

8j) Stieve: Entwicklung, Bau und Bedeutung der Keimdrüsenzwischenzellen, eine 
Kritik der Steinachschen „Pubertätsdrüsenlehre", München und Wiesbaden 1921 

86) Sugär: Zur Genese und Therapie der Homosexualität. Jahrb. f. Psych, u. Neur. 

44. 2—3 

Sonstige Kasuistik 

87) Alexander: Ein Fall von masochistischem Transvestitismus. In: Psychoanalyse der 

Gesamtpersönlichkeit (S. 181 — 195) I. PsA. V. 1927 



V 



88) J. Glover: Notes on an Unusual Form of Perversion. I Journ PsA VIII 1927 

89) Clara Happel: Aus der Analyse eines Falles von Päderastie. Z XI 1925 

90) Lorand: Fetischismus in statu nascendi. Z XVI 1930 

91) Nachmansohn: Die Psychoanalyse eines Falles von Homosexualität. Z VIII 1922 

92) Peck: Exhibitionism. Report of a Gase. PsA. Rev. XI 1924 

93) Sadger: Ein Fall von multipler Perversion mit hysterischen Absencen. Jb II 1910 

94) Schilder: Über Identifizierung auf Grund der Analyse eines Falles von Homo- 

sexualität. Z. f. d. ges. Neur. u. Psych. 59, 1920 

95) (Anonym): Beobachtung eines Falles von erotischer Perversion mit Neurose. 

Z II 1914 

II. Kap. : Perversionsverwandte Neurosen 

96) Abraham: Die psychologischen Beziehungen zwischen Sexualität und Alkoholis- 
mus. Z. f. Sexw. 1908. Auch in: Abraham, Klinische Beiträge zur Psychoanalyse. 
I. PsA. V. 1921 

97) Alexander: Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit. I. PsA. V. 1927 

98) Bernfeld: Der soziale Ort und seine Bedeutung für Neurose, Verwahrlosung und 

Pädagogik. Imago XV 1929 

99) Bleuler: Alkohol und Neurosen. Jb III 191 1 

100) Bychowski: Zur Psychopathologie der Brandstiftung. Schweiz. Arch. f. Neur. u. 
Psych. V 1919 

loi) Mary Chadwick: A Gase of Cleptomania in a Girl of Ten Years. I Journ PsA 
VI 1925 

102) Helene Deutsch: Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen. I. PsA. V. 1925 
23) Femchel: Zur prägenitalen Vorgeschichte des Ödipuskomplexes. Z XVI 1930 

103) Ferenczi: Alkohol und Neurosen. Jb III 1911 

104) — : Reiben der Augen — ein Onanieersatz. Z II 1914 

105) — : Mischgebilde von erotischen und Charakterzügen. Z IV 1916 

106) -: Pollution ohne orgastischen Traum und Orgasmus im Traume ohne PoUu- 

tion. Z IV 1916 

Nr. 103) 104) loj) 106) auch in: Ferenczi, Bausteine zur Psychoanalyse. Bd. I u. IL I. PsA. V. 1927. 

107) — : Zur Psychoanalyse von Sexualgewohnheiten. Z XI 1925 
27) Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. GS V 

108) — : Bruchstück einer Hysterieanalyse. GS VIII 

31) — : Aus der Geschichte einer infantilen Neurose. GS VIII 

35) — : Jenseits des Lustprinzips. GS VI , ■ _ 

41) — : Hemmung, Symptom und Angst. GS XI 

109) — : Dostojewski und die Vatertötung. Almanach der Psychoanalyse. 1930 

HO) Groß: Die Stellung des Ichs in der Sucht. Vortrag in d. Deutsch. PsA Ges. 1929 

111) H. Hartmann: Kokamismus und Homosexualität. Z. f. d. ges. Neur. u. Psych. 192J 

112) Hattingberg: Analerotik, Angstlust und Eigensinn. Z II 1914 

113) Juliusburger: Beitrag zur Psychologie der sogenannten Dipsomanie. Zbl II 1912 

114) — : Zur Lehre vom psychosexuellen Infantilismus. Z. f. Sexw. I 1914 

115) — : Alkoholismus und Sexualität. Z. f. Sexw. II 1916 

1x6) Kielholz: Symbolische Diebstähle. Z. f. d. ges. Neur. u. Psych. 5j, 1920 

117) -^: Analyseversuch bei Delirium tremens. Z XII 1926 

118; —. Seelische Hintergründe der Trunksucht. PsA Bewegung II 1930 



2Q1 



ii9) Melanie Klein: Frühstadien des Ödipuskomplexes. Z XIV 1928 

120) Laforgue: Über die Erotisierung der Angst. Z XVI 1930 

121) Lorand: Crime in Fantasy and Dreams and the Neurotic Criminal. PsA. Rev. 

XVII 1930 

122) „Die Onanie". Diskussion in der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Wies- 

baden 1912. 

123) „Onanie". Sonderheft der Päd II 1928 

124) Pfeifer: Die neurotische Dauerlust. Z XIV 1928 

125) — : Über eine Form der Abwehr. Z XVI 1930 

126) Pfister: Ist die Brandstiftung ein archaischer Sublimierungsversuch? Z III 191 j 

127) Rad6: Die psychischen Wirkungen der Rauschgifte. Z XII 1926 

128) — : Das Problem der Melancholie. Z XIII 1927 

129) Rank: Die Don Juan-Gestalt. Imago VIII 1922 ' 

130) — : Zur Genese der Genialität. Z XI 192 j 

131) Read: The Psychopathology of Alcoholism. journ. of Ment. Science 66, 1920. 

132) Reich: Der triebhafte Charakter. I. PsA. V. 1925 

133) — : Über die chronische hypochondrische Neurasthenie mit genitaler Asthenie. 

Z XII 1926 

134) — : Die Funktion des Orgasmus. I. PsA. V. 1927 

135) Reik: Geständniszwang und Strafbedürfnis. I. PsA. V. 1925 

136) Rickman: Photography as a Pseudo-Perversion. I Journ PsA VI 1924 

137) — : Alcoholism and Psychonalysis. Brit. Journ. of Inebriety XXIII, 192J 

138) Riggall: Homosexuality and Alcoholism. PsA. Rev. X 1923 

139) Sealer: Über den psychosexuellen Infantilismus, die Freudsche Lehre und Catha- 

rina Godwin. Z. f. Sexw. 1916 

140) Schilder: Entwurf zu einer Psychiatrie auf psychoanalytischer Grundlage. 

I. PsA. V. 192J 

141) Simmel: Zur Psychoanalyse des Spielers. Vortrag auf d. V. PsA Kongreß. Auto- 

referat Z VI 1920 

142) — : Die psychoanalyrische Behandlung in der Klinik. Z XIV 1928 

143) — : Zum Problem von Zwang und Sucht. Ber. ü. d. V. allg. ärztl. Kongr. f. 

Psychotherapie 1930 

144) Alfhild Tamm: Drei Fälle von Stehlen bei Kindern. Päd II 1927 

14J) Tausk: Zur Psychologie des alkoholischen Beschäftigungsdelirs. Z III 191 j , . 

Sonstige Kasuistik 

146) Alexander: Psychoanalytische«^ Gutachten vor Gericht. Z XI 192J 

147) Baudouin: Ein Fall von Kleptomanie. Päd IV 1930 

148) Marie Bonaparte: Eine kleptomane Anwandlung. Z XVI 1930 

149) Bryan: A Dream of Forensic Interest. I Journ PsA IX 1928 

150) Clara Happel: Der Mann in der Kloake. Päd II 1927 

iji) Kalischer: Leben und Selbstmord eines Zwangsdiebes. Päd III 1929 

152) Oberndorf: Submucous Resection as a Castration-Symbol. I Journ PsA X 1929 

153) Sadger: Die Psychoanalyse eines Autoerotikers. Jb V 1913 

IJ4) Melitta Schmideberg: Einige Bemerkungen zu dem von Ella Terry beschriebenen 

Fall. Päd V 193 1 
IJ5) Stekel: Ein Fall von Analerotik (Priapismus). Z. f. Sexw. V 1918 
ij6) Ella Terry: Stottern und Stehlen. Päd V 1931 



ao3 



in. Kap.: Sdiizophrenie 

1T7) Abraham: Die psychosexuellen Differenzen der Hysterie und der Dementia praecox. 
Zentralbl. f. Nervenhkde u. Psych. XIX 1908. Auch in: Abraham, Klinische Bei- 
träge zur Psychoanalyse. I. PsA. V. 1921 
158) — : Zwei Fehlhandlungen eines Hebephrenen. Z VTI 1921 

4) — : Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. I. PsA V. 1924 
IJ9) Bally: Zur Frage der Behandlung schizoider Neurotiker. Z XVI 1930 
löo) Mary Barkas: The treatment of Psychotic Patients in Institutions in the Light 
of Psychoanalysis. Journ. of Neur. a. Psychopath. 1925 i . 

161) Beauchant: Homosexualität und Paranoia. Zbl II 1912 

162) Bemfeld: Über Faszination. Imago XIV 1928 

163) Bibring: Klinische Beiträge zur Paranoiafrage I: Zur Psychologie der Todesideen 

bei paranoider Schizophrenie. Z XIV 1928 

164) -: Klinische Beiträge zur Paranoiafrage II: Ein Fall von Organproiektion. 

Z XV 1929 

165) Binswanger: Psychoanalyse und klinische Psychiatrie. Z VII 1921 

166) Bjcrre: Zur Radikalbehandlung der chronischen Paranoia. Jb III 1911 

167) Bleuler: Freudsche Mechanismen in der Symptomatologie von Psychosen. Psych.- 

neur. Wochenschr. 1906 

168) Bornsztaijn: Schizophrene Symptome im Lichte der Psychoanalyse. Z XII 1926 

169) BriU: Psychological Factors in Dementia praecox. Journ. Abn. Psych. 1908 
170. — : Studies in Paraphrenia. New York Med. Journ. iio, 1922 

171) Bychowski: Psychoanalytisches aus der psychiatrischen Abteilung. Z XI 1925 

172) — : Über Psychotherapie und Schizophrenie. Nervenarzt I 8 
•173) ^- d- Chijs: Über Halluzinationen 'und Psychoanalyse. Z V 1919 

174) Clark: Ober die Phantasiemethode bei der Analyse narzißtischer Psychosen. 

Z XII 1926 

175) Coriat: The Treatment of Dementia praecox by Psychoanalysis. Journ. abn. 

Psych. XII 1917 

176) Devine: The Psychotherapy of the Psychoses. Brit. Journ. of med. Psych. X 1930 

177) Endtz: Über Träume von Schizophrenen. Z X 1924 

178) Federn: Einige Variationen des Ichgefühls. Z XV 1929 

179) — : Das Ich als Subjekt und Objekt im Narzißmus. Z XV 1929 

180) Feigenbaum: The Paranoid Criminal. Med. Rev. of Rev. Psychopath. Numb. 1930 

181) — : Paranoia und Magie. Z XVI 1930 

182) Feldmann: Über Erkrankungsanlässe bei Psychosen. Z VII 1921 

183) Fenichel: Über organlibidinöse Begleiterscheinungen der Triebabwehr. Z XIV 1928 

184) Ferenczi: Reizung der analen erogenen Zone als auslösende Ursache der Paranoia. 

Zbl I 1911 

i8j) — : Über die Rolle der Homosexualität in der Pathogenese der Paranoia. Jb III 1911 
i8i5) — ; Entwicklungsstufen des Wirklichkeitssinnes. Z I 1913 

187) —: Einige klinische Beobachtungen bei Paranoia und Paraphrenie. Z 11 1914 

188) — : Psychoanalytische Betrachtungen über den Tic. Z VII 1921 

Nr. 184) 185) i8(S) 187) 188) audi in: Ferenc2i, Bausteine zur Psydioanalyse. Bd. I u. 11. I. PsA. V. 1927 

189) Freud: Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose. GS VIII 

190) — : Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch beschriebenen Fall 

Ton Paranoia (dementia paranoides). GS VIII 



203 

i9i) Freud: Nachtrag hiezu. GS VIII 

29) — : Zur Einführung des Narzißmus. GS VI 

192) — : Mitteilung eines der psychoanalytischen Theorie widersprechenden Falles 

von Paranoia. GS V 

193) — : Triebe und Triebschicksale. GS V 

194) — : Das Unbewußte. GS V 

195) — : Die Ausnahmen. GS X 

196) — : Metapsychologische Ergänzung zur Traumlehre. GS V 

30) — : Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. GS VII 

3j) — : Jenseits des Lustprinzips. GS VI • • 

36) — : Über einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, Paranoia und Homo- 

sexualität. GS V 

37) — : Das Ich und das Es. GS VI 

197) — : Neurose und Psychose. GS V 

198) — : Der Realitätsverlust bei Neurose und Psychose. GS VI 

41) — : Hemmung, Symptom und Angst. GS XI 

42) — : Fetischismus. GS XI 

199) Gillespie: The Psychotherapy of the Psychoses. Brit. Journ. of Med. Psych. 

X 1930 

200) E. Glcver: The Psychotherapy of the Psychoses. Brit. Journ. of Med. Psych. 

X 1930 

201) Hassall: The Role of the Sexual Complex in Dementia praecox. PsA. Rev. II i^ij 

202) Hinsie: The Treatment of Schizophrenia. Bailiiere, Tyndall u. Co, London, 1930 
/' J3) Hitschmann: Paranoia, Homosexualität und Analerotik. Z I 1913 

203) Hollös: Aus der psychiatrischen Anstaltspraxis. Z IX 1923 

204) — : Der Sinn der Geisteskrankheiten. In; Das PsA Volksbuch. Stuttgart 1927 

205) — : Hinter der gelben Mauer. Berlin und Zürich 1928 

206) V. d. Hoop: Über die Projektion und ihre Inhalte. Z X 1924 
V 207) Jelgersma: Die Projektion. Z XII 1926 

y 208) Jones: Die Eifersucht. PsA Bewegung II 1930 

209) Isham: The Paraphienic's Inaccessibility. PsA. Rev. VII 1920 

210) Itten: Beiträge zur Psychologie der Dementia praecox. Jb V 1913 

211) Jung: Über die Psychologie der Dementia praecox. Halle a. S. 1907 

212) — : Der Inhalt der Psychose. Leipzig u. Wien 1908 

213) Kalischer: Erziehungshilfe bei drohender Schizophrenie. Päd IV 1930 

214) Kielholz: Zur Genese und Dynamik des Erfinderwahns. Z IX 1923 

215) Melanie Klein: The Psychotherapy of the Psychoses. Brit. Journ. of Med. Psych. 

X 1930 

216) Kogan: Äußerungen des Ödipuskomplexes bei Schizophrenie. Z XIV 1928 

217) Laforgue: Über Skotomisation in der Schizophrenie. Z XII 1926 

218) — : Schizophrenie und Schizonoia. Z. f. Neur. u. Psych. 105, 1926 

219) — : Absperrungsmaßnahmen in der Neurose und ihre Beziehungen zur Schizo- 

phrenie. Z XV 1929 

220) Landauer: Spontanheilung einer Katatonie. Z II 1914 

221) — : Automatismen, Zwangsneurose und Paranoia. Z XIII 1927 

222) — : Die Schizophrenie. In: Das PsA Volksbuch. Stuttgart 1927 

223) — : Paranoia. In: Das PsA Volksbuch. Stuttgart 1927 

224) — : Onanieselbstbeschuldigungen in Psychosen. Päd II 1928 



204 

22 5) Lazell: Psychology of War and Schizophrenia. PsA. Rev VII 1920 

226) Levy-Bruhl: Das Leben der Naturvölker. Leipzig 1921 

227) Ruth Mack-Brunswick: Die Analyse eines Eifersuchtswahnes. 2 XIV 1928 
228 -: Ein Nachtrag zu Freuds Geschichte einer infantilen Neurose. Z XV 1929 
\7l mTw '^ P^y^hologi^che Untersuchungen an Dementia praecox-Kranken. Jb II 1910 

230) Nelken: Über schizophrene Wortzerlegungen. Zbl II 1912 

231) Nunberg: Über den katatonischen Anfall. Z VI 1920 

^^^! ^', '^^"' Depersonalisationszustände im Lichte der Libidotheorie. Z X 1924 
233 Ophuijsen: Ober die Quelle der Empfindung des Verfolgtwerdens. Z VI 1920 
234) Oppenheim: Zur Frage der Genese des Eifersuchtswahnes. Zbl II 1912 
23J) Sylvia Payne: Some Freudian Contributions to the Paranoia Problem. PsA Rev I 
u. II 1913 u. 1914 

236) -: Psychotherapy of the Psychoses. Brit. Journ. of Med. Psych. X 1930 

237) Pollak: Psychoanalyse und klinische Psychiatrie. Z VIT 1921 

238) Preyer: Die Seele des Kindes. 1884 

239) Reik: Psychologie und Depersonalisation. In: Wie man Psychologe wird. 

1. PsA. V. 1927 

240) Rickman: The Development of the Psychoanalytic Theory of the Psychoses. 

Suppl. Nr. 2 zu I Journ PsA 1927 

241) R6heim: Nach dem Tode des Urvaters. Imago IX 1923 

242) Sachs: Traumdeutung und Menschenkenntnis. Jb III 1912 

243) Sadger: Über Depersonalisation. Z XIV 1928 

244) Sauvage-Nolting: Über den Verfolgungswahn beim Weibe. Z X 1924 
24 j) Schilder: Wahn und Erkenntnis. Berlin 191 8 

246) -: Über Halluzinationen. Z. f. d. ges. Neur. u. Psych. 53, 1920 

247) -: Ober Gedankenentwicklung. Z. f. d. ges. Neur. u. Psych. 59, 1920 

24»; -: Zur Theorie der Entfremdung der Wahrnehmungswelt. Allg. Z f Psvch 

76, I92I ■ ! ■ 

y. H9) —■ Zur Pathologie des Ichideals. Z VIII 1922 

250) — : Das Körperschema, Berlin 1923 

251) — : Seele und Leben, Berlin 1923 

252) — : Medizinische Psychologie, Berlin 1924 

"^°l 7-.f"''^""'l^»,""^'"P'>'<^h'atrie auf psychoanalytischer Grundlage. L PsA. V 192. 
2J3) Schilder u. Sugär: Zur Lehre von den schizophrenen Sprachstörungen. Z. f. d. gel 

Neur. u. Psych. 104, 1926 ^ 

254) Schilder u. Weidner: Zur Kenntnis symbolähnlicher Bildungen im Rahmen der 

Schizophrenie. Z. g. d. ges. Neur. u. Psych. 16, 1914 
2jj) Schultz-Hencke: Einführung in die Psychoanalyse. Jena 1927 

256) Shockley: The Role of Homosexuality in the Genesis of Paranoid Conditions. 

ISA. Kev. 1 1914 

257) Simmel: Die psycho-physische Bedeutsamkeit des Intestinalorgans für die Urver- 

drangung. Vortrag a. d. VIII. Internat. PsA Kongr. Autoreferat. Z X 1924 
2J8; — : Doktorspiel, Kranksein und Arztberuf. Z XII 1926 
142) -: Die psychoanalytische Behandlung in der Klinik. Z XIV 1928 
2J9) Starcke: Rechts und Links in der Wahnidee. Z II 1914 

!?J ~' n'' y^'"'^^^""8 '^'' Libidovorzeichens beim Verfolgungswahn. Z V 1919 
261} — : Psychoanalyse und Psychiatrie. I. PsA. V. 1921 
262) Sterba: „Eifersüchtig auf . . .?" PsA Bewegung II 1930 



263) Sugdr: Die Rolle des Zahnreizmotivs bei Psychosen. Z XII 1926 

264) Tausk: Über die Entstehung des Beeinflussungsapparates in der Schizophrenie. 

Z V 1919 
26 j) Eda Vohwinckel: Der heutige Stand der psychiatrischen Schizophrenieforschung. 
Z XVI 1930 

266) Wälder: Über Mechanismen und Beeinflussungsmöglichkeit der Psychosen. 

Z X 1924 

267) — : Über schizophrenes und schöpferisches Denken. Z XII 1926 

268) Wanke: Über Jugendirresein. Jurist, psychiatr. Grenzfr. X 19 19 

269) White: Study on the Diagnosis and Treatment of Dementia praecox. PsA. Rev. 

VIII 1917 

270) Zilboorg: Schizophrenien nach Entbindungen. Z XV 1929 

Sonstige Kasuistik 

271) Berkeley-Hill: A Gase of Paranoid Dissociation. PsA. Rev. IX 1922 ' = 

272) Brill: A Gase of Schizophrenia. Amer. Journ. of Insanity. 1909 

273) Bychowski: Ein Fall von oralem Verfolgungswahn. Z XV 1929 

274) Helene Deutsch: Ein kasuistischer Beitrag zur Kenntnis des Mechanismus der Re- 

gression bei Schizophrenie. Z V 1919 

275) Feigenbaum: Analysis of a Gase of Paranoia persecutoria. Structure and Gure. 

PsA. Rev. XVII 1930 
275) Frink: The Significance of a Delusion. PsA. Rev. XIII 1926 

277) Fuchs: Beobachtung über die determinierende Kraft des Namens bei einem 

Schizophrenen. Z XVI 1930 

278) Seh. Grebelskaja: Psychologische Analyse eines Paranoiden. Jb IV 1912 

279) H. Hartmann: Ein Fall von Depersonalisation. Z. f. d. ges. Neur. u. Psych. 74, 1922 

280) Hitschmann: Swedenborgs Paranoia. Zbl III 1913 

281) Hollos: Psychoanalytische Beleuchtung eines Falles von Dementia praecox. 

Z II 1914 

282) Kempf; The Psychoanalytic Treatment of Dementia praecox. Report of a Gase. 

PsA. Rev. VI 1919 

283) M. K.: Der Beginn eines Verfolgungswahns. Z IV 1916 

284) Nelken: Analytische Beobachtungen über Phantasien eines Schizophrenen. 

Jb IV 1912 

285) Nunberg: Der Verlauf des Libidokonfliktes in einem Falle von Schizophrenie. 

Z VII 1921 

286) Saussure: Bemerkungen zu einem Falle von Selbstverstümmlung. Z VIII 1922 

287) Sabine Spielrein: Über den psychologischen Inhalt eines Falles von Schizophrenie. 

Jb III 191 I 

288) Stocken: ödipustraum eines Schizophrenen. Z VIII 1922 

289) Wholey: A Psychosis Representing Schizophrenie and Freudian Mechanisms with 

Scientific Glearness. Americ. Journ. of Insanity 1916 

IV. Kap.: Manisdi-depressive Gruppe 

290) Abraham: Ansätze zur psychoanalytischen Erforschung und Behandlung des 

manisch-depressiven Irreseins und verwandter Zustände. Zbl II 1912 

291) — : Über ein kompliziertes Zeremoniell neurotischer Frauen. Z II 1914 



205 

2) Abraham: Untersuchungen über die früheste prägenitale Entwicklungsstufe der 
Libido. Z IV 19 16 

Nr. 2jo) 292) 2) audi in: Abrahim, Klinische Beiträge zur Psydioanalyse. I. PsA. V. Ij2i 

4) — : Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. L PsA. V. 1924 

292) — : Psychoanalytische Studien zur Charakterbildung. I. PsA. V. 1924 
97) Alexander: Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit. L PsA. V. 1927 

293) Baudouin: Leidvoller Verlust und Regression im Kindesalter. Päd III 1929 

294) Bernfeld: Selbstmord. Päd. III 1929 

295) Marie Bonaparte: Die Identifizierung der Tochter mit ihrer verstorbenen Mutter 

Z XV 1929 
zc)6) StefF Bornstein: Zum Problem der narzißtischen Identifizierung. Z XVI 1930 
297) Brill: Ein Fall von periodischer Depression psychogenen Ursprungs. Zbl I 1912 
29g) Clark: The Mechanisms of Periodic Mental Depressions. Rev. of Neur. a. Psych. 

XU 1914 

299) Helene Deutsch: Über Zufriedenheit, Glück und Ekstase. Z XIII 1927 

300) — : Anhang: Melancholie. In: Psychoanalyse der Neurosen. I. PsA. V. 1930 

301) — : IL Teil: Phobie in: Psychoanalyse der Neurosen. I. PsA. V. 1930 
302).Dooley: Analysis of a Gase of Manie-Depressive Psychosis. PsA." Rev. V 1918 

303) — : A Psychoanalytic Study of Manie Depressive Psychoses. PsA. Rev. VIII is--! 

304) Eisler: Über wahnhafte Selbstanklagen. Z XV 1929 
30J) Federn: Die Geschichte einer Melancholie. Z IX 1923 

306) — : Selbstmordprophylaxe in der Analyse. Päd III 1929 

307) Feigenbaum: A Gase of Hysterical Depression. PsA. Rev. XIII 1926 

308) Fenichel: Introjektion und Kastrationskomplex. Z XI 1925 

309) — : Die Identifizierung. Z XII 1926 

310) — : Spezialformen des Ödipuskomplexes. Z XVII 1931 

311) — : Über respiratorische Introjektion. Z XVII 1931 

27) Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. GS V ,, ,, 

312) — : Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten. GSX 

313) — : Totem und Tabu. GSX 

314) — : Die Disposition zur Zwangsneurose. GS V 

315) — : Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten. GS VI 
29) — : Zur Einführung des Narzißmus. GS VI 

310) — ; Trauer und Melancholie. GSV 

35) — : Jenseits des Lustprinzips. GS VI 
317) — : Massenpsychologie und Ich-Analyse. GS VI 

37) — : Das Ich und das Es. GS VI 

197) — : Neurose und Psychose. GSV 

198) — : Der Realitätsverlust bei Neurose und Psychose. GS VI 
39) — : Das ökonomische Problem des Masochismus. GSV 
41) — : Hemmung, Symptom und Angst. GS XI 

J18) — : Der Humor. GS XI 

319) Friedjung: Zur Kenntnis kindlicher Selbstmordimpulse. Päd III 1929 
J20) E. Glover: The Significance of the Mouth in Psychoanalysis. Brit. Journ of Med 
Psych. IV 1924 

321) J. Glover: Notes on the Psychopathology of Suicid. I Journ PsA III 1922 
}22) Karen Horney: Die prämenstruellen Verstimmungen. Päd V 1931 
323) Kielholz: Giftmord und Vergiftungswahn. Z XVII 1931 



324) Landauer: Äquivalente der Trauer. Z XI 1925 

325) — : Die Gemütserkrankungen. In: Das PsA Volksbuch. Stuttgart 1927 

326) Lewin: Kotschmieren, Menses und weibliches Überich. Z XVI 1930 

127) Rado: Die psychischen Wirkungen der Rauschgifte. Z XII 1926 

128) — : Das Problem der Melancholie. Z XIII 1927 

24c) Rickman: The Development of the Psychoanalytic Theory of the Psychoscs. 
Suppl. No II zu I Journ PsA 1927 

327) R6heim: Heiliges Geld in Melanesien. Z IX 1923 
241) — : Nach dem Tode des Urvaters. Imago IX 1923 

. 328) Sadger: Zum Problem des Selbstmordes. Päd III 1929 

329) Schilder: Vorstudien einer Psychologie der Manie. Z. f. ges. Neun u. Psych. 

68, 192 1 
140) — : Entwurf zu einer Psychiatrie auf psychoanalytischer Grundlage. I. PsA. V. 192J 

330) Schilder und Herschmann: Träume der Melancholiker. Z. f. d. ges. Neur. u. Psych. 

3}i) Über den Selbstmord, insbesondere den Schülerselbstmord. Diskussion in der 
Wiener PsA Vereinigung. Wiesbaden 1910 

332) Weiß: Der Vergiftungswahn im Lichte der Introjektions- und Projektionsvor- 
gänge. Z XII 1926 

313) Wyrubow: Über Zyklothymie und ihre Kombinationen. Zbl IV 1913 

334) ZüUiger: Beiträge zur Psychologie der Trauer- und Bestattungsgebräuche. Imago 
X 1924 

Sonstige Kasuistik 

33j) Eisler: Der Ausbruch einer manischen Erregung. Z VII 1921 

336) Maeder: Psychoanalyse bei einer melancholischen Depression. Jb III 1911 

V. Kap.: Charakterstörungen 

3) Abraham: Äußerungsformen des weiblichen Kastrationskomplexes. Z VII 1921. 

Auch in: Abraham, Klinische Beiträge zur Psychoanalyse. I. PsA. V. 1921 

4) — ■: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. I. PsA. V. 1924 
292) — : Psychoanalytische Studien zur Charakterbildung. I. PsA. V. 1924 

337) — : Die Geschichte eines Hochstaplers im Lichte psychoanalytischer Erkenntnis. 

Imago XI 1925 

338) Aichhorn: Über die Erziehung in Besserungsanstalten. Imago IX 1923 

339) — : Verwahrloste Jugend. I. PsA. V. 192J 

340) — : Zum Verwahrlostenproblcm. Päd I 1926 

341) — : Psychoanalytisches Verständnis und Erziehung Dissozialer. In: Das PsA 

Volksbuch. Stuttgart 1927 

342) Alexander: Kastrationskomplex und Charakter. Z VIII 1922 
97) — : Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit. I. PsA. V. 1927 

343) — : Der neurotische Charakter. Z XIV 1928 

344) — : Strafbedürfnis und Todestrieb. Z XV 1929 

34j) — : The Ncurotic Criminal. In Med. Rcv. of. Rev. Psychopath. Numb. 1930 

346) — : Psychische Hygiene und Kriminalität. Imago XVII 193 1 

347) Alexander u. Staub: Der Verbrecher und seine Richter. I. PsA. V. 1929 

348) Bernfeld: Bemerkungen über ..Sublimierung". Imago VIII 1922 



ao8 

98) Bernfeld: Der soziale Ort und seine Bedeutung für Neurose, Verwahrlosung und 
Pädagogik. Imago XV 1929 
349) — : Die Tantalussituation. Imago XVII 1931 

3jo) Berta Bornstein: Zur Psychogenese der Pseudodebilität. Z XVI 1930 
3Ji) — : Beziehungen zwischen Sexual- und Intellektentwicklung. Päd IV 1930 
352) Brill: Analeroticism and Character. Journ. Abn. Psych. 1912 
3J3) Burrow: Character and the Neuroses. PsA. Rev. I 1914 
3J4) Edith Buxbaum: Ober schwierige, insbesondere faule Schüler. Päd IV 1930 
3jj) Bychowski: Schwierigkeiten in der Schule und ihre Psychotherapie. Päd IV 1930 

356) Coriat: The Character Traits of the Urethral Erotism. PsA. Rev. XI 1924 

357) Helene Deutsch: Über die pathologische Lüge (Pseudologia phantastica) Z VIII 1922 
X358) Eisler: Über Schlaflust und gestörte Schlaffähigkeit. Z VII 1921 

178) Federn: Einige Variationen des Ichgefühls. Z XII 1926 

179) — : Das Ich als Subjekt und Objekt im Narzißmus. Z XV 1929 

359) — : Der Narzißmus im Ichgefüge. Z XIII 1927 

180) Feigenbaum: The Paranoid Criminal. Med. Rev. of Rev. Psychopath. Numb. 1930 

360) Fenichel: Zur Klinik des Strafbedürfnisses. Z XI 192J 

309) — : Die Identifizierung. Z XII 1926 

23) — : Zur prägenitalen Vorgeschichte des Ödipuskomplexes. Z XVI 1930 

310) — : Spezialformen des Ödipuskomplexes. Z XVII 193 1 
360a) — : Die offene Arbeitskolonie Bolschewo. Imago XVII 1931 

V 361) Ferenczi: Introjektion und Übertragung. Jb I 1909 S ; - 

362) — : Zur Ontogenie des Geldinteresses. Z II 1914 

105) — : Mischgebilde von erotischen und Charakterzügen. Z IV 1916 X 

363) — : Pecunia — ölet. Z IV 1916 

364) — : Sonntagsneurosen. Z V 1919 

365) — : Psychoanalyse und Kriminologie. In: Populäre Vorträge über Psychoanalyse. 

I. PsA. V, 1922 

366) — : Soziale Gesichtspunkte bei Psychoanalysen. Z VIII 1922 

367) — : Über forcierte Phantasien. Z X 1924 

Nr. 3fii) 362) los) 3«3) 364) 366) 367) auth in : Ferenczi, Bausteine zw- PsA. Bd. I u. H. I. PsA. V. 1927 
>«368) — : Versuch einer Genitaltheorie. I. PsA. V. 1924 
5*107) — : Zur Psychoanalyse von Sexualgewohnheiten. Z XI 1925 

369) Flügel: Freudian Mechanisms as Factors in Moral Development. Brit. Journ of 

Psych. VIII 1917 

370) Anna Freud: Einführung in die Technik der Kinderanalyse. I. PsA. V. 1927 

371) Freud: Die Abwehr-Neuropsychosen. GS I 

372) — : Über Psychotherapie. GS VI 

27) — : Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. GS V 

373) — : Die „kulturelle" Sexualmoral und die moderne Nervosität. GS V 

374) — : Charakter und Analerotik. GS V 

375) — : Formulierungen über die zwei Prinzipien des psychischen Geschehens. GS V 
29) — : Zur Einführung des Narzißmus. GS VI 

193) — : Triebe und Triebschicksale. GS V 

376) — : Die Verdrängung. GS V 

194) — : Das Unbewußte. GS V 

377) — : Zeitgemäßes über Krieg und Tod. GS X 

378) — : Einige Charaktertypen aus der psychoanalytischen Arbeit. GS X 



209 

379) Freud: Über Triebumsetzungen, insbesondere der Analerotik. GS V 

30) — : Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. GS VII 

31) — : Aus der Geschichte einer infantilen Neurose. GS VIII 

X- 380) — : Einleitung zu „Zur Psychoanalyse der Kriegsneurosen". GS XI 

3j) — : Jenseits des Lustprinzips. GS VI 

317) — : Massenpsychologie und Ich- Analyse. GS VI 

36) — : Über einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, Paranoia und Homo- 

sexualität. GS V 

37) — : Das Ich und das Es. GS VI 
197) — : Neurose und Psychose. GS V 

38) — : Der Untergang des Ödipuskomplexes. GS V 

39) — : Das ökonomische Problem des Masochismus. GSV 

40) — : Einige psychische Folgen des anatomischen Gcschlechtsunterschiedes. GS XI 

41) —: Hemmung, Symptom und Angst. GS XI 

381) Friedjung: über verschiedene Quellen kindlicher Schamhaftigkeit. Z I 1913 

382) — : Zum Verständnis kindlicher Kriminalität. Med. Klinik 1924 

383) Fromm: Zur Psychologie des Verbrechers und der strafenden Gesellschaft Imago 

XVII 193 1 

384) Giese: Sexualvorbilder bei einfachen Erfindungen. Imago III 1914 

320) E. Glover: The Significance of the Mouth in Psychoanalysis. Brit. Journ. of med. 

Psych. IV 1924 
38J) — : Notes on Oral Character Formation. I Journ PsA VI 192J 

386) — : The Neurotic Character. I Journ PsA VII 1926 

387) — : Einige Probleme der psychoanalytischen Charakterologie. Z XII 1926 

388) J. Glover: Der Begriff des Ichs. Z XII 1926 

389) Harnik: Kulturgeschichtliches zum Thema: Geldkomplex und Analerotik. Z V 1919 
48) — : Schicksale des Narzißmus bei Mann und Frau. Z IX 1923 

-T390) — : Die triebhaft-affektiven Momente im Zeitgefühl. Imago XI 1925 

391) Haun: Strafe für Psychopathen? Imago XVII 1931 

392) Hermann: Beiträge zur Psychogenese der zeichnerischen Begabung. Imago 

VIII 1922 

393) — : Organlibido und Begabung. Z IX 1923 

394J — : Die Regel der Gleichzeitigkeit in der Sublimierungsarbeit. Imago X 1924 

395) — : Die Begabung im Lichte der Psychoanalyse. Päd I 1926 

396) — : Begabtheit und Unbegabtheit. Päd IV 1930 

397) Hitschmann: Urethralerotik und Zwangsneurose. Z VI 1920 

398) Hoffmann: Entwicklungsgeschichte eines Falles von sozialer Angst. Z XVII 193 1 
J4) Karen Horney: Flucht aus der Weiblichkeit. Z XII 1926 

399) Hermine Hug-Hellmuth: Vom „mittleren" Kinde. Imago VII 1921 

400) Edith Jacobssohn: Beitrag zur asozialen Charakterbildung. Z XVI 1930 

401) Jekels: Zur Psychologie des Mitleids. Imago XVI 1930 

402) Jones: Urethralerotik und Ehrgeiz. Z III 191 5 

403) — : Über analerotische Charakterzüge. Z V 1919 

404) — •: Der Ursprung und Aufbau des Über-Ichs. Z XII 1926 

40J) — : The Anxiety Character. Med. Rev. of Rev. Psychopath. Numb. 1930 

406) Karpman: The Sexual Offender. PsA. Rev. X u. XII 1921 u. 1923 
323) Kielholz: Giftmord und Vergiftungswahn. Z XVII 193 1 

407) Melanie Klein: Die psychologischen Grundlagen der Frühanalyse. Imago XII 1926 

14 Fenichel, Perversionen 



210 

119) Melanie Klein: Frühstadien des Ödipuskonfliktes. Z XIV 1928 

408) Kraus: Die Verwaisung als soziale Erscheinung. Päd IV 1930 

409) Laforgue: Die Mechanismen der Selbstbestrafung und ihr Einfluß auf den 

Charakter des Kindes. Päd TV 1930 
324) Landauer: Äquivalente der Trauer. Z XI 192J 

410) Lewin: The Compulsive Character. Med. Rev. of Rev. Psychopath. Numb. 1930 
121) Lorand: Crime in Fantasy and Dreams and the Neurotic Criminal. PsA. Rev. 

XVII 1930 
4") — •■ The Reactive Character. Med. Rev. of Rev. Psychopath. Numb. 1930 

412) Marcinowski: Zum Kapitel Liebeswahl und Charakterbildung. Imago V 19 17 

413) Meng: Das einzige und das einsame Kind. Neue Erziehung X 1928 

414) Müller-Braunschweig: Zur Genese des weiblichen Ober-Ichs. Z XII 1926 
41 j) — : Beiträge zur Metapsychologie. Imago XII 1926 

416) — : Die pädagogisch grundlegende Episode der Reinlichkeitsgewöhnung und des 

Gehenlernens. Neue Erziehung X 1928 

417) — : Triebleben und Charakter. Päd III 1929 

418) Josine Müller: Früher Atheismus und Charakterfehlentwicklung. Z XI 192J 

419) Odier: Geld und Neurose. Referat PsA Bewegung III 1931 

420) Petersen: Über die Erziehung der Verwahrlosten. Päd III 1929 

421) Pfister: Gefährdete Kinder und ihre psa. Behandlung. Jugendwohlfahrt 1908 

422) — : Vermeintliche Nullen und angebliche Musterkinder. Bern 1920 

423) — : Die Behandlung schwererziehbarer und abnormer Kinder. Bern 1922 

424) Rad6: Eine ängstliche Mutter. Z XIII 1927 
128) — : Das Problem der Melancholie. Z XIII 1927 
42 j) Rank: Der Künstler. Wien 1907 

426) Reich: Zwei narzißtische Typen. Z VIII 1922 
132) — : Der triebhafte Charakter. I. PsA. V. 1925 

427) — : Zur Technik der Deutung und der Widerstandsanalyse. Z XIII 1927 •. 

428) — : Ober Charakteranalyse. Z XIV 1928 

429) — : Der genitale und der neurotische Charakter. Z XV 1929 

430) — : Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse, ünt. d. Banner d. Marxis- 

mus. 1929 

431) — : Ober kindliche Phobie und Charakterbildung. Z XVI 1930 

432) — : Die charakterologische Oberwindung des Ödipuskomplexes. Z XVII 193 1 
I3j) Reik: Geständniszwang und Strafbedürfnis. I. PsA. V. 1925 

433) — : Lust und Leid im Witz. I. PsA. V. 1929 • 

434) Joan RiviJre: Weiblichkeit als Maske. Z XV 1929 

435) Rorschach: Zum Thema: Ohr und Zeit im Leben der Neurotiker. Zbl II 1912 

436) Sachs: Gemeinsame Tagträume. I. PsA. V. 1924 

437) — : Über einen Antrieb bei der Bildung des weiblichen Über-Ichs. Z XIV 1928 

438) Sadger: Analerotik und Analcharakter. Heilkde. 1910 

439) — : Zur Psychologie des einzigen und des Lieblingskindes. Fortschr. d. Med. 191 1 

440) — ; Zur Psychologie und Therapie des Tunichtgutes und des Trinkers. Wiener 

klin. Rdsch. 1914 

441) — : Vom ungeliebten Kinde. Fortschr. d. Med. 1916 

442) — : Kinder und Jugendliche als Verleumder. Päd III 1928 

443) Hedwig Schaxel: The Freudian Ego-Theory and Character Pathology. Med. Rev. 

of Rev. Psychopath. Numb. 1930 



211 

444) Wera Schmidt: Die Entwicklung des Wißtriebes bei einem Kinde. Imago XVI 1930 
44j) Schneider: Zur Psychologie des Lausbuben. Päd II 1927 

446) Sabine Spielrein: Verdrängte Munderotik. 2 VI 1920 

447) Staub: Psychoanalyse und Strafrecht. In: Das PsA Volksbuch. Stuttgart 1927 

448) — : Psychoanalyse und Strafrecht. Imago XVII 193 1 

449) — : Einige praktische Schwierigkeiten der psychoanalytischen Kriminalistik. 

Imago XVII 193 1 
4jo) Stekel: Die Beziehungen des Neurotikers zur Zeit. Zbl II 1912 

451) Sterba: Der orale Ursprung des Neides. Päd III 1929 

452) — : Zur Problematik der Sublimierungslehre. Z XVI 1930 

453) — : Einführung in die psychoanalytische Libidolehre. Päd V 1931 

454) Stern: Seme Observations in Character Changes in Neurotics. Amer. Med. 

XVI 192 1 

455) Strachey: Some Unconscious Factors in Reading. I Journ PsA XI 1930 

456) Wälder: Das Prinzip der mehrfachen Funktion. Z XVI 1930 
4)-7) Winterstein: Der Sammler. Imago VII 1921 

458) Witteis: The Hysterical Character. Med. Rev. of Rev. Psychopath. Numb 1930 

459) — : Der hysterische Charakter. PsA. Bewegung III 1931 

460) ZuUiger: Psychoanalytische Erfahrungen aus der Volksschulpraxis. Bern 1921 

461) — : Aus dem unbewußten Seelenleben unserer Schuljugend. Bern 1923 

462) — : Gelöste Fesseln. Dresden 1926 

463) — : Ober das kindliche Gewissen. Päd I 1926 

4Ö4) — : Geständnisangst und Geständniszwang bei Kindern. Päd II 1927 
46J) ■ — : Versager in der Schule. Päd IV 1930 

Sonstige Kasuistik 

146) Alexander: Psychoanalytisches Gutachten vor Gericht. Z XI 192J 

466) — : Der Doppelmord eines Neunzehnjährigen. PsA. Bewegung II 1930 

467) — : Ein besessener Autofahrer. Imago XVII 193 1 
4Ö8; Boehm: Ein verlogenes Kind. Päd II 1927 

469) Marie Bonaparte: Der Fall Lefebvre. Imago XV 1929 

470) Fenichel: Infantile Vorstufe eines „affektlosen Trotzes". Z XI 1925 

471) Ferenczi: Ursache der Verschlossenheit bei einem Kinde. Z I 1913 

472) Fromm: Dauernde Nachwirkung eines Erziehungsfehlers. Päd I 1927 

473) Kalischer: Beobachtungen an einem jungen Verschwender. Päd III 1928 

474) — : Aus der heilpädagogischen Anstaltspraxis. Päd IV 1930 

475) Lampl: Ein Fall von entlehntem Schuldgefühl. Z XI 1925 

476) Landauer: Eine „Dirne". Päd IV 1930 

477) Read: A Gase of Pseudologia Phantastica. Rev. of Neur. a. Psych. XVI 1918 

478) Schroeder: Psycho-Genesis of One Criminal. PsA. Rev. XI 1924 

479) Stern: Asoziales Verhalten eines Knaben als Symptom einer Neurose. Päd II 1927 

450) Strub: Elternhaus und Bcrufslehre. Päd V 193 1 

481) Zulliger: Heilung eines Prahlhanses. Päd II 1927 

482) —: Der Wendepunkt in der Analyse eines Zwangslügners. Päd III 1929 



Register 



Aberglaube 73 

Abhängigkeiten des Ichs 137 
Abkömmlinge des Unbewußten 

142 
Ablehnung des weiblichen Ge- 
schlechts 18 £E 
Abraham 15, 29, 35, 36, 37, 
66, 71, 80, 89, 95, 103, 110, 
111, 112, 113, 114, 115, 119, 
120, 121, 122, 123, 124, 125, 
126, 127, 130, 131, 132, 133, 
147, 158, 1S4, 156, 158, 159, 
160, 163, 164, 167, 176, 177, 
195, 197, 200, 202, 205, 206, 
207 
Absolution 53, 117, 124, 127 f, 
179, 183 ff; -sbedürfnis 179, 
183 £f, 190 
Abstinenzerscheinungen 67 
Abwehrart u. abgewehrter In- 
halt 139; u. Befriedigung im 
Charakter 140, 142 fl 
Adler, Alfred 179 
Aechtung, Angst vor 182 ff 
Aflekt-kälte 169 ff; u. Vor- 

stellungsinhalt 99, 170 
Agieren, neurotisches 175 ff, 

193; u. Erinnern 175 ff 
Aggravierung der Symptome 171 
Aggressionshemmungen 22, 

154 {, 171, 178, 186, 188 
Aggressivität 21, 98, s. auch 

Sadismus. 
Agoraphobie 116 
Aichhom 174, 176, 191, 193, 
Aktualneurosen 46 [207 

Alexander 61, 123, 128, 140, 
167, 175, 176, 177, 184, 188, 
189, 191, 192, 194, 199, 200, 
201, 206, 207, 211 
Alimentärer Orgasmus 64 f, 128 
Alkohol 66 f; -psychosen 67 
„AUiance" von Ich und Außen- 
welt 183; von Über-Ich und 
Außenwelt 186 
Allmacht der Gebärden 94; der 
Gedanken 73, 94; der Wör- 
ter 94 
AUmaohtsglaube 73, 77, 127, 
AUoplastik 176 ff [140 

Ambivalenz 25, 40, 76, 79 f, 
83, 94, 99, HO ff, 117 ff, 
139, 156, 166, 182 f; gegen 
sich selbst Ulf, 123 
Amentia 72, 91, 97 
Amnesie 15 

Amphimixis der Erotismen 163 

Anal; Charakter 114, 139, 155 ff, 

166 f; Fixierung 21 f, 25; 

Introjektion 80, 116; Regres- 

isioh 21 f; Sadismus 37 



Analerotik 21, 35, 38 f, 42, 47, 
58, 93, 112, 114, 155 ff; u. 
Hauterotik 39 f ; u. Masochis- 
mus 39 t 

Analsadistische Organisations- 
stufe 35, 80, 112, 114, 119, 

Anfall, hysterischer 108 [166 

Anfangsangst 159 

Angst; Abwehr, charakterliche 
152, 170; äußere, Triebregu- 
lierung durch 180 ff; bei Hal- 
luzinationen 92; orale 161; 
soziale 85, 100, 127, 166, 174, 
180 ff, 190 f; u. Identifizierung 
116, 152, 162; u. Onanie 61; 
vor Kastration, vor Liebes- 
verlust usw. s. Kastrations-, 
Liebsverlust- usw. Angst 

Angstoharakter 170 

Angsthysterie 182, Technik bei 

Angstlust 65 f [44 

Angstsignal 170 

Animismus 73, 97 

„Ansaugen" an ein Objekt 81 t, 
85, 90, 161, 186, 188 

Anstalt, geschlossene 102, 105, 
133 

Arbeitsdrang, zwanghafter 172; 
-Störungen 46, 170 f 

Askese 143, 169 

Asozialer Charakter 8. trieb- 
hafter Charakter, Verwahr- 
losung 

Aufwandsersparnis 123 

Außenwelt, Auseinandersetzung 
mit der, im Charakter 174 ff; 
Entdeckung der 73 f, s. a. 
Objektfindung; u. Ich 97, 
183, s. a. Ichfindung und 06- 
jektfindung 

„Ausweichen" £4 f, 26, 186 

Autoerotik 10, 53, 93, 153, 156 f; 
u. Narzißmus 153 

Automatisierung 99, 101 

Autonomes Über-Ich 186 1 

Autoplastik 176, 178 

Bally 104, 202 

Barfiißigkeit, Lust an 34 

Barkas, Mary 202 

Baudouin 201, 206 

Beauchamp 202 

Bedingter Reflex 30 

Beeinflussungsapparat 77 f, 83; 
-wahn 83 ff 

Befehlsautomatie 94 

Befriedigung 13; -sunfähigkeit 
46 ff, s. a. orgastische Impo- 
tenz; u. Abwehr im Charak- 
ter 140, 142ff; u. Erregung 
12, 47, 53 



Begabungshemmung 170, 173 
Begriffswelt 170 
Beißlust 37; -periode 120 
Berkeley Hill 205 
Bemächtigungstrieb 162 
Bernfeld 59, 94, 148, 167, 191, 

192, 194, 200, 202, 206, 207, 208 
Berufs-arbeit, Sexualisierung 

der 170 f; -neurosen 170 £ 
Beschäftigungsdelir 67 
Bescheidenheit 159 
Besetzung der Organe 70, 74 
Besitz, Verhalten zum 158 [163 
Bestattnngsgebräuche 130 
Bestechlichkeit des Ober-Ichs 

140, 192 
Bettnässen 189 

Bewegungstypen, archaische 94 
Beziehnngswahn 83 fl, 100, 186, 
Bibring 79, 88, 202 [187 

Bjerre 108, 202 
Binet 13 

Binswanger 69, 202 
Biologisehe Bisexualität 16, 17 f 
Bisexualität 16 ff, 22, 40, 42, 

82, 156, 166 
Bizarrerien, schizophrene 94, 99 
Bleuler 200, 202 
Bloch 11, 197 
Blüher 197 
Blutstolz 39 
Boehm 19, 197, 211 
Bonaparte Marie 131, 201, 206, 

211 
Bornstein Berta 149, 173, 208 
Bornstein Steff 113, 206 
Bornsztaijn 202 
Bousfield 197 

Brandstiften, triebhaftes 10, 55 f 
Brill 133, 198, 202, 205, 206, 208 
Bruch mit der Realität 67, 72, 

91 f, 95 
Bryan 198, 201 
Burrow 198, 208 
Buxbaum, Edith 208 
Bychowski 56, 200, 202, 205, 208 

Carp 198 

Chadwick Mary 67, 200 
Charakter 136 f, 164; Abwehr 
und Befriedigung im 140, 
142 fl; analer 114, 139, 160 ff, 
166 f; Angstabwehr im 152, 
170; asozialer s. triebhafter, 
Verwahrlosung usw.; epilep- 
tischer 161; ' genitaler 154, 
164; hysterischer 168 1; Kon- 
stanz des 138 f, 169; männ- 
licher und weiblicher 147 f; 
neurotischer (Alexander) 175 ff, 
184, 191, 194; neurotischer. 



213 



Indikation und Prognose bei 
177 f; normaler, Prägenitalität 
im 163 f; oraler 113, 127, 
155 ff, 167, 186; paranoider 
168; passiv-femininer 171; 
phallischer 162, 168 f ; reak- 
tiver 143, 163, 169 ff; reak- 
tiver, Indikation und Prognose 
bei 173; schizoider 167 f, 
187 f; triebhafter 191 ff; u. 
Außenwelt 174 ff; u. Es 137 ff; 
u. Identifizierung 144 ff; u. 
Kastrationskomplex 162 f, 

171; u. Ödipuskomplex 145 ff, 
158; n. Über-Ich 145 ff, 180 ff; 
urethraler 162; zykloider 167 

Charakter-analyse 170, 172 f, 
195 f; -ologie u. Psychoana- 
lyse 7, 136 ff, 195; -Störun- 
gen 135 ff, 166, 195 f; -Ver- 
änderungen bei Zwangsneu- 
rose 137 f, 141, 186 f; -wider- 
stand 138, 141, 170 f 195 f; 
-Züge, Schema der 152 

V. d. Chijs 202 

Chirurgie (als Triebsublimierung) 

Clark 202, 206, [150, 152 

Coriat 162, 202, 208 

Cunnilingus 36 



Dankbarkeit 159 
Dankopfer 159 
Darm-erkrankung 49 f, 113; 

-Sensationen, Projektion der 
Dauererregung 47 [79 

Deck-erinnerungen 14, 15, 29 f, 

31, 41; -erlebnishunger 30 
Defäkation 97 
Delirium 67 

Delir, zwangsneurotisches 101 
,, Dementia praecox" 94 (sonst 

s. Schizophrenie) 
Denken, schizophrenes 73 
Denk-funktion, Sexualisierung 

der 157 f; -Veränderungen 

der Zwangsneurose 166 
Depersonalisation 75 f, 89, 170 
Depression 62, 65, 110 ff, 160; 

menstruelle 129; neurotische 

129 ff; periodische 67 
Depressionsäquivalente 59, 167, 
Deri, Francis 35 [192 

Desexualisierung 145, 149, 151, 

153 f, 187 
Deutsch, Helene 49, 116, 120, 

168, 198, 200, 205, 206, 208 
Devine 202 
Dirnenphantasien 81 
Dissimulation 133 
Disposition 25, 108, 114; zur 

Homosexualität 25 
Don Juan 47 f, 53 
Dooley 133, 206 
Doppelgänger des Über-Ichs 148 
Dorian Gray 126 
Durcharbeiten 129, 178 
Dynamische Auffassung des 

Seelenlebens 140 
Dystonus 99 



Echolalie 94 

Echopraxie 94 

Echtheit von Charakterzügen 
142 f, 169 

Ehrgeiz 162 

Ejaculatio praecox 46 f, 48 

Ejakulation = Kastration (sym- 
bolische Gleichung) 51 



Eifersucht 82 f, 117, 161, 168, 
179, 188 

Eifersuchtswahn 82 f, 188; 
weiblicher 88 

Eigensinn 155 f 

Einfühlung 20 f, 27 f, 40, 70, 
82, 97, 116 f 

„Eingegebene Gedanken" 94 

Einkoten 35, 93, 158 

Einverleibung 48 ff, 57 f, 65, 
79 ff, 93, 97, 113 f, 116, 120, 
130, 146 ff, 178 

„Einvernehmen, gutes" 117, 
184, 186 

Einziehung der Objektbesetzun- 
gen 70, 74, 76, 88 f, 98; des 
Ober-Ichs 123, 128 

Einziges Kind 165 

Eisler 161, 206, 207, 208 

Eitelkeit, weibliche 34 

Ekel 139, 150, 156 

Embryonalzeit 94 

Empfindlichkeit 175 

Endlust 10, 12, 46 f 

Endogene Depression 107 ff 

Endtz 202 

Endzustände der Sucht 63, 65 

Entfallen eines Namens 75 

Entfremdung 74 ff, 98 

Entlarvende Psychologie 142, 

Entmutigung 162 [169 

Entspannung und Spannung 47, 
52, 60, 63, 123, 128 

Enttäuschung 14, 18 ff, 26, 94 

Entwicklungsstörung 12 fl; u. 
Regression 12, 52 f, 166, 186; 
Zeitpunkt einer 165 

Entziehungskur 67 

Enuresis 189 

Epidermale Introjektion 80, 116 

Epileptischer Charakter 161 

Erfinderwahn 78 

Erfindungen, technisohe als 
Sublimierungen 150 

Ergänzungsreihe 13, 95, 108 

Erinnern u. Agieren 175 ff 

Erinnerungsspuren, narzißtische 
94, 98 f 

Erogeneität, konstitutionelle Er- 
höhung 42, 114, 121 

Erogener Masochismus 37, 55; 
Zonen 13, 42 

Erotische u. narzißtische Be- 
friedigung 64, 127, 179, 185 ff 

Erotomanie 81 { 

Erregung und Befriedigung 12, 
47, 53 

Erröten 100, 187 

Ersatzbetriedigung, neurotische 
149, 152 

Ersatz oder Gegenmaßnahme 
144 ff, 15H 

Erythrophobie 100, 187 

Erziehung 145 f 

Erziehungsinkonsequenzen 174, 
187 f 

Es, Auseinandersetzungen mit 
dem, im Charakter 137 ff 

Eßhemmungen 80, 93, 161 

Examensangst 189 

Exhibition 33 ff, 59, 139, 189; 
und Masochismus 39; weib- 
liche 34 f 

Exhibitionsstrafe 189 

Exkretion, narzißtische Über- 
schätzung der 123 

Exkretionslust 114, 119, 145, 157 f 

Expansionskraft des Trieb- 
lebens 177 

Extraterritorialität des Ver- 
drängten 142 



Familienroman 34 

Faszination 94 

Federn 36, 75, 133, 198, 202, 
206, 208 

Fehlidentiflzierung, geschlecht- 
liche 20 ff, 26 ff, 87, 174, s. 
a. Femtnität des Mannes und 
Maskulinität der Frau 

Feigenbaum 133, 202, 205, 206, 

Feldmann 94, 202 [208 

Fellatio 36, 49 

Feminin-er Masochismus 37; 
-ität des Mannes 20 ff, 33, 
37 f, 81, 87, 116, 171, 188 f; 
-ität und Infantilität 37 f 

Fenichel 17, 23, 27, 30, 32, 42, 
49, 75, 76, 99, 115, 116, 131, 

144, 145, 146, 148, 160, 164, 
189, 198, 200, 202, 206, 208, 211 

Ferenozi 21, 56, 72, 77, 94, 99, 

145, 155, 157, 163, 168, 169, 
170, 172, 198,200,202,208,211 

Fest 64, 123, 141 

Fetisch als Penissymbol 32; 

subjektiver 32, 55 
Fetischismus 30 fl; weiblicher 32 
Feueranattnden s. Brandstiften 
ringerknacken 10 
Fixierendes Erleben 13 f 
Fixierung 13 f, 21, 34, 35, 59, 

95, 111; anale 21 f, 25; 
narzißtische 95; orale 36, 49 f, 

57, 62, 64 f, 114, 121, 124, 127, 
129 ff, 160, 178 f, 185 ff; prä- 
genitale 41 f, 48 f, 64, 78, 98; 

114, 121 
Fixierungspunkte, sekundäre 90, 
Flucht in die Realität 172 [96 
,, Flüchtig hingemachte Männer" 
Flügel 208 [89 
Forcierte Phantasien 170 
Freigebigkeit 162 

Freud, Anna 181, 193, 208 

Freud, Sigmund 10, 11, 14, 15, 

16, 17, 18, 19, 22, 23, 24, 25, 

26, 27, 30, 31, 32, 33, 36, 37, 

88, 39, 40, 42, 43, 44, 46, 55, 

58, 61, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 
76, 77, 78, 79, 81, 82, 84, 85, 
86, 87, 88, 89, 90, 9], 92, 93, 

96, 97, lOd, 101, 110, 112, 114, 

115, 118, 119, 120, 121, 122, 
123, 125, 126, 128, 129, 130, 
131, 182, 186, 187, 139, 141, 
142, 144, 145, 146, 147, 148, 
149, 150, 154, 155, 156, 157, 
164, 173, 174, 175, 176, 177, 
178, 179, 180, 184, 186, 187, 
188, 194, 195, 198, 200, 202, 
203, 206, 208, 209 

Friedjung 198, 206, 209 
Frigidität 46; allgemeine 169 f 
Frink 205 
Fröhlichkeit 109 
Fromm 194, 209, 211 
Fuchs 205 

Funktion, Prinzip der mehr- 
fachen 137, 140, 194 
Furchtj soziale 181 
Fußfetischismus 31 



Garma 158 

Gebärden, Allmacht der 94 

Gebärphantasien 37 

Geben und Nehmen 159, 162 

Gebsattel 198 

Geburt von Geschwistern 26, 50 

Gedanken, Vorstufen der 73 

Gefühlsstßrungen 185 



214 



Gegenbesetzung 75 f, 91, ■ 110, 
137 f, 140, 142, 149, 154; dop- 
pelte s. Zweifrontenkampf 
des Ichs 
GegengeschlechtUche Übertra- 
gung 17 
Gegenmaßnahme oder Ersatz 

144 fl, 151 f 
Gegensatzpaare, Partialtriebe 

als 40 
Gegenteil, Verkehrung ins 150, 
Geiz 157 [152 

Geld 58, 114, 157 
Geliebtwerdens, Ziel des 127 f, 

178 f, 185 ff 
,, Geltungstrieb" 109 
,, Gemachte Gedanken" (Schizo- 
phrenie) 94 
Genital-ausschluß 28; -beschä- 
digungsangst 28; -e, weib- 
liches und Kastrationsangst 
19 f, 31; -er Charakter 154, 
164; -isierung 153; -ität 45 f, 
163 f ; -primat 12, 47, 63 ff, 
93, 95, 153, 160, 163 f, 178 
191, 194 f; -Symbolik 78 
Gesäßerotik 88 1 
Geschenk 157, 161, 163 
Geschlecht-liche Fehlidentifizie- 
rung s. Fehlidenüßsierung; 
-sdifferenzen, psychische 147 f ; 
-seinschränkung der Obiekt- 
wahl 17 
Geschwister, Geburt von 26, 
50; Haß gegen 50, 111, 165; 
-reihe, Platz in der 165 
Gesellschaftlicher intrapsychi- 
scher Faktor 180 
Gesellschaftsordnung und Neu- 
rose 146, 179 f, 193 
Geständniszwang 183 
Gewinn, sekundärer, s. Kfank- 

hmtsgewinn 
Gewissen 110, s. a. Über-Ich 
Gewissensangst 180 t 
Geziertheit, schizophrene 85 ( 
Giese 150, 209 
Gillespie 203 
Glover, Edward 160, 175, 203, 

206, 209 
Gloverj James 200, 206, 209 
Goetz, 11, 98 
Gott 76 

Grausamkeit 139, 141 
Grebelskaja, Seh 205 
„Grenzfälle" 100 
Größenwahn 77 f 
Groß 65, 200 
Grübelsucht 24, 166 
Grundregel und Charakter 136 
Güte 189 



Haarfetißchismus 32 
Halluzinationen 67, 83 f, 90, 

92, 100 
Halluzinatorische Verworrenheit 

72; WunschertUllung 72 
Hand, Sexualisierung der 153 
Happel Clara 10, 198, 200, 201 
Härnik 81, 34, 44, 198, 209 
Hartmann, Heinz 66, 200, 205 
Hartmann, Max 16, 198 
Haß; gegen Geschwister 50, 111, 
165; Projektion 78 ff, 111 ff; 
Überkorapensierung des 23 f, 
28, 154 f, 182; Umwandlung 
in Liebe 23 f, 28, 79, 154 f 
Hassall 203 
Hattingberg 55, 200 



Haun 209 
Hauterotik 39 f 
Hebephrenie 70, 80, 85, 98 
Hebephrenoid 100, 168 
Heiluugswunsch 43 f, 68, 143 
Heißhunger 93, 118, 130 
Heiterkeit 122 f 
Heldenverehrung 24, 154 
Hemraungsbeseitigung, toxische 

66 
Hemmungszustände 70, 98, 140, 

169, 173 
Heredität 107 f, 114 
Hermann 149, 153, 209 
Hermaphroditismus 25 
Herschmann 207 
Heteronomes Über-Ich 186 f, 189 
Hinsie 203 

Hitschmann 77, 162, 199, 203, 
Hochstapler 176 [205, 209 

Hoden 18 
Höflichkeit 182 
Hoffmann 174, 186, 188, 209 
Hollos 96, 203, 205 
Homosexualität 15 ff; Abwehr 
der 81 ff; Disposition zur 25; 
okkasionelle 18; Technik der 
Analyse bei 44; u. Alkohol 
66; u. Identifizierung 20 ff, 
26 ff; u. Narzißmus 24, 77; 
u. Ödipuskomplex 20 ff, 26 ff; 
u. Wahnbildung 76 fl; weib- 
liche 26 ff 
Homosexuelles Objekt 24 f 
V. d. Hoop 96, 203 
Hormone 13 
Horney, Karen 17, 163, 199, 

206, 209 
Hug-Hellmuth, Hermine 32, 165, 

199, 209 
Humor 181 
Hunger 93, 113, 130, 161; u. 

Sättigung 65, 124 f, 127 ff 
HypersexualitUt 46 ff, 176; In- 
dikation und Prognose bei 52 
Hypertonus 99 
Hypochondrie 70, 74 f, 80, 98, 

100, HO, 121 
Hypochondrisch besetztes Or- 
gan 81, 121; Wahn 121; 
Symptome der Schizophrenie 
Hyposexualität 45 f [74 f 

Hysterie 52, 182 
Hysterischer Charakter 168 f 

Ich 72, 74, 91 f, 106, 136 f ; Ab- 
hängigkeiten des 137; Defor- 
mierungen des 174; Errich- 
tung des 72 ff, 91 t, 106; in 
der Psychose 91 f; krankhaf- 
tes 135 ff; u. Außenwelt 97, 
174 ff, 183, 0. a. Ichfindung 
und Obje/ctßndung; u. Außen- 
welt im Charakter 174 ff; u. 
Es im Charakter 137 fl; u. 
Motilität 99, 189; u. Über-Ich 
109, 112, 115 ff, 122, 124 ff, 
1281, 181, 141, 147 ff, 177, 
179, 183 ff, 192; Zweifronten- 
kampf des 109 f, 166 

Ich-entwicklung u. Libidoent- 
wicklung 167; -flndung 74, 
91 f, 93 {, 97, 106, 153; -ge- 
rechtheit der Perversion 9f, 
41; -passage 79 f, 151; -Psy- 
chologie 137; -regression 73, 
78; -Veränderung 145, 149, 
174, s. auch Identifizierung 

Ideal-bildung 141, 148; -er- 
füllung 127, 140 f, 185 



Idealisierung 140 f, 143, 192 f 
Identifizierung 20 ff, 26 ff, 32 f, 
40, 50, 65, 87, 93, 115 fl, 129, 
144 ff, 178; bei Homosexuali- 
tät 20 ff, 26 f ; mit dem an- 
dern Geschlecht, s. Fehliden- 
tifizierung; mit Organen und 
Funktionen 153; narzißtische 
115 ff, 129 f, 145 f; u. Angst 
116, 152, 162; u. Charakter 
144 ff; u. Objektliebe 24, 82 f, 
50, 115, 116 f, 130 f, 145 f, 
178 £; u. Sublimierung 149 ff, 
173 f 
Identifizierungs-liebe, milde 23 f, 
28, 154 f, 178, 186; -Störun- 
gen 149, 173 f, 177, 191 ff 
Impotenz; orgastische 46 fl, 
63 fl; pharmakotoxische 63 fl; 
psychogene 42, 46, 185, 190 
Impulshandlungen 10, 54 fl, 

160 167 
Impulsives Irresein 10, 54 ff; 
Indikation u. Prognose bei 67 f 
Incontinentia alvi 35, 93, 158 
Incubus 28 

Indikation der Analyse bei; 
^Charakterstörungen (allge- 
mein) 195 f; HyperSexualität 
52; impulsivem Irresein 67 f; 
Infantilismus 58 f; manisch- 
depressiver Gruppe 132 f; 
neurotischem Charakter 177 t;, 
Perversionen 43 f ; Schizo- 
phrenie 101 ff; sozialer Angst 
190 f; Suchten 67 f; triebhaf- 
tem Charakter 193; Zwangs- 
charakter 167 
Individualpsyehologie 162, 179, 

Infantile Vorstufe der Melan- 
cholie 122 

Infantilismus, allgemeiner 63, 
70, 124, 135, 179; Indikation 
und Prognose bei 53 f; sexu- 
eller 12, 52 ff 

Infantilität und Femininität 37 t 

Infektionsangst 121 

Inkonsequente Erziehung 174, 
187 £ 

Innere Sekretion 13, 45, 48; 
Wahrnehmung 76, 84, 170, s. 
a. TiefensensibilUät 

Intellekt, Überbetonung des 170; 
-Widerstand, analytische 

Technik bei 170 

Intervalle, freie (manisch-de- 
pressive Gruppe) 132 f 

Introjektion 49 f, 80 f, 97, 112 f, 
116, 120 ff, 130, 145 f, 181, s. 
a. Einverleibung; doppelte 
120 f, 125 f 

Introjiziertes Objekt 65 84, 121 

Introversion 89, 99, 168 

Inversion s. Homosexualität 

Inzest, realer 28, 93, 96 

Isham 203 

Isolierung 142, 170; des Ober- 
Ichs 192 

Itten 203 



Jacobssohn, Edith 140 141, 198, 
Jekels 151, 209 [209 

Jelgersma 96, 203 
Jones 17, 83, 156, 162, 170, 

199, 203, 209 
Juliusburger 66, 200 
Jung 71, 90, 93, 203 



215 



Kalischer 201, 203, 211 

KaimibalismuB 80, 113 

Karpman 199, 209 

Kastration, Leugnung der 33 ff, 
41 f; -angst (Kastrationskom- 
plex) 19 f, 22, 25, 29, 34, 38, 
53, 64, 162 f, 171, 180 f, 185 f; 
-angst und Kastrationswunscli 
38; -angst und weibliches 
Genitale 19 f, 31; -ersatzbil- 
dung 38; -Impulse, zwang- 
hafte 31; -komplex, weiblicher 
27, 29, 34, 39, 162 f, 8. a. 
Penisneid; -komplex und 
Charakter 162 f, 171; -kom- 
plex und Perversion 29 1, 

„Kataklonie" 99 [31 ff, 41 f 

Katatonie 94, 98 f 

Kater und Rausch 65, 129, 167 

Kehrseite der Gegenstände 159 

Kempf 205 

Kielholz 78, 121, 200, 203, 206, 

Kinderspiele 9 [209 

Kindheitsamnesie 15 

Kindlifresser 50 

Kind = Penis (symbolische Glei- 
chung) 50, 57 

Kindwunsch 49 

Kleid als Penissymbol 33 

Klein Melanie 49, 57, 145, 201, 
^ 203, 209, 210 

Kleptomanie 10, 57 t 

Klitoriserotik 42, 49 

Klosettlektüre 159 

Knabenliebe 21, 25 

Körper-entfremdung s. Entfrem- 
dung; -findung s. Ichfindung; 
-loh 75; -inneres 49, 57; 
-libido 8. Organlibido; -Schema 
70, 74 f 

Körper Verhältnis zum eigenen 
74, 77 f, 153; Wahrnehmung 
des eigenen 74 

Kogan 93, 203 

Koitus-belauschung s. Vrszene; 
-wuESChdelir 67 

Kokain 66 

Konstanz des Charakters 138 f, 
169 

Konstitution 12 f, 17 f, 42, 44, 
95, 108 f, 114, 121, 177, 190 f 

Konversionsneurosen prägenitale 

Koprophagie 93 [110 

Koprophilie 35, 56, 93 

Korrektheit 156 

Korsett 50 

Kot = Geschenk = Geld (sym- 
bolische Gleichung) 157 

Kot — Penis (symbol. Gleichung) 
35, 49 f, 57, 157 

Kotschmieren 93 

Kräfteparallelogramm 149 

Krampf, hysterischer 99 

Kränkung, narzißtische 122, 124, 
127 

Krankheits-anlaß 14, 94 f, 108, 
111, 114 f, 122; -einsieht 143, 
167, 173, 193, 195; -gewinn, 
sekundärer 25, 43, 138, 149, 
167; -stolz 39 

Kraus 174, 210 

Krebsangst 121 

Kretschmer 100, 133 

Kriminalität 193 f 

Kümmerformen, sexuelle 11 

Kunstler 183 f 

Küssen, Lust am 161 

Lächeln der Schizophrenen 99 
Laforgue 55, 201, 203, 210 



Lampenfieber 184 

Lampl 211 

Lampl-de Groot 17, 199 

Landauer 93, 101, 167, 203, 207, 

Langer 16, 199 [210, 211 

Latente Perversion 11, 13, 18 

Latenzzeit 148, 163 

Launen 108 f 

Lazell 204 

Lebenswille 118 

Leerheitsgefühl 89 

Lese-hemmung 161; -leidenschaft 
161 

Leugnung der Kastration 33 f, 
41 f; der Realitäi; 31, 38 ff, 
41 f, 72, 78, 91 

L6vy-Bruhl 73, 204 

Lewin 116, 166, 207, 210 

Libido-entwicklung, Tabelle der 
120; -entwicklung u. Ichent- 
wicklung 167; -entzug 75 f; 
-Stauung 46, 52, 60, 75, 98 t; 
theorie 71 

Lichtenstern 18, 199 

Liebe, Heilung durch 96; u. Haß 
23 f, 28, 48 ff, 79, 110 f, 127, 
154 f 

Liebes-bedingungen, subjektive 
32, 55; -enttäuschung 14, 18 ff, 
26, 84, 122; -Unfähigkeit 110 f; 
-Verlust 111, 114 f, 126 f; -ver- 
lustangst 50, 53, 125, 127 1, 
179 f, 185 ff; -zwang 84 

Liebhabereien 59 

Logik 73 

Lorand 57, 143, 200, 201, 210 

Lotteriespiel 58 f 

Lügenhaftigkeit 168 f 

Lust-Ich, purifiziertes 97 

Lustprinzip 9, 155, 175 

Lutschen 54, 113 



MachtwiUe 159 

Mack-Brunswick, Ruth 88, 103, 

Maeder 204, 207 [204 

Mäuse, halluzinierte 67 

Magendarmneurosen 49 f, 113 

Magie 54, 73, 77 f, 94 

Magisch - animistisches Weltbild 
73, 77 f, 94 

Manie 65, 122 ff, 140, s. a. 
Manisch - depressive Gruppe; 
künstliche 65; periodische 123; 
u. Melancholie 123 

Manisch - depressive Gruppe 

107 ff; Indikation und Pro- 
gnose bei 132 f ; somatische 
Aetiologie 107 ff; Technik der 
Analyse bei 132 1; Übertra- 
gung bei 132 f; 

Manualer Sadismus 37 

Marcinowski 210 

Maskulinität der Frau 28, 35, 
50, 116 f, 163, 8. a. Penis- 
neid 

Masochismus 37 ff, 48, 112, 184; 
moralischer 40, 59, 176 f, 
184, 188 f; u. Analerotik 39 f; 
u. Exhibition 39; weiblicher 

Masse 154 f |38 f 

Masturbation s. Onanie 

Mehrfache Funktion, Prinzip 
der 137, 140, 194 

Melancholie 110 ff, s. a. Manisch- 
depressive Gruppe; u. Manie 
123; periO'disohe 126 

Mendelsche Vererbungslehre 

Meng 165, 210 [164 

Menstruation 129 

Menstruelle Depressionen 129 



Meynert 72 

Mienenspiel, katatones 99 

Milch, Symbole der 57, 124, 128 

Milieuwechsel und Verwahr- 
losung 174, 191 

Minderwertigkeitsgefühl 131 

Mißtrauen 178, 193 

Mitleid 150 f 

Mitteilungsbedürfnis, übertrie- 
benes 184 

Moral 181, 187 

Moral-Insanity 135 

Moralischer Masochismus 40, 
59, 176 f, 184, 188 f 

Mordimpulse 50, 54, 118 

Morgenstern 162 

Morphium 62 ff 

Motorik und Ich 99, 139 

Müller Josine 173, 210 

MüUer-Braunschweig, Carl 153, 

Müllerscher Gang 16 [210 

Muskel-erotik 87, 89 f, 98 f; 
-repräsentanz 98; -spiele 10 

Mut 162 

Mutterleifosphantasie 50 

Nachmansohn 200 

Nahrungsverweigerung 93, 113, 
130 

Narzißmus 20 f, 24 t, 27 f, 33, 
47 ff, 53, 64, 70, 72, 74 ff, 
77 ff, 86 f, 88 ff, 93, 114, 121, 
178 t, 185 ff; der kleinen 
Unterschiede 154; primärer 
und sekundärer 77; u. Auto- 
erotik 153 

Narzißtische Bedürftigkeit 127, 
131, 140 f, 159, 178 f, 185 ff, 
190; Kränkung 122, 124, 127; 
Neurosen 8, 101 f; Objektwahl 
20 f, 27 f, 116, 121, 127, 178 f ; 
u. erotische IBefriedigung 64, 
127, 179, 185 ff; n. objekt- 
libidinöser Typus 134 

Negativ der Perversion 14 

Negativismus 94 

Nehmen und Geben 159, 162 

Neid 23 f, 154, 161 

Nelken 204, 205 

Neugier 120, 16H 

Neurasthenie 46, 52, 98, 166 

Neurasthenische Arbeitsstörung 
171 

Neurose u. Perversion 14 f, 
40 ff; u. Psychose 91 1, 94 f, 
101 

Neurotische Depression 129 ff; 
Charakter (Alexander) 175 ff, 
184, 191, 194 

Neurotischer Charakter, In- 
dikation u. Prognose bei 177 f 

Nunberg 75, 79, 80, 98, 204, 

Nymphomanie 48 fl, 58, 160 [205 

Oberndorf 201 

(.tbjekt, homosexuelles 24 f; in- 
trojiziertes 65, 84; u. Organ 
33, 70, 79 ff, 110, 116, 121; 
u. Trieb 17 

Objekt-ausstoßung 97, 123; -be- 
setzungen, Einziehung der 70, 
74, 76, 88 f, 98; -beziehungen, 
primitive 53, 124, 178 t, 185 ff; 
-einverleihung s. Einverlei- 
bung; -flndung 73 1, 91 f, 
93 f, 97; -homoerotik 22 1; 
-libidinöser und narzißtischer 
Typ 134; -liebe, postambiva- 
lente 154, 164; -liebe u. Iden- 
tifizierung 24, 32 f, 50, 115, 



2l6 



lief, 130 f, 145 f, 178 f; -re- 
präsentan^ 70, 74; -strebungen 
der Schizophrenen 89 f, 93; 
-verhalten u. Über-Icä 151, 
176 f, 182 n, 186; -verluat 20, 
49, 63, 66 f, 70, 76, 84 f, 88, 90, 
92 t, 96, 98, 102, 116, 188, 
190; -wähl 17, 164; -wähl, 
Geschlechtseinschränkung der 
17; -wähl, narzißtische 20 f, 
27 f, 116, 121, 127, 1781 
Odier 210 

Ödipuskomplex 20 ff, 26 ff, 31, 
47 f, 50, 64, 93, 95, 145, 189; 
negativer (verkehrter) 22 f, 
59, 76; prägenital fundierter 
47 ff, 57 f, 95, 98, 190; und 
Charakter 145 ff, 153; und 
Penisneid 163; u. Perversion 
29 f, 31 ff, 41 f 
Ökonomik der Perversion 29 f; 

der Projektion 97 
Ökonomisch; Gesichtspunkt 29 f, 
97, 140; Verarmung (an Li- 
bido) 143, 169 
Ohrringfetischismus 32 
Okkasionelle Homosexualität 18 
Onanie 51 f, 58, 64 f; und 

Angst 51 
Onanie-abwehr 51, 58, 64 f; 
-arten, entstellte (Zerrformen 
der Onanie) 51 f ; -phantasie 
35, 50, 58; -sucht 52 
Ophuijsen 37, 79, 199, 204 
Oppenheim 204 
Optimismus 160 

Oral, Angst 161; Fixierung 
(orale Regression) 36, 49 f, 57, 
62, 64 f, 114, 121, 124, 127, 
129 ff, 160, 178 f, 185 ft; In- 
trojektion 49 t, 80, 97, 118, 
116, 130, 8. a. Introjehtion; 
Organisationsstufe der Libido 
95, 112, 119; Per Versionen 36; 
-er Charakter 113, 127, 160 S, 
167, 186; -er Sadismus 37, 
49 f, 641, 95, 112, 115 ff, 
119 f, 125, 128, 160 f, 179, 
186 
Oralerotik 49 f, 54, 64 f, 113 ff, 

139, ,147 f, 160 ff 
Ordnungsliebe 155 f 
Organ; hypochondriseh besetztes 
81; u. Objekt 33, 70, 79 ff, 
110, 116, 121; u. Über-Ich 
81, 110 
Organ-besetzung 70, 74, 163; 
-entfremdung 74 ff, 98; -isa- 
tionsstufen der Libido 163 f; 
-libido 94, 98 f ; -neurosen 54, 
70, 80, 110; -Projektion 78 ff; 
-repräsentanz 70, 74, 78 
Orgasmus 10, 41 f, 46 ff; alimen- 
tärer 64 f, 128; -fähigkeit 41, 
46 f, 56; mißlungener 47 ff, 
52; pharmakotoiischer 68 ff, 
127 
Orgastische Impotenz 46 ff, 63 ff 

Pädagogische Vorbereitung der 

Analyse 193 
Päderastie 21, 25 
Pädophilie 21 

Panzer, Charakter als 172 f 
Paranoia 82, 86, 97 f, 102, 114, 

187 f; abortive 100 
Paranoid 76 ff, 93, 96 f, 187 
Paranoider Charakter 168 
Parasitäres Über-Ich 148 
Pars pro toto 32 



Partialeinverleibung 49 f, 57 f. 

80, 118, 120 
Paitialtrieb 12 f, 15; Hyper- 
trophie eines 12, 34, 36, 41 f 
Partialverdräugung 15, 32 
Passiv-femininer Charakter 171 
Pathoneurosen 97 
Payne, Sylvia 204 
Peck 200 
Pedanterie 156 
Pelzfetischismus 32 
Penis = Kot (symbol. Gleichung) 

50, 57 
Penis = Kind (symbol. Glei- 
chung) 35, 49 f, 57, 157 
Penis-losigkeit der Frau 19, 22, 
25, 29, 31, 33 ff, 91, 189; 
-neid 27, 29, 33, 49, 57 f, 
162 f; -neid u. Ödipuskomplex 
163; -Symbol, Fetisch als 32 
Periodizität 107, 128, 128 f 
Persönlichkeit, Zerfall der 63 ff. 

72 f, 78, 98 
Perversion-en 8 ff; als Ent- 
wicklungsstSrung 12 ff; In- 
dikation und Prognose bei 
43 f; latente 11, 13, 
18; sexueller Charakter der 
10 f; Negativ der 14; ödipus- 
und Kastrationskomplex bei 
der 29 f, 31 ff, 41 f; Ökonomik 
der 29 f; und Neurose 14 f, 
40 ff; und Verdrängung 15, 
29 f, 31 f, 41 f; und Zwangs- 
neurose 8 ff, 42 f, 54 ff 
Perversionsverwandte Neurosen 
Pessimismus 160 [45 ff 

Petersen 210 
Pfeifer 9, 47, 199, 201 
Pfister 201, 210 

Phallisch; Mutter 32 f; Organi- 
sationsstufe 93; Charakter 162, 
Phantasien, forcierte 170 [168 f 
Phantasie u. Realhandlung 66, 

60 f; u. Wahn 100 f 
Pharmakologie 62 f, 66 
Pharmakopeychoanalyse 66 
Pharmakotoxisch. Impotenz 63 f; 

Orgasmus 63 ff, 127 
Phobie 137 f, 170 
Phobischer Vorbau 142 
,,Physiognomist" (Verfolgungs- 
wahn) 83 
Platzangst s. Agoraphobie 
PoUak 204 
Pollutionsträume 48 
Polygamie, zwanghafte 52 
Polymorph pervers 12, 53 
Postoperative Neurosen und 

Psychosen 72 
PotenzBtörungen s. Impotenz 
Präambivalenz 119 
Prägenital; Fixierung 41 f, 48 f, 
64, 78, 98, 114, 121; Kon- 
versionsneurosen 110; fun- 
dierter Ödipuskomplex 47 ff, 
57 f, 95, 98, 190 
Prägenitalität 41, 45, 47 ff, 114, 
139, 173; u. normaler Charak- 
ter 163 f 
Prälogik 73 

Prämorbide Persönlichkeit 63 f, 
Prahlsucht 175 [66 

Preyer 74, 204 
Priapismus 48 
Primärvorgang 85 f 
„Prinzipien" des Zwangs- 
neurotikers 9 
Prognose bei Charakterstörun- 
gen (allgemein) 195 f; Hyper- 



sexualität 54; impulsivem Irre- 
sein 67 f; Infantilismus 63 f; 
manisch-depressiver Gruppe 
132 f; neurotischem Charakter 
177 f ; Perversionen 43 f; 
Schizophrenie 101 ff; sozialer 
Angst 190 f; Süchten 67 f; 
triebhaftem Charakter 193; 
Zwangscharakter 167 

Projektion 78 ff, 96 ff, 111, 120, 
181; des Über-Ichs 81, 83 ff, 
85 ff, 181 ff, 187 ff; u. Eifer- 
sucht 82 f 

Prozeßsucht 87 

Prüfungsangst 189 

Prügellehrer 152 

Pseudo-debilität 53; -genitalität 
47 ff; -halluziuationen 109; 
-hermaphroditismus 18, 44; 
-hyperSexualität 46 ff, 176; 
-hypoSexualität 45 f; -logie 
168 f ; -nymphomanie 48 ff, 53, 
160; -Seelenleben 71 

Psychagogik 103 

Psychiatrie und Psychoanalyse 
7, 69 f, 105 

Psychologie, entlarvende 142 

Psychopathie 100, 135 

Psychose und Neurose 91 f, 
94 f, 101 

Psychotische Symptome, Sinn- 
haltigkeit der 71 f 

Pubertät 26, 94, 98 

Pyromanie 10, 65 f 



Quartalsäufer 67 

Quelle, erogene, Schmerz als 87 

Quellen des Masochismus 39 f; 

des Sadismus 36 f, 112 
Querulantenwahn 86 f 



Rache-einstellung 49, "57, 176; 
-typus des weiblichen Kastra- 
tionskomplexes 163 

Radö 51, 58, 62, 63, 64, 65, 
90, 110, 124, 126, 126, 128, 
137, 140, 146, 179, 201, 207, 210 

Rank 47, 183, 199, 201, 210 

Raptus 99, 102 

Rationalisierung 78, 97 

Ratlosigkeit, schizophrene 76 

Raubphantasien 49 f 

Rauchen, Lust am 161 

Rausch 64 f, 127 f, 140; u. 
Kater 65, 129, 167 

Rauschmittellose Sucht 60 

Rauschmittelsuchl' s. Sucht 

Rauschwunsch 62 ff 

Read 199, 201, 211 

Reaktionsbildungen 137 ff, 142, 
162, 169 ff, 182; gegen Reak- 
tionsbildungen 140, 143; Subli- 
mierung durch 150, 162, 156; 
u. Sublimierung 150 ff 

Reaktiv; Depression 108 f; Cha- 
rakter 143, 163, 169 ff 

Realhahdlung und Phantasie 
56, 60 f 

Real-Ich 104 

Realität, Brach mit der 67, 72, 
91 f, 95; Flucht in die 172; 
Leugnung der 31, 33 ff, 41 f, 
72, 78, 91 

Realitäts-ersatz 92; -prinzip 
141, 150, 165, 181, 191; -prü- 
fung 72, 78 f, 91, 95, 100, 
140; -Verlust s. Objektverlusi 

Rede-drang i61, 184; -fanktion 
s. SprachlunJction 



21/ 



Regression 14, 21, 28, 38, 36, 
57, 63, 70, 72 ff, 91 f; als Ab- 
wehrart 144j in die Kinder- 
zeit 33; u. Entwicklungs- 
Btöning 12, B2f, 166, 186; 
zur anal-sadistisclien Stufe 
21 f, 35, 156; zur Identifizie- 
rung 20 ff, 115 ff, 129 f; zum 
Narzißmus 33, 70, 72 ff, 88 ü, 
95, 99, 102, 110, 114, 117; zur 
Oralität 57, 114, 116 f, 130 f 

Reich 45, 46, 47, 48, 61, 138, 
141, 145, 147, 153, 164, 166, 
166, 169, 170, 171, 172, 173, 
174, 176, 180, 191, 192, 193, 
195 201 210 

Reilc hl, 75', 183, 184, 201, 204, 210 

Reinliohlieitserziehung 145 f, 
155 ff 

Reizsohutz 59, 61 ff, 66, 68, 97 

Relative Sexualität 16 

Respiratorische Introiektion 80, 
116 

Restitutionsversuche bei Melan- 
cholie 126; Schizophrenie 
84 ff, 90, 92 f, 96, 98 

Reteutionslust 114, 119, 157 ff, 

Reue 9 [162 

Rhythmische Zwangsspiele 10 

Ricitman 59, 66, 201, 204, 207 

RiggaU 201 

Riviere, Joan 163, 210 

Roboter (zwanghafter Arbeits- 
drang) 172 

Roheim 80, 130, 204, 207 

Rorschach 210 

RUclcprojektion s. Projektion 

Saaler 201 

Sachs 15, 30, 41, 79, 147, 148, 
183, 199, 204, 210 

Sachvorstellung u. Wortvorstel- 
lung 85 

Sadger 19, 33, 36, 76, 156, 165, 
168, 199, 200, 201, 204, 207, 210 

Sadismus 10, 36 f, 48 ff, 56 ff, 
64, 112, 115 ff, 119 f, 125, 
150 f; analer 87; des Über- 
Ichs 115 ff, 125 ff, 188 f; lar- 
vierter 112 115, 140, 171; 
manualer 87; oraler 37, 49 f, 
64 f, 95, 112, 115 ff, 119 f, 
125, 128, 160 f, 179, 186 

SadistisClie Sexualauffassung 98 

„Sadomachosismus" 40, 189 

Sättigung u. Hunger 65, 124 f, 
127 fl 

Säuglingszeit 64 f, 72, 74, 93, 
95, 114, 124 f, 127 ff 

Sauge-Iust 37, 120, 161, 163; 
-Periode 120 

Saussure 205 

Sauvage-Nolting 88, 204 

Scham 84, 139, 150 

Schaudinn 16, 199 

Schauen = Fressen (symbolische 
Gleichung) 16H 

Schau-hemmungen 170; -trieb 
31, 33, 35, 170 

Schaxel, Hedwig 210 

Scheler 74 

„Schicksal" 58 f, 87, 118, 176 f, 
186, 189 

Schilder 62, 66, 73, 74, 75, 76, 
81, 83, 84, 100, 200, 201, 
204, 207 

Schizoid 100 f, 133 t, 167 f, 187 f 

Schizophrenie 69 ff; Indikation 
und Prognose bei 96, 101 ff; 
mitis 100, 103, 168; Objelct- 



strebungen bei 89 f, 93; so- 
matische Ätiologie 71, 100; 
Technik der Analyse bei 
102 ff; Übertragung bei 89 f, 
93, 102 ff ' 

Schizophrenieanalyse, wissen- 
schaftliche Bedeutung der 106 

Schlafzustand 123, 128 

Sehlagephantasien 36 f, 39 f, 
151, 177, 188 f 

Schmerz 62; als erogene Quelle 

Schmidt, Wera 162, 211 [37 

Schmideberg, Melitta 201 

Sohmierlust 157 i 

Schneider 211 

Schreber (Patient) 74, 76, 78, 88 

Schreib-funktion, Sexualisierung 
der 158; -hemmung 153 

Schroeder 211 

Schübe, manisch-depressive 107; 
schizophrene 93, 105 

Schüchternheit 162 

SchuhfetisohismuB 32 

Schuldgefühl 37 f, 50, 86 f, 109, 
127, 188 fl, s. a. Über-Ich 

Schultz-Hencke 95, 204 

Schwacher Vater 25, 188 

Schweigsamkeit 161 

Schwester, Liebe zur 20 ff, 28 

Sekundärer Krankheitsgewinn s. 
Krankheitsgewinn 

Selbst-beherrschung 159; -beob- 
achtung 75; -bestrafung 48, 
59 f, 64, 145 f, s. a. Straf- 
bedürfnis; -gefühl 48, 58, 64, 
70, 86, 109, 118, 128 f, 126 t, 
181 f, 140, 145 ff, 178 f, 184 ff, 
192; -gefühlflxierung 127; -ge- 
fühlregulierung, äußere 53, 
124, 127 f, 178 f, 185 ff, 190; 
-gefühlregulierungen, soziale 
183 ff; -kritik, übersteigerte 
158, s. a. Selbstvorwürfe; 
-mord 51, 117, 118, 125, 128, 
183, 198; -vorwürfe 83, 112, 
115, 120, 124 f; -vorwürfe als 
Vorwürfe 115, 120; -Zufrie- 
denheit 140 

Sexualisierung; sekundäre 9, 
47, 55, 59, 61 fl, 65, 76; ein- 
zelner Funktionen s. unter 
den betreffenden Wörtern 

Sexualität, infantile 10 il; rela- 
tive 16 

Sexua; -Störungen, neurotische 
45 fl; -Überschätzung 77, 112 

Sherman 199 

Shookley 204 

Siebung der Triebe 138 f, 141 

Silverberg 199 

Simmel 58, 62, 64, 65, 67, 79, 

108, 104, 201, 204 
Sinnhaltigkeit psychotischer 

Symptome 71 f 
Slotopolsky 18, 199 

Somatische Ätiologie der Psy- 
chosen 71, 100, 107 ff 

Sonderlinge 59, 140 
Sonntagsneurosen 172 
Sozial; Ätiologie 191 f, 193, 
194; Angst 85, 100, 127, 166, 
174, 180 fl; Angst, Indikation 
und Prognose bei 190 f; 
Furcht 181; Gefühle 23, 76, 
84 f, 154 f, 178, 186, 190; 
Gefühle, Sexualisierung der 
76 fl, 84 f; Ort 59, 174, 191 f, 
194; Selbstgefühlregulierungen 
183 fl 
Sozietät und Ober-Ich 179 f 
Soziologie 180, 190 



Spaltung von Aflekt und Vor- 
stellungsinhalt 99 

Spannung u. Entspannung 47, 
52, 60, 63, 123, 128 

Spaunungs-intoleranz 185; -lust- 
47; 8. a. Vorlust. 

Sparsamkeit 155 

Speisezeremoniells 113 

Sphinkterenfunktion 47, 159, 163 

Sphinktermoral 145 

Spiel 9 

Spielrein, Sabine 35, 199, 205, 

Spieltrieb 58 f [211 

Spontaneität der Stimmungs- 
schwankungen 107 fl 

Sprache, schizophrene 85 f 

Spraohfunktion, Sexualisierung 
der 85 t, 157 f, 161 

Spucken 97 

Stäroke 69, 79, 204 

Starre, katatone 99 

Staub 194, 207, 211 

Stehlen, triebhaftes, s. Klepto- 

Steinach ,18, 199 Imanle 

Stekel 199, ^01, 211 

Sterba, Editha 199 

Sterba, Richard 82, 152, 204, 211 

Stereotypien 90, 94, 99, 101 

Stern 211 

Stieve 18, 199 

Stimmen (Halluzinationen) 83 1 

Stimmungsschwankungen 109, 

Stocken 205 [129 

Stolz 162 

Stottern 161 

Strachey 161, 211 

StrafbedUrfnis 59 f, 176 f, 184 

Strafe 38, II8, 128, 184; Sexu- 
alisierung der 38, 40, 177, 
184 f, 187 fl 

Streitsucht 175 

Strub 211 

Struwelpeter 55 

Stuhlinkontinenz 35, 93, 158 

Stupor 89 f, 102 

Subjekthomoerotik 21, 28 

Subjektiver Fetisch 32, 55 

Sublimierung 148 ff, 152, 157 fl; 
durch Eeaktionsbildung 150, 
152, 156; u. Identifizierung 
149 ff, 173 f; u. Reaktions- 
bildung 150 fl; u. Verdrän- 
gung 149, 173 f 

Sublimiemngsfähigkeit, Störun- 
gen der 149, 173 f 

Sucht 63 fl; Indikation u. Pro- 
gnose bei 67 f; rauschmittel- 
lose 60 

Sugär 199, 204, 205 

Suggestibilität 168 

Suizid B. Selbstmord 

Symbolik 78 

Systembildung, Neigung zur 86 



Tamm, Alfhild 57, 201 

Tastsinn 74 

Tat und Sühne 125 

Tausk 67, 74, 76, 77, 83, 93, 
94, 201, 205 

Technik, psychoanalytische; bei 
Angsthysterie 44; Homosexu- 
alität 44; Intellektwiderstand 
170; manisch - depressiver 

Gruppe 132 f; Schizophrenie 

Terry, Ella 201 [102 ff 

Theatralik, hysterische 168 

Theoretiker 170 

Tic, psychogener 70, 94, 98 f 

Tiefensensibilität 74 

Tod eines Angehörigen 111 



2l8 



Todeswünsche 111 

Toldt 16, 199 

Totaleinverleibung 65, 80, 118 

Totemfest 123 

Totenmahlzeit 113, 130 

Transvestitismus 32 f, 37; weib- 
licher 33 

Trauer 109, 113, 117, 129 ff; 
pathologische 130 

Trauerarbeit 129 f 

Traurigkeit 109, 131, s. a. De- 
pression 

Traum 72, 76, 109 

Trauma 72, 95, 114 

Traumatische Neurose 118 

Traumgedanken, latente 85 

Trieb-durehbruch durch Ideali- 
sierung 140 f; -hafter Cha- 
rakter 61, 68, 191 ff; -hafter 
Charakter, Indikation und 
Prognose bei 193; -lehre 86; 
u. Objekt 17; -regulierung 
durch äußere Angst 180 ff; 
-stärke, scheinbare 46 ff; 
-ziel 9, 120 

Trinksitten 66 

Trotz 156, 175 
Trunksucht 66 fl 

Obergüte 140 

Über-Ich 59 ff, 65, 81, 84 ff, 
109, 115 ff, 145 ff, 159, 181 fl; 
Analyse des 191, Ansprüche, 
Verdrängung von 192; auto- 
nomes 186 f ; bei Mann und 
Frau 147 f ; Bestechlichkeit 
des 140, 192; Bildung 81, 
84 f, 121, 124 f, 141, 145 ff, 
180 t, 187, 192; Doppelgänger 
des 148; Dysfunktionen des 
61, 65, 84 ff, 174, 179 ff, 

186 ff, 191 fl; Einziehung des 
123, 128; Funktion, Sexuali- 
sierung der 38, 40, 65, 86 f, 
177, 184 f, 187 £t; hetero- 
nomes 186 f, 189; Introjek- 
tion ins 0. 120 f, 125 f; Iso- 
lierung des 192; „kriminelles" 
194; Mangel des 0. 191, 194; 
Projektion des 81, 83 ff, 181 ff, 

187 ff; Sadismus des 115 ff, 
125 ff, 183 f; Sphäre s. Vber- 
Ichfunktion; triebbejahendes 
141, 191 fl; u. Charakter 
145 ff, 180 ff; u. Ich 109, 112, 
115 ff, 122 f, 124 ff, 128 f, 
131, 141, 147 f, 177, 179, 183 f, 
192; u. Objektverhalten 151, 
176 f, 182 fl, 186; u. Organ 
81, 110; u. Sozietät 179 f; 
Vorstufen des 145 f; Zerfall 
des 65 

Überkompensation 23 f, 27 f, 39, 
81, 116, 162, 169 

Übertragung 175, 183; bei Ma- 
nisch-Depressiven 132 f; bei 
Schizophrenie 89 f, 93, 102 ff; 
gegengeschlechtliche 17 

Übertragungsaktionen 175 fl; 
-neurosen 101 f 

Unbegabtheit 170, 173 

Ungerechtigkeit 141 

Unmusikalische 18 

Unterschiede, Narzißmus der 
kleinen 154 

ünzweckmäßigkeit des Verhal- 
tens 135 



Urethralerotik 21, 56 f, 162; u. 

Charakter 162 
Urverstimmung 122 f, 132 
Urszene 85, 98 

Vagina dentata 19 ' 

Vaginalerotik 49, 163 

Vaginismus 46 

Varapyr 120, 161 

Vaterleibsphantasie 50 

Vegetariertum 143 

Verarmung, ökonomische (an 
Libido) 143, 169 

Verarmungsangst 112 

Verbrecher aus Schuldgefühl 
176, 184, 194 

Verdichtung 78 

Verdrängung 92, 129, 182, 142, 
144, 169; gelungene 144 ff; u. 
Per Version 15, 29 f, 31 f, 41 f; 
u. Sublimierung 149, 173 f; 
von Gefühlen und Empfin- 
dungen 75; von Über-Ich- 
ansprüchen 192 

Vererbungslehre 107 f, 114, 164 

Verfolgungswahn 78 ff, 91 

Ver^iftungswahn 121 

Verinnerlichung 146, 180 
Verkehrung ins Gegenteil 150, 

Vermissen einer Sensation 75 

Verneinung 31 

Versagung 13, 91, 94, 146, 165 

Verschiebung 108, 163 f; auf 
ein Kleinstes 54, 86; genito- 
fugale 84 

Verschrobene 100, 135 

Verschwendungssucht 157 

Versuchungssituation 9, 42, 
83 f, 91, 94, 103 

Verwahrlosung 174, 191 

Verwöhnung 87 

Verworrenheit, halluzinatorische 
72 

Verzeihung 53, 117, 124 f, 127 f, 
179, 183 fl 

Vowinckel, Eda 71, 205 

Vorlust 12, 47, 164 

Vorstellungsinhalt und Affekt 
99, 170 

Vorstellung u. Wahrnehmung 100 

Vorstufen der Gedanken 73; 
des Ober-Ichs 145 f; infan- 
tile der Melancholie 122 

Voyeur 35 

Wälder 104, 137, 205, 211 

Wäschefetischismus 32 

Wahnbildung 76 ff, 93, 98, 187; 
bei Frauen 87 f 

Wahn, hypochondrischer 121; 
u. Phantasie 11 f; u. Zwangs- 
vorstellung 101 

Wahrnehmungs-angst 92, 97, 
182; -ersatz 92 

Wahrnehmung u. Vorstellung 

Wandel der Neurosenbilder 135, 
Wandertrieb 59, 167 (187 

Wanke 205 
Weidner 204 
Weiß 121, 207 
Weltuntergangsphantasie 76, 

88, 92 
Wendung gegen das Ich 37, 

40, 48, 98, 112, 115 f, 119, 171 
Werk, Beziehung zum 158 



Wertfreiheit der Charakterologie 
136, 148 

Wertung, Verzicht auf eigene 

White 205 [186 f, 189 

Wholey 205 

Widerspruchsgeist 141 

Widerstand 138, 141, 170, 195 f; 
des Unbewußten 195 

Wiederaufbau der Realität 92 

Wiederholungszwang 175, 193, 
195 

Wiederkehr ans der Verdrän- 

^gung 51. 81, 92, 148, 149, 170 f 

Wilde, 0. 126 

Willensstörungen 135 

Winterstein 211 

Wißtrieb 161 f 

Witteis 168, 211 

Witz 188 

Wolffscher Gang 16 

Wolfsmann (Patient Freuds) 22 

Wörter; Allmacht der 94; 
schizophrene Behandlung 85 f 

Wortvorstellung und Sachvor- 
stellung 85 

Wortwelt 85, 170 

Würstchenessen (als Perver- 
sion) 58 

Wunscherfüllung, halluzinato- 
rische 72 

Wunscherfüllungstypus des 

weiblichen Kastrationskom- 

Wut 98 [piexes 163 

Wyrubow 207 

Zeichnerische Begabung 157 

Zeigelust s. Exhibition 

Zeit, neurotisches Verhalten zur 

156, 158 
Zeitpunkt einer Entwicklunga- 

störung 165 
Zeitungsvorleeen, zwanghaftes 
Zensur 138 f [183 

Zerfall der Persönlichkeit 63 ff, 
72 f, 78, 98; des Über-Ichs 65 
Zerrformen der Onanie 51 f 
Zerstörungswut 98 
Zielhemmung 146, 149 f 
Zilboorg 205 
Zopfabschneider 31 
ZuUiger 130, 207, 211 
Zwang, Erlebnis des 9 
Zwangscharakter 99, 114, 166 f, 
170; Indikation und Prognose 
bei 167 ^ 

Zwangsneurose 52, 54 f, 73, 
101, 109 f, 118, 121 f, 182 f, 
190; Charakterveränderungen 
bei 187 f, 141, 166 f; Delk- 
eigenheiten der 166; u. Per- 
version 8 ff, 42 f, 54 ff 
Zwangsneurotiker, „schizoide" 

101 
Zwangsneurotisches Delir 101 
Zwangs-onanie 43, 51 f, 60, 63; 
-perversion 43; -spiele 9 f; 
-Symptome, Sexualisierung 

von 9; -Vorstellung u. Wahn 
101; -zweifei 51, 166, 170 
Zweifelsucht 51, 166, 170 
Zweifrontenkampf des Ichs 

109 f, 166 
Zwerchfell 113, 121 
Zwischenzellen des Hodens 18 
Zykloid 133 f, 167, 190 
Zyklothymie 109, 111, 123, 129, 
167 



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